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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-10-07 · 40 (7.10.1910) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
40 (7.10.1910)
Date
1910-10-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 66) der jüdischen Lehranstalten, die nicht ottomanische Staatsbürger sind, sofort zu entlassen. Der Chacham Baschi hatte mit Rücksicht darauf, daß die sofortige Ausführung der ministeriellen Verordnung eine vollständige Desorganisation der jüdischen Schulen zur Folge haben mühte, in seiner Erwiderung an die Regierung darauf hingewiesen, dah der größte Teil der jüdischen Lehrer fremder Staatsangehörigkeit in der Türkei geboren und erzogen wurde und der Türkei ganz ergeben sei. Der Grohrabbiner gab hierbei das bindende Versprechen, dah in Zukunft kein fremdländischer Lehrer an den jüdischen Schulen des türkischen Reiches Anstellung finden werde und hat bloß, die rückwirkende Kraft der Verordnung auf hie bereits im Amte befindlichen jüdischen Lehrer nicht auszudehnen. Hierauf forderte die Regierung vor einigen Tagen das Grohrabbinat auf, die Liste der in Betracht kommenden jüdischen Lehrer, sowie der von ihnen unterrichteten Lehrgegenstände der Regierung zu unterbreiten. Eine endgiltige Entscheidung ist noch nicht gefällt worden. Erschwerungen der jüdischen Kolonisation in Palästina. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Herren M. Wormser, Almosenier des Barons Edmond de Rothschild, und Henri Franck, Administrator der Ica, sind auf ihrer Reise nach Palästina in Konstantinopel angekommen, wo sie einige Tage verbleiben werden. Auf die Frage, ob die genannten Herren den Auftrag haben, in Palästina Boden für Kolonisationszwecke zu kaufen, erklärten beide, dah die großen Hindernisse, die gegenwärtig ausländischen Juden beim Bodenkauf in Palästina in den Weg gelegt werden, so große seien, dah das Kolonisationswerk in Palästina geradezu unmöglich gemacht wurde. Rach den den beiden Herren zugekommenen authentischen Berichten haben sich zahlreiche Kolonisten, die sich in Palästina nicht länger erhalten konnten, gezwungen gesehen, das Heilige Land zu verlassen. Königlicher Besuch in einer jüdischen Diamantschleiferri. Wie uns aus Amsterdam berichtet wurde, ward die dortige weltberühmte Diamantenschleiferei der jüdischen Firma I. 2. Ascher durch den Besuch der Königin Wilhelmine von Holland, des Prinzen Heinrich und der belgischen Königsfamilie ausgezeichnet. Die hohen Besucher liehen sich, ehe sie die Fabriksanlagen und die einzelnen Arbeitsräume einer Besichtigung unterzogen, vom Chef des Hauses einige interessante Mitteilungen aus der Geschichte der Diamantenindustrie machen. Königin Wilhelmine nickte zustimmend, als Herr Ascher besonders hervorhob, dah die Amsterdamer Diamantenindustrie, die gegenwärtig mehr als 10.000 Menschen beschäftigt, ihren Weltruf zum allergrößten Teile jüdischen Pionieren verdanke und dah auch gegenwärtig zumeist jüdische Arbeiter damit beschäftigt sind, den guten Ruf dieser Amsterdamer Spezialität zu erhalten. Herr Ascher wies unter anderem auch darauf hin, dah die Gründung der weltberühmten De Beers-Gesellschaft für Diamantenindustrie in Südafrika der Initiative und dem Opfermute jüdischer Pioniere zu danken sei, ebenso, dah die Antwerpner Diamantenindustrie gleichfalls eine fast ausschließlich jüdische sei. Die Fabrik des Herrn Äscher ist die größte in Ämsterdam. In ihr finden 500 Arbeiter ununterbrochen Beschäftigung. Die Aschersche Fabrik ist auch deshalb eine Sehenswürdigkeit, weil sie mit den allermodernsten Hilfsmitteln arbeitet und auch über die modernsten Einrichtungen der Arbeiterfürsorge verfügt. Rach Besichtigung der Fabriksanlage überreichte Herr Ascher jedem der königlichen Gäste ein Prachtalbum mit Bildern aus den einzelnen Werkstätten der Fabrik. Die hohen Gäste trugen ihre Namen in das Fremdenbuch des Etablissements ein. Kurz nach dem Besuche wurde Herr Ascher, der bereits mehrfache hohe Auszeichnungen besitzt, verständigt, dah der König der Belgier ihn zum Chevalier des Leopoldordens ernannt hat. Ehrenmarsch der Newyorker Peddker für Bürgermeister Caynor. Die Newyorker jüdischen Peddler aller Kategorien haben eine imposante Freudenkundgebung anläßlich der Genesung des Bürgermeisters Gaynor von dem gegen ihn vor einiger Zeit verübten Attentat veranstaltet. In fast endlosen Zügen marschierten diese typischen Gestalten der Newyorker Strahen im Festgewande durch die Hauptstrahen bis zur City Hall, dem Newyorker Rathause, um dem populären judenfreundlichen Bürgermeister begeisterte Ovationen darzubringen. Den Newyorker Peddlers halten sich auch ihre Kollegen von Brooklyn, Brunsville und Harlem, angeschlossen so dah der Marsch, an dem sich ungefähr 8000 Personen beteiligten, zu den imposantesten Kundgebungen zu Ehren des Bürgermeisters ge äblt werden kann. Der Führer des Ehrenmarsches, Mr. Iak. Bier, ist ein galizischer Iude, der bereits seit längerer Zeit Bürger des freien Amerika ist. Der Vizebürgermeister Mitchell empfing eine Abordnung der Peddler und dankte namens des Bürgermeisters für die ihm erwiesene Ehre. Die neuen Bestimmungen gegen jüdi'ch? Einwanderer in Kanada. Vor einiger Zeit wurde bereits berichtet, dah die kanadischen Einwanderungsbehörden scharfe Maßregeln gegen jüdische Einwanderer erlassen haben. Die Berichte, die damals keinen Glauben fanden, werden nunmehr aus Montreal bestätigt. Hi rnach werden Iuden, ohne Rücksicht darauf, aus welchem Lande sie kommen, als Asiaten betrachtet und nur in dem Falle hereingelassen, wenn sie den für asiatische Einwanderer festgesetzten verschärften Vorbedingungen entsprechen. So müssen sie auch bei der Landung einen eigenen Barbetrag von 200 Dollar aufweisen. Diese Mahregel wurde auch bereits gegen mehrere jüdische Familim angewendet und ihre Rekurse blieben erfolglos. Die Montrealer jüdische Gemeinde, sowie hervorragende jüdische Persönlichkeiten in Kanada haben eine Aktion gegen die neue Verfügung in Angriff genommen, doch zweifelt man an einem Erfolg. Es besteht auch wenig Hoffnung, dah die Londoner jüdische Gemeinde gegen das Vorgehen der kanadischen Behörden etwas werde ausrrchten können, denn wenngleich Kanada unter englischer Oberherrschaft steht, so werden auch englische Einwanderer nicht sehr freundlich behandelt, und selbst die englische Regierung vermochte für englische Einwanderer keine Erleichterungen in Kanada du^chzusetzen. Vermischtes. Wien. (Allerhöchste Auszeichnung.) Frau Regina Landeis, die Präsidentin des „Verein zur Ausspeisung armer Kinder" in Fünfhaus, wurde von Sr. Majestät dem Kaiser durch Verleihung des goldenen Verdienfikreuzes mit der Krone ausgezeichnet. Wien. (Israelitische Allianz zu Wien. Das Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien" befindet fich ab 14. Oktober II., UntereDonaustrahe 33. 2. Stock. Wien. (Herr M. Russo .g e stör den.) Der einstige Seniorchef der türkischen Grohhandlungsfirma M. Russo, Herr Markus M. Russo, ist am 30. v. M. gestorben. Herr Russo ist Sonntag vormittag beim Uebersetzen der Haüptallee von einem einspännigen Linzerwagen, in dem der Seidenwarenfabrikant Oskar Trebitsch gegen den Praterstern zufuhr, niedergestohen wor-

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