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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-10-21 · 42 (21.10.1910) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
42 (21.10.1910)
Date
1910-10-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 698 Dr. Blochs WoKeafchrfft. Nr. 43 Zum erstenmale trat in Odessa die Pest im Jahre 1812 auf. In wenigen Monaten waren ihr 2650 Menschen zum Opfer gefallen. Odessa hattz damals im ganzen ungefähr 13.000 Einwohner. Zur Bekämpfung der Pest wurde die gesamte Bevölkerung, ohne Unterschied der Nationalität, mobilisiert. An der Spitze der jüdischen Kampfabteilung stand der Parnes der Iudengemeinde, CH. Rubljew, ein energischer und für jene Zeit äußerst gebildeter Mann. Mit seltenem Mut suchte er die verpesteten Häuser auf, aus denen die Bewohner geflohen waren, überallhin Hilfe bringend und Mut einflößend. Er selbst brachte die Opfer, deren Angehörigen die Leichen ihrem Schicksal überließen,' zur ewigen Ruhe und sorgte für die Witwen und Waisen der Nsrstorbenen. Es war Kriegszeit und der Stadthauptmann von Odessa war Richelieu. Als die Pest unterdrückt war, berief der Stadthauptmann den jüdischen Vorsteher und bot ihm als Belohnung für seine aufopfernde Tätigkeit, die keine Rücksichten der Nationalität oder Konfession kannte, einen hohen Orden an, was Rubljew jedoch ablehnte, ebenso eine ihm angebotene große Geldsumme als Entschädigung für die materiellen Opfer, die er gebracht hatte. „Ich habe bloß meine Pflicht getan", sagte Rubljew, „und verdiene keine Belohnung". Rubljew, dem die jüdische Gemeinde in Odessa zahlreiche Anstalten zu verdanken hat, starb im Jahre 1827. Er ist auf dem jüdischen Friedhofe in Odessa begraben und sein noch heute erhaltener Grabstein trägt als Inschrift den Bibelvers: „Ziehe deine Schuhe von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliger Boden". Auch aus den Zeiten der späteren Epidemien hat die Geschichte eine Anzahl von Juden verzeichnet, die ihr Vermögen, oft auch ihr Leben opferten in der Rettung ihrer Mitmenschen. Das Manifest der jüdffchen Reservisten in Rumänien. Die jüdischen Reservisten in Rumänien, die ihren aktiven Militärdienst bereits absolviert haben und sich im Stande der Reserve befinden, haben ein Manifest veröffentlicht, in welchem sie gegen ihre politische Rechtlosigkeit Protest erheben. In diesem Manifest, das eine Anklage gegen die rumänischen Machthaber ist, heißt es u. a.: ^,Alle Anklagen gegen die Juden in der Gegenwart und in der Vergangenheit waren und sind von persönlichem Interesse diktiert: sie wurden diktiert von Böswilligkeit einerseits und von der Unkenntnis der wahren Verhältnisse andererseits und schließlich von der Sehnsucht mittelmäßiger Persönlichkeiten, mit Hilfe der Volksbetörung emporzukommen. Auch die Verkennung des wahren Nationalismus hat zu diesen Anklagen gegen die Juden getübrt. Das Land der Rumänen, ohne Unterschied der Konfession, hat manchen harten Kampf zu bestehen gehabt. Haben die Juden wahrend dieser Kämpfe weniger zu leiden gehabt, als die übrigen Bürger? Haben sie nicht dieselben Opfer gebracht wie die anderen? Haben sie nicht alle Forderungen, die an sie gestellt wurden, getreulich erfüllt? Haben die Juden im rumänisch-bulgarischen Kriege im Jahre 1877—76 nicht ihr Blut vergossen und auf diese Weise den Ruhm fund di: Unabhängigkeit Rumäniens gefördert? Kann jemand auch nur eine Pflicht namhaft machen, welche die Juden seit jener Zeit vernachlässigt haben? Wenn sogenannte Nationalisten zu Euch kommen und Euch sagen, daß die Juden in Rumänien eine nationale Gefahr bilden, so fraget sie offen: Wie und warum? Fraget sie, welche besondere Institution unseres Landes durch die Juden gefährdet erscheint? Mögen sie doch sagen, auf welche Weise die rumänische Nation durch die Anwesenheit der Juden leidet. Wir rumänischen Reservisten mosaischen Glaubens, die derselben Flagge Treue «geschworen haben, wie Ihr, wir» die wir jederzeit bereit find, unserem Lande kund «unserem Herrscher im Frieden und im Kriege zu dienen, fühlen es, daß wir das Recht besitzen, als die Kinder dieser Nation,, als wahre Rumänen angesehen zu werden, wie wir uns selbst als solche fühlen. Wir hoffen, der Tag wird kommen, da die wahren rumänischen Patrioten überzeugt sein werden, daß die rumänischen Juden nicht nur weit entfernt davon sind, eine nationale Gefahr zu bilden, sondern ein nationaler Gewinn seien, welche die Entwicklung und den Fortschritt dieses Landes fördern. Ehrung eines jüdischen Richters. Bekanntlich werden in Amerika auch die Richter selbst des obersten Gerichtshofes nicht ernannt, sondern, wie die übrigen Funktionäre der Ripnb.jk, vom Volke gewählt. Eine besondere Ehrung wurde nun dem Richter des Obersten Gerichtshofes in Newbourg bei Newyork, Moritz Hirschberg, zuteil, indem beide politische Parteien, sowohl die Republikaner wie auch die Demokraten, die Kandidatur Hirschbergs als Richter am obersten Gerichtshof beschlossen, so daß seine Wiederwahl gesichert erscheint. _ Vermischtes. Wie». Frau Emma Karpeles, XIX., Döbling, Reitlegasse 5, Witwe nach dem verewigten Präsidenten der Chewra-Kadischa Moriz Karpeles, eine Dame, die wegen ihres wohltätigen, humanen Wirkens in weiten Kreisen hoher Verehrung sich erfreut, feierte am 18. d. M. ihren 70. Geburtstag. Besichtigung des neuen Gebäudes der Wiener Urania. Am Sonntag den 23. Oktober d. I. um 10 Uhr vormittags besichtigt der Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien unter Führung seines Präsidenten Herrn Brod und unter fachmännischer Leitung das neue Gebäude der Wiener Urania I., Aspernplatz. Zusammenkunft V210 Uhr vormittags Cafe Edison I., Franz Josefs-Kai 13. Damen und geladene Gäste willkommen. Kinder ausgeschlosien. Die Vereinsleitung. Wien. (Trauung.) Sonntag, den 30. Oktober 1910 findet die Trauung des Herrn Primararztes Dr. Moriz I n f e l d mit Fräulein Clara Frey, Tochter der Frau Regine Frey, geb. Benedict, statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 16. d. Mfand im Tempel des XX. Bezirkes in der Kluckygasse die Trauung des Herrn Leopold Bauer, Beamter der Anglobank, mit Fräulein Elsa Körn er, Tochter des Cafstiers Herrn Ignatz und dessen Gattin Paula Körner, statt. Nach vollzogener Trauung waren das Brautpaar, sowohl wie auch die Brauteltern Gegenstand allgemeiner herzlicher Sympathiebeweise. X. Ch. Wien. Mittwoch den 26. d. I. (Simchas Thora) veranstaltet der „Jüd. Turnverein Favoriten" anläßlich seiner Gründung ein Tanz- Kränzchen in Hoffmanns „Rosensälen" X., Favoritenstraße 87. Da das Reinerträgnis dem Turnhallenfond zufließt, erwartet der Verein eine rege Beteiligung aller jüdischen Kreise Wiens. Karten ä Kr. 1.50 an der Kassa. Wien. („Hasomir" Verein zur Förderung jüdischer Literatur und Kunst.) Die nächste Gesangsprobe findet Donnerstag den 27. d. M. um ya8 Uhr abends im Cafe „Dohan" II.. Untere Augartenstraße 26, statt. Jene Damen und Herren, die der Gesangssektion beitreten wollen, werden zu dieser Probe höflichst eingeladen. Wien. (Lese- und Redehalle Jüdischer Hochschüler in Wien.) Die XXXIII. ordentliche Plenarversammlung der Lese- und Redehalle Jüd. Hochschüler in Wien findet am Samstag, den 23. Oktober, pünktlich y28 Uhr abends, im Saale des zionistischen Zentralvereines, IX., Türkenstraße 9 statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht des Ausschusses. 2. Erteilung des Absolutoriums. 3. Ernennung von Alten Herren. 4. Wahl des Ausschusses. 5. Wahl von zwei Kassarevisoren. 6. Nächstjähriges Aktionsprogramm. 7. Eventualia. Anträge und Kandidaturen sind 3 Tage zuvor dem Ausschüsse anzugeben.

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