Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 39 (30.9.1910)
- Date
- 1910-09-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr 89 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 645 Korrespondenzen Das Geschenk eines jüdischen Arbeiters an Kaiser Franz Joseph. Aus S u c z a w a wird uns geschrieben: Der erst 21 Jahre alte Feinmechanikergehilfe Saul Rauch in Suczawa hat zum 18. August Seiner Majestät unserem Kaiser ein Geburtstagsgeschenk verehrt, das in seiner Originalität wohl einzig dasteht. In einer gewöhnlichen Weißen Literglaßflasche hängt die Originalvifitfotografie des Kaisers in vergoldetem Rahmen, die oben die Kaiserkrone von Lorbeerzweigen umgeben, unten die Jahreszahlen 1830—1910, rechts das Wappen der Bukowina und links die Initialen des Kaisers mit dem Glücksstern darüber trägt. Vier goldene Knöpfe halten den Rahmen zusammen. Die Rückseite trägt die Widmung: Unserem Kaiser, der die Liebe ist und die Allgüte, dies schlichte Zeichen von Treue und innigster Ergebenheit zu seinem Geburtstage. Saul Rauch, Suczawa. Bereitet schon die Frage, wie das Bild in die Flasche kam, Kopfzerbrechen, so gibt der Verschluß erst recht Rätsel auf. Dieser besteht in einem schön gedrechselten Holzkolben, der von außen den Hals der Flasche vollkommen deckt, während er am inneren Halsende zwei Querbalken trägt, die das Herausziehen des Verschlusses für immer unmöglich machen. Von der Mitte des Verschlusses gehen dann zwei schwarz-gelbe Schnüre, an denen das Bild frei hängt. Die Flasche ist vollkommen intakt. Die Verfertigungsart ist Geheimnis des Erfinders. Nur soviel vecrät derselbe, daß die Verfertigung von bloß drei solchen Flaschen den Arbeiter ganz gewiß ins Irrenhaus brächte; so gewaltige Anforderungen werden an die Geduld des Arbeiters gestellt. Am 15. d. M. erhielt der junge Mann durch Vermittlung der Landesregierung und Bezirkshauptmannschaft eine Zuschrift des Oberstkämmereramtes in Wien, durch welche ihm für die an den Tag gelegte loyale Tendenz der Dank des Oberstkämmereramtes zum Ausdrucke gebracht wird. Da Seine Majestät alle Geschenke aus Anlaß seines 80jährigen Geburtsfestes prinzipiell abgelehnt hat, verbleibt die Flasche gegen entsprechende Entschädigung dem Suczawer Museum. Komitee in Angelegenheit des jüdischen Emigrationskongresses. Wie bekannt, ist der Zusammentritt eines Kongresses in jüdischen Emigrationsangelegenheiten geplant und sind die Vorbereitungen so weit gediehen, daß der Kongreß schon für September 1910 in Aussicht genommen war. Die Umfrage bei den in Betracht kommenden sehr maßgebenden Persönlichkeiten und Körperschaften hat ergeben, daß die Mehrzahl der Eingeladenen unter Kundgebung ihrer Sympathie sich gerne bereit erklärten, an dem Kongresse und eventuellen Vorkonferenzen teilzunehmen. Mit dieser Bereiterklärung wurde aber von sehr maßgebender Seite dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Tagung des Kongresses in der ersten Hälfte des Jahres 1911 stattfinden soll und find dankenswerte Anregungen bezüglich der weiteren, als notwendig erscheinenden Vorarbeiten gegeben worden. Mit Rücksicht auf diese Umstände wird der Zusammentritt des Kongresses erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Der genaue Termin wird seinerzeit bekanntgegeben werden. Koscherfteisch aus Argentinien. Mit Rücksicht auf die Fleischteuerung in Oesterreich und Ungarn, sowie auf den Beschluß des Wiener Gemeinderates, die Einführung argentinischen Fleisches zu .befürworten, dürfte es nicht uninteressant sein zu erfahren, daß das Londoner Rabbinat unter Vorsitz des Großrabbiners Dr. Adler, im Einverständnisse mit der Londoner Schechitah-Kommission, den Beschluß gefaßt hat, als Gegengewicht gegen die willkürliche Steigerung der Koscherfleischpreise die Einführung von koscher geschlachtetem Fleisch aus Argentinien möglich zu machen. Vorige Woche ist auch tatsächlich die. erste Schiffsladung solchen Fleisches in London angekommen. Die Firma, welche seitens des Rabbinates mit dem Import des Koscherfleisches aus Argentinien betraut wurde, mußte sich verpflichten, die vom Londoner Rabbinate nominierten vertrauenswürdigen Schächter nach Argentinien zu entsenden, das Fleisch dort unter Aufsicht eines gleichfalls vom Rabbinate bestellten Aufsehers rituell zu reinigen und den Transport von einer Vertrauensperson des Rabbinates überwachen zu lassen. Cs ist selbstredend, daß der Importeur sich auch verpflichten mußte, das Fleisch zu entsprechend billigen Preisen auszuhacken. Franzensbad. Der Vorstand der Kultusaemeinde Franzensbad hat in seiner öffentlichen Sitzung vom 20. September 1910 in Angelegenheit des in der in Budapest erscheinenden „Ungarischen Wochenschrift" vom 2. September 1910, Nr. 25, enthaltenen, mit „Wiederholte Reflexionen" betitelten, gegen den Gemeinderabbiner Herrn Dr. David Spitzer in Franzensbad gerichteten Artikels nach genauer, protokollarisch festgeleqten Prüfung der einzelnen Punkte einstimmig folgende Erklärung beschlossen: Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Franzensbad gibt hiemit seiner Entrüstung und seinem tiefsten Bedauern Ausdruck ob der in dem „Wiederholte Reflexionen" betitelte Artikel der in Budapest gedruckten „Ungarischen Wochenschrift" vom 2. September 1910 enthaltenen Schmähungen und Beleidigungen des Gemeinderabbiners Herrn Dr. David Spitzer in Franzensbad. Der rüde Ton und der läppische Inhalt stigmatisiert diesen Artikel auf den ersten Blick als ein Pamphlet niederster Sorte, als den Ausfluß persönlichen Haffes einer ganz geringen Anzahl von Glaubensgenossen. denen das Rabbinat als solches, ebenso wie das unverkennbare Gedeihen der Gemeinde ein Dorn im Auge ist, die mit allen, selbst den unglaublichsten Mitteln daran arbeitet, den Bestand der Gemeinde zu gefährden, das Wirken des Vorstandes zu hemmen, und kein Bangen davor empfindet, zur Erreichung ihres Zieles selbst das heilige Amt eines Rabbiners herabzuwürdigen, den Rabbiner mit unwahren Anwürfen zu verfolgen. Dinge vorzubringen, die aus der Luft gegriffen oder zumindest in gar keiner Beziehung zu dem Rabbiner stehen und nur ausgestrent werden, um das gegenseitige Vertrauen zu vernichten und die Gemeinde in ihren Grundfesten zu erschüttern. Wer nicht jeder Menschenwürde bar, wer der Wahrheit und Gerechtigkeit zugänglich ist, wird zu unterscheiden wiffen zwischen den leitenden Gemeindefaktoren — Rabbiner und Vorstand — und Elementen, die die Wahrheit durch Unterstellungen ersetzen wollen und Zeitungsartikel der erwähnten Art publizieren. Herr Rabbiner Dr. D. Spitzer verdient daher auch fernerhin das vollste Vertrauen des Vorstandes und nach wie vor die vollsten Sympathien aller Kreise der Bevölkerung und des Kurpublikums von Franzensbad. Eine Polemik gegen Schmähartikel zu führen, hält der Vorstand unter seiner Würde, dagegen wird der Vorstand bestrebt sein, auch fürderhin für ein volles Einvernehmen in der Gemeinde zu wirken. Bor der galizischen Enquete. In mehreren Städten Galiziens finden Versammlungen statt, um zur ausgeschriebenen und bereits wieder verschobenen Enquete in Angelegenheit der Judennot Stellung zu nehmen. Bei einer in Gorlice stattgefundenen Versammlung hob Advokat Dr. Stern hervor, wie wenig Interesse die Enquete unter den Juden erwecke und wie ein einheitliches Vorgehen in dieser Frage und in allen jüdischen Fragen notwendig wäre. Die Versammlung beschloß, sich unmittelbar an die größeren Kultusgemeinden und im Wege der Preffe an alle jüdischen Gemeinden zu wenden und diese aufzufordern, die dargebotene Gelegenheit nicht unbenützt vorübergehen zu lassen. Es wurde auch ein achtgliedriges Komitee gewählt, welches einer demnächst einzuberufenden Volksversammlung Bericht zu erstatten hat. Baron Rothschild über sein Familienwappen. «sasr Baron Lionel de Rothschild in London, der auch Mitglied des englischen Parlamentes ist, hielt anläßlich der