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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-10-07 · 40 (7.10.1910) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
40 (7.10.1910)
Date
1910-10-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 666 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 40 den. Wie es heißt, hat der 73 jährige Mann, der schwerhörig war, die Zurufe des Lenkers des Wagens überhört. Herr Russo klagte nach dem Unfall über Schmerzen in der Hüftengegend, lehnte jedoch die Intervention der Rettungsgesellschaft ab und fuhr in seine Wohnung. Gestern ist er nun gestorben: wie von den Aerzten vermutet wird, an Verletzungen, dir er beim Sturze erlitten. Herr Russo, der durch viele Jahre an der Spitze der hiesigen türkischen Gemeinde stand, war eine stadtbekannte Erscheinung. Der Verstorbene, der ein großer Wohltäter war, hinterlätzt eine Witwe. Wien. (Erste Koscher-Fleischausstellung unter Aufsicht des Rabbinates.) In der Internationalen Jagdausstellung fesselt die Aufmerksamkeit die Koscher- Fleischausstellung des Herrn A. Lipschütz II., Kcumbaurngaffe 1. Diese Ausstellung enthält nur erstklassige Qualitäten. Man findet ausschließlich Hochprima-Rindfleisch von Dioßeger Zuckerfabriksmastochsen, welches von den Frequentanten des Wildbretpavillons in der Jagdausstellung allgemein bewundert wird. Wien. (Jüdischer Handlungsgehilfenverband „Achwa h", Wien, II., Taborstraße 20, Souterrain.) Samstag den 8. Oktober d. I. findet ein Vereinsabend mit Vortrag der beeideten Schriftsachverständigen Mme. Dolphine Poppäe über „Graphologie" (mit Skioptikonbildern) statt. Beginn 6 Uhr abends. Gäste (Damen und Herren) willkommen. — Der Verein erlaubt sich gleichzeitig auf seine im Oktober eröffnete Stellenvermittlungsabteilung zu verweisen und bittet die P. T. Herren Chefs, etwaige Vakanzen dem Vereine mitzuteilen. Tüchtige Bewerber sind stets vorgemerkt. Die Vermittlung erfolgt für Mitglieder und Arbeitgeber vollständig kostenlos. Wien. (Akad. Verein „Jüdische Kultur" II., Blumauergasse 20.) Tienstag den 11. d. M., halb 8 Uhr abends, findet im Vereinslokale ein Vortrag mit nachfolgender Diskussion über „Die jüdische Muttersprache an den Wiener Hochschulen" statt. Gesinnungsgenossen und Gäste herzlichst willkommen. Wie«. Um allen jüdischen Hoch- und Mittelschülern das Erlernen der hebräischen Sprache zu ermöglichen, beschloß die akademische Vereinigung für hebräische Sprache und Kultur „Hat'chijah", hebräische Sprachkurse zu errichten und erficht hiemit die Herren Kollegen, die an dem Unterricht teilnehmen wollen, sich anzumelden. Es werden auch diejenigen Hochschüler, die des Hebräischen bereits mächtig sind, höflichst ersucht, der Vereinigung als Mitglieder beitreten zu wollen. Ferner wird mitgeteilt, daß die Vereinigung Informationen betreffs hebräischer Lektionen erteilt. Nähere Auskünfte erteilen: Zwi Freyfelder, sind. MI., IX., Hahngaffe 12, Hochparterre, T. 9; Naftali Siegmann, stnä. rned., IX., Brünnlgaffe 7, II. St., T. 14. Tod des 106 jährigen Moritz Weiß. Der ältesten Bewohnerin Wiens, der 112 jährigen Frau Katharina Fröhlich, die Sonntag im israelitischen Versorgungshause starb, ist am 30. September vormittags in derselben Anstalt in der Seegaffe der älteste Bewohner Wiens, der 106jährige frühere Fleischhauer Moritz Weiß in den Tod gefolgt, nachdem er bloß kurze Zeit krank gewesen war. Auch er war ein Ungar und ist in den Sechziger-Jahren nach Wien gekommen. Weiß war früher selbständiger Fleischhauermeister, ging aber zugrunde und arbeitete als Gehilfe bis in sein hohes Alter. In den letzten Lebensjahren hatte er sich durch kleine Geschäfte, die er besorgte, gerade so viel verdient, daß er zu leben hatte, ohne den beiden Söhnen, die selbst nicht Ueberfluß hatten, zur Last zu fallen. Noch als Hundertjähriger trank er mehrere Viertel Wein, ohne Beschwerden zu empfinden. Auch Zigarren rauchte er bis in die letzte Zeit. Als Wanderbursche hatte er eine Begegnung mit — Rosza Sandor. Er hatte sich in Ungarn in einem Walde verirrt und war spät nachts in eine Schenke gekommen, die bald auch zwei bis an die Zähne bewaffnete Männer aufsuchten. Sie luden ihn an den Tisch ein und ließen ihm, da er kein Geld hatte, Speisen und Wein auftischen. Einer fragte ihn, ob er den Räuberhauptmann Rosza Sandor kenne. Als Weiß verneinte, stellte er sich als Rosza Sandor vor. Weiß erhielt ein Nachtlager. Am nächsten Morgen ubergab ihm der Räuber einen Brief und sagte ihm: Am Ende der Ortschaft triffst du in der Papprlallee einen Mann mit blauer Schürze, das ist mein Bruder. Ihm übergibst du den Brief. Gehe und schweige,. sonst wirst du um einen Kopf kürzer gemacht." Weiß nahm den Brief, erhielt einen Doppeltaler Trinkgeld und erfüllte den Auftrag. In den letzten Lebensjahren konnte man Weiß tagtäglich im Cafe Koppel in der Schmelzgasse sehen. Er saß in einer Fensternische und las mit der Brille die Zeitung. Oft kiebitzte er noch, als er den Hunderter überschritten hatte, beim Tarokspielen. Um 6,Uhr abends pflegte er in das nahegelegene Gasthaus zu gehen und sein Nachtmahl zu verzehren und ein Viertel Markersdorfer zu trinken. Er hat im II. Bezirk, Novaragaffe 8, ein Kabinett bewohnt. Das Mittagmahl pflegte er sich selbst zuzubereiten. Mit 42 Jahren hatte Weiß geheiratet. Seine Frau starb vor 22 Jahren. Als. Hundertjähriger bemerkte er noch scherzend: „Mit 85 Jahren bin ich Witwer geworden. Freilich hätte ich noch damals als rüstiger Mann eine Gattin bekommen, aber ich überlegte es mir und ließ es bleiben. Jetzt habe ich die Heiratsgedanken aufgegeben. Es heißt, eine Frau soll um 10 Jahre jünger als der Gatte sein. Da müßte ich mir eine Neunzigjährige nehmen und das wäre nicht mein Geschmack." Weiß hatte sieben Kinder, von denen zwei am Leben sind, ein Sohn ist Schneidermeister und 57 Jahre alt, ein zweiter Sohn ist Schlosser und in einer Eisenmöbelfabrik beschäftigt. Das Leichenbegängnis fand Sonntag den 2. Oktober, halb 12 Uhr vormittags, unter zahlreicher Beteiligung auf der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes statt. Außer den Verwandten waren viele Gemeindemitglieder aus dem II. Bezirke und Vertreter diverser Vereine anwesend. Der „Verein zur Bekleidung und Unter st ützung armer alter Männer israelitischer Konfession", der an dem Schicksal des hochbetagten Mannes lebhaften Anteil nahm und ihm bis an sein Lebensende eine monatliche Rente zukommen ließ, war durch die Vorstandsmitglieder Gustav Planer, Isidor G o l d b l a t t, Josef F l e s ch und den Vereinssekretär Dr. M. L ö w y vertreten, welch letzterer dem Heimgegangenen einen warmen Nachruf hielt. Die kantorale Funktion hatte über Ersuchen des „Alte Männer-Vereines" Herr Oberkantor Don Fuchs rrma avb übernommen und dieselbe in überaus erhebender Weise versehen. Wien. („Ha so mir", Verein zur Förderung jüdischer Literatur und Kunst.) Die nächste Gesangsprobe findet Dienstag den II. d. M., um halb 8 Uhr abends, im „Cafä Doha n", II., Untere Augartenstraße 26, statt. Jene Damen und Herren, die der Gesangssektion beitreten wollen, werden zu dieser Probe höflichst eingeladen. Wien. (Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk, IX/1, S e e g a ss e 16.) Der Unterricht an unserer Schule beginnt Sonntag den 9. Oktober 1910. Die Einschreibungen finden an Wochentagen von halb 5 bis 7 Uhr, an Sonntagen von 10 bis 12 Uhr statt. Austritte aus dem Judentum Vom 25. September bis 1. Oktober 1910. Broch geb, Fischer, Irene, Privat, geb. 27. Dezember 1878, Lundenburg, Wien, IV., Grosse Neagasse 26. Fischer Alexander, geb. 15. Argust 1866, Nagy-Beckerek, Wien, V., Wienstrasse 22. Fischer recte Feldmann, Ingenieur, geb. 3. November 1875, Prag, Mariannengasse 25. Hess geb. Pollak, Irene, Private, geb. 19. Juli 1878, Wien, IX., Porzellangasse 50. Jellenko Friederike, Privat, geb. 1. Jänner 1869, Wien, IX., Khunngasse 10. Klein Hermine, Haushälterin, geb. 18. Juni 1885, Wien, IX., Schubertgasse 18. Lausch Rosalie, Schneiderin, geb. 28. November 1881, Varasdin, Wien, TI., Grosse Schiffgasse 28. Lichtenstern Hugo, geh. 14. Mai 1856, Schönhof, Wien, V., Zentagasse 3. Mik Reifei, geb.? 1875, Zleman, Bukowina, Wien, IX., Seegasse 22. Schaffer Sofie, Private, geb. 20. Dezember 1874, Wien, VIII., Florianigasse 1. Schmiedl Wolfgang Anton, Einjährig-Freiwilliger, geb. 23. Februar 1891, Wien, IV., Wohllebengasse 4. Sporer Moriska, Schülerin, geb. 11. Oktober 1889, Beodra, Ungarn, Wien, IV., Pressgasse 6. Wellisch geb. Fischer, Laura, geb. 23. Dezember 1874. Lundenburg, Wien, IV., Grosse Neugasse *6. Liesing. Am vorigen Donnerstag wurde der vieljährige, verdienstvolle Obmann des hiesigen Tempelvereines Herr Jakob Papanek aus Atzgersdorf unter überaus zahlreicher Beteiligung der Familienangehörigen, des Vorstandes der Badener Chewra-Kadischa, der Vorstandsmitglieder von Liesing und Mödling, wie auch des dortigen Rabbiners Dr. Bardowitsch auf dem Badener israelitischen Friedhofe beerdigt. Derselbe war 36 Jahre Vorstand des obgenannten Vereines und erreichte ein Alter von 68 Jahren. Herr Rabbiner Reich widmete dem Heimgegangenen einen tiefempfundenen Nachruf. — Er ruhe in Frieden! — n Jglau. Hochgeehrter Herr Redakteur! Entgegen jeder anderen Enunziation erkläre ich hiermit, daß ich mir wegen intensiver Schwerhörigkeit jede Fei er anläßlich des von mir vollendeten, fünfzigsten Amtsjahres verbeten habe. Mit dem höflichen Ersuchen um Aufnahme dieser Zeilen in die nächste Nummer Ihres geschätzten Blattes, verbinde ich im Voraus meinen lebhaften Dank Und zeichne Hochachtungsvoll Rabbiner Dr. U n g e r.

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