Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 40 (7.10.1910)
- Date
- 1910-10-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 40 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 667 Göding. Laut Aufruf „Dringendste Bitte an edle Menschenfreunde!" in Nummer 38, sind beim Rabbinat Göding noch folgende Spenden eingelaufen: Leopold Koch, Wien, XIX., Lauerstraße 24, Kr. 10, F. E>singer, Zistersdorf, Kr. 10, H. B. Bennisch, Kr. 2, Rabbiner Dr. Hoff, Bisenz. Kr. 2, Dr. I. F., Göding, Kr. 3, Leo Baß, Wien, II., Lessinggaffe, Kr. 3. — Summe Kr. 30. Den edlen Spendern wird auch im Namen des hilfsbedürftigen Glaubensbruders herzlichst gedankt. Dr. L. Lazarus. Klattau. Der hiesige Chor- und Geselligkeitsverein veranstaltete unlängst anläßlich der silbernen Hochzeit seines langjährigen Mitgliedes des Herrn I. Goldbach einen Vergnügungsabend, der einen sehr animierten Verlauf nahm- — Derselbe Verein hat seine Bibliothek bedeutend erweitert und durch die Andresche Buchhandlung in Prag neue, moderne Bücher angeschafft, die fleißig benützt werden. Um die Reorganisation der Bibliothek machte sich insbesondere Herr Jur.-Stud. Artur Steiner verdient. — Die Kultusgemeinde hat den Jahresgehalt des Oberkantors Herrn Philipp Roenschein um 400 K. erhöht. Dieselbe Gemeinde hat einen großen Verlust durch das Ableben der Frau Mathilde Feigl, Fabrikantensgattin und Präsidentin des israelitischen Frauenvereines, erlitten. Die Verblichene war nicht nur eine Mustergattin und Hausfrau, sondern auch eine der wohltätigsten Damen. Es war ihr ein Herzensbedürfnis, im Stillen Wohltaten zu üben; deshalb ist die Trauer um die Heimgegangene eine allgemeine. Davon zeugte das am 2. d. M. stattgehabte Leichenbegängnis. Jung und Alt, Arm und Reich, Vornehm und Gering, ohne Unterschied der Konfession, beteiligte sich an demselben; auch Herr Bezirkshauptmann J.-U.-Dr. Anton Pribyl gab der Verblichenen das letzte Geleite bis auf den Friedhof. Daselbst gedachte Herr Rabbiner Dr. S. Bret in einer kurzen, aber sehr gehaltvollen Rede des edlen Charakters der Entschlafenen. Möge ihr die Erde leicht sein! Krumau. (T e m p e l w e i h e.) Der 18. September, Sonntag vormittag, brachte der israelitischen Kultusgemeinde, welche Jahrzehnte lang ihren Gottesdienst in gemieteten Räumen abzuhalten genötigt war, die Erfüllung eines langgehegten Wunsches, die Einweihung des neuerbauten Gotteshauses. Dasselbe war nach den Plänen des Herrn Architekten Viktor Kafka (Prag) ganz abweichend von dem üblichen Synagogenbaustil , in sehr einfacher aber sehr geschmackvoller Weise in das bauliche und landschaftliche Bild der Stadt passend entworfen worden und wirkt, weil allen überflüssigen Schmuckes entbehrend, umsomehr durch die klare Einfachheit seiner Formen. Die Ausführung der Pläne hatte Herr Baumeister S o s n a (Krumau) übernommen, während die innere Einrichtung nach den Plänen des genannten Architekten fast durchwegs von hiesigen Firmen, voran den Herren Brüder Schinko und L. Schönbaur geliefert worden war. Die Feier begann mit einem von Herrn Professor Frühling auf dem Harmonium vorgetragenen Präludium eigener Komposition, worauf Herrn Ludwig Spiro von dem Architekten und dem Baumeister des Tempels die Schlüssel desselben überreicht wurden. Herr Spiro dankte sowohl den beiden Herren, wie allen Lieferanten und Arbeitern, die an der Ausführung des schönen Baues mitgewirkt hatten, gedachte der so weit zurückreichenden Bestrebungen zur Erbauung eines eigenen Gotteshauses, die mit dem heutigen Tage endlich in Erfüllung gingen, erwähnte der Wohltäter, welche den Bau ermöglicht hatten und begrüßte schließlich die zahlreich erschienenen Gäste und ersuchte den anwesenden Herrn Bürgermeister, dem neugebauten Tempel gleich den übrigen Gebäuden der Stadt den Schutz der Gemeinde angedeihen zu lassen. Herr Bürgermeister Khemeter dankte namens des Stadtrates für die Einladung zu der schönen Feier und versprach, daß sowohl er als auch seine Nachfolger nicht ermangeln werden, das Gotteshaus in ihren Schutz zu nehmen. Nach einem unter Leitung des Herrn Siegfried Kohn gesungenen Chorals nahm Herr Rabbiner Dr. Hirsch das Anzünden des ewigen Lichtes vor, worauf das erste Ausheben der Thorarollen vor sich ging. Nach dem nun folgenden Choral „Die Ehre Gottes" von Beethoven hielt Herr Rabbiner D. Thieberger (Budweis) eine gedankenreiche, alle Herzen bewegende Festrede, an deren Ende er des 80. Geburtsfestes unseres Monarchen in inniger Weise gedachte. Es erfolgte unter Abfingung, des „Psalm 100" von Rubin das Wiedereinheben der Thora wobei ebenso wie beim Ausheben Herr Oberkantor Weiß (Budweis) in wirkungsvollster Weise die Solopartien zum Vortrag brachte. Mit dem vom Rabbiner Herrn Dr. Hirsch vorgetragenen Kaisergebet, der vom Chor gesungenen Volkshymne und dem von Herrn Profeffor Frühling gespielten „Largo" von Händel nahm die erhebende Feier ihren Abschluß. Zu derselben hatten sich die Kultusvorsteher von Linz, Budweis und Auscha, ferner die Herren k. k. Statthaltereirat W i d i m s k y aus Prag, die Herren der Bezirkshauptmannschast mit Herrn Bezirkshauptmann Dr. S t e p a n, der gesamte Stadtrat unter Führung des Bürgermeisters Herrn Franz Khemeter und dem größten Teil der städtischen Beamtenschaft, Herr Bezirksobmann Karl Schinko, Herr Gymnafialdirektor Dr. Josef Gerstendörfer mit mehreren Professoren, der k. k. Ober-Postverwalter Böhm, Herr k. k. Steuer-Oberverwalter Schuster, Herr Köhler, Direktor der Mädchen-Bürgerschule, sowie ein Herr Vertreter der Knaben-Bürgerschule. der Fürstlich Schwarzenberg'sche Herrschaftsdirektor Herr Müller, Herr Forstmeister R u l f mit zahlreichen Beamten, ferner viele geladene Gäste, insbesondere auch Damen eingefunden. Stryj. Anstatt der üblichen Neujahrsgratulatiouen haben zugunsten des jVereines „Ognisko Kobiet Zydorskich" und dessen Kinderheims in Stryj folgende Spenden an den Verein gesendet: Frau Filipine Heiselkorn Kr. 20, Frau Helene Rosenmann 10, Frau Aberdamm 4, Frau Franziska Apfelgrün 2, Frau Rosa Apfelgrün 2, Frau Reisel Apfelgrün 1, Frau Borak sen. 3, Frau Borak jun. 3, Frau Dr. Byk 3, Frau Dr. Bienenstock 2, Frau Berta Eckert 2, Frau Rosa Findling 2, Frau Regina Fürst 2, Frau Finkelstein 1, Frau Helena Goldberg 2, Frau Anna Greismann 2, Frau Chaje Gärtner 2, Frau Helene Hochmann 4, Frau Regina Horowitz 1, Frau Zofia Ingber 2, Fräulein Laura Jmber 1, Frau Fanny Klarsfeld 1. Frau Rachela Katz 2, Frau Dr. Kiczales 5, Frau Cecylia Kanner 1, Frau Tr. Linskier 2, Frau Helene Luft 2, Frau Netti Linhardt 1, Frau Agata Mondschein 2, Frau Ernesthna Mondschein 2, Fräulein Toni Rothfeld 2, Frau Cecylia Rosenfeld 2, Frau Reisler 4, Frau Chaja Rothberg 1, Frau Sennuel 1, Frau Klara Storch 2, Frau Gisela Stern 1, Frau Sydonie Scheer 2, Olylia Schwarz 1, Frau Berta Schmorak 2, Frau Erna Schimmer 2, Frau Anna Wepper 2, Frau Berta Winnig 2. Györ (Raab). Herr Adolf Szanto, Oberkantor der Raaber israelitischen Kultusgemeinde, entzückte vorigen Freitag abends in einem solennen Gottesdienste seine in tiefer Andacht versunkenen Gemeindemitglieder. Und 'als er mit höchster Hingebung das Herz und Gemüt bewegende Gebet! »Elohenu welohe awosenu, reze bimenuchosenu« lieblichst intonierte, ahnte er leider nicht, daß er einen Tag später, Samstag nachts, plötzlich das Zeitliche segnen und der vom himmlischen Vater erbetenen Ruhe gar so schnell selbst teilhaftig werden würde. In ihm* verschied das berühmte Oberhaupt einer gediegenen Künstlerfamilie. Seinen ältesten Sohn, Theodor Szanto, berühmten Klaviervirtuosen und Komponisten, traf die Trauerkunde in Paris, wo er mit seiner Schwester, der Opernsängerin Litt Szanto. Frau des Tenoristen Sigismund Sas, gastierte. Die sich einer berückenden Schönheit erfreuende jüngere Tochter Ilona Szauto, Frau des Ministerialsekretärs Dr. Alexander Karsai, eine Zierde der Budapester illustren Gesellschaft, eilte mit ihrem Gemal und ihren Brüdern — zweien Beamten der „Hazai Takarekpenstar" und zweien Hörern der juridischen Fakultät — an die Bahre ihres vielgeliebten Vaters. Tief ist die Trauer der sich allgemeiner Wertschätzung und Liebe erfreuenden Familie, tief die Trauer der Kultusgemeinde, welche selbe dadurch bekundete, daß sie eine Parte versendete, am Tempelgebäude eine Trauerfahne aufhissen ließ, ferner dadurch, daß sie das Innere des Tempels schwarz drapieren und die Leiche des so plötzlich Verschiedenen dahin überführen ließ, wo Oberrabbiner Herr Dr. Moritz Schwarz in Gegenwart der trauernden Familie und der Kultusgemeinde, sowie zahlreicher Verehrer und anderer Konfeffionen in seiner warm empfundenen Rede tiefgerührt die unvergänglichen Verdienste schilderte, welche sich der Verblichene um die Hebung des Gottesdienstes der Györer israelitischen Gemeinde erworben. In herzerhebenden, edlen Worten drückte der Oberrabbiner den Dank der Gemeinde, der Schule, der Gemeindeinstitutionen, in welchen er sein Wirken wußte, aus und schilderte die allgemeine Trauer, welche die Achtung und Wertschätzung, deren sich der Verklärte kraft seiner Biederkeit und Herzensgüte erfreute, selbstverständlich erscheinen ließen. Von diesen herrlichen, ergreifenden Worten aufs Tiefste gerührt, blieb kein Auge trocken. Zu Tränen gerührt, beteiligte sich auch am letzten Trauerchoral seine Gesangsschülerin und Verehrerin Frau Johann Schmidl, Fabrikantens-Gattin. Sodann intonierte Herr Prinz, zweiter Kantor, in herrlichem Bariton den Geleitgesang und schließlich waltete die Chewra-Kadischa ihres Amtes. Das günstige Wetter war den Leidtragenden der Familie und der Gemeinde hold, so daß sich der Friedhof vollkommen füllte. Dort wurden ihm die letzten Ehren erzeugt. Im Friedhof fungierte Herr Kantor Ludwig Weiß, welcher nunmehr der älteste Kultusbeamte der Gemeinde ist. G. W i l h» S z ö g y i. Briefen (West-Preußen). Herr Oberkantor Markus May aus Freystadt ist mit Genehmigung des Ministers einstimmig zum Oberkantor der hiesigen Gemeinde gewählt worden.