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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-10-21 · 42 (21.10.1910) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
42 (21.10.1910)
Date
1910-10-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 42 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 695 sammenstellung der haggadischen Stellen des Talmud. (Uebersetzt ins Deutsche von August Wünsche.) Namen, Welche bei diesen portugiesischen Juden im Gebrauch waren, sind: Bonfil. Hacebua (Osseh Tow), Hora bua (Gute Stunde), Vnah, (Bona), Vuja, Judita, Venviuda (Rosanes, a. a. O. S. 225). Folgende Familiennamen haben sich bei den portugiesischen Juden der Türkei erhalten: Almeida (aus der Stadt Almeida): aus den Städten: Toros, Lisboa (Lissabon). Sagres, Faro. Beja, Viana, Lagos, Loule, Pinhel, Fereira. Es würde hier zu weit führen, auf die Bedeutung jener portugiesischen Marranen auch nur hinzuheulen, welche in der Geschichte des Judentums mit unvergänglichem Glanze leuchten. Es seien nur ihre Namen angesÄhrt. Da ist vor allem der Schwärmer Salomo Molcho zu nennen, der sich dem angeblichen Königssohne David Rubeni anschloß und schließlich in Mantua den Holzstoß besteigen mutzte. Don Joseph Nasi, Herzog von Naxos. also war der hochbegabte Staatsmann, unter den Sultanen Soliman und Selim II. (1566—1574) benannt. Portugiesischer Abkunft waren: Menasse ben Israel, Urirl Akosta, und der Weltweise Varuch Spinoza. Was sonst die Geschichte der Juden in Portugal anlangt, so wäre von ihr zu sagen, datz zwar im Jahre 1821 das Gesetz, welches die Bekenner des jüdischen Glaubens perjagte, zurückgenommen wurde, aber viele jüdische Bewohner scheint auch jetzt noch das Land nicht zu befsttzen. Wenn auch die Leistungen der portugiesischen Juden aus .allen Gebieten der Kultur und Literatur, wie wir sie an den spanischen Juden des Mittelalters bewundern, an diese nicht heranreichen, so sehen wir doch, wie die Saat, di; von ihnen, besonders m den Niederlanden, im 16. und 17. Jahrhunderte gepflanzt wurde, zur herrlichen Ernte aufging. Aber auch in der Türkei haben sie auf den meisten Kulturgebieten Großes geschaffen. Als sich die spanischen und portugiesischen Juden dahin flüchteten und sie vor dem sie verfolgenden Fanatismus Schutz fanden, soll der türkische Sultan Bajesid II. (1481 bis 1512) gesagt haben: „Ihr nennt Fernando (den Katholischen) einen weisen König? Ist dies ein weiser König, der sein Land arm macht und das unserige bereichert?" Die Worte des Sultans haben sich an Spanien und Portugal erfüllt. Was ist aus der ehemaligen Größe dieser beiden Länder geworden? Nirgends ist die Unbildung und die Zahl der Analphabeten so groß, wie hier. Vielleicht kommt nun für diese einst so mächtigen Königreiche eine neue, bessere Zeit. Sicher aber ist, daß der Glanz dieser Länder niemals so erstrahlte, pls in der Zeit, da deren jüdische Bewohner mit den anderen Einwohnern auf allen Kulturgebieten wetteiferten. Seitdem die Juden aus diesen Königreichen vertrieben wurden, ging es mit diesen rapid abwärts. Dr. M. Grü'nfeld. Korrespondenzen. Die Adresse der Kultusgemeinde an den Kaiser. An das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde in Wien ist folgende Zuschrift gelangt: „Se. k. und k. Apostolische Majestät haben die von der österreichischen israelitischen Kultusgemeinde aus Anlaß des Allerhöchsten achtzigsten Geburtsfestes alleruntertänigst unterbreitete Glückwunschadresse mit besonderem Beifall huldvollst entgegenzunehmen und die Bekanntgabe des Allerhöchsten Dankes an die Einsender allergnädigst anzuordnen geruht. Hievon setze ich das geehrte Präsidium über Erlaß des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 5. Oktober 1910, Z. 2853, K. U. M., zur eigenen Wissenschaft und mit der Einladung in Kenntnis, die übrigen Beteiligten in geeigneter Weise zu verständigen. Für den Statthalter: Tils m. p." Zum 80. Geburtstage des Kaisers. Die israelitischen Religionslehrer an den Wiener Volks- und Bürgerschulen versammelten sich anläßlich des 80. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers am 25. September im großen Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde zu einer solennen Festfejer. Herr Schulinspektor Professor Moritz Kanitz hielt eine der Feier entsprechende eindrucksvolle patriotische Ansprache an die Versammlung, worauf folgendes Telegramm an das allerhöchste Hoflager entsendet wurde: „Durchdrungen von hingebungsvollem Patriotismus, von Liebe und Treue für Kaiser und Reich, bitten die zur Feier des Allerhöchsten Geburtstages zu einer Festsitzung versammelten israelitischen Religionslehrer der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Euere Majestät möge geruhen, ihre ehrfurchtsvolle Huldigung anläßlich des am 18. August d. I. stattgehabten Allerhöchsten achtzigsten Geburtstages nachträglich allergnädigst entgegennehmen zu wollen. Die israelitischen Religionslehrer senden ihre innigsten Gebete und Wünsche zum Allmächtigen empor, daß Euerer Majestät noch eine lange glückliche Regierung beschieden sein möge." Am 30. September langte an Herrn Schulinspektor Professor Moritz Kanitz, als Vorsitzenden der Festversammlung, folgendes Schreiben ein: „Seine Erzellenz der Herr k. k. Statthalter für das Erzherzogtum Oesterreich unter der Enns hat im allerhöchsten Aufträge für die zur Feier des 80. Geburtsfestes Seiner Majestät zum Ausdruck gebrachten alleruntertänigsten Glück- und Segenswünsche den Beteiligten den allerhöchsten Dank bekanntgegeben. Hievon setze ich Euer Hochwohlgeboren als Vorsitzenden, infolge Erlasses der k. k. n.-ö. Statthalterei,, vom 29. September 1910, in Kenntnis. Wien, am 30. September 1910. Sr. Hochwohlgeboren Der Bürgermeister: Herrn Professor Dr. N e n m a y e r. Dr. Moritz Kanitz. Botschafter Oskar Straus über die Juden in der Türkei. Der amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Mr. Oskar Straus, ist sicherlich wie wenige in der Lage, eine maßgebende Meinung über die Stellung der Juden in der Türkei zu äußern. Mr. Straus hielt sich auf dem Wege nach Newport einige Zeit in London auf, woselbst er einem Vertreter des „Jswish Chronicle" eine Unterredung gewährte, im Verlaufe welcher er sich auch über di; Lage der Juden in der Türkei offen aussprach. Vom Großrabbiner der Türkei, Rabbi Haim Nahum. sagte der Botschafter, er Zei ein Mann, der die Kultur des Westens mit der Gelehrtheit des Ostens in sich vereinige. Sowohl der Sultan, als auch die Regierung haben eine sehr hohe Meinung vom Ehachum Baschi. Weder der griechische, noch der armenische Patriarch - stehen in so hohem Ansehen bei der Pforte, wie der Großrabbiner. Aber seine Stellung ist eine sehr schwierige. Die Mehrzahl der türkischen Juden leben noch unter den veralteten Bedingungen und sind von der modernen Kultur noch weit entfernt. Nichtsdestoweniger ist es dem Ehacham Baschi mehr oder weniger gelungen, eine wenn auch noch nicht abgeschlossene Ausgleichung der älteren Elemente mit den modernen europäischen Teilen der türkischen Judenschaft herbeizuführen. Und wie ist heute die allgemeine Lage der türkischen Juden? Die Mehrheit der türkischen Juden lebt in Armut und Not. Seit der spanischen Inquisition hat es in

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