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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-10-21 · 42 (21.10.1910) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
42 (21.10.1910)
Date
1910-10-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr-42 DrB Bloch’s u*t**mn Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. -- Wien, 21. Oktober 1910 Brscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien. IX/i. Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. o o— - ~==o o? VrMgsprrks für Veflrrreich: ^7 Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplars 50 Helle'.?. Fürs Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. t Anzeigen: Dis 4mal gespalj lene Petitzeile 24 Heller. £ oP-. -On O Cr n> Do Q Ä. k. Vofisxarkassrnaml Sleartng-Verk ebr «r. 810.976. Redaktion und Admtnistratton: Wir« IX/i, Hahngaffe Nr. 15. , Telefon Nr. 14.847. nO ■ - -r-Oo Inhalt: Leitartikel: Versäumnissünden. — Zur Landtagswahl in der Leopoldstadt. — Czenstochau. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Militär-Oberintendant Franz Greuzinger. Abermalige Verschiebung der Jubiläumsfeier der Alliance Jsrcwlite Universelle. Antisemitische Wucherbanken. Die Vexierflasche des Saul Rauch. Präsident Taft und cer englische Botschafter Bryce als Ehrengäste bei einem jüdischen Vereinsfest. — Portugal in der jüdischen Geschichte. — Korrespondenzen: Die Adresse der Kultusgemeinde an den Kaiser. Zum 80. Geburtstage des Kaisers. Botschafter Oskar Straus über die Juden in der Türkei. Ter Rektor der Lemberger Universität und die jüdischen Studenten. Ein Märchen aus Halbasien. Das Akademiker-Jubiläum Hermann Vämberys. Ableben eines jüdischen Oberstaatsanwaltes. Ehrenbegräbnis für einen jüdischen Soldaten in Rußland. Jüdische Helden in der Bekämpfung der Pest in Odessa. Das Manifest der jüdischen Reservisten in Rumänien. Ehrung eines jüdischen Richters. — Vermischtes. — Feuilleton: Skizzen und Studien zur Geschichte der Juden in Polen. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. ■ Nrrsiirrmnissrmden. Von Dr. Max Grunwald. Man spricht von einer Duplizität der Fälle und, besonders bei Katastrophen, von Serien. Leicht ranken sich um solch ein Schlagwort Empfindungen, die in das Dämmerland der Mystik weisen. Wie immer und überall empfiehlt sich auch hier die Wünschelrute des Kausalirätsbedürfnisses. Je dunkler das Rätsel, desto dringender ruft es nach Klärung. In seinem Buche über die Chasaren (Wien 1909) erörtert Hugo v. Kutschers gelegentlich die Gründe der Germanisierung des polnischen Judentums. Hiebei nennt er (S. 346) die „Durchforschung des jüdisch-deutschen Dialektes, wie derselbe in Polen und Rußland gesprochen wird, eine sehr dankenswerte Arbeit." Ein Vertreter der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, dem diese Bemerkung ausgefallen war, gab mir kürzlich sein Befremden kund, daß wir Juden an eine so wichtige Aufgabe, wie die wissenschaftliche Rettung eines untergehenden jüdischen Idioms, erst von anderen uns müssen erinnern lassen. Dieser Tage erhalte ich nun ein soeben erschienenes Schriftchen: „Die Volksliederbewegung in Deutschösterreich." Von Dr. E. K. Blümml. Herausgeber der „Quellen und Forschungen zur Deutschen Volkskunde", Mitglied der niederösterreichischen uvd steierischen Volksliedkommission, Franz Fr. Kohl, k. und k. Kustos, Herausgeber der „Echten Tirolerlieder", Mitglied der tirolischen Volksliedkommission, Josef Reiter, Direktor des Mozarteums in Salzburg, Obmann der Salzburger V.o l k s l i e d k o m m i s s i o n. (Wien 1910, Verlag Dr. Rud. Ludwig, Wien, IV., Weyringergasse 37.) Es ist eine geharnischte Streitschrift. Wohin zielt sie? Hören wir sie selbst: „Gegen Ende des Jahres 1902 erschien nachstehender Erlaß des damaligen Unterrichtsministers Wilhelm Ritter v. Härtel an die einzelnen Landeschefs: „Die .Universal-Edition-Aktiengesellschafft in Wien. beabsichtigt im Rahmen ihres mustergiltigen Unternehmens eine Reihe von Bänden zu veröffentlichen, deren Gesamtheit: „Das Volkslied in Oesterreich", eine musikalisch nationale Sammlung in einzelnen Bänden darstellen soll, wie sie in so vollständiger Weise noch nicht existiert. Ich beehre mich daher, Eure Exzellenz -zu ersuchen, vom Obigen die Schulbehörden zu verständigen und deren Mitwirkung an dem Gelingen des Werkes zu veranlassen, sowie die übrigen hiebei in Betracht kommenden Faktoren auf das Unternehmen entsprechend aufmerksam zu machen und demselben die möglichste Mitwirkung ans Herz zu legen." Mit diesem Erlasse wurde jene offizielle Volksliederbewegung in Oesterreich eingeleitet, ~bie heute noch andauert.. (S. 8 f.)" Sämtliche in der Monarchie vertretenen Sprachen und Stämme (auch Rumänen, Sloveneu, Italiener und Ladiner) mit alleiniger Ausnahme der Juden wurden mit mindestens einer Kommission bedacht. (S. 24.) Unsere Broschüre schildert besonders eingehend die Bemühungen des Professors Dr. Josef Pommer, in den deutschen Volksliedkommissionen, die im Aufträge der Regierung an der Verwirklichung jener Aufgaben arbeiten, seinen Einfluß geltend zu machen. Es wird strenges Gericht gehalten. Die Unwisseuschaftlichkeit, die Parteilichkeit, der Antisemitismus Pommers werden (S. 45 und sonst) scharf beleuchtet. Ganz widernatürlich hat man auf Pommers Rat die deutschen Sammlungen nach Kconländern eingeteilt. Vollständig vergessen wurde, daß auch in Galizien und in der Bukowina Deutsche wohnen. S. 26 heißt es sodann: ..Noch etwas wurde vergessen. Es gibt in Oesterreich ebenso wie anderwärts unter all den Volksstämmen noch einen Stamm, der, eine eigene Rasse bildend, sich dem jeweiligen Stamm, unter dem er wohnt, angepaßt und von ihm vieles entlehnt hat, und zwar nicht nur in der Sprache, sondern auch vielfach in den Sitten. Gebräuchen. Liedern und vielen anderen Dingen. Wir meinen nämlich die Juden. Diese wurden ganz übersehen, obwohl Pommer genau so wie jeder andere Volkskundler wissen muß. daß die Lieder und Kinderreime in jüdisch-deutschem Dialekt der deutsch-österreichischen Inden mannigfache Beziehungen zu den deutschen Liedern und Kinderreimen haben, ja vielfach ältere Formen vorstellen. Wir sind, das müssen wir, um Mißdeutungen auszuweichen, hier festlegen, keine Juden und stammen auch von solchen nicht ab. aber vom wissenschaftlichen Standpunkte aus erscheint es uns unbillig und nicht gerechtfertigt, daß die deutsch-österreichischen Juden keinen eigenen Ausschuß erhielten, ja daß man nicht einmal daran dachte, ihre Erzeugnisse auf dem Gebiete des Volksliedes und Kinderreimes zu sammeln. Es ist ja davon schon manches veröffentlicht worden, das den Anspruch erheben darf, beachtet zu werden. Friedrich S. Krauss hat in seiner Zeitschrift „Am Urquell" den Anfang gemacht und Aufsätze aus diesem Gebiete gebracht. Max Grunwald gründete 1898 die „Mitteilungen zur jüdischen Volskunde", von denen bisher 36 Hefte vorliegen, welche wiederholt Material aus Deutsch-Oesterreich vorführten.

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