Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 37 (16.9.1910)
- Date
- 1910-09-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 37 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 617 Alliance Israelite, deren Geschäftsführer er nachher werden sollte, tätig; hier entwickelte er eine geradezu bewundernswürdige Emsigkeit, mit der er für die geschädigten russischen Juden eintrat und dir ihm einen Ehrenplatz in den Herzen Tausender sichern. Seine Hilfsbereitschaft stellte ihm ^ls Menschen ein glänzendes Zeugnis aus; wer immer an ihn herantrat: er empfing, je nach Sachlage seine Unterstützung entweder durch Rat oder durch Tat. Für die Vielseitigkrit seiner Begabung spricht die Tatsache, daß er nicht nur in der Schrift, sondern auch mit gesprochenen Worten vorzügliches leistete. Er war ein Fürst der Rede: meisterhaft geschliffen waren seine Waffen. So hoch sein Schwung auch war, wenn er in Begeisterung geriet, so vernichtend konnte er wirken, wenn es galt, mit dem Florett des Witzgeschliffenen Wortes, mit Witz und Sarkasmus seinen Gegner zu unterdrücken. Berlin. Der deutsche Jahresbericht der Alliance Israelite Universelle für 1909 ist in einem 208 Seiten starken Bande erschienen. Er bietet, wie die früheren Berichte, ein Bild der Tätigkeit der ältesten und gröhten jüdischen Hilfsorganisation, die sich über drei Erdteile erstreckt. Er zeigt, auf welche Weise die Alliance ihre Aufgaben seit ihrem 50 Jahre zurückliegenden Entstehen erfüllt. Das großartig angelegte Schulwerk wird von Jahr zu Jahr erweitert. Im Jahre 1862 wurde die erste Schule mit 8 Lehrern und 300 Schülern eröffnet. Zehn Jahre später hatte die Alliance 17 Schulen mit 98 Lehrern und 2800 Schülern. Noch 10 Jahre später waren bereits 47 Schulen mit 290 Lehrern und 7600 Schülern vorhanden. Heute beträgt die Zahl der Schulen 149, die der Lehrer 1275, die der Schüler 41.000. Den Zahlen entsprechend sind>ruch die Aufwendungen für die Schulen gewachsen. Während im Jahre 1862 9.800 Frs. für >die Schule ausgegeben wurden, betrug das Schulbudget im Jahre 1909 zwei Millionen Francs. Dabei sind die Ausgaben für Mobilien, Schulmaterial usw.. deren Gesamtsumme annähernd 300.000 Frs. jährlich beträgt, nicht mitgerechnet. Der neue Hamburger Oberrabbiner. Wie bereits berichtet, hat die Hamburger jüdische Erohgemeinde den gegenwärtigen Miskolczer Oberrabbiner Dr. Spitzer zum Oberrabbiner gewählt. Die Wahl erfolgte ursprünglich auf vier Jahre. Da Dr. Spitzer die Wahl in dieser Form ablehnte, trat die Gemeinderepräsentanz zu einer neuerlichen Sitzung zusammen und wählte Dr. Spitzer auf Lebenszeit. Hierauf hat Oberrabbiner Dr. Spitzer die Wahl angenommen. Der neugewählte Hamburger Oberrabbiner steht in noch verhältnismäßig jungen Jahren, ist der Sohn armer Ellern. Seine tal- Mudischen Studien absolvierte Dr. Spitzer auf den anerkanntesten ungarischen Ieschiboth. In Frankfurt, unter Leitung des Rabbiners Dr. Breuer, oblag er neben den talmudischen Studien auch Gymnasial- und später seinen Universitätsstudien. Das Doktorat erhielt Dr. Spitzer in Würzburg. Sein erster Rabbinerposten war in Halas, Ungarn, von wo er vor zwei Jahren nach Miskolcz berufen wurde. Ein Gnadenakt des Zaren an Mifcha Elmann. Aus London wird berichtet: Der berühmte jüdische Mischa Elmann, der jetzt in London lebt, erhielt dieser Tage von der Londoner russischen Gesandtschaft die folgende offizielle Zuschrift: /.Dem Herrn Michail Elmann (Moses Jakob ben Saul). Das zweite Departement des Ministeriums des Aeuheren bevollmächtigt die Gesandtschaft, Sie zu verständigen, daß Seine Majestät der Kaiser mit Befehl vom 29. Juli geruht haben. Sie vom Militärdienst zu befreien." Wie von unterrichteter Seite hiezu gemeldet wird, ist dieser Gnadenakt des Zaren infolge der Intervention einer hochstehenden englischen Persönlichkeit erfolgt. Frankfurt a. M. (Ausweisung russischer Schauspieler ausFrankfurt.) Kü^lich wurde die Ausweisung des russischen Schauspielers Eisenberg gemeldet, der binnen vierundzwanzig Stunden Frankfurt verlassen muhte. Nun sind auch vier andere russische Schauspieler ausgewiesen worden, namens Landowski, Rosenberg und zwei Brüder Stein. Sie muhten vor einigen Tagen Frankfurt verlassen. Bei ihrer Vernehmung auf dem Polizeipräsidium war auch ein russischer Kriminalbeamter zugegen. Ihr Verbrechen bestand darin, dah sie Gedichte über die Judenverfolgungen in Ruhland vorgetragen hatten. Durch Vermittlung der jüdischen Gemeinde in Frankfurt entgingen sie dem Schicksal, nach Ruhland ausgeliefert zu werden. Die Absetzung -es Kaimakams von Jaffa. Aus Jaffa wird der „N. I. K." berichtet : Grohe Entrüstung hatte unter der palästinensischen Iudenschaft die Haltung des Statthalters von Jaffa hervorgerufen, der jüngst in der Kolonie Ekron. als er sich wegen der Höhe des Oschers, (der Getreidesteuer) mit dem Vertreter der Kolonie nicht einigen konnte, vor dem versammelten Bezirksausschuß die jüdische Bevölkerung in heftigen Worten beschimpfte. Die jüdischen Kolonisten wandten sich beschwerdeführend an den Grohrabbiner der Türkei. Haim Nahum, der ihre Beschwerde dem Minister des Innern Talaat-Bey vortrug. Der Minister erklärte, dah er über den Vorfall bereits durch den Gouverneur von Jerusalem unterrichtet sei und dah er sofort die Amtsenthebung des Küimakams verfügt habe. An seiner Stelle ist der bisherige Statthalter von Älerandrette zum Kaimakam von Jaffa ernannt worden. In den jüdischen Kreisen Palästinas herrscht grohe Genugtuung über die Entscheidung des Ministers. Der Vodrnerwerb in Palästina noch immer nicht gestattet. Dem „Jewish Chronicle" wird aus Konstantinopel gemeldet: Die Behauptung einiger westeuropäischer Blätter, dah die türkische Regierung alle Begrenzungen betreffend den Erwerb von unbeweglichem Besitze in Palästina aufgehoben habe, entbehrt jedoch jeder Grundlage. Der Gouverneur von Palästina geht nach wie vor nicht nur ausländischen Juden, die Boden zu kaufen beabsichtigen/ sondern auch ottomanischen Juden gegenüber mit der äußersten Strenge vor. In einem Gespräche des Grohrabbiners der Türkei mit dem Minister des Innern am 23. August hat der Chacham Baschi die Aufmerksamkeit Sr. Erzellenz auf diesen Zustand, wie auch auf die zahlreichen Fälle gelenkt, in denen die Lokalbehörden den ausländischen Juden, die ottomanische Staatsbürger werden wollen, die gröhten Hindernisse in den Weg gelegt haben. Die Antwort des Ministers war eine entschiedene: Non possumus. Im übrigen legte der Minister dem Grohrabbiner nahe, seine Vorstellungen dem Ministerpräsidenten nach dessen Rückkehr aus Europa zu erneuern. Strafe für .einen Aufklärungsvortrag über die Cholera. Aus Iekaterinoslaw wird russischen Blättern die folgende bezeichnende Nachricht gemeldet: Mit Rücksicht auf das Ueberhandnehmen der Cholera hat sich hier eine jüdische Sanitätskolonie gebildet, die zu ihrer Wirksamkeit die Erlaubnis der administrativen Behörde erhielt. Die ganze modern ausgerüstete jüdische Sanitätsabteilung erachtete es zunächst als ihre wichtigste Aufgabe, die jüdische Bevölkerung über das Wesen der Epidemie und die Mahregeln zu ihrer Verhütung aufzuklären. Zu diesem Behufe hielt dieser Tage ein Mitglied der Kolonne. Dr. Olschwanger, in der Synagoge einen Aufklärungsvortrag, und da er der Ansicht war, dah der Vortrag nur dann einen Wert haben könne, wenn er von den Zuhörern verstanden wird und die Juden dieser