Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 40 (7.10.1910)
- Date
- 1910-10-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 660 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr.^40 Schon der Papst, der heilige Vater, spricht, jupeidi, jupeida. Jüdische Soldaten stinken nicht, jupeidi, jupeida. Nur noch Hunnen-Kaiser Alexander, jupeidi, jupeida. Haßt sie alle miteinander, jupeidi, jupeida. Die Entwicklung einer jüdischen Stadt. Mitten in den großen amerikanischen Städten mit ihren hastigen „Millionenhänden" entwickelt sich allmählich die jüdische Stadt Woodbine. Im Vergleiche zu den großen Zentren, wohin die Emigranten jährlich zu Hunderttausenden strömen, kann Woodbine mit seinen 3000 Seelen höchstens als Marktflecken bezeichnet werden. Aber das Städtchen ist jung, expansionsfähig und ist auch tatsächlich in steter Entwicklung begriffen. Die Bedeutung Woodbines besteht hauptsächlich darin, daß sie im Zentrum der neueren Emigrationsrichtung, 57 Meilen von Philadelphia entfernt gelegen ist. Philadelphia zählt gegenwärtig 75.000 jüdische Einwohner und immer größer wird die Zahl der Juden, die der gedrückten Atmosphäre der Großstadt entrinnen und in Woodbine, der gesündesten Stadt im Staate Pennsylvania, ihr Glück versuchen. Das äußere Bild und das innere Leben in Woodbine hat mit den typischen jüdischen Städten des Ostens nichts gemein und ist auch mit den jüdischen Vierteln in den amerikanischen Großstädten nicht zu vergleichen. Die breiten Md peinlich sauberen Straßen sind auf beiden Seiten mit Bäumen umsäumt und werden des Nachts elektrisch beleuchtet. Mit ihren großen kommunalen Gebäuden. den hygienischen und sanitären Einrichtungen, sowie der modernst eingerichteten Wasserversorgung reiht sich Woodbine den allermodemsten Städten in des Wortes bestem Sinne an. Die Bevölkerung von Woodbine ist fast ausschließlich jüdisch, und so ist es naturgemäß, daß auch alle sozialen und kommunalen Einrichtungen sich, in den Händen von Juden befinden. Seitdem die Stadt im Jahre 1903 die autonome Verwaltung erhielt, hat sie einen bedeutenden Aufschwung genommen. Es wurden verschiedene wichtige Kommissionen eingesetzt: eine llnterrichtstommission, eine Sanitätskommission und eine Kommission für soziale Arbeit und Stadtverschönerung usw. Woodbine verdankt seine rasche Entwicklung hauptsächlich seiner gesunden klimatischen Lage. Im Jahre 1909 gab es in Woodbine im Ganzen 12 Todesfälle, während 74 Geburten zu verzeichnen waren. Die Höhe dieser natürlichen Zuwachsgiffer — mehr als 2 Prozent pro Jahr — wird erst recht anschaulich^ wenn man sie mit derselben Ziffer in Newyork vergleicht. Der natürliche Zuwachs in Newyork beträgt weniger als V20/'0 im Jahre. In Newyork starben 40—50 Prozent aller Neugeborenen, und nur dank der riesigen Zuwanderung vermag Newyork es auf den 2prozentigen Zuwachs zu bringen. Die Bevölkerung von Woodbine besteht zum größten Teile aus Arbeitern. In den acht Fabriken, die in dem Städchen existieren, arbeiten 500—600 Personen. Ebensoviele arbeiten in den großen Kleider- und Hutmacher- Werkstätten. Einige Fabriken gehen eben daran, eine Vergrößerung ihrer Etablissements vorzunehmen, was wieder einen Zuzug von Arbeitern zur Folge haben wird. Alle diese Fabriken und Werkstätten arbeiten mit den modernsten Hilfsmitteln und werden durchwegs elektrisch betrieben. Die Stadt besitzt eine eigene elektrische Kraftanlage, die im Jahre 1909 von ihren Abonnenten rund 100.000 Mark eingenommen hat. Es entfällt demnach auf jede Person rund 30 Mark jährlich für elektrische Kraftbenützung. Fast der gesamte Boden und auch der, größte Teil der Gebäude in der Stadt sind Eigentum des „Baron Hirsch-Fonds", von welchem die Stadt gegründet wurde. Der Fond hat bis jetzt mit dieser Gründung ein gutes Geschäft gemacht. Die zwei Millionen Mark, die der Fond investiert hat, werfen jährlich 7—8 Prozent ab. Die Woodbiner Juden legen besonderes Gewicht auf die Erziehung ihrer Kinder. Das kleine Städtchen erhält eine verhältnismäßig große Anzahl gut eingerichteter Schulen, in denen 600 Schüler gediegenen Unterricht erhalten. Ueberdies gibt es eine Anzahl Fortbildungs¬ und Abendkurse für Erwachsene. Das Unterrichtsbudget betrug 1909 mehr als 200.000 Mark, wovon im Sinne der amerikanischen Gesetze 5/c von der Regierung, nur 7g von der Stadtverwaltung getragen wird. Außer den städtischen Normal- und Mittelschulen besitzt Woodbine eine sehr wichtige Lehranstalt. Es ist sozusagen das Wahrzeichen der Stadt, dem sie ihre Existenz und ihr Aufblühen zu danken hat. Das ist die landwirtschaftliche Schule mit 84 Schülern. Bisher galt diese Schule bloß als eine Anstalt für praktische Erlernung der Landwirtschaft. Die Schüler blieben nicht fange in der Anstalt, sondern verließen sie nach kurzer Praxis, um in Stellung zu gehen. Seit heuer hat die Anstalt zwei vollständige Kurse, u. zw. einen Elementarkurs für allgemeine Wissenschaften und einen höheren Kurs für Ackerbau und Landwirtschaft. Ueberdies besitzt die Anstalt eine ausgedehnte Musterfarm, auf welcher die Absolventen der Anstalt ein Jahr lang praktizieren können. Der Lehrplan der Anstalt umfaßt Chemie, Physik, Agronomie, Ackerbau, Gärtnerei, Viehzucht, Tierarznei. Ueberdies englische Sprache, Mathematik und Buchführung, allgemeine Agrikultur und diejenigen einfacheren Handwerke, deren Kenntnis für den selbständigen Ackerbauer notwendig ist. Das kommunalpolitische Leben der Woodbiner Juden ist von der Verwaltung des Baron Hirfch-Fonds vollständig unabhängig. Bloß die Verwaltung der elektrischen Kraftanlage liegt in ihren Händen. Selbst das ursprüngliche Tätigkeitsgebiet des Baron Hirsch-Fonds, die Gewährung von langfristigen Darlehen an Landwirte und Gewerbetreibende wird immer en^er, da auch auf diesem Gebiete die Selbsthilfe sehr schöne Fortschritte macht. Geschliffenes Glas int alten Palästina. Im Vritisch-Museum ist jetzt eine äußerst inter- - essante Ausstellung von Gegenständen aus geschliffenem Glas zu sehen, die auf verschiedenen Plätzen in Palästina ausgegraben wurden. Zu den interessanten Stükken gehört eine kleine zierliche Doppelvase, ein Toilettestück aus alter Zeit, eine Art Schminkenbehälter, der in der Nähe des Berges Karmel gefunden wurde, ferner ein Armring, der in der sumpfigen Gegend 8 Meilen östlich von Dinair gefunden wurde, ein Glasbecher und eine Wasserkanne von besonders feiner Ausführung aus Tyrus. Hier ist auch eine Amphore aus feinem geschliffenen Glase zu sehen, die in einem Graben nächst dem Toten Meere ausgegraben wurde. Ein großer Teil der ausgestellten Objekte stammt aus Gräberfunden in der Umgebung von Nazareth und gehören der Periode der römischen Herrschaft in Palästina zu Beginn der christlichen Aera an. Ein Rassenkongretz. In England und Amerika wird gegenwärtig an den Vorbereitungen für die Veranstaltung eines Kongresses der Rassen gearbeitet, der nach vielen Richtungen bedeutsam zu werden verspricht. Der Zweck des Kongresses ist eine Annäherung zwischen den Rassen des Orients