Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 41 (14.10.1910)
- Date
- 1910-10-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Odesa 2× ep/1000834
- Kaluga 1× ep/1000651
- Minsk 1× ep/1000754
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Nr. 41 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 677 anstatt vor 14 Jahren von der Reichs-Gefängnisverwaltung selbst aufgelöst wurde. (Nr. 254 v. 29. September 1909.) 9. In Riga wurde ein politischer Prozeß gegen die 27 jährige Mathilde Kröger verhandelt. In den Akten hieß es, die Angeklagte habe in der Voruntersuchung das ihr zur Last gelegte Verbrechen gestanden. In der Verhandlung wurde aber festgestellt. daß dies Geständnis die Folge der ihr vom Polizeibeamten Ionin zuteil gewordenen Behandlung war: während der Voruntersuchung wurde ihr nämlich von diesem Beamten die Wirbelsäule zertrümmert. Die Angeklagte wohnte der Verhandlung auf einer Tragbahre bei. (Nr. 254 v. 29. September 1909.) 10. Aus Warschau wird berichtet: Der zum Tode verurteilte Jan Lange wurde, als er schon unter dem Galgen stand, wahnsinnig. Die Hinrichtung wurde aufgeschoben, der" Delmquent""der Irrenanstalt zur Beobachtung überwiesen. (Nr. 255 v. 30. September 1909.1 11. Im Wöchnerinnenheim zu Iekaterinburg starben an einem Tage fünf Frauen. Die Untersuchung ergab, daß ihnen aus Versehen statt einer Kochsalzinjektion eine solche mit Salmiak gemacht wurde. (Nr. 255 v. 30. September 1909.) 12. Die jüdische Bevölkerung von Odessa ersuchte den Generalgouverneur Tolmatschow um Absetzung des von ibm eigenmächtig ernannten Rabbiners Aiwinowitzkn, der sich verschiedener Unterschlagungen von Gemeindegeldern schuldig gemacht hat. Tolmatschow erwiderte, daß er noch den Ausgang der jetzt in Odessa stattfindenden Wahlen abwarten möchte. Wird der Kadettenkandidat gewählt, so bleibt der Rabbiner auf seinem Posten, zur Strafe für die bn den Wahlen den Ausschlag gebenden jüdischen Wähler. (Nr. 255 v. 30. September 1909.) 13. Der Beamte der Petersburger Geheimpolizei Bujewitsch hat von der Hausbesitzerin Ida Sundel unter der Androhung, sie zu verhaften. 2000 Rubel ervreßt. Das Gericht verurteilte den Bujewitsch zu 21/., Jahren Gefängnis: die bei ihm konfiszierten 2000 Rubel wurden ab-r der Sundel nicht zurückgegeben, sondern der Staatskasse gugeführt. (Nr. 256 v. 1. Oktober 1909.) 14. In Kasan hat sich ein dreizehnjähriger Knabe erhängt. (Nr. 256 v. 1. Oktober 1909.) 15. In einem Dorfe bei Kaluga wurde ins Haus eines Polizeibeamten eine Bombe geworfen. Die Untersuchung ergab, daß dies Attentat vom Beamten selbst veranstaltet wurde: er ist dafür seines Postens enthoben worden. (Nr. 256 v. 1. Oktober 1909.) 16. Ins Misttärspital zu Ielisawetgrad wurde ein non einem Estenbahnzuae überfahrener Soldat geschafft. Der Oberarzt Rosow erhielt vom Regiment den Auftrag, dem Verunglückten beide Beine zu amputieren. Er fand aber, daß die Operation überflüssig und bei den gegebenen Umständen sogar unzulässig sei, und führte den Befehl des Regiments nicht aus. Wegen Ungehorsams wurde er nun zu einem Monat Haft verurteilt, obwohl alle Sachverständigen seine Ansicht, daß die Overation im betreffenden Fall direkt verbrecherisch wäre, bestätigten. (Nr. 257 v. 2. Oktober 1909.1 17. Der General Ataman des Donschen Kosakengebietes hat eins Verfügung erlassen, nach der Huldigungstelegramme der Bevölkerung an den Zaren, abgesehen von besonderen Gelegenheiten, nur am 1. Januar, am 1. März usf. — also in Zwischenräumen von 2 Monaten und immer am Ersten des Monats abgesandt werden dürfen. (Nr. 257 v. 2. Oktober 1909.) 18. Der Oberinspektor der Militärspitäler des Turkestangebists erließ folgenden Tagesbefehl: „In Taschkent starb die Gattin des Stabsarztes Piper. Bei der Trauerzeremonie in der Garnisonkirche wurde das Fehlen von 4 Krankenschwestern bemerkt, die es offenbar vorzogen, an diesem traurigen Tage ihren Dienst zu versehen. Krankenschwestern, die den Schmerz ihrer Vorgesetzten nicht teilen, können unmöglich ihren Dienst mit der nötigen christlichen Aufopferung und Liebe versehen, ich kann sie also in meinem Ressort nicht brauchen. Aus diesem Grunde verfüge ich die sofortige Entlastung der genannten vier Schwestern." (Nr. 257 v. 2. Oktober 1909.1 19. Im Dorfe Andreewka wurde die wegen Diebstahls verhaftete 15 jährige Anna Tatzij von dem mit ihrer Bewachung betrauten Polizisten vergewaltigte (Nr. 258 v. 3. Oktober 1909.1 20. Die Kiewer Militärintendantur hatte an ein Regiment Tuch geliefert. Beim Auspacken stellte sich heraus, daß die Kisten statt des Tuches Ziegelsteine enthielten. (Nr. 258 v. 3. Oktober 1909.1 21. Das Ministerium des Innern hat soeben ein interessantes Buch veröffentlicht. Es enthält ein alvhabetiiches Verzeichnis sowie die Bildnisse aller volitischrn Verbrecher, die von der Polizei erfolglos gesucht werden. In einem Anhang sind die Namen und die Adreste der ins Ausland Geflüchteten angeführt. (Nr. 260 v. 5. Oktober 1909.1 22. In Kursk ließ der Kommandeur der berittenen Polizei nach einer durch^echten Nacht seine ganze Eskadron antreten und veranstaltete an der Svitze derselben mit Gesang und Gejohle einen Parademorsch durch die Stadt, wodurch die Bewohner in ihrer Nachtruhe gestört wurden. Er ist dafür seines Amtes enthoben worden. (Nr. 260 v.- 5. Oktober 1909.1 23. Im Kasaner Kreise hat ein Bauer seinen leiblichen Bruder ..wegen 'Meinungsverschiedenheit in politischen Dingen" ermordet. (Nr. 260 p. 5. Oktober 1909.) 24. Heute zählte man in Petersburg sieben Selbstmordversuche. (Nr. 261 v. 6. Oktober 1909.1 25. Bei einer in Odesta von der ertremen Rechten einberufenen Wählerversammluno. der auch der Generalgouverneur Tolmatschow mit Familie beiwohnte, wurden die Korrespondenten der „Neuen Freien Preste" und des ..Rußkoje Slowo" vervrügelt und dann hinausgeworfen. (Nr. 261 v. 6. Oktober 19090 26. Der Obervostdirektor von Minsk. Wirklicher Staatsrat Krawtschek. bat den Postbeamten, die weniger als 15 Iabre im Dienste sind, verboten. Augengläser und Svazierstöcke. zu tragen. Ferner wttd allen Postbeamten untersagt, gestärkte Stehkragen zu tragen. Die Zuwiderhandelnden werden entlassen. (Nr. 261 v. 6. Oktober 1909.1 27. In Moskau wurde der Oberst Poliakow, Mitglied des Kriegsgerichtes, verhaftet. Grund Bestechlichkeit. (Nr. 262 v. 7. Oktober 1909.) 28. Die mit der Zustellung der Wabllegitimationen betraute Polizei von Odessa hat 42 Prozent der Wahlvaviere „weaen Nichtautfindens der Adressaten" an die Wabttommistion zurückgeschickt. ..Nicht aufgefunden" wurden die m-isten liberalen Wähler, darunter der Bürgermeister und sein Gehilfe. (Nr. 262 v. 7. Oktober 1909.1 29. Der Untersuchungsrichter von Nowo-Oskol, Iermolinskn. wurde wegen Notzucht, verübt an einem kleinen Mädchen, verhaftet. Es werden ihm noch mehrere ähnliche Verbrechen zur Last gelegt. (Nr. 263 v. 8. Oktober 1909.1 30. Das Revaler Kreisgericht hat bei einem Fälscherprozeß statt eines Schreibsachverständigen aus Versehen einen Lehrer für Gesang geladen und vernommen. Auf Grund seiner Aussage wurde der Angeklagte verur-