Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 40 (7.10.1910)
- Date
- 1910-10-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 66S Nr. 40 Verlag gegründet, der mit einem Kapital arbeiten soll, wie es bisher noch niemals für hebräische Bücher vorhanden gewesen. Und die junge Begeisterung für das Hebräische, die sich lerndurstig in weiten Kreisen der jüdischen Iugend auch in Deutschland zeigt, führt ebenfalls zu den Quellen jüdischer Geschichte und jüdischen Lebens. In den vorübergehenden Iudensprachen des Gülüth hat sich das Wandelbare und Gewandelte historischer Zustände erhalten. Im bleibenden Hebräisch hat sich die ewige Natur der jüdischen Nation mit ihrer ewig jungen Kraft unveränderlich stark erwiesen. Die hebräische Sprache war die geistige Heimat des Iudenvolkes von Anbeginn und ist es geblieben. Darmn ist sie wie vordem die Grundlage aller jüdischen Bildung. Sie gewährleistet uns dis Ewigkeit unseres nationalen Bestandes. Korrespondenzen» Ein Wort zu den bevorstehenden Kultuswahlen von S. Brod. Zum Werke, das wir ernst bereiten, Geziemt sich auch ein ernstes Wort! (Schiller) Die hochwichtigste und zeilgemätzeste Frage, die unser Gemeinwesen demnächst beschäftigen muh, ist die Frage: Wie ist es gekommen, datz statistisch nachweisbar der Abfall von unserem Erbgute in den letzten Iahren so empfindlich fühlbar gemacht und speziell in unserer Gemeinde die meisten und gröhten Opfer gekostet hat? Selbst der in religiösen Dingen apathischest Veranlagte wird es nicht zu bestreiten versuchen, datz es für unser Gemeinwesen eine wichtigere Frage überhaupt nicht geben könne, als die Frage der eigenen Existenz. Traditionell und überlieferungsgemätz hat jede Generation, also auch die unsrige die hohe Mission, die religiöse Zusammengehörigkeit aller Glaubensgenossen zu sichern, das Band fest zusammenzuhallen und für einen in gleichem Sinne begeisterten Nachwuchs Sorge zu tragen. Was könnte, was sollte uns auch ein Kultus nützen, was die Erhaltung desselben frommen, wenn wir nicht mit Sicherheit auf einen ehrlichen, unsere geistigen Ideale hoch hallenden Nachwuchs rechnen könnten. Denn wenn der Purpur fällt, dann mutz der Herzog nach. Hat doch der schlichteste Dorfhirte die naturgemäße Verpflichtung, seine Herde in Ordnung zu erhalten und für jedes einzelne, verirrte Schaf strenge Verantwortung zu tragen. So sehr man auch bemüht ist, aus zarten Rücksichteleien der Behandlung dieser ernsten Frage aus dem W ge zu gehen, für so klug und bedächtig man es auch hält, damit nicht in dis große Oeffentlichkeit zu treten, so wenig erfolgreich erweist sich diese Theorie und es wird gar nichts nützen, weder klagen noch weinen, sie mutz vor aller Welt öffentlich und zwar unverzögert behandelt und erwogen werden. Sonst wird es zu spät, die Worte des Dichters müßten sich an uns bewähren : Sterben ist nichts — Doch leben und nicht sehen. Das ist ein Unglück. Apathie tritt naturgemäß ein und zu spät wird das Erwachen und die Erkenntnis der mangelhaften Führung von berufener Seite. Man hat es aber auch nicht nötig, die Oeffentlichkeit zu scheuen. Selbst der Staat, in dem wir leben, und geboren sind, wird es gerne sehen, wenn unsere Religionsgenossenschaft in demselben ein geschlossenes Ganzes bildet, wenn ihre Angehörenden an ihren religiösen. Satzungen festhalten und wenn ihre Iugend religiös sittlich erzogen, gewöhnt wird, charakterfest zu bleiben und um gar keinen Preis die eigene Ueberzeugung aufzugeben. Die weise Regierung in unserem uns immer teuer gewesenen Vaterlande wird kein Unrecht darin erblicken, wenn wir eine offizielle Vertretung an maßgebender Stelle wünschen, die es verhindert, datz einem uns Angehörendsn wegen seines Glaubensbekenntnisses irgend ein Hindernis in den Weg gelegt wird. Ob die Behandlung dieser ernsten Frage in jüdischen Kreisen freudig begrüßt und ausgenommen werden wird, das haben wir aus der allseitigen Teilnahme deutlich ersehen, die dem von mir am 8. Ianuar d. I. in der Oesterreich-Israelitischen Union gehaltenen Vortrage entgegengebracht wurde. Die vielen Zustimmungsadrcssen aus den Kreisen der Intelligenz, der Industrie, der Gewerbe und des Handels, der Hinweis vieler Seelsorger puf die Volkesstimme aus der Wüste beweisen zur Genüge, wie lebhaft das Interesse der Menge für die Schaffung einer scharf gezeichneten Demarkationslinie unseres Wirkungskreises vorhanden ist. Aber auch die letzte Gemeinderats-Wahl im ersten Bezirke hat den Beweis erbracht, datz wir versteckensmüde vor aller Welt die Erklärung abgaben, wir kennen wohl keinen Unterschied in der Konfession unserer Vertrauensmänner, aber einem von uns Abgefallenen, der fahnenflüchtig seine jüdischen Mitbürger im Stiche gelassen, dem entziehen wir unser Vertrauen und den halten wir nicht für würdig, unser Volksvertreter zu sein. Wie und womit wir nun die vorgeschlagene Aktion beginnen und gleichzeitig zum Erfolge führen sollen, glaube ich durch drei praktische Mittel, die in dem früher erwähnten Vortrage angeführt, vorgezeichnet zu haben. Wenigstens sind mir Mittel anderer Art bis heute nicht entgegengestellt worden. Ob jedoch diese oder andere Wege und Mittel zum ersehnten Ziele führen werden, das wird die Zukunft lehren! Wer den Himmel will gewinnen, Mutz ein rechter Kämpfer sein. Wozu der Mensch den Mut, Dazu findet er auch den Verstand. Beth airsverein „Am Bolkert". Mit geistiger und materieller Unterstützung der verehrlichen Kultusgemeinde hat sich der Bethausverein „Am Bolkert" der ebenso rühmlichen und hehren, als auch großen und besonders schwierigen Aufgabe unterzogen, zur Erinnerung an den achtzigsten Geburtstag unseres weisen und ruhmgekrönten Friedenskaisers ein großes und würdiges Gotteshaus, das für ewige Zeiten den Namen „Kaiser Kranz Joseph I. Huldigungstempel" führen soll, zu erbauen. Mit Rücksicht auf die Lage an der Kaiser-Josefsstratze im II. Bezirke und auf den sehr großen Fassungsraum wird dieses an die unbegrenzte kaiserliche Huld und Gnade erinnernde Gotteshaus in der Reihe der bereits erstandenen Tempeln nach dem großen Gemeindetempel in der Tempelgasse den zweiten Platz einnehmen. Aus diesem Grunde verwendet der Vorstand des Bethausvereines „Am Bolkert" alle iMühe und Sorgfalt auf das bautechnische Gelingen und die kunstvolle Ausführung des Baues. Trotzdem die langjährige Erfahrung des Architekten Herrn Ignatz Reiser einerseits, die Gewähr für die ökonomische und sach- und fachgemäße Verwertung des Baugrundes andererseits das berechtigte Vertrauen für den formvollendeten Entwurf des Tempels samt benötigten Räumlichkeiten bietet, hat der Vorstand dennoch die ersten Vertreter der Wiener Tempelvereine und die hervorragendsten Architekten Wiens, denen die Entstehung großer und schöner Synagogen bereits zu danken ist, zu einer Besichtigung und Prüfung der fertiggestellten Baupläne in den Sitzungssaal der Wiener Kultusgemeinde eingeladen. In Anbetracht der Wichtigkeit und Würdigkeit dieses Vorhabens waren auch die geladenen Herren der freundschaftlichen Einladung nachgekommen, worauf nach gründlicher und zielvewußter Prüfung der vorgelegten Pläne durch die beiden Herren Architekten