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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-10-14 · 41 (14.10.1910) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
41 (14.10.1910)
Date
1910-10-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 41 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 681 Unter den Juden Südrußlands herrscht hierüber große Aufregung, da viele Familien auf diese Weife ihr ganzes Vermögen verloren haben. Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter über die Fremdenpolitik Rumäniens. B u k a r e st, 13. Oktober. Große Sensation verursacht hier ein Interview, das der deutsche Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter vor seiner Abreise aus Bukarest dem „Adeverul" gewährt hat. Nachdem der Staatssekretär sich über seinen zehnjährigen Aufenthalt in Bukarest sehr befriedigt ausgesprochen und die lebhaftesten Sympathien für das rumänische Volk bekundet hatte, kam er über den neuen Entwurf eines Jndustriegesetzes, den der jetzige Arbeitsminister Orbanu ausgearbeitet hat, zu sprechen. Diesen Entwurf bezeichnete er als Mißgriff, deffen eventuelle Annahme eine schwere Schädigung der rumänischen Industrie bedeuten würde. Ich wäre in meiner verantwortlichen Stellung, bemerkte der Staatssekretär, nicht in der Lage, einem deutschen Industriellen den Rat zu erteilen, seine Kapitalien in Rumänien zu plazieren, falls der neue Entwurf zum Gesetze würde. Und wenn ich, der ich so große Sympathie für Rumänien hege, mich diesbezüglich in einem Kampfe befinde, so kann man sich denken, wie es mit den anderen fremden Diplomaten steht, die Rumänien gegenüber sich gleichgültiger verhalten. Das Interview machte einen starken Eindruck; die nationalistischen Kreise greifen Kiderlen-Wächter an, indem sie diese Worte als eine HerausfqHerung und Einmischung in die inneren Angelegenheiten Rumäniens bezeichnen. Eine Agitation gegen die jüdische Einwanderung in Paris. Die Pariser Zeitung „Paris-Journal" führt seit einiger Zeit eine heftige Agitation gegen die stetig zunehmende Einwanderung russischer Juden nach Paris. Den Vorwand hiezu bietet die Behauptung, daß die russischen Juden die Trachomkrankheit nach Paris verschleppt und daselbst ein epidemisches Auftreten dieser Krankheit verschuldet hätten. Die wahre Ursache dieser antisemitischen Agitation scheint jedoch darin zu liegen, daß die meisten eingewanderten Juden tüchtige Arbeiter find und durch den Zuzug größerer Arbeitermaffen die bestehenden Arbeiterbedingungen verschlechtern. Dies erklärt es auch, weshalb diese Angriffe gegen die russischen Juden gerade von dem radikalsozialistischen -Blatte „Paris-Journal", an deffen Spitze ein Führer der französischen Sozialisten Gerauld Richard steht, ausgeht. Die Folge dieser Hetze ist zunächst, daß der Polizeipräfekt seinen Organen den Auftrag erteilt hat, das jüdische Viertel besonders scharf im Auge zu behalten. Ueberdies haben einige Mitglieder des Pariser Gemeinderates bereits eine Interpellation über die jüdischen Einwanderer angekündigt. Es ist kaum anzunehmen, daß diese Hetze ernste Repreffalien oder Maßregeln zur Einschränkung der jüdischen Einwanderung zur Folge haben werde, denn die jüdischen Einwanderer haben manches Gewerbe eingeführt und zur Blüte gebracht, das früher durchwegs importiert werden mußte. Andererseits lebten die Vorgänge aus der antisemitischen Aera in Frankreich noch in frischer Erinnerung, um nicht befürchten zu müssen, daß die leichte Erregbarkeit der Franzosen nicht wieder in einem Taumel nicht nur gegen die russischen und rumänischen Jmmigranten-Juden, sondern gegen die Juden überhaupt hineingehetzt werden könnte. Juden iu Irland. Einem englischen Blatte wird über das Leben der Juden in Irland unter Anderem geschrieben: „Die Juden haben in Irland ein viel schwereres Leben als in England. Die Arbeit ist eine harte und steht mit dem Erträgniffe in gar keinem Verhältnisse. Der Jude ist ausein sehr begrenztes Gebiet von uneinträglichen Beschäftigungen angewiesen, die ihn naturgemäß nur mit einer geringen Zahl der ihn umgebenden Bevölkerung in Verbindung bringen. Daher kommt es, daß das Verhältnis zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung keine sehr liebevolle ist. Ein Folge hievon ist, daß den Juden in Irland die sogenannte große Gesellschaft, wie auch die bedeutenderen, öffentlichen Aemter verschlossen bleiben. Die jüdischen Gemeinden find klein, besitzen fast gar kein Vermögen und verfügen nur über einige unbedeutende Wohlfahrtseinrichtungen. Die Ursache des letztgenannten, traurigen Zustandes liegt nebst den allgemeinen, sozialen Verhältnissen auch in der Uneinigkeit der irländischen Juden selbst, die besonders im Süden des Landes zu Streitigkeiten religiöser Natur führen, da manche reformatorische Stürmer die im Allgemeinen orthodoxe, jüdische Bevölkerung von ihrer strenggläubigen Lebensweise abzubringen versuchen. Die Einwanderung nach Kanada. An die löbl. Redaktion der „Dr. Blochs Wochenschrift" IX/1, Hahngaffe 15. In Ihrer werten Zeitschrift Nr. 40 brachten Sie aus Seite 665 einen Artikel „Die neuen Bestimmungen gegen jüdische Einwanderer in Kanada", worin Ihr Korrespondent ganz unrichtige Dinge meldet. Wir hatten schon vor einigen Tagen vernommen, daß solche Gerüchte auch anderwärts kursieren, und hatten wir uns deshalb direkt an das kanadische Ministerium des Innern diesbezüglich gewandt. Umgehend darauf erhielten wir von Herrn I. Obed Smith, dem bevollmächtigten Vertreter der kanadischen Regierung in London, folgendes Antwortschreiben: „In response to your enquiry I beg to say, that the despatch stating that all Hebrews wonld be classed as Äsiatics as ander the Immigration Act is wholly incorrect. No Orders have been given to the agents at the Port of Landing in Canada to treat in t'ntare all Jewish immigrants as Äsiatics." Uebersetzung: „In Beantwortung Ihrer Anfrage erkläre ich Ihnen, daß das Gerücht, demnach Juden gemäß des Einwanderungsgesetzes als Asiaten behandelt würden, vollkommen unrichtig ist. Den Einwanderungsbehörden in den Landungsplätzen Kanadas wurden keine Befehle erteilt, jüdische Einwanderer als Asiaten zu behandeln." Wollen Sie gefl. davon Kenntnis nehmen und in der nächsten Nummer Ihrer Schrift diesen Bericht richtig stellen. Hochachtungsvoll S. A l t m a n. Jüdische Auswanderung im Monate Angnft. Im Verlaufe des Monates August find im Newyorker Hafen 8671 jüdische Einwanderer gelandet und zwar 4553 Männer und 4118 Frauen. Von den Einwanderern kamen aus: Rußland.6157 Oesterreich-Ungarn.1453 England.388 Rumänien. 272 Türkei.195 Deutschland.35 Frankreich.26 Schweiz .19 Belgien.10 Andere Länder.38 Von den Eingewanderten blieben 6310 in Newyork, während die Uebrigen in allen Richtungen des Landes weiterfuhren. Im Monate August 1909 waren 6528 jüdische Einwanderer nach Newyork gekommen. Stndienpreise für die Auswanderungswifsenschaft. Wie die „Jewish Charities", eine amerikanische Fachzeitschrift für jüdisches Wohltätigkeitswesen, in ihrer letzten Nummer berichten, hat die Newyork School of Philantropy einen eigenen Lehrstuhl für „Einwanderungswesen", errichtet. Zum Lektor

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