Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 41 (14.10.1910)
- Date
- 1910-10-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 678 Nr. 41 Dr. Blochs Wochenschrift. teilt. Jetzt hat das Landgericht, an das der Angeklagte appellierte, die Untersuchung angeordnet, ob der Eesanglchrer auch etwas vom Schreibfach versteht. (Nr. 263 v. 8. Oktober 1909.) 31. Der Dumaabgeordnete Obraszoro (ertreme Rechte) Hielt in Iekatermoslaw eine Rede. Er sagte unter anderem: „Die Freimaurer, die jetzt unser Vaterland zugrunde richten, haben auch Ludwig XVI., Marie Antoinette und die Kaiserin Maria Theresia aufs Schafott gebracht." (Nr. 263 v. 8. Oktober 1909.) 32. In Iekaterinburg wurde der Priester Wogezkij, der sich weigerte, einer Hinrichtung von mehreren politischen Verbrechern beizuwohnen, in ein Kloster verbannt. (Nr. 264 v. 9. Oktober 1909.) 33. In Petersburg wurden 3 Gemeine des Leibgarde-Jägerregiments wegen Raubmordes zu verschiedenen Strafen verurteilt. (Nr. 264 v. 9. Oktober 1909.) 34. In Borissogljebsk beginnt soeben ein Prozeß gegen den Direktor des städtischen Waisenhauses Dr. Makarow. Er soll eine große Anzahl der Waisenmädchen verführt und geschändet haben. (Nr. 265 v. 10. Oktober 1909.) 35. Der jüdischen Bevölkerung von Odessa wird halbamtlich mit einem Pogrom gedroht, falls bei den bevorstehenden Dumawahlen der Kandidat der Kadettenpartei. durchdringt. 36. Bei einem in Kertsch verhandelten Prozeß wurde festgestellt, daß den Angeklagten während der Voruntersuchung Nadeln unter die Fingernagel geschoben wurden, um sie zum Geständnis zu bringen. Die Angeklagten wurden übrigens als unschuldig freigesprochen. (Nr. 265 v. 10. Oktober 1909.) 37. In Petersburg wurden wieder an einem Tage 7 Selbstmordversuche gezählt. (Nr. 265 v. 10. Oktober 1909.) 38. In Iekatermoslaw stand' ein gewisser Prostotin vor Gericht, dir Anklage lautete auf Raubmord. Während der Verhandlung teilte der Angeklagte den Geschworenen mit, daß er während seiner Untersuchungshaft im Gefängnis freiwillig die Funktion eines Scharfrichters ausgeübt und bereits 15 Erekutionen ausgeführt habe; auf diese nützliche Tätigkeit hinweisend, bittet er um mögliche Nachsicht. Trotz dieses Milderungsgrundes wurde er zur Zwangsarbeit verurteilt. (Nr. 265 v. 10. Oktober 1909.) 39. Der Gouverneur von Tschernigow hat unter Androhung hoher Strafen der Landbevölkerung verboten, Landstreichern oder Bettlern, die sich nicht mit einem Paß legitimieren können, Speise oder Almosen zu geben. (Nr. 265 v. 10. Oktober 1909.) Alerander Iljin. Korrespondenzen Aus der Plenarsitzung des Kultusvorftanbes unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern vom 9. Oktober 1910. Beginn 10 Uhr vormittags. Der Präsident Dr. Alfred Stern hielt folgende Ansprache : Bevor wir zur Tagesordnung übergehen, geziemt es sich, daß wir ein Wort des Gedenkens den schweren. Verlusten widmen, welche unsere Gemeinde erlitten, seitdem wir zum letzten Male in einer Plenarsitzung hier versammelt waren. Ich nenne an erster Stelle den am 11. Juli d. I. verstorbenen k. k. Baurat Wilhelm Stiaßny. Er war dem Dienstalter nach das älteste Mitglied des Kultusvorstandes, welchem er durch dreißig Jahre — seit dem Jahre 1880 — angehört hat. Ihnen Allen, meine Herren, ist es wohl bekannt, in welch ausgezeichneter, hervorragender Weise er seine Zeit und Kraft, seine hervorragenden Fähigkeiten und Talente dem öffentlichen Wohle, speziell aber unserer Gemeinde gewidmet hat. Er war der Erbauer des Spitales der israelitischen Kultusgemeinde, des Administrationsgebäudes und der Zeremonienhalle am Zentralfriedhofe, der Versorgungsanstalt, zahlreicher, jüdischer Wohlfahrtsinstitute, darunter in allerletzter Zeit des israelitischen Knabenwaisenhauses und zahlreicher Synagogen in Wien und ganz Oesterreich. Er entfaltete eine ungemein weitgreifende Tätigkeit auf dem Gebiete des jüdischen Lebens; das jüdische Museum, mehrere jüdische Vereine humanitärer und sozialer Tendenz verdanken seinen Intentionen ihr Entstehen. Seine persönliche Liebenswürdigkeit, sein freundliches,, jederzeit hilfsbereites Entgegenkommen, seine tüchtige, berufliche und allgemeine Bildung erwarben ihm allgemeine Sympathie, deren er sich auch in unserem Kreise in hohem Maße erfreute. Wir werden dem Verewigten ein ehrendes Andenken bewahren. Wenige Wochen später hatten wir einen anderen schweren Verlust zu beklagen. Direktor Hofrat Professor Dr. Leopold O s e r, der die Seele unseres Spitales war. ist am 22. August d. I. verschieden. Seit dem Bestände des Spitales, das ist seit dem Jahre 1872, war Hofrat Oser Primararzt an der internen Abteilung des Spitales und seit der Erweiterung durch den gynäkologisch-chirurgischen Pavillon auch Direktor des Spitales. Das was er unserem Spitale gewesen, läßt sich nicht in kurzen Worten schildern. Tag und Nacht löipm '■patD widmete er sich seinem Kinde, dem Spitale. Durch nahezu vier Jahrzehnte weihte der Verewigte seine hervorragende Kraft der seiner Leitung anvertrauten Krankenanstalt; ihrem Gedeihen galt bis zum letzten Atemzuge seine unausgesetzte Sorge. Ein weiser Arzt, ein edler Mensch, war er den Armen und Kranken ein stets hilfsbereiter, fürsorglicher Berater, seinen Schülern ein glänzendes Vorbild. — Am 1. September d. I. starb Rabbiner Dr. E l i e s e r David, welcher sieben Jahre im Dienste unserer Gemeinde gewirkt hatte. Dr. David hat sich namentlich auf dem Gebiete des Schulwesens als Inspektor für den israelitischen Religionsunterricht an Mittelschulen und als Leiter der Bildungsanstalt für israelitische Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen große und bleibende Verdienste erworben. Aus seinen Jnspektionsberichten ersehen Sie. mit welcher Sachkenntnis,. welchem. Eifer und welcher Gewissenhaftigkeit er seine Aufgabe aufgefaßt und erfüllt hat. Ebenso aus seinen Aeußerungen und Referaten über den Religionsunterricht. Auch im Gotteshause war er bestrebt, sein bestes Können und sein großes Wissen zu entfalten. Sie haben, meine Herren, durch Erheben von den Sitzen Ihrer Trauer um die vorgenannten Verstorbenen Ausdruck verliehen und verfüge ich mit Ihrer Zustimmung die Einverleibung dieserTrauerkundgebung in das Protokoll der heutigen Sitzung. Der Präsident berichtet über die Veranstaltungen anläßlich des 80. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers folgendes: „Anläßlich der Vollendung des 80. Lebensjahres Seiner Majestät des Kaisers wurde in Ausführung eines Plenarbeschlusses am 18. August l. I. vom Kultusvorstande die künstlerisch ausgeführte Huldigungsadresse, welche die Unterschriften von fast 500 Kultusgemeinde-Repräsentanzen Oesterreichs trägt, in der Kabinetskanzlei überreicht. In sämtlichen Gemeindetempeln haben an diesem Tage Festgvttesdienste stattgefunden, welchen das Präsidium und die in Wien weilenden Mitglieder des Kultusvorstandes beiwohnten. Da der Geburtstag Sr. Majestät in die Schulferien fiel, hatten die Schulbehörden die Verfügung getroffen, daß die Feierlichkeiten für die Schuljugend aus diesem Anlasse am 4. Oktober abzuhalten seien. Den Schulfeierlichkeiten sollten gottesdienstliche Veranstaltungen vorausgehen und es wurde auch die Kultusgemeinde eingeladen, die erforderlichen Verfügungen zu treffen. Da auf den 4. Oktober der 1. Tag Rosch-Haschonoh fiel, sind die Schülergottesdienste teils am 29. September, teils am 1. Oktober abgehalten worden. Es fanden 21 Gottesdienste für Volks- und Bürgerschulen und 16 Gottesdienste für die Mittelschulen statt."