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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-10-07 · 40 (7.10.1910) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
40 (7.10.1910)
Date
1910-10-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 664 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 40 Jakob Modern und Leopold Fuchs eine eingehende Aussprache der Herren Architekten und de erschienenen Tempelvorstände stattfand. Allse'ts wurden die schöne Anlage, die entworfenen Pläne und besonders der eine Umstand rühmend hervorgehoben, daß der große Baugrund zwei Straßenzüge durchquerrt, wodurch die Herstellung eines Prachtbaues erleichtert wird. Derzeit werden schon die notwendigen Vorbereitungen getroffen, damit der für die Grundsteinlegung in Aussicht genommene Termin, der Tag der Wiederkehr der Thro - besteigung unseres erhabenen und volksbeglückenden Monarchen, der 2. Dezember, eingehalten wird. Leider reichen die Mittel des Vereines trotz der großen Unterstützung der verehrlichen Kultusgemeinde nicht hin, um dieses im prachtvollen Glanze zu erstrahlende Gotteshaus würdig auszugestalten. Es ergeht daher an die verehrte Gesamtjudenschaft die herzliche und innige Bitte, die Durchführung dieses rühmenswerten Werkes durch milde Gaben zu ermöglichen. Die Spenden sind an den Obmann des Bethausvereines, Herrn Adolf Schramek, Wien, II/1., Novaragaffe 21, zu richten und werden gelegentlich in dusem Blatte veröffentlicht. Wolle und möge der altjüdische Brauch, anläßlich des Versöhnungsfestes charitative Werke zu setzen, diesbezügliche Berücksichtigung finden. Auch die polnischm Konservativen gegen den progressiven Antisemitismus. Man ist versucht, an das Gesetz der Serien zu denken, wenn man sieht, daß fast zur selben Zeit, da die deutschen Konservativen ihr Iudenprogramm zu revidieren für nötig halten, auch in Russisch-Polen die Führer der Konservativen sich genötigt sehen, gegen den sogenannten „progressiven Antisemitismus" Stellung zu nehmen. Der Wortführer dieser neuen Richtung in Russisch-Polen ist der bekannte Publizist und Führer der konservativen Partei „Politika realna", Ludwig Straszewicz, dessen jüngste Ausführungen im Journal „Slovo" besondere Beachtung verdienen. „In einem meiner Artikel" — schreibt Straszewicz — „sagte ich, daß ich mit mancher Anschauung der Progressiven sympathisiere. Nach Erscheinen dieses Artikels erhielt ich eine briefliche Anfrage, welche Prinzipien der Progressisten es seien, die meine Sympathien besitzen. Ich antwortete hierauf: „Die Progressisten propagieren bei uns die menschenfreundlichen Beziehungen zu den Völkern, mit denen die Geschichte uns zusammengeführt und verbunden hat: zu den Litauern, Russen und Juden. Die Progressisten bcrhüten es, daß bei uns der nationale Haß nicht bis zu jener Stufe sich verschärfe, wie er zwischen den deutschen und russischen Hakatisten besteht. Die Progressisten beschützen uns vor diesem Unglück und dieser Schande." So schrieb ich damals, heute könnte ich es nicht mehr tun. In den Spalten der progressiven Zeitungen hat sich der verbissenste Antisemitismus breit gemacht. All' die schönen Phrasen, mit denen er verbrannt wird, können die eine Tatsache nicht hinwegschaffen, der Antisemitismus der Progressisten ist von der niedrigsten Sorte, denn er entspringt dem Hasse. Die progressiven Zeitungen verirren sich schon so weit, daß sie es wagen, die Vor- und Familiennamen ihrer gestrigen Genossen zu verspotten, sie dem Hohne preiszugeben und ihnen vorzuwerfen, daß sie die alten Wucherer und Branntweinschänker geblieben seien. Alles macht den Eindruck, daß der antisemitische Geist die Helden des freien und unabhängigen Gedankens gefangen genommen hat. Der Antisemitismus ist bei uns jetzt eine allgemeine Erscheinung und fast zur Pflicht eines jeden Polen geworden. Er packt uns von rechts und links, er drückt uns von oben und unten, man fordert ihn als Beweis von Patriotismus, man erblickt in ihm düs sicherste Attribut eines guten Bürgers. Das alles ist mir bekannt. Ich kann mich aber dieser allgemeinen Strömung nicht unterwerfen. Ich kann nicht. . . ." Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen erzählt Straszewicz, daß der erste Jude, den er kennen lernte, ein gewisser Meiersohn, ein kleinstädtischer Kaftanjude war, der den Vater des Schriftstellers zu besuchen und mit ihm Schach zu spielen pflegte. Als er einmal seinen Vater fragte, was ihn zu diesem Juden hinziehe, erzählte ihm der Vater, daß. als im Jahre 1849 in Rußland Hungersnot herrschte und das Pfund Brot zwölf Groschen — ein für die damaligen Verhältnisse ungeheurer Preis — kostete, da war es Meiersohn, der sein ganzes Vermögen opferte, aus dem Auslande Getreide einführte und Christen das Pfund Brot für 3 Groschen abgab. Meiersohn büßte dabei sein großes Vermögen ein und blieb ein armer Mann. Aber seine Großmut hat die christliche Bevölkerung der Stadt nicht vergessen. Roch in meinen jungen Jahren vergoß ich Tränen, wenn ich die Geschichte las, wie anläßlich einer Demonstration in der Miodowagasse, als der Geistliche, der das Kreuz trug, von einer Kugel getroffen, tot zusammensank, ein Jude das Kreuz erhob und die Demonstranten iw eiterführte, bis er selbst von der Kugel zu Tode getroffen wurde. Unter dem Eindrücke dieser zwei Fakten schloß Straszewicz später an der Petersburger Universität Freundschaft mit jüdischen Studenten, an die er niemals mit Unmut zurückzudenken braucht. „Ich weiß ganz gut", schließt Straszewicz seine Ausführungen, „daß Millionen fremde Elemente inmitten eines Volkes ein großes Unglück bedeuten, daß aber die Juden sich heute in Polen befinden, ist nicht das Ergebnis ihres schlechten Willens, sondern der unbarmherzige Gang der Geschichte. Das ist vielleicht ein Unglück für uns, jedenfalls aber auch ein Unglück für sie. Um aber gegen dieses Unglück sich zu verteidigen, ist der Antisemitismus nicht nötig. Der Antisemitismus entspringt dem Hasse und der Haß ist in der Geschichte der Völker das größte Unglück. Berlin. (Zur Ausschließung der Juden vom Reserveoffiziersstande) und ihrer sonstigen Zurücksetzung in der Armee will der Verband der Deutschen Juden mit Rücksicht auf die unbefriedigende Antwort des preußischen Kriegsministers auf die zu Anfang des Jahres an ihn gerichtete Eingabe und auf seine Äußerungen in der Reichstagsdebatte, die im Gegensatz zu den vorjährigen des Herrn von Einem die militärischen Vorgesetzten in ihrer Zurücksetzung der jüdischen Einjährigen zu bestärken geeignet sind, im Laufe des Winters in einer Reihe öffentlicher Versammlungen Stellung nehmen. Die erste Versammlung soll in Berlin im großen Saal der Philharmonie am Sonntag den 13. November stattfinden. Die Versammlungen wird d.er Verband in Gemeinschaft mit dem ZentralvereinDeutscherStaatsbürger jüdischen Glaubens einberufen. Als erste folgt der in Berlin veranstalteten eine Versammlung in Breslau am 24. November, im dortigen Saal der Gesellschaft der Freunde. Weitere sind vorläufig für Frankfurt a. M. und für Köln geplant. An den Versammlungen werden auch bekannte nichtjüdische Parlamentarier als Redner teilnehmen. Die jüdischen Lehrer in der Türkei. Wie erinnerlich, hat die türkische Regierung einen Erlaß herausgegeben, wonach in den ottomanischen Schulen fortan keine Lehrer, die einem fremden Staate angehören, fungieren dürfen, und daß alle diese Lehrer, die sich etwa an den ottomanischen Schulen befinden, zu entlassen seien. Mehrere jüdische Blätter hatten, anknüpfend an diese Meldung, berichtet, daß die türkische Regierung den jüdischen Lehrern gegenüber eine Ausnahme gemacht und entschieden habe, daß diese auf ihren Posten belassen werden können. Demgegenüber stellt nun das Großrabbinat in Konstantinopel fest, daß diese letztere Behauptung zumindest als verfrüht angesehen werden müsse. Der Takrir, durch welchen fremdländische Lehrer aus dem Unterrichte an den Schulen in der Türkei ausgeschlossen wurden, ist auch dem Großrabbinate mit der strikten Aufforderung zugekommen, alle Lehrer

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