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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-09-30 · 39 (30.9.1910) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
39 (30.9.1910)
Date
1910-09-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 650 Dr. Nlochs Wochenschrift. Nr. 39 Kr. 6, Frieda Dukes, Wien, XXI., Leopoldauerstratze 28 Kr. 5, N. N, Franzensbad Kr. 5, B. und S. Krakauer, Nikolsburg Kr. 1. Summe Kr. 37. — Den edlen Spendern wird gleichzeitig im Namen des hart geprüften Glaubensbruders der wärmste Dank ausgesprochen. Mögen sie alle zum neuen Jahre in das Buch des glücklichen Lebens eingezeichnet werden! Zur Entgegennahme und Beförderung weiterer Spenden ist gerne bereit das Rabbinat Göding. Dr. L. Lazarus. Prag. (Jüdischer Schulverein.) Wiewohl dieser Verein es bisher vermieden hat, durch irgendwelche große Veranstaltungen nach außenhin die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich zu lenken, hat er sich doch durch emsige, stille Arbeit bei einer Reihe von Kultusgemeinden Sympathien erworben, welche in der Zuwendung von Subventionen zum Ausdruck gelangt sind. Daß aber der Verein auch das Vertrauen dieser Korporationen.genießt, beweist der Umstand, daß eine ganze Reihe von Kultusgemeinden sich an den Ausschuß in Angelegenheit der Besetzung der in diesen Gemeinden frei gewordenen Rabbiner- und Lehrerposten gewendet hat. So ist der Verein heute in der Lage, einen Posten in der nächsten Nähe von Prag unter recht annehmbaren Bedingungen zu vergeben. Nur ist für diesen Posten die Kenntnis der tschechischen Sprache unumgänglich erforderlich. Es haben sich jedoch auch Gemeinden gemeldet, in welchen die Kenntnis der tschechischen Sprache nicht unbedingt nötig ist. Der Ausschuß ist selbstverständlich gerne bereit, etwaigen Bewerbern alle nötigen Auskünfte zu erteilen und ihnen bei den Verhandlungen mit den Gemeinden an die Hand zu gehen. Für etwaige Zuschriften genügt die Adresse „Jüdischer Schulverein in Prag? Feuilleton. Skizze« ««d Studien zur Geschichte der Inden i« Pole«. Von Dr. Majer Balaba«, Lemberg. VH. Ein Autodafe i« Lemberg im Jahre 1728. Die Geschichte der Brüder Chaim und Josue Reizes ist von allen Historikern Lembergs (Suchostaw, Bub er, Caro) behandelt worden. Immer war es -er tragische Tod dieser beiden Männer, der die Forscher unserer Vergangenheit an sich zog, keiner von ihnen suchte aber nach nichtjüdischen Quellen, welche den Sachverhalt beleuchten sollen. Der schauererregende Denkstein am Grabe der Märtyrer und der verworrene und durch orientalische Fantasie gefärbte Bericht (El mole rach'mim) in der alten Lemberger Synagoge genügten ihnen: um alles andere kümmerte sich Niemand. In den Kreisen christlicher Historiker hielt man die ganze Sache für eine Legende und schenkte ihr gar keine Aufmerksamkeit. Und doch liegen außer den oberwähnten jüdischen Quellen drei christliche Berichte auf, und in ihrem Scheine leuchtet die Tragödie der beiden Männer und mit ihnen die Tragödie Israels gar grell und schaurig. Die erste Quelle ist der Untersuchungs- und Anklageakt im Archiv des Lemberger Grodgerichtes (^.cta castrensia l'eopoliensia), Bd. 521. pg. 1197 ff. Den zweiten Bericht finden wir in der Lemberger Iesuiten-Chronik, die sich heute in der Wiener Hofbibliothek (Handschrift Nr. 11.988) befindet.! -!*!lj üllil! Die letzte der drei Quellen bilden zwei Korrespondenzen aus Warschau in der „Pariser Ze i 1 u n g": Recuell des Rouvelles ordinaires et extraordinaires, relations et recits des Choses aveuues, tant en ce royam e etc. A Paris 1728. (Ossolinski'sche Bibliothek in Lemberg, Nr. 42.742.) An der Hand aller oberwähnten Quellen können wir folgendes Bild konstruieren. * * * Im Frühjahr 1728 kam nach Lemberg ein getaufter Jude mit Namen Johannes Filipowicz, der zum Judentum zurückkehren wollte. Wie es scheint, hatte sich des Täuflings der Obmann des Iudengerichtes, C h a i m Reizes, oder gar ein anderer Jude angenommen, wovon die geistliche Behörde in Kenntnis gesetzt wurde. Sofort forderte der Erzbischof den Burghauptmann Stephan Potocki auf, die Schuldigen aufzufinden und ihrer habhaft zu werden. In der Zeit tagte in Lemberg der reussische Iudenlandtag, Und da erließ der Vurghauptmann den Befehl, alle Teilnehmer in den Kerker zu werfen. Der Anklageakt warf den Juden: M o s z k o in Lemberg, in der Zarwanskagasse wohnhaft, Chaim, Rabbiner in Kamionka, Chaim, Sohn Leysors, Landesrabbiner von Lemberg (Reußen), Josue, dem Bruder des Rabbiners von Kamionka, den Rabbinern und Gemeindevorstehern aus Drohobycz, Przemysl, Stryj etc. etc. vor, daß sie .den Neophyten Filipowicz ergriffen haben und in den unterirdischen Kerker unter dem Iudenrathaus warfen; hier hätten sie das Zeichen des heiligen Oels (Chrysmon) von der Brust des Täuflings ab- Juwaschen gesucht, wie auch das bei ihm gefundene Kreuz zerbrochen und mit Füßen getreten.*) Zu ihrem Glücke erfuhren die Juden von der ihnen drohenden Gefahr und flohen nach allen Ecken und Enden. Man wußte zwar in der ganzen Stadt, daß die Juden nichts verschuldet hatten, da sie nur den Täufling dem Judentum zuführen wollten, der Anklageakt war aber einmal so geschrieben, und daher mußte der „Ritualprozeß" durchgeführt werden. Auch der Korrespondent des obgenannten Pariser Blattes war gut über den Sachverhalt informiert, obwohl er in Warschau wohnte und alles aus der zweiten Hand Zerfuhr. Er schreibt am 28. Mai (Blatt Nr. 26 -vom 26. Juni 1728, Seite 302—3): „On executa ces jours passez a Leopold (sic!) un Juif, qui apres avoir este baptisö, estoit retourne ä la Sinagogue, ä la persuasion de quelques Rabins, dont deux ont este arrestez.“ Am Anfang wurden mehrere Juden verhaftet. Der Amtsdiener Zdrojowski begab sich nach Z6lk iew und verhaftete dort den Obmann der Gemeinde und nachmaligen Judenmarschall von Reußen, Isser Sohn Markus, den Landesrabbiner Chaim Sohn Leisors konnte er nicht finden und verhaftete nur seine Mutter und seinen Sohn, konfiszierte alle seine Schmucksachen, Wechselbriefe.und 6000 fl. an barem Gelde. In Lemberg wurden in den Kerker folgende Juden geworfen: die Brüder Chaim und Josue Reizes, ein Jude aus der Vorstadt, Dawid Reizes, bei dem 8000 fl. konfisziert wurden, und der Rabbiner von Szczerzec.**) Bald begann die Untersuchung, bei der, nach dem Brauche jener Zeit, die Folter in Anwendung kam. Die Legende erzählt, die Folter hätte gar kein Resultat ergeben, und daher sollte die Untersuchung eingestellt werden. Um der Sache auf den Grund.zu kommen, befahl der Erzbischof, daß alle Juden in ihrer Gasse in zwei Reihen sich aufstellen, wobei er mit dem Täufling die Reihen musterte, damit der Getaufte den Juden erkenne, der ihn bekehrt hatte. Der Täufling hatte keinen erkannt, und da wendete sich Chaim Reizes an den Kirchenfürst und machte ihm in lateinischer Sprache Vorwürfe, warum er ihn so lange geplagt und gefoltert hätte. In dem Augenblick erklärte der Täufling, die Prüder Reizes wären die gesuchten Juden. Es ist schwer, zu entscheiden, ob der Inhalt der Legende richtig oder unrichtig sei, eines steht fest, daß beide Brüder samt dem Rabbiner von Szczerzec dem Gerichte eingeliefert *) Lemberger Grodakten, Bd. 521, pag. 1410—11, überdies Fasciculus copiarum Nr. 32, pag. 1155. **) Lemberger Grodakten, Bd. 521, pag. 1451—3, 1546—8.

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