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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-10-07 · 40 (7.10.1910) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
40 (7.10.1910)
Date
1910-10-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 666 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 40 Jubiläum A. A. Harkawys. Baron David Ginzburg in Petersburg veröffentlicht im „Heb Hasman" einen umfangreichen Aufruf, in welchem er darauf aufmerksam macht, daß am 22. Cheschwan, 24. November d. I.. der hervorragende russisch-jüdische Gelehrte Dr. A. A. Harkawy seinen 75. Geburtstag und gleichzeitig das 50 jährige Jubiläum seiner Gelehrten und PublizistenLätigkeit begehen werde. Baron Ginzburg ruft daher die jüdische Intelligenz zu einer imposanten Kundgebung für den greisen Gelehrtenjubilar auf. „Obgleich jetzt schwere Zeiten sind, in denen man keine Lust zu Festlichkeiten verspürt", schreibt Baron Ginzburg, ..aber die Juden haben selbst in ihrer größten Not es als eine Ehrenpflicht angesehen, der Wissenschaft die ihr gebührende Ehre zu erweisen". Der Baron bittet daher alle Freunde Dr. Harkawys, sich mit ihm, dem Baron, mündlich oder schriftlich (Baron David de Ginzburg, W. u. l., e Lique Nr. 4 u St. Petersburg) ins Einvernehmen zu setzen. Kouftantinopel. David Effendi M o l ch o, ehemaligen ersten Uebersetzer des Kaiserlichen Diwans, ist die Ernennung zum Senator erteilt worden. Die ottomanischen Juden werden also künftig durch zwei Sitze im Senate vertreten sein. Paul Nathan in Amerika. Der »N. J. K « wird aus Newyork gemeldet: Der Vorsitzende des Hilfsvereins der deutschen Juden. Herr Paul Nathan, ist in Newyork eingetroffen. Man wird nicht fehl gehen, wenn man seine Reise mit der Galvestoneangelegenheit in Verbindung bringt. — In derselben Frage hat auch eine Konferenz zwischen den Herren Paul Schiff und Karl Stettauer aus London stattgefunden. Herr St' ttauer ist inzwischen nach Philadelphia weitergereist. Der Chachambaschi von Jerusalem. Der »J. N. K.« wird aus Saloniki gemeldet: Wie hier bestimmt verlautet, hat sich Rabbi Jakob Me'fr nunmehr entschlossen, das Amt des Rischon le Zion, des Oberrabbiners von Jerusalem, anzunehmen. Zur Auflösung des jüdischen Konsistoriums in Konstantinopel. Aus Konstantinopel wird der >N. J. K.« gemeldet: Wie erinnerlich, war nach der Demission der beiden Ratskörper des Mischliscb. umumi eine provisorische siebengliedrige Kommission zur interimistischen Leitung der Geschäfte und zur Vorbereitung der Neuwahlen eingesetzt'worden. Nunmehr hat der Justizminister diese Kommission für ungesetzlich erklärt und ihr die Anerkennung verweigert. Feuilleton- Skizze« rmd Studien zue Geschichte der Jude« in Polen. Vo» Dr. Majer Balaban, Lemberg. VIII. Die Brüder Abraham und Michael Esophowicz, Ritter von Leliwa. (Finanzminister und Iudenmeister.) Viel wurde in der Heraldik über die Frage gestritten, ob die Juden tn~ Polen durch die Taufe in den Adelstand erhoben wurden. Marceli Janecki^) schneidet den gordischen Knoten einfach durch, indem er erklärt, daß „selbst das schärfste Späherauge unter den bis zum Jahre 1764 Geadelten weder einen Juden, noch 9 Erhielten die Juden in Polen durch die Taufe den Adel st and? Separatabdruck aus der Viert ljabrsfchrtft für Heraldik, Sphragistik und Genealogie. XV. Jahrg., Heft 4. Berlin 1888 Seite 4—5. (bis auf den Perser Baunobaubek, welcher im Jahre 1662, und den ottomanischen Findling Anton B e - kierski, welcher im Jahre 1726 nob'.litiert wurde) einen Neophyten zu entdecken vermag". Die Nobilitierung der getauften Juden basiert auf dem Artikel 8 des sogenannten III. Litauischen Statuts (oder Artikel 1 des I. Statuts), dessen Schlußpassus folgendes besagt: „Und sollte ein Jude oder eine Jüdin dem christlichen Glauben beitreten, so soll jene Person und ihre Nachkommenschaft als Adlige anerkannt werden"?) Diese Norm war, scheint es’, nur in Litauen giltig, und anbei nur bis zur gänzlichen Union Litauens mit Polen (I. 1569), da nachher die Adelsbriefe vom Landtage genehmigt werden mußten. Jedenfalls kennen wir viele Juden, die nach der Taufe geadelt wurden, wie auch solche, die das Bürgerrecht einer Stadt erhielten. Wie es scheint, war es von der sozialen Stellung des Neophyten abhängig, in welche Klasse der Bevölkerung er nach der Taufe eintreten konnte. Von den Lemberger Täuflingen, auf die wir zufällig in den Grod- und Stadtakten stießen, ward keiner in den Adelsland erhoben, dasselbe können wir mit aller Bestimmtheit von den Täuflingen in Glinna Nawaria (bei Lemberg) behaupten. Im dortigen Matrikelbuche der katholischen Pfarre fanden wir während zweier Jahrhunderte (1600—1800) 5 Judentaufen (1638, 1658, 1710, 1728. 1745); kein Täufling wurde geadelt, obwohl hochadelige Herren und Damen ihre Taufpaten waren. Von der Regel sind jedoch viele Ausnahmen?) Im großen Register der „Polnischen Neophyten" von Jeske Choinski finden wir viele geadelte Juden und Jüdinnen, auch die meisten von den Frankisten wurden in den Adelstand erhoben?) Somit wäre die Behauptung I a n e ck i s widerlegt, was schon Prof. V a l z e r in der Besprechung dieser Arbeit klargelegt hat. Der polnische Adel hat viel Judenblut in seinen Adern; das wurde schon auf dem Landtag im Jahre 1764 hervorgehobm und dagegen protestiert?) Ein geadelter Iudentäufling ist in Polen nicht selten, ein geadelter Jude eine rara avis, auf die wir hier aufmerksam machen wollen. In dem ersten Bande des Rußko-Jewrejski- Archiw finden wir, sub. Nr. 96, die Nobilitierung des .idonei viri Michaelis Josephowicz hebraei" dem der König Sigismund I. das Wappen: L e l y v a erblich lut ipso Michael et sua posteritas) verleiht. Diese Nobilitierung kennt schon Wolff (Ein Jude als Schatzmeister des Königs Sigismunds) unh kennt Spinner?) beide gehen an ihr ruhig vorüber, ohne ihr welche Aufmerksamkeit zu schenken. Wolff bringt der ganzen Sache einen Unglauben entgegen. Wir lesen bei ihm: „Der König erhob im April 1525 den Juden Michael Esophowicz, den Zöllner zu Brzeäc ... in den Adelsland und verlieh ihm als Symbol das Wappen Leliwa. Die Nobilitierung dieses Juden im 16. Jahrhundert bildet das einzige Beispiel in der Geschichte." Nach diesen Ausführungen will uns Wolff klarmachen, daß Michael den Adelsbrief gar nicht annahm, indem er weiter Handel trirb und Wirtshäuser ") Czacki: 0 litewskich i polskich prawach. (Heber die besetze Lithauens und Polens.) Editio Turowski, II. Band. S. 231—9. Diese Frage behandelt ausführlich der bedeutendste polnische Jurist Prof. Oswald Balz er im „Kwartalnik historyczny", II. Jahrg., S. 433-438. b) Balaban Majer: Zydzi lwöwscy na przelomie 16 i 17 wiekn. (Lemberger Juden um die Wenle des 16. und 17. Jahrhunderts.) Lemberg 1906. Seite 526—7. 4) Jeske Choinski: Neofici polacy. Warschau 1904. 5) Volumina legum Band VII sub anno 1764, folio 74, 420,863. 6) Zyd ministrem Kröla Zygmunta. Krakau 1885. S. 37—8. 7) Spinner S.: Etwas über den Stand der Kultur bei den Juden in Polen im XVI. Jahrhundert. Frankfurt a. M. 1903.

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