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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-09-16 · 37 (16.9.1910) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
37 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 618 Dr. Blochs Wochenslhnft. J r Nr. 37 Gegend zumeist nur jüdisch sprechen, Hielt er auch seinen Vortrag in dieser Sprache. Für dieses ./Verbrechen" wurde nun der selbstlose Arzt zu einer Geldstrafe von 25 Rubel verurteilt. Die Liblmer Emigrationskonferenz. Am 25. September treten die Rayondelegierten der Jca in Libau in Rußland zu einer Konferenz zusammen. Die Jca hat an nahezu 400 Stellen Jnformationsbureaur errichtet und um Aie Organisation dieser Vureaur wird es sich in der Konferenz hauptsächlich handeln. Einen Wichtigen Punkt der Tagesordnung wird die Beratung über die Mittel bilden, durch welche die Erleichterung der Beschaffung von Auslandspässen für Emigranten herbeigeführt werden könnte. Trotzdem die russischen Behörden mit unverhohlener Freude sehen, wie die Auswanderung der Juden aus Rußland täglich zunimmt, machen sie den Emigranten dennoch große Schwierigkeiten, wenn es sich darum handelt, auf legalem Wege im Besitze eines Passes auszuwandern. Das ist ein Hauptgrund, weshalb die Emigranten den verschiedenen ausbeuterischen Agenten in die Hände fallen, um sich durch sie über die Grenze schmuggeln zu lassen. Das Ergebnis der Rllbmstein-Preiskonknrrenz in Petersburg. Wie erinnerlich, hat die russische Regierung denjenigen russischen und ausländischen Juden, die in Petersburg kein Wohnrecht besitzen, die persönliche Anteilnahme an der Rubinstein-Preiskonkurrenz für Musiker, die dieser Tage in Petersburg stattfand, nicht gestattet. Nichtsdestoweniger haben mehrere Juden an der Konkurrenz teilgenommen. Trotzdem sämtliche russische Blätter. auch die reaktionären, in ihrer Kritik der Leistung der einzelnen Komponisten der ungeteilten Meinung Ausdruck geben, daß der Preis dem jüdischen Künstler Isaak Rubinstein gebühre, wurde der erste Preis dem deutschen Petenten Emil Frey zugeurteilt, während Rubinstein und der gleichfalls vorzügliche Abraham Hen bloß Medaillen erhielten. Gegen das Urteil der Jury wurden mehrere Proteste eingebracht. Wozu die Juden gut genug sind. Während der berüchtigte Odessaer Bürgermeister Tolmatschew es wieder einmal zuwege gebracht hat, Rußland vor der ganzen Welt zu blamieren, indem er die Einführung des Ehrlichschen Mittels in Odessa verbot, weil Ehrlich Jude ist, und andererseits die russische Regierung — was noch nicht bekannt sein dürfte — aus das Ehrlichsche Mittel einen Einfuhrzoll setzte, hat die Homeler Stadlduma jetzt einen Beschluß gefaßt, der die Kosten zur Bekämpfung der Cholera in Homel einfach den Juden aufbürdet. Die Stadtduma hat nämlich einfach beschlossen, die mit 7000 Rubel veranschlagten Kosten für die Bekämpfung der Cholera der jüdischen Fleisch- Steuer (Korobke) „leihweise" zu entnehmen. Da die Juden aus Erfahrung wissen, daß solche Entlehnungen auf „Nimmerwiederzahlen" zu geschehen pflegen, haben sie gegen einen solchen Beschluß protestiert. Der Gouverneur verwarf jedoch den Protest, und so werden die Juden die Kosten der Homeler Cholera zu tragen haben. Vermischtes. A« die Herren Wähler der Leopoldftadt! Mit dem heutigen Tage beginnt die Reklamationsfrist für die bevorstehende Landtagswahl im 2. Bezirk. Das Mandat muß und wird den klerikalen Händen enteisten werden, wenn jeder fortschrittliche Wähler seine Pflicht erfüllt. Im bevorstehenden Wahlkampfe kann es auf jede Stimme ankommen. Es ist daher unerläßlich notwendig, daß stch Jedermann überzeugt, ob er richtig in der Wählerliste verzeichnet steht. Wahlberechtigt ist jeder österreichische Staatsbürger, der am 21. August, dem Tage der Wahlausschreibung, 24 Jahre alt, im zweiten Bezirke wohnhaft und drei Jahre in Wien seßhaft ist. . Die Wählerliste liegt im Zentral-Wahl- und Agitationsbureau der fortschrittlichen Partei im 2. Bezirk, Praterstraße 8, im Cafe Fetzer zur allgemeinen Einsicht auf. Für alle Wahlberechtigten, die in der Wählerliste nicht verzeichnet wären, wird das Reklamationsverfahren unentgeltlich durchgeführt. Da die Reklamationsfrist äußerst kurz bemessen ist, werden die Herren Wähler gebeten, sich ehebaldigst im Wahlbureau einzufinden, das täglich von 8—12 Uhr vormittags und von 2—7 Uhr nachmittags geöffnet ist. Eintrittserklärungen für den seit 38 Jahren im Bezirke tätigen, fortschrittlichen „Donauklub" und für das unter dessen Aegyde tätige offizielle Wahlkomitee werden daselbst und auch von dem Gemeinderat Dr. Alfred Mittler zu jeder Zeit entgegengenommen. Für das fortschrittliche offizielle Wahlkomitee der Leopoldstadt: Obmann: Dr. L. Brady. Obmannstellvertreter: Gemeinderat Ferdinand Eder, Dr. H. Jolles, Fabrikant Adolf Hupka. Schriftführer: Philipp Bak. Gratulationen anläßlich des fUtPH U8>Festes zugunsten der Chewra-Kadischa. Einem seit Jahren eingebürgerten Brauche folgend, laden wir unsere p. t. Leser ein, Neujahrsgratulationen durch eine Anzeige in der „Österreichischen Wochenschrift" an Stelle der direkten Gratulationen per Post erstatten zu wollen. Auf diese Weise verbindet der Gratulant mit der Erfüllung einer Formalität gleichzeitig die Förderung einer unserer ältesten und würdigsten jüdischen Anstalten. Die Einschaltung solcher Anzeigen erfolgt in der dem Roschhaschanoh-Feste vorangehenden Nummer unseres Blattes vom 30. September l. I. gegen Einsendung einer Spende von mindestens K 4.—, zugunsten der Chewra-Kadischa Wien. Letzter Termin zur Einsendung solcher Anzeigen 26. September 1910. Wien. (Auszeichnung.) Dem Industriellen Herrn Adolf I o s e f s t h a l, Vorstandsmitglied des „Oest.-Ung. Hilfsvereines" in Breslau wurde von Sr. Majestät dem Kaiser das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. Der Ausgezeichnete ist ein Sohn des in Wien lebenden Industriellen Herrn Pinkas Josefsthal, der auch als . Hebraist und Talmudkenner in Fachkreisen geschätzt wird. - Wien (B a r M i z w a h - F e i e r.) Am 17. d. M. findet im israelitischen Tempel in der Neudeggergasse die Bar Mizwah-Feier des Knaben Albert Go laut, eines Sohnes des Redakteurs der „Neuen Freien Presse", Schriftstellers N. Golant, statt. «W iß Wien. (Verlobung.) Fräulein Lisl Neubauer, Karlsbad (Haus „Tannhäuser") hat sich mit Herrn Josef Modern, Wien, verlobt. Wien. (Bethausverein „Am Völker 1".) Durch den schönen Erfolg, der anläßlich der Schlußprüfungen an der neugegründeten Sprach- und Bibelschule des Bethausvereines „Am Volkert" zutage trat, ermuntert, beschloß die Schulsektion, die nunmehr ztveiklafsige Religionsschule zu erweitern, und eröffnet somit mit dem Schuljahre 1910/11 einen dreiklaffigen Unterricht. Da auch der Bar- Mizwah-Kurs, wodurch die der Schule entwachsene Jugend in der Gotteslehre bestärkt und in ihrem religiösen Sinne gefestigt werden soll, vorzüglich für die Schüler unbemittelter Eltern besonderen und unerwarteten Erfolg brachte, wird derselbe auch im heurigen Schuljahre fortgesetzt. Die Einschreibungen finden Sonntag am 18. September zwischen 10^und 12 Uhr vormittags in der Vereinskanzlei, II., Fugbachgasse 7, statt. Nach den bereits genehmigten Plänen zum Baue des „Kaiser Franz Joseph I. Huldigungstempel" sind die nötigen Räumlichkeiten für eine fünfklassige Religionsschule vorgesehen.

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