Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 38 (23.9.1910)
- Date
- 1910-09-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 628 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 38 der Annahme der jüdischen Religion sich der jüdischen Nation anschließen wollen. Andererseits sperren sich in Rußland viele Juden künstlich vom Jüdischdeutschen ab, einige begeisterte Hebraisten und dann vor allem die große Masse der Juden, die bewußt oder unbewußt den Weg gehen, im Russentume untertauchen zu wollen. Immerhin spricht noch heute der größte Teil der europäischen Juden, der Zahl nach mindestens zwei Fünftel, entweder Judendeutsch oder Judenspanisch, wobei wiederum der weitaus größte Teil auf das Jüdischdeutsche kommt. So hat sich auch hier in der Sprache das Geschick der jüdischen Massen gleichsam historisch aufgeschrieben, und es gilt von den europäischen Juden noch heute, wie von allen Juden im Galüth. daß sie auch darin im Ewigen Juden ihr getreues Abbild haben, der die Sprache des Landes spricht, aus dem er grade kam. Vom AabrmarKt des Lebens. Regenten jüdischer Abstammung. Der „Voss. Ztg." wird geschrieben: Daß die Dynastie der Bernadottes in Schweden jüdischen Ursprungs ist, ist bekannt. Vernadotte, der Feldherr Napoleons I., hatte jüdische Eltern und war selbst als Jude geboren, roch als Advokat soll er sich zur jüdischen Religion bekannt haben und erst später, nachdem er die Juristenlanfbahn zugunsten der militärischen aufgegeben, trat er zum Christentum über. Björuson behauptete auch, der verstorbene König Oskar von Schweden sel gar kein Nordländer, sondern eigentlich ein Orientale. Weniger bekannt ist, daß auch die englische Königsfamilie behauptet, von dem alten Volke Israels abzustammen; sie führt ihren Stammbaum geradezu auf König David zurück. Die verstorbene Königin Viktoria, die Großmutter des gegenwärtigen Königs, glaubte fest an diesen Ursprung ihres Geschlechts und verwahrte die Dokumente, welche nach ihrer Ueberzeugung diese Tatsachen beweisen sollten, als ein Heiligtum. Auch die jetzige Königin Marie, bekanntlich väterlicherseits als Tochter des Herzogs von Teck württembergischer, also deutscher Abkunft, soll fest von dem rsraelitrschen Ursprung der englischen Königsfamilie überzeugt sein. Es gibt sogar ein ausführliches Werk über diese Theorie; es hat den Engländer Readis Harris zum Verfasser und führt den Titel: >The lost tribes of Israel« (Die verlorenen Stämme Israels). In dieseul Buche wird darauf hingewiesen, daß es eine Tochter des israelitischen Fürsten Zedeklas, welche durch die Vorsehung dem Schutz des Propheten Jeremias anvertraut war, aus der babylonischen Gefangenschaft nach Irland entwichen sei, hier wurde sie die Gemahlin des Königs. Die Geschichte zählt 54 irische Könige auf und der Stamm dieser Könige geht zurück bis auf das Jahr 580 vor Christi Geburt. Ein direkter Nachkomme dieser irischen Königsfamilie war Fergus Moore, der König von Argylshire, der um das Jahr 487 nach Christi Geburt regierte. Einer seiner direkten Nachkommen wurde dann der erste König von Schottland (834 nach Christus); er hieß Kenneth Mac Alpin. Dieser Schaltenkönig nun war wie der Ahn Jakobs I. von England, der zugleich als der sechste seines Namens über Schottland herrschte. Von ihm führt dann eine allerdings etwas verzweigte Seitenlinie zu dem verstorbenen Könige Eduard VII. und zu dem regierenden Koma Georg. Auch die Herzogin von Teck, eine Tochter des Herzogs von Cambridge, die Mutter der regierenden Königin, glaubte fest an diese bis in ein graues Altertum zurückgehende Abstammung ihres Geschlechtes. Ihr Enkel, der gegenwärtige Prinz von Wales, erhielt auf ihren besonderen Wunsch den Vornamen David, in Erinnerung an die Abstammung von dem israelitischen König David. Er wird auch bei diesem Namen, welcher sich übrigens auch unter den Vornamen des letztverstorbenen Königs Eduard VH. findet, in der.Familie genannt. Die Schönheiten des Toten Meeres. In den Londoner „Daily News" erschien vor einigen Tagen ein interessanter Bericht des Jerusalemer Korrespondenten des genannten Blattes, der einige wertvolle, weniger bekannte Daten über die Gegend des Toten Meeres enthält. Hiernach hat Sociad Bey von der türkischen Regierung eine Konzession zur Exploitier>'ng der Mineralien im Baffin des Toten Meeres erhalten. Fonad Bey ist jetzt nach Konstanttnopel zurückgekehlt und hat seine Rechte für nicht weniger als 70.000 Pfund Sterling verkauft. Es ist bekannt, daß im Becken des Toten Meeres das feinste und reinste Bitumen und Schwefel von unvergleichlicher Güte zu finden sind. Ebenso ist seit den Forschungen des Professor Blanchenhorn bekannt, daß am südlichen Ende des Toten Meeres zur Zeit der Byzantiner Kupferbergwerke bestanden haben' und daß hier große Marmorlager und andere feine Gesteine gefunden wurden. Ebenso wurde von amerikanischen Sachverständigen darauf hingewiesen, daß im Toten Meere, Gebiete von Kohle und Oel in größeren Quantitäten vorhanden fein müssen. Salz gibt es auch viel, obgleich dieses wichtige Nahrungsmittel noch immer hauptsächlich aus Smyrna und England eingeführt wird. Es gibt wohl kaum einen weniger gekannten Flecken Erde in ganz Palästina, als diese Gegend, die in der nächsten Zukunft schon viel wird von sich reden machen. Vor zehn Jahren haben die Männer des griechischen Klosters an den Ufern des Jordan ein Motorboot in der Hoffnung angeschofft, daß sie die Konzession für die Schiffahrt auf dem Jordan und das Tote Meer erhalten würden. Das Motorboot machte einen Weg bis zum Kloster, wurde dort vertäut und seitdem liegt es da und — geht in Fäulnis über. Die Erlaubnis, es über die Heiligen Wasser gleiten zu lassen, wurde ihnen versagt. Vor einigen Wochen nun hat ein Mohammedaner Scheik Jalal die Konzession für einen Bootsverkehr auf dem Toten Meere erhalten und nun den Verkehr mit Motorbooten bereits eröffnet. Ein großer Teil des Beckens des Toten Meeres ist noch unaufgedecktes und unausgenütztes Gebiet. Seine wunderschönen Berge mit ihren Bächen und Schluchten werden selten von Menschen betreten. Engedi, ungefähr die Hälfte des Weges längs der westlichen Küste, ist der einzige Ort ans dnser Seite, wo gutes frisches Wasser zu hgben ist. Dies scheint zu Zelten Salomos ein kleines Paradies gewesen zu sein, denn in seinen Gesängen erwähnt er diesen Ort voll Lobes. Auch David erwähnt Engedi. Es gibt hier vier bis fünf sehr fruchtbare kleine Oasen, die, reichlich mit Wasser versehen, einer außergewöhnlichen Entwicklung fähig wären. Ungefähr zehn Meilen südlich von Engedi liegt die entzückende Festung Masada (Sebbeh). eine Festung, die zuerst von den Makkabäern aufgeführt, später von Herodes als Zufluchtsstätte ausgesucht wurde. Hierher zogen sich auch die Sigarier zurück, als das Land von Tiins erobert wurde, in der aussichtslosen Hoffnung, auf diese Werse der Unterwerfung durch die Römer entgehen zu können. Spuren der jüdischen Wälle und des Kampfes mit den Römern sind noch dort zu finden. Etwa acht Meilen weiter südwärts wird der Salzberg Jebel Usdum sichtbar. Er besteht durchwegs aus Steinsalz und erreicht eine Höhe von 500 Fuß. In diesem Berg gibt es eine schneeweiße Tropfsteinhöhle. Hier sind die herrlichsten Naturwunder, die infolge des ErstarrenS des tropfenden Salzes entstanden, zu sehen. Auf der östlichen Küste ist die übelwältigeude Bergschlucht des Flusses Arnon (Mojib), die die Grenze zwischen Ammon und Moab bildete. Das ist zweifellos der reizendste Punkt des Toten Meeres. Er stellt die bezwingendste Natur-Szenerie Palästinas dar. Die Berge auf der Westküste sind kalkhaltig, während diejenigen an der Ostküste, Sandsteine von ungeheuren Dimensionen enthalten, was diesen Hügelketten jenes unbeschreibliche Kolorit gibt, das die Reisenden so oft entzückt hat und dem Sonnenuntergänge in Palästina gewissermaßen einen Glorienschein verleiht. Viele Ungeimtheiten sind bereits über das Tote Meer verbreitet worden. So z. B. das Märchen, daß Vögel über das Meer nicht zu fliegen, Mensche i in seinem Wasser nicht zu schwimmen vermögen und daß die Vegetation an seinen Küsten nicht zu gedeihen vermag. An den odenerwähnren Stellen gibt es Vögel genug und was das Schwimmen im Toten Meere anvetangt, ist es unbeschwerlich und angenehm. Würde Palästina irgendeiner anderen Macht als der Türkei gehören, so würde das Küstenland des Toten Meeres schon längst ein in aller Welt bekannter Badeort geworden sein. Wahr ist bloß, daß keine Fische im Toten Meere leben, well sein Wasser zu bitter und zu salzig ist. Die Juden in Sidon. Die aus der Bibel bekannte Stadt Sidon ist die nördlichste Stadt Palästinas. Sie liegt an der Küste des mittelländischen Meeres und ist umgeben von Orangen- und Zitronen-Pflanzungen, wie Jaffa. Früher hatte Sidon zwei Häfen, der eine, südliche, hieß der ägyptische, er wurde schon im 17. Jahrhundert von Falr Eddin zerstört, so daß jetzt nur noch der zweite, nördliche, vorhanden ist. Die Stadt zählt momentan 12 000 Einwohner, 8000 Muhamedaner, 3000 Christen und etwa 500 Juden, meist Sefardim. Die Lage der Juden in Sidon, in materieller wie geistiger Beziehung, ist nicht sehr glänzend. Die meisten von ihnen sind Handwerker, wenige Händler und Bettler, die in den umliegenden Dörfern Waxen verlausen. Sie sind sehr fromm, sogar fanatisch. Sie stehen mit den übrigen Juden in Palästina in keiner Beziehung und letztere wissen wenig von ihnen. Sie sind äußerst unwissend und man findet kaum einen unter ihnen, der Hebräisch versteht. Eine Ausnahme unter ihnen macht höchstens eine junge Frau, die sich pnlängst dorthin verheiratet hat und aus der Kolonie „Methulah" stammt. Sie wohnen alle in einem besonderen Viertel, das vollständig abgeschlossen ist und nur ein Zugangstor hat. Allerdings haben sie das Recht, in