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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-10-07 · 40 (7.10.1910) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
40 (7.10.1910)
Date
1910-10-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 670 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 40 pator Avidius Cassius verstanden sein kann, für dessen Person, Wesen und Charakter alle Züge stimmen und passen, welche die talmudische Ueberliefernng kennt. Es ist an dieser Stelle völlig ausgeschloffen, Einzelheiten zu erwähnen. Eine Fülle von Aufschlüffen archäologischer und historischer Natur, die außerhalb des Rahmens des Antoninus-Problems liegen, wird uns zuteil, rationelle Erklärungen agadischer Mitteilungen lassen diese in ganz neuem Lichte erscheinen; man versteht die Erwähnung oer egyptischen Sinaibergwerke als Schätze des biblischen Josef, des Korach und des Antonini s, versteht erst recht den Inhalt der Religionsgespräche zwischen Antonin, das heißt Avidius Cassius und Rabbi. Was aber neben der Lösung des Antonin-Problems von höchster Wichtigkeit ist, das ist die ganz neuartige, befremdende, ja frappierende Zeichnung der Gestalt Rabbis. Wir sind gewohnt, uns Rabbi, wenn wir auch wußten, daß er als Fürst eine große Rolle im öffentlichen Leben gespielt hat, als Gelehrten in stiller Klause vorzustellen. Nun tritt er uns als ein völlig Veränderter entgegen. Er ist ein Großpächter des römischen Statthalters, des Kaisers, ein Großgrundbesitzer, Oekonom, Rassenviehzüchter, Großweinhändler, Großfischhändler nach dem Muster der großen römischen Herren, ist Patronus des großen Kreises der Rabbinen, die seine Pächter und Klienten siud; er besitzt gewaltige Garten, in denen Obst, Salat, Rettig, Mangold und Lattich gepflegt wird. Sein Verhältnis zum allmächtigen Avidius Caffius, anfänglich gespannt, entwickelt sich zu intimster Freundschaft, die allmählich bis zur Verschwörung gegen Rom gedeiht, in die dann auch der natürliche Feind Roms, der Parterkönig Artabau hineinbezogeu».ist; und so erklärt sich die Zusammenstellung dieser drei Namen in der talmudischen Ueberlieferung. Rabbi ist aus nationalen Gründen politischer Verschwörer, der in geheimen Zusammenkünften mit Antonin die P äne schmiedet. Seine politische und ökonomische Größe und seine hochangesehene Stellung verdankt er nicht allein seiner Gelehrsamkeit und Tugend, sondern es sind Gunsterweisnngen des großen Avidius Caffius. Seine politische Rolle ist ausgespielt infolge des vierten jüdischen Krieges, das heißt infolge seiner und der Juden Parteinahme für den Empörer Avrdius Cassius, welcher zuerst seine Größe begründete. In Liberias hatte sich diese Machtstellung Rabbis entwickelt unter der Aegyde des Römers. Der „Heilig e" ist Rabbi in dem Sinne eines Märtyrers, wie es R. Akiba, R. Meir, R. Jose waren, weil er sich für die nationalen Ideen seines Volkes geopfert hatte. Nach dem unglücklichen Ausgange des vierten, jüdischen Krieges und dem Tode des Usurpators Avidius ^Caffius, der im fernen Osten durch Mörderhand fiel, sank der politische Stern Rabbis, er zog sich als kranker und gebrochener Mann vollkommen zurück. Die Mischnahredaktion ist das Produkt unfreiwilliger, politischer Muße. Nicht übel wäre hier der Hinweis auf die Erscheinung, daß auch die römischen großen Staatsmänner erst in der Zeit ihrer politischen Muße ihre schriftstellerische Tätigkeit entwickelten, wie zum Beispiel Cicero, der seine philosophischen und rhetorischen Arbeiten erst in der Zeit der Muße publizierte. Man sieht, das Werk ist an intereffanten Ergebnissen sehr reich, von Einzelheiten, die alte Jrrtümer lösen, ganz abzusehen. Das Buch ist unstreitbar hochinteressant und in den Grundergebnissen wohl als sicheres und verläßliches, wissenschaftliches Gut zu begrüßen. Nun sind wir doch vom Antoninus-Rätsel befreit und erfreuen uns eines prächtigen Buches aus der Feder eines spruchbefugten Gelehrten. Dr. D. Feuchtwang. Wir Gelehrte« vom Fach. Eine Streitschrift gegen Professor D. v. Südens „Hat Jesus gelebt?" Von Fr. Steudel. Frankfurt a. M. 1910. Frankfurter Verlag. Preis M. 1.20. Steudel weist nicht nur nach, daß Soden das von Drews aufgerollte Problem noch nicht einmal in seiner ganzen Tiefe erfaßt, geschweige denn beseitigt hat, sondern er trägt auch in Ergänzung von Drews Positives zur Lösung der schwierigen historischen Frage noch bei. Wer in dem Streit um die Christus-Frage mitreden will, wird an dem Buche nicht Vorbeigehen können. Die leidenschaftliche, aber auch Punkt für Punkt sachlich begründete Zurückweisung des „Gelehrten" rechtfertigt sich durch die gehässige Kampfesweise, welche die „Gelehrten vom Fach" gegen Drews inszeniert haben. I. Zaugwlll, Komödien des Ghetto. Autor. Ausgabe. Nach dem englischen Original, deutsch von Dr. H. H. E w e r s. Berlin 1910. Siegfried C r o n b a ch. „Die wahre Tragödie, der schwerste Kummer liegt in dem Martyrium, daß Israel seiner Leiden unwürdig geworden ist." (S. 52.) Solche Vorwürfe, allgemein gehalten und darum den Widerspruch jedes billig Denkenden herausfordernd, wiegen im Munde eines Nichtjuden nicht allzuschwer. Sie werden aber sicherlich von jedem Judenfeinde mit Wollust doppelt unterstrichen, wenn sie ans der Feder eines Juden und eines Juden wie Zanawfll fließen. Und doch wird man ihm glauben müssen, daß dre Figuren, die er in diesem Buche auf die Bühne bringt, dem Leben abgelauscht oder doch wahrscheinlich sind. Die „Anglisierung", die den exzessiven Fanatiker der Affimilierung karikiert, die „jüdische Dreieinigkeit", die den jüdischen Antisemitismus geißelt, „Samroborona", eine Satire auf den Parteienzwist inmitten des Häufleins Juden, das sind derbe — wollte Gott auch heilsame! — Medikamente gegen widerwärtige hier an den Pranger gezerrte Laster. Zangwill will seine Patienten kurieren, indem er sie zum Lachen über ihre eigenen Leiden reizt. Und auf ihn hört man, denn es gehört zum guten Ton, von ihm zu wissen. Uebrigens kommt man bei Zangwill stets auf seine Kosten. Er unterhält vortrefflich und gibt außerdem nachzudenken. Eine bessere Einführung in deutsch lesende Kreise als durch Ewers hatte er sich nicht wünschen können. R. James Femmore Cooper, Lederstrumpf-Erzählungen in der ursprünglichen Form. Band IV.: „Die Ansiedler". V. Band: „Die Prärie". Paul Cassirer's Verlag. Berlin W. 10. Preis jeden Bandes elegant gebunden M. 3.80. In den vorliegenden zwei Bänden erreicht Cooper's Monumentalwerk in der ursprünglichen, vollendeten Form, in der es der Meister selbst schuf, seinen Abschluß. Die Herausgabe und die Uebersetzunq besorgte, wie auf diesen Blättern wiederholt bemerkt worden ist, Dr. Karl Federn. Die Vorrede schrieb Dr. Karl Krickeberg, Assistent am Völkcrmuseum in Berlin. E. R. Weiß zeichnete die Initialen, die Mox Slevogt mit kleinen entzückenden Bildern schmückte, und und Karl Walser entwarf den pittoresken Umschlag. Die Drucklegung überwachte Julius Meier-Graefe. Der billige Preis ist nur dadurch ermöglicht worden, daß der Satz der Luxusausgabe (Slevogt Steinzeichnungen zum Lederstrumpf. Preis M. 800.—) verwendet wurde. „Die Quelle" bringt in ihrem 1. Hefte des IV. Jahrganges (Rudolf Greinz-Nummer) die mit köstlichstem Humor durchtränkten Erzählungen „Ein viertel Tiroler Adler" und „Der Krat" des populären Tiroler Heimatdichters. An seine mit Porträt versehene „Selbstbiographie" reihen sich M. v. Ebner-Eschenbachs „Neue Parabeln" und Gedichte von Karl Schönherr, Herma v. Skoda, Regierungsrat Freund, K. F. Leppa und dem Herausgeber Dr. Rob. Reinhard. Besonders hervorzuheben sind Carola Bruch-Sinns Festgruß an Marlin Greif mit Bild des Dichters und das mit ausführlicher Erläuterung versehene Prachtbild „Der gestiefelte Kater" von M. v. Schwind. Auf die „Freie Volksbühne" weist St. Großmanns Aufsatz über drei Einakter Arthur Schnitzlers und auf sämtliche Volksausgaben der Artikel „Leser und Bücher" von K. F. Escuyer-Wittich hin. Die wichtige Rubrik „Gegen den Strom" schließt das gediegene Heft, dem weitere über Wilh. Fischer (Graz), Enrika v. Handel-Mazzetti usw. folgen sollen. — Die Administration, Wien, III., Linke Bahngasse 9, übernimmt Abonnements zum Preise von jährlich K 4 — franko. Monatsschrift für Geschichte und Wiffenschaft des Judentums. 54. Jahrgang. Heft 7/8. Begründet von Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. B r a n n. 51. Jahrgang. Neue Folge. 18. Jahrgang. Juli - August 1910. Inhaltsverzeichnis! S. L a m p e l: Neueste exegetische Methoden. — I. Rosenberg: Das aramäische Zahlwort im babylonischen Talmud. — A.A p t ow i tz e r: Die talmudische Liieratur der letzten Jahre (Fortsetzung). — M. Gaster : Die Ketubbah bei den Samaritanern (Fortsetzung). — Simon Eppenstein: Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter. (Neue Folget (Fortsetzung.) — Isert Rösel: Die Neichsstenern der deutschen Judengemeinden von ihren Anfängen bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. (Schluß.) — A. E ck st e i n: Die Emanzipationsbestrebungen in Bamberg. (Schluß.) — Hermann Cohen: Die Einheit des Herzens bei Bachja. — Besprechungen: Elbogen I, Studien zur Geschichte des jüdischen Gottesdienstes. Von H. B r o d y. — Schriften der jüdisch-hellenistischen Literatur in Uebersetzung. Herausgegeben von Leöpolo Cohn. Erster Band: Philos Werke, erster Teil. Von Heinemann. — Sitzungsprotokoll der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums vom 30. Juni 1910. Koebern'sche Verlagsbuchhandlung. (Barasch^ und Riesenfeld) Breslau. „Die Hilfe." Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst. Herausgegeben von Friedrich Naumann, M. d. R. Nummer 39 vom 30. September 1910: Aus dem Inhalte: Friedrich Naumann: Nord und Süd. — Theodor H e u ß: Magdeburg. Paul R o h r - b ach: Diamantkrisis in Südwestafrika. II.— Hans Sold an: Schule für Handwerkslehrlinge« — Gottfried Traub: Gesundung. — Emil Engelhardt: Heinrich Lhotzky. — Franz Fromme: Italienischer Spaziergang. — Karl Wilh. Fritsch: Um Michelburg. — Verlag der „Hilfe". Berlin-Schöneberg. „Das freie Wort". Frankfurter Halbmonatsschrift für Fortschritt auf allen Gebieten des geistigen Lebens. Begründet von Karl Sänger. Herausgegeben von Max Henning. Erstes Oktoberheft 1910. X. Jahrgang, Nr. 13. Inhalt: Zwei Welten. Die neue Türkei. I. Von Martin H a r t m a n n. Die Industrie als Reich der Verfassung und der menschlichen Kultur. Von R e a y. — Ein Traum. Dem zweiten Bismarck gewidmet. Von Utis. — Kritische Beiträge zum Kampf um Christus. Von E. K r i e ck. — Voltaire und die Lüge. Von Professor Dr. Jos. H a n s e n. — Kleine Mitteilungen. Frankfurt am Main. Neuer Frankfurter Verlag. G. m. b. H. Line neue kebräisvke leitsebrift. In Berlin erscheint eine neu gegründete hebräische Zeitschrift „Haibri“ unter der Redaktion des Schriftstellers M. Berlin, welcher die Mitarbeiterschaft einer grossen Anzahl hervorragender Gelehrter und Schriftsteller gesichert ist. Die Redaktion des „Haibri“ befindet sich Berlin N. 24. Abonnements nehmen entgegen: Dr. E. B a n e t h, Berlin, Rosenthalerstrasse 25; Dr. M. Hildesheimer, Berlin, Linienstrasse 111.

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