Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 37 (16.9.1910)
- Date
- 1910-09-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 37 Sette 616 Des kleinsten, galizischen Handelsjuden, der nur mit allzugroßen Opfern hierherkommt und hier noch größere Opfer am Wafferaltar freudig niederlegt. Freiherr von Ompteda hat sicherlich auf den, einen Weltkurort wie Karlsbad, zustehenden Grundsatz: „Gleiches Recht für Alle" vergesien, sonst würde er den für ihn, wie für die Stadtgemeinde beschämenden Ausdruck „Schacherjude" nicht gebraucht haben, denü Herr Freiherr von Ompteda hat in der erwähnten Broschüre gezeigt, daß er ein feiner Stilist und ausgezeichneter Kenner Karlsbads, nicht aber der galizischen Juden ist. Freiherr von Ompteda weiß eben nicht, daß oft die anwidernde äußere HWe der „galizischen kleinen" kaftan- und löckentragenden Juden nicht selten ein edles für Nächstenliebe und besonderes Zartgefühl warmschlagendes Herz birgt, ein Herz, das so manchem »Kavalier" Ehre machen würde. Unsere Bitte, verehrliche Redaktion, geht nun dahin, die Stadtgemeinde möge nun diese Broschüre nicht weiter verteilen, dagegen eine Auflage veranstalten, die das nette Wörtchen „Schacherjude" nicht enthalte. Wir hoffen, daß Sie ebenso in der Lage wie geneigt sein werden, unserer, wie wir glauben, berechtigten Bitte» Raum in Ihrem gesch. Blatte zu geben, was schließlich im Jntereffe der Kurverwaltung liegt. Hochachtungsvoll viele jüdische galizische Kurgäste. Kommerzienrat Benjamin Hirsch-Halberstadt. Zu seinem 70. Geburtstag. (7. (Hui.) Einer der drei Vorsitzenden des „Deutsch-Jfraelitischen Gemeindebundes", Kommerzienrat Benjamin Hirsch- Halberstadt, trat mit dem 7. Elul (11. September) in erfreulicher Frische des Geistes und Körpers in das Patriarchenalter. Zu diesem seinem 70. Geburtslage überreichte ihm der Ausschuß des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" eine Glückwunschadresse in prächtigem Einbande, in welcher dem um den Gemeindebund und um die Förderung aller seiner Aufgaben so hochverdienten Manne der Zoll des Dankes und der Anerkennung ausgesprochen wird, zugleich mit dem Wunsche, daß es ihm noch viele Jahre vergönnt sein möge, seine schätzenswerten Kräfte im Ehrendienste des Gemeindebundes zu betätigen. Die Bedeutung des Jubilars als hervorragender Kaufmann, dessen Geschäftsbetrieb weit über Deutschlands Grenzen hinausreicht, die allgemeine Wertschätzung und Hochachtung, die seine Firma in allen Kreisen genießt, das große Ansehen, dessen er persönlich sich überall in 'seiner Vaterstadt und im allgemeinen öffentlichen Leben erfreut, soll hier nur kurz gestreift sein. Was er aber uns Juden und besonders uns deutschen Juden bedeutet, muß etwas eingehender an diesem Jubiläumstage hervorgehoben werden. Benjamin Hirsch ist in deutschen Landen einer der treuesten Söhne des alten traditionellen Judentums in seinem Leben, Denken und Fühlen. Aber er ist auch von Milde und Toleranz Andersdenkenden gegenüber, die sich bekundet in seiner hingebungsvollen Mitarbeit an allen großen Aufgaben des deutschen Gesamtjudentums, Schulter an Schulter mit den führenden Geistern desselben, auch wenn diese nicht auf seinem strengorthodoren Standpunkt stehen. Er ist zu allen Zeilen öffentlich und entschieden mit der Ansicht hervorgetreten, daß es ein s chwerer Fehler ist, wenn diejenigen, die religiös seinen streng-traditionellen Standpunkt teilen, nicht nur abseits bleiben, sondern den großen Gemeinsamkeilszielen der deutschen Judenheil geradezu hemmend und bremsend gegenüberstehen. Noch in der letzten konstituierenden Sitzung der „Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge" hat er einen energischen Protest gegen das Gebaren einer kleinen Gruppe seiner religiösen Genossen erhoben. Vor nunmehr 14 Jahren, im Juli des Jahres 1896, wurde Benjamin 'Hirsch erstmals zum Delegierten des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" gewählt. Bereits am 1. Oktober desselben Jahres erfolgte seine Wahl in den Ausschuß und zwei Jahre später, 1898, wurde er neben Prof. Philippson und Weh. Hofrat 'Josephsthal- Nürnberg in das Präsidium des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" berufen. Was er damals bei seiner Wahl schrieb : „Jedenfalls werde ich mich bestreben, den schönen, hohen Zielen des D.-J. G. B. mit besten Kräften zu dienen" — das hat er in reichstem Maße gehalten. Besonders verdienstvoll gestaltete sich seine Arbeit als Mitglied der seinerzeit von den drei großen jüdischen Organisationen, dem „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", dem „Verband der deutschen Juden" und dem „D.-J. G. B", gebildeten Schächtkommission. Aber auch sonst nahm er regsten Anteil an der ganzen Fülle der bedeutsamen Fragen, die insbesondere auch auf sozial-jüdischem Gebiete den „D.-J. G. V." beschäftigten. Kommerzienrat Hirsch gehört auch zu den Mitbegründern des „Verbandes der deutschen Juden". Sehr warm trat er für die von dem „Verband" und dem „D. I. G. B." gemeinsam betriebene staatliche Gesamtorganisation des jüdischen Gemeindewesens in Preußen ein. Im „Hilfsverein der deutschen Juden" gehört er dem Ausschuß an, und auch im „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" schätzt man ihn als eifrig wirkendes Mitglied. In seiner Heimatstadt und seiner Heimatprovinz steht er an der Spitze so ziemlich aller jüdischen Institutionen. Er ist der Vorsitzende des Synagogenverbandes der Provinz Sachsen und der erste Vorsteher der Gemeinde Halberstadt, Vorsitzender der dortigen Behrend-Lehmann-Klausstiftung, der jüdischen Schulstiftung Hascharath Z'wi und einer ganzen Reihe anderer jüdischer Gemeindeinstitutionen. In der soeben unter seiner hingebungsvollen Mitwirkung begründeten „Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge" sitzt Kommerzienrat Hirsch gleichfalls im Vorstände (1. Schriftführer) und ist zugleich der Vorsitzende der Provinzialkasse für die Provinz Sachsen und die thüringischen Staaten. Ganz hervorragend betätigte sich der Jubilar auch auf dem Gebiete private^ Wohl- Wenn ihm an seinem 70. Geburtstage aus allen jüdischen Kreisen jetzt Glückwünsche und Anerkennungsschreiben zugingen, so möge er darin den schönsten Lohn für feine so vielseitigen und großen Verdienste um die Judenheit erblicken. M. A. Klausner. Der Schriftsteller M. A. Klausner in Berlin,aus dessen Feder wir in der letzten Nummer an leitender Stelle eine überaus interessante Enunziation publiziert haben, ist unerwartet das Opfer eines Unfalles geworden. Er wurde von einer Automobildroschke überfahren und in wenigen Minuten darauf starb er. Mar Albert Klausner war am 24. November 1848 geboren und entfaltete bereits in seiner Jugend eine überaus reiche Tätigkeit. Sein sicheres Gefühl für seinen Eigenwert und seine hervorragend geistigen Eigenschaften führten ihn früh zur Journalistik, in der er viele Ruhmesreiser erntete. So gab er lange Zeit die „Fortschrittliche Korrespondenz" ‘ heraus; gleichzeitig unterhielt er ein Telegraphenbureau. Sein Weg als Schriftsteller führte 'ihn von Stufe zu Stufe; 1884 trat er in den „Berliner Bürsen-Courier" ein, in dem er über zehn Jahre als Leiter des politischen Teils tätig war. Seine außerordentlichen Fähigkeiten, sein glänzender Stil, sein Sarkasmus, sein beißender Witz, die Fülle seines Wissens, seine Weitsicht fanden hier ein glänzendes Betätigungsfeld vor: trotzdem er auf diesem Gebiete zu großem Ansehen gelangte, duldete es ihn nicht länger in den Redaktionsräumen. Er wandte sich fortan mit jenem fabelhaften Eifer, der für ihn so bezeichnend war, der Pflege der Interessen seiner Glaubensgenossen zu. Die Israelitische Wochenschrift" förderte er als Herausgeber hurch seine eigenen stilistisch wie geistig bezwingenden Artikel. Einige Jahre später war er für die