Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 42 (21.10.1910)
- Date
- 1910-10-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 692 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 42 Geschlechter, die aus Denen entstehen werden, für die heute diese Katastrophe ein-grelles Blitzlicht war. Daß in diesen dumpfen Massen, die heute trauernd vor einem zerbrochenen Ideal stehen, eine neue Erkenntnis dringe, das können wir noch nicht glauben. Wenn auch die Hand des Schicksals einmal den Vorhang eines ängstlich gehüteten Klostergeheimnifses zurückschiebt und die bete bumaine zu sehen ist, wie sie sich hinter sichere Mauern geflüchtet hat, für die Menge ist damit noch keine Fackel angezündet. Sie unterwirft sich noch immer gerne einer blendenden Macht und richtet ihre rohe Kraft gegen die Schwächeren. In den dunklen polnischen Bauernschädeln wird es noch lange nicht licht werden. Der Fortschritt geht langsam. Aber in allen diesen Entartungen bereitet sich doch der Bankerott einer Hierarchie vor, die heute schon in ihren Grundfesten zu wanken beginnt. Wir aber, wir Juden, auf die diese schwere, eiserne Hand Jahrhunderte lastete, wir sehen diese blutig roten Zeichen am Himmel des Klerikalismus, die sich von Tag zu Tag mehren, als die Zeichen einer neuen Freiheit an. In dieser langen Zeit, in denen man unsere Rücken beugte und unsere Menschenrechte antastete, haben wir dieser großen, unerbittlichen Macht nichts entgegenzustellen gehabt, als ein reines Priestertum und eine unbefleckte Religion. Die Greuel von Czenstochau aber haben uns wohl erst zum Bewußtsein gebracht, was für ein mächtiger Bestandteil innerer Kraft ein reines Priestertum eigentlich ist. . . . Eia wundertätiges Muttergottesbild, schlicht auf schwarzem Ebenholz, ist in Czenstochau. Viele Hunderttausende sind hingewandert und haben auf den Knieen um ein Wunder gebeten. Welche Wünsche das Muttergottesbildnis bisher erfüllt hat, wer weiß es? Aber setzt ist plötzlich ein Wunder in Czenstochau geschehen, das die ganze Welt in unerhörter Weise beschäftigt. Die Mutter Gottes hat ihre Diener entlarvt und sie in ihrer ganzen Scheußlichkeit der Welt gezeigt. Ihr stummer Mund hat plötzlich zu reden begonnen und hat angeklagt und der irdischen Gerechtigkeit ein Beweismaterial geliefert, wie es umfasiender und detaillierter kein Staatsanwalt beibringen könnte. Nun werden die frommen Brüder, die im Namen Gottes so furchtbar sündigen, hoffentlich erfahren, was es heißt, im Namen des Gesetzes zu büßen, da doch schon einmal die irdische Gerechtigkeit sich entschlossen hat, vor den Pforten des Klosters, nicht wie bisher, Halt zu machen. Thekla Blech-Merwin. * * * Neue Mordtaten. Warschau, 18. Oktober. Die wegen Mordes verhafteten Paulanermönche Basi und Jsedor, sowie vier weitere verhaftete Mönche haben im Kreisgerichte Petrikau außer den ihnen zur Last gelegten Morden drei weitere Mordtaten eingestanden, deren Schauplatz im letzten Jahre das Kloster war. Unter den Ermordeten befindet sich ein fremder vornehmer Reisender, der, während er im Kloster übernachtete, von den Mönchen erschlagen und im Keller vergraben worden war. vom Aabrmarkt des Lebens. Militär-Oberintendaut Franz Greuzinger. Von Moritz Frühling. Am 10. Juni 1830 in Lemberg geboren. Absolvierte das dortige Gymnasium und belegte ein drittes Semester an der juridischen Fakultät daselbst, als der Kriegsruf der Sturmperiode 1848/49 ihn einen neuen Lebensberuf Mahlen ließ, bei dessen Antritte er den hohen Gipfel, den zu erreichen, ihm b»schieden war, kaum geahnt haben dürfte. Greuzinger ließ sich am 1. August 1849 zum ruthenischen Bergschützen-Bataillon, freiwillig, wie es schon die Bezeichnung besagt, als unobligater Fourier assentieren und nahm später die gesetzliche Dienstzeit an., Als Fourier (entspricht dem heutigen Rechnungs-Hilfsarbeiter) versah er die Dienste abwechselnd bei den lllanenregimentern Nr. 2 und 4, dem Äägerbataillon Nr. 23 und beim galizischen Fuhrwesenkorps, wie es scheint, sehr zufriedenstellend, denn schon am 20. Dezember 1852 wurde er zur Hofkriegsbuchhaltung berufen. Hier avanzierte er erst .am 4. Iuni 1854 zum Kriegs-Kommissariats-Akzeffisten, am 20. April 1856 zum Kriegs-Kommissariats- Adjunkten 2. und am 21. Mai 1859 1. Klaffe, in welcher Charge er den Feldzug gegen Frankreich und Piemont im Jahre 1859 mitmachte. In Italien unter dem Kommando des heldenhaften und wegen seiner liberalen Gesinnungen den jüdischen Soldaten unvergeßlichen Feldzeugmeisters Ritter von Benedek entfaltete Greuzinger seine Fähigkeiten. Wir finden ihn vom 1. Dezember 1860 bis 1. Dezember 1861 beim Landes-Generalkommando in Udine, von letztgenanntem Tage an, durch mehrere Jahre ununterbrochen, bei jenem von Venedig. Den .Feldzug 1866 machte er auch in Italien mit und wurde „für vorzügliche und verdienstliche Leistungen in diesem Feldzuge" mit der kaiserlichen allerhöchsten belobenden Anerkennung ausgezeichnet. (Kriegs- Min.-Präs.-Erlaß vom'31. Oktober 1866, Präs.: Nr. 670. A. V. B. Nr. 60.) Am 25. März 1867 wird Greuzinger mit der kaiserlichen allerhöchsten Anerkennung nochmals ausgezeichnet., diesmal „für seine verdienstlichen Leistungen als Mitglied der kaiserlichen Liquidierungskommission in der Festung Mantua". Nach der Räumung der italienischen Provinzen wirkte Greuzinger in seiner Eigenschaft als Kriegs-Kommissariatsadjunkt bei der Militärintendanz in Hermannstadt, vom 1. Jänner 1867 bis 1. April 1869, von wo er in seine Geburtsstadt, zur Intendanz nach Lemberg, transferiert wurde. In Lemberg erfolgte seine Ernennung ßunt Militärunterintendanten 2. Klaffe, am 25. April 1869; 1. Klasse am 1. November 1870, und hier ehelichte er auch, am 21. Juli 1872, das Fräulein Rosalie Hensel. Am 1. November 1874 zur Intendanz nach Wien übersetzt, avanzierte er am 1. November 1878 zum Intendanten, in welcher Diensteigenschaft er am 16. Mai 1879 zur Militärintendantur in Graz, und am 16. Juli 1881 zu jener in Zara zugeteilt wurde. Am 1. Mai 1882 avanzierte Greuzinger, bei gleichzeitiger Ernennung zum Chef der Militärintendantur in Zara, zum Militäroberinlendanten, und am 1. Juni» desselben Jahres wurde ihm die dritte allerhöchste belobende Anerkennung ausgesprochen „für seine verdienstlichen Leistungen anläßlich der in Süddalmatien, Bosnien und der Herzegowina stattgefundenen Operationen". (P. V. Bl. Nr. 27 ex 1882.) Mit der Jahrespension von 2625 fl. wurde er, am 1. November 1882, in den wohlverdienten Ruhestand versetzt, erhielt noch am 9. Juli 1890 die Militär-Verdienstmedaille am rotseidenen Bande und starb, wie er seine ganze Dienstzeit gelebt, als Jude, in Wien, am 21. Februar 1900. Abermalige Verschiebung der Jubiläumsfeier der ANiaucö Jsraelite Universelle. Der „N. I. K." wird aus Paris gemeldet: Bekanntlich ist im Vorsommer d. I. die Feier des 50 jährigen Bestandes der A. I. U., die in Paris besonders festlich hätte begangen werden sollen, wegen des ungünstigen Gesundheitszustandes des Präsidenten der A. I. 11., Herrn Narcisse Leven, auf den Herbst verschoben worden. Da sich aber inzwischen das Befinden des Herrn Leven nicht sonderlich gebessert hat, ist die Jubelfeier bis guf weiteres aufgeschoben worden.