Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 41 (14.10.1910)
- Date
- 1910-10-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 684 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 41 Minsk ernannt wurde, zeugt von seinem großen Einfluß bei dem König Alexander und bei seinem Nachfolger Sigismund I. Der Krieg mit Rußland (Moskau) gab dem Abraham Gelegenheit, seinen Patriotismus gum Ausdruck zu bringen und seine Dienste dem Staate zu leisten. In einem Schreiben vom 17. Juli 1506 stellt der König Alexander ein glänzendes Zeugnis dem getauften Juden aus; „. . . . indem Wir die treuen, rechtschaffenen und unbescholtenen Dienste des edlen Abraham Esophowicz gesehen haben, her in den Zeiten, da der Feind unsere Städte und Schlösser überfiel, immer Uns treu diente, und sein Gut und Blut der Gefahr aussetzte, . . . schenken wir ihm . . . den Schlüssel Wojduny im Wilnaer Kreis . . . mit samt den Bauern und Leuten, die dort wohnen und deren Namen usw. . . ,"22) Als der neue König Sigismund gewählt wird, legte ihm Abraham die Rechnungen seines verstorbenen Bruders vor; der Staat sei ihm (dem Abraham) schuldig: 600 Schock Groschen und 20 Tuchballen, zu deren Dekkung der König ihm die Maut zu Kowno verpachtet. Ursprünglich wollte der König diese Maut an den Deutschen Krebel vergeben, er gab sie aber dem Abraham, auf Anraten des Bischofs zu Wilna A d a l b e r t.23) Am 22. Februar 1507 pachtet Abraham in Gemeinschaft mit Johann. Sohn Dietrichs die Maut zu Smolensk für 400 Schock Groschen pro Jahr,2H, und am 1. Juli 1507 wird Abraham in den Adel st and erhoben.23) In der Nobilitationsurkunde führt der König zwei Motive an: Das erste ist die Taufe, das Fweiie die großen Verdienste um König und Staat: „ . . - Quia non mediocrem respectum habentes ad praeclaras virtutes nobilis H a b r a e (Abrabae) d e K y o v i a thelonatoris nostri Smolenscensis, condam liebraei, liec minus attendentes, quomodo ipse superiori Tempore, abjecta improba et indurata perfidia Judaeorum ad agnitiouem incarnationis veri Messiae et Füii D.ei Salvatoris Nostri, Spiritus sancti favente gratia, pervenit atque in ädern conversus est ehristianam .... ipsum de plenitudine potestatis nostrae regiae nobilitamus et nobilem creamus, atque in coetum virorum nobiliuni applicamus et adscribinus, in signum ankern nobilitatis suae lunam cum stella glauca insento seu campo flavo ac collestino, quae vulgari nostro L e 1 i w a dicitur pro clenodio seu armis ... eidem Habrae elargimur.“ Abraham erhielt also das Wappen L e l i w a (Halbmond mit Stern auf himmelblauem Hintergrund) und wurde erblich in den Ädelstand erhoben. Er fuhrt das Patronimicum Esophowicz (Josephowicz), somit sollten seine Nachkommen denselben Namen führen: der Adelsalmanach von Ni esecki (Bdr IV, 507) führt auch als Stammvater der Josephowicz den Abraham an. Inzwischen heißen seine Söhne (Johannes und Konstantin) Abrahamowicz, R S- A. I, Nr. 42. **) R. I. A. III. Nr. 51. Dekret vom IO. Februar 1607. **) R. I. A. III 52. a5) R. I. A. 1H, 55. Diese Nobilitierungsurkunde kannte nicht Wolfs (der R. I. A. III erschien erst im Jahre 1903) und kombiniert, daß Abraham bei der Nobilitierung das Wappen Jastrzebiec erhielt, da einer der Abrahamovicz das Wappen Jastrzebiec im Schilde führte. Der Recensent der Wolff'schen Arbeit (C. R.) im kreglaä xolskl (Polnische Revue). Jahr«. XX, Bd. 77. S. 177-184, will aus dem Namen der Sohne (Abrahamowicz) schließen, daß Abraham selbst nicht geadelt wurde und erst seine Söhne erhielten den Adel. Er behauptet, daß die Abrahamowicz nicht das Wappen Jastrzebiec, sondern das Wappen Slepowron im Schilde führten. Auch ist die Konfession Abrahams bei Wolff und beim Rezensenten unsicher. Beide mutmaßen, daß er sich getauft hat, Wolff meint, er sei der griechischen Kirche beigetreten, der Rezensent läßt ihn als Lateiner sterben, da zwei katholische Geistliche das Testament mitgefertigt haben. Mir scheint, daß die Söhne darum ihr eigenes Patronimicum „Abrahamowicz" beibehalten haben, da ihr Vater schon in vorgerücktem Alter geadelt wurde und es den Söhnen schwer siel. Abrahamowicz mit Josephowicz zu verwechseln. d. i. sie führen ihr eigenes Patronimicum (RIA. I, 159). Abraham ist also der Stammvater der Abrahamowicz, die unter den Protestanten und Kalvinern eine bedeutende Rolle gespielt haben. Mit der Nobilitierung Abrahams wuchsen seine Verbindungen und mit ihnen seine Geschäfte: alle Steuern und Einnahmen des Großfürstentums konzentrierte 'er in seinen Händen, er schoß den Beamten ihre Gehälter vor, gab Gelder zur Erhaltung des großfürstlichen Hofes, pachtete die litauische Münzschlägerei und war im Jahre 1509 faktisch Finanzverwalter Litauens. In d e m Jahre bricht der Aufstand des Glinski aus und in diese Angelegenheit sind viele Großherren Litauens verwickelt. Sigismund I. läßt die größten Herren, unter ihnen den Finanzminister F e d k o Ehr e p t o w i c z, verhaften. Nachdem für kurze Zeit die Finanzen Litauens von V o h u s z Bohiwityuowicz verwaltet würden, entschloß sich der König, Abraham zum Finanzminister des Großfürstentums zu ernennen.23) Er übernahm das Amt mit Anfang 1510 und versah es bis zu seinem im Jahre 1519 erfolgten Ableben zur vollsten Zufriedenheit des Großfürsten.2^) Im Jahre 1511 schenkte ihm der Großfürst ein Haus in Wilna23), und im Jahre 1573 21 Dienstleute, die bei ihm verpfändet waren.23) Im Jahre 1515 genehmigt der König den Ankauf der Vogt ei zu Brzesc Litewski: gekauft hat sie Abraham beim Palatin von Podlachien, Iwan Sapieha.3^) Und so wächst das Vermögen Abrahams gewaltig, so daß er seinen zwei Söhnen (Johannes und Kon st an tinus), wie auch seiner Tochter Mary na (Maria) eine Reihe von Gütern und Schlössern, wie auch bares Geld vermachen kann. So erhält Johann (vel Wasili, (der verlobt ist mit Fräulein Hedwig, der Tochter Jurijs Jlinicz, des Starosten von Brzesc und Lida) die Vogtei Brzesc, die Güter 2erosläwka und Gladkowice, ein Haus in Wilna und 10.000 Dukaten. Konstantin erhält Nowy Dwor, das Gut Hrynkow, einen Meierhof bei Wilna, ein Haus in Wilna und 7000 Schock Groschen. Auch die Frau und die Tochter werden reichlich beschenkt. Beim Ableben des Vaters war Maryna noch sehr jung.3^) Das Testament fertigten einige Adelige, zwei Geistliche und die „Zwei Herren Brüder Michael und Eisig, Juden zu Brziüd. (Fortsetzung folgt.) gitoatar. Rabbiner Dr. Samuel Mühsames Predigten. In pietätvoller Erinnerung gesammelt und herausgegeben von seiner Witwe Marianne Mühsam. 3 Teile. Leipzig 1909/lO. M. W. Kaufmann. M. 10.—. Dr. Mühsam's Lebenswerk wird durch die Grazer Gemeinde dargestellt mit allem Guten und Ersprießlichen, was dieses junge Gemeinwesen in der kurzen Zeit seines Bestehens unter seiner Leitung, in der Hauptsache durch ihn selbst geschaffen und gewonnen hat. Der Tempel war sein Werk, der Unterricht des heut gereisten Geschlechtes hat in seiner Hand gelegen, dem jüdischen Vereinsleben der Stadt haben der treue Hirte und seine würdige Gattin den Boden bereitet — um in einem Atem das Wichtigste herzuzählen. Neben diese lebendig fortwirkenden Denkmäler eines müheaber auch segensreichen Menschenlebens tritt nun das lebendigste, sein begeistertes Wort, von pietätvoller Hand der Nachwelt aufbewahrt — das lebendigste, weil sein vorzüglicher Inhalt dafür bürgt, daß es von Lippe zu Lippe in «) Wolff 1. c. 14 ss. ") Wolff: Senatorowie i dygnitarze W. X. Litewskiege. (Die Senatoren und Würdenträger des Großfürstentums Litauen.) Krakau 188). Seite 185, sub titulo: Die großen Schatzmeister. 28) R. I. A. I, 57. 29) R. I. A. I, 59. so) R. I. 81. I, 65. 80 R. I. A. I, 69. Das Testament ist im vulgären weißrussischen Idiom abgefaßt und beginnt wie immer mit der Formel: Im Nameu der heiligen Dreieinigkeit, Amen. Desto mehr muß uns Wunder nehmen, daß es die zwei nichtgetauften Prüder Abrahams: Michael und E i s i k (I s a k) mitgezeichnet haben.