Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 41 (14.10.1910)
- Date
- 1910-10-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette €82 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 41 wurde der gewesene Direktor der Educatioual Alliance in New-Dork Mr. David Blaustem ernannt. Im ersten Jahre wird Lektor Blaustem über die Geschichte der Einwanderung mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen und slavischen Einwanderung lesen. Ueberdies wurden mehrere gut dotierte Stipendien für qualifizierte Hörer und Hörerinnc^l dieser Kurse errichtet. Die Bewerber für diese Stipendien müssen eine entsprechende allgemeine Vorbildung, zumindest absolvierte Mittelschule Nachweisen und eine Prüfung über die Kenntniffe von zumindest zwei der uachbenannten Sprachen bestehen: Russisch, polnisch, deutsch, tschechisch, schwedisch, holländisch, hebräisch, jüdisch und ttalienisch. Ueberdies müssen die Kandidaten auch die Kenntnisse der Raffeneigentümlichkeiten und Sitten der genannten Völker, sowie die soziale Tätigkeit von zumindest einer der folgenden Völkergruppen besitzen: 1. Slaven. 2. Italiener, besonders der Sizilianer. 3. Juden, Russen und Oesterreicher, besonders der Galizianer und schließlich 4. Rumänen. Zu bemerken ist noch, daß die School of Philantropy eine Zweiganstalt der Columbia Universität ist, ihren Sitz jedoch in New-Tork City 105 East Twevty'secoud Street hat. Tolmatschews Sorge um de» Friede» der Odessaer Juden. Die Odeffaer ruffischen Blätter publizieren eine Verordnung deS General Tolmatschew, in welcher gesagt wird, daß mü Rücksicht auf die jüngsten Verhetzungen, durch welche ein Jude öffentlich verprügelt wurde, in Zukunft jeder, der sich einer solchen Ausschreitung schuldig macht, zu Gefängnis eventuell zu einer Geldstrafe bis zu 500 Rubel verurteilt werden würde. Diese plötzlich erwachte Sorge des Antisemiten Tolmatschew um den Frieden der Juden wird erklärlich, wenn man erfährt, daß der geprügelte Jude jener Marjukow ist, der bei den vor einigen Tagen stattgehabten Ersatz-Dumawahlen in Odessa für den Kandidaten der „Schwaben Hundert", Baron Reno, in maßloser Weise agitierte und durch seine skrupellose Agitationstätigkeit die Wahl des Antisemiten möglich machte. Es ist menschlich allzu erklärlich, daß die erbitterten Juden dem Marjukow, als er am Sabbat nach der Wahl ostentativ in die Synagoge kam, dem mißratenen Glaubensgenoffen keinen freundlichen Empfang bereitet haben. Ei» Dokument der Zeit. In der russischen Zeitung „Pottawskij Golos" ist vor einigen Tagen das folgende Inserat erschienen: „Ich bin bereit, für drei christliche Schüler, die ein Zeugnis von drei oder vier Klaffen eines Staatsgymnafiums besitzen und in einem Gymnasium im Poltawaer Gouvernement Aufnahme finden, ein volles Jahr hindurch das Schulgeld zu bezahlen. Anfragen find zu richten an Baar's Magazin rc." Aus dieser Annonze schreit der ganze Jammer der Schwarz'schen Unterrichtspolitik gegen die russischen Juden. Dieser Jude Baar ist sicherlich der Vater eines Gymnasiasten, der in keinem Gymnasium Aufnahme gefunden, weil er im Verhältnis der den Juden zugebilligten Perzentnorm in den russischen Mittelschulen bereits überzählig erscheint. Herr Baar ist nun gezwungen — wenn sein Kind nicht sein Studium oder seine Religion aufgeben soll — für drei christliche Schüler das teuere Schulgeld zu bezahlen, um auf diese Weise entsprechend der Perzentnorm wieder für einen jüdischen Studenten, in diesem Falle für seinen Sohn, Platz zu schaffen. Wohnrechts-Tragödien. Das ruffische Joch hat schon manche unbeschreibliche Tragödie gezeitigt, aber eine der schrecklichsten ist diejenige, deren Held und Opfer der jüdische Uhrmacher I. Kölner in Pawlowsk geworden ist. Kölner wohnte Jahrzehnte hindurch in Pawlowsk, als die Burcaukratie plötzlich den Einfall hatte, Kölner aus seinem Wohnorte zu verjagen, weil er angeblich nicht das Gewerbe betreibe, unter welchem er sein Wohnrecht besitzt. Dieser plötzliche Ruin seiner Existenz brachte Kölner so zur Verzweiflung, daß er einen Selbstmord versuchte, bei dem er noch gerettet werden konnte. Kölner legte gegen die Ausweisung die Berufung ein, deren Erledigung jedoch so lange auf sich warten ließ, daß der unglückliche Mensch schwermütig wurde und in eine Irrenanstalt gebracht werden mußte. Auf bisher unaufgeklärte Weise wurde nun Kölner vor einigen Tagen in seinem Bette vergiftet aufgesunden. Er war bereits tot. Am Tage seiner Beerdigung langte der Bescheid der Oberbehörde heran, wonach der Ausweisungsbefehl aufgehoben und Kölner das Wohnrecht in seinem bisherigen Wohnorte bestätigt wurde. Das ungesetzliche Vorgehen der russischen Burcaukratie hat den armen Mann, Vater einer zahlreichen Familie, in den Tod getrieben. Vermischtes. Wie». (Berichtigung.) In der letzten Nummer dieses Blattes brachten wir die-Mitteilung, daß Frau Regina Landeis, die Präsidentin des „Vereines zur Ausspeisung armer Kinder" in Fünfhaus, von Sr. Majestät dem Kaiser durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet wurde. Die Glaubwürdigkeit dieser uns zugekommenen Meldung anzuzweifeln, hatten wir umso weniger Ursache, als Frau L a n d e i s notorisch seit Jahrzehnten in Angelegenheiten der öffentlichen Wohltätigkeit mit Hingebung, Eifer und Erfolg tätig ist und wegen dieses humanitären Wirkens einen weiten Ruf genießt. Indessen hat es sich ergeben, daß unsere Meldung eine irrtümliche war. Wien, (silberne Hochzeit) Mittwoch den 5. d. M. feierte das im XX. Bezirke allgemein bekannte und geachtete Ehepaar Herr Josef und Marie Koh» das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Kohn. w lcher als Sekretär des verstorbenen Reichsratsabgeordneten Rudolf Auspitz sich vielfache Verdienste um die Humanitären und kulturellen Institutionen unserer Gemeinde erworben bat, widmet seit dem Tode seines Cbefs fast seine ganze Zeit in selbstloser Weise den Interessen unseres Bezirkes. Seine Gattin zählt zu den prominentesten Mitgliedern des Frauenvereinsvorstandes, dessen Bestrebungen sie auf das Werktätigste fördert. Das Jubelpaar, für welches die allgemeine Sympathie bei diesem Anlaffe zu beredtem Ausdrucke kam, wurde von Deputationen des Tempelvereines (Obmann Herr Hermann Eltbogen) und des Vereins „Die Brüder" (Obmann Herr Heinrich Weiner), deren Vorständen Herr Kohn angehört, in seiner Wohnung feierlich begrüßt und durch Ueberreichung von Ehrengeschenken erfreut. Bemerkt fei, daß das Ehepaar dem Jubeltag durch größere Spenden an die Bezirksvereine die richtige Weihe gab. Wien. (Generalverfammlung.) Die diesjährige ordentliche Generalversammluna des „Kaiser Franz Joseph-Ferienheim" findet Donnerstag den 20. Oktober J910 um 6 Uhr abends, im Vereinsbureau IX., Türkenstraße 17, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Tätigkeits- und Kassabericht für die Vereinsjahre 1908 und 1909. 2. Revisionsbericht. 3. Neubezw. Ersatzwahlen. Hievon werden die Mitglieder und Gönner des Vereines mit dem Bemerken in Kenntnis gesetzt, daß eine gesonderte Einladnng nicht erfolgt. Wien. Freitag den 30. September d. I. wurde unter überaus großer Beteiligung Frau Maria Kohn geb. Grätzer vom Trauerhause IIL, Erdbergstraße 36 zu Grabe getragen. In der Wobnung hielt ein Verwandter der Verblichenen, Herr Rabbinatskandidat Bäla Fischer, einen tieferschütternden, Hesped. Auf dem Friedhofe in der Zeremonienhalle hielt Se. Ehrw. Gemeinderabbiner Dr. Abeles der Verewigten, die im Alter von 81 Jahren ins bessere Jenseits abberufen wurde, einen warmempfundenen Nachruf. Die Verstorbene, ein echtes Biederweib, erfreute sich ob ihres Charakters, ihrer Herzensgüte und gottesfürchtigen Lebenswandels allgemeiner Sympathien, die bei dem Leichenbegängnisse auch zum lebhaften Ausdruck gelangten. F. Wien. (G r a b st e i n - E n t h ü l l u n g.) Sonntag den 9. d. M. wurde der von der Familie für den vor einem Jahre verstorbenen Religionslehrer Rabbiner Leopold Buxbauw errichtete Grabstein, den eine klastische, hebräische Inschrift ziert, am Wiener Zentralfriedhof enthüllt. Außer den nächsten Angehörigen hatten sich zahlreiche Freunde, gewesene Kollegen, Schüler und Bekannte am Grabe eingefunden. Professor Antscherl entwarf ein Lebensbild des Verewigten, der sich besonderer Wertschätzung durch seinen gründlichen Religionsunterricht in allen Kreisen der Gemeinde stets erfreute. Ebenso warm als überzeugend sprach Rabbiner Goldstein vom Bethause in der Hammer-Purgstallgasse und nur schwer trennten sich die Teilnehmer an dieser Feier vom Grabe, das die sterblichen Ueberreste eines gelehrten, wahrhaft frommen und guten Mannes umschließt.