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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-09-16 · 37 (16.9.1910) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
37 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 87 Dp- Blschs Wochenschrift- Seite 615 Ganz gegen die gesetzliche Befugnis weigerte sich das Krakauer Bezirksgericht, das Urteil-zu vollstrecken und sandte die Akten nach Zieczanow zurück. Inzwischen haben die Felizianerinnen natürlich von den Vorgängen erfahren und haben auch dieses unmündige jüdische Kind in ein anderes Kloster gebracht. Diese offenkundige Förderung, deren sich die Felizianerinnen bei ihrem Seelenfange seitens der Behörden und Gerichte erfreuen, hat es zur Folge, daß die Taufe der aus allen Teilen Galiziens entführten jüdischen Mädchen in Krakau vollzogen wird und daß das Krakauer Rabbinat in seinem jüngsten Monatsausweise die Taufe von vierzig jüdischen Mädchen in einem einzigen Monat zu verzeichnen hatte. Das ist eine schreckliche Ziffer, wenn man bedenkt, datz nicht alle Fälle in Krakau zur Anzeige gebracht werden. Auszeichnung eines jüdischen Richters am Obersten Gerichtshof in Ungarn. Das ungarische Amtsblatt veröffentlichte vor einigen Tagen das folgende Allerhöchste Handschreiben: „Auf Vorschlag Meines mit der zeitweiligen Leitung Meines ungarischen Ministeriums am Hoflager betrauten ungarischen Ministerpräsidenten verleihe Ich dem Senatspräsidenten der königlichen Kurie Dr. Sigmund Decsey aus Anlatz der auf eigenes Ansuchen erfolgten Pensionierung desselben, in Anerkennung langjähriger treuer und eifriger Dienste Meinen Orden der Eisernen Krone 2. Klasse taxfrei." Decsey ist der einzige Jude, der es zu der hohen Stelle eines Senatspräsidenten der Kurie (Oberster Gerichtshof) gebracht hat. Er wird als Zierde des ungarischen Richterstandes verehrt. Durch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten hat er in verschiedenen Aemtern und Würden dem Lande hervorragende Dienste geleistet. Der Justizminister versuchte, Decsey zum Verbleiben im Amte zu veranlassen, aber Decsey hat sich infolge seines höhen Alters und seiner Krankheit veranlatzt gesehen, definitiv aus dem Amte zu scheiden. Zum 7V. Geburtstag Dr. Ludwig Bendirners. Aus Anlatz seines 70. Geburtstages kam Herrn Doktor L. B e n b t e n e r von Nah und Fern e'ne Reibe von Glückwünschen zu, von denen wir hervorheben: Ein schmeichelhaftes Glückwunschtelegramm des Statthalters Grafen Coudenhove; dann Gratulationen des Landesausschutzbeisitzers und Herrenhausmitgliedes Dr. Karl Eppinger im eigenen und im Namen der Deutschen Fortschrittspartei in Böhmen. („Zum 70. Geburtstage bitte ich den bestbewährten Gesinnungsgenossen und Mitkämpfer Mr deutsches Recht auf gefährdetstem Posten herzlichen Glückwunsch entgegen zu nehmen.") Ferner haben Gratulationen gesandt: Alexander Richter, die Abgeordneten I. R. von Sobitschka, Doktor Karl Maria Herrmann, Bürgermeister von Funke. Dr. Kiemann; der Vizepräsident des Landesschulrates i. R. Franz Zabusch in Wien, Statthaltereivizepräsident i. R. Georg Dürfe! in Untercetno, Landesgerichtspräsident Schramek, die Hofräte von Campe, Mörstadt, Landessanitätsreferent Dr. Pelc, Direktor Dr. Alexander Bauditz, Kreisgerichtspräsident Hugo Weitz, Kreisgerichtspräsident i. R. Iedlitschka, Dr. Tupetz, Dr. Urban, Dr. Steyskal, Sobieka; die Oberlandesgrrichtsräte Hofrat Epstein, Doktor Schütz, Dr. Unger, Watzel, Dr. Wahle und Thon, Leitmeritz; die Oberfinanzräte Dr. Adler und Dr. Wiener; die Statthaltereiräte Dr. vou Geitler, von Stellwag- Carion und Bayer; Landesgerichtsrat Dr. Sandmann; die Landesschulinspektoren Dr. Muhr und Trötscher; die Finanzräte Dr. Koscherak und Baumer;' Bezirksrichter Dr. Kraut, ferner der Vizepräsident des Disziplinarrates der Advokatenkammer Dr. Kasanda, Kammeranwalt- Substitut Dr. Jentsch, Kammersekretär kais. Rat Straub, Rektor Magnifikus Prof. Dr. Grünert; die Universitätsprofessoreu Hofrät Arnold Pick, Weineck. Waelsch, Oskar Kraus, Raudnitz, Frankl, Dr. Rudolf Fische!; Direktor Angela Reumann, Gremialobmann Otto Forchheimer, die Lese- und Rrdehalle der deutschen Studenten, der Deutsche Verein in Prag, die ital. Waisenhaus-Kongregation in italienischer Sprache, die Großindustriellen Börsenpräsident Mar Kahler, Baron Eugen von Ku binzky, Emil von Portheim. Kommerzialrat Richard Elbogen und Dr. Friedrich Elbogen, kais. Rat Adolf Bloch, Kommerzialrat V. Patzak, Kommerzialrat Hans Waldek, kaiserl. Rat Robert Fuchs, Kommerzialrat Robert Perutz, Kommerzialrat Jotz, kaiserl. Rat S. Löwenstein und Eu^en Löwenstein, Ignatz Petschek (Aussig). Eduard Weinman.i (Aussig), Fritz Sobotka, Dr. Max Lasch, die Bankdirektoren Elischak, Sittig und Direktionssekretär des Wiener Bankvereins Dr. Rudolf Wiener, Direktor I. Steinitz der Lehrerbildungsanstalt, Stadtverordneter Doktor Johann Vleek, Major von Hake. Regierungsrat Doktor Bachrach (Wien), Freiherr von Bischoffshausen, Obersanitätsrat Dr. Altschul, kaiserl. Rat Wiesler, Oberingenieur Kropp, kaiserl. Rat Moritz Hahn und kaiserl. Rat Thias, Kavaliere Stanich^ Alfred Klaar, Doktor Dr. Friedrich Adler, kaiserl. Rat Steinberg, Gustav Löwe, Dr. Richard Benedikt, Sanatoriumsarzt Dr. Gottlieb, Alexander Löwenfeld, Bezirksobmann Dr. Alois Kluge (Trautenau), sowie nahezu sämtliche Advokaten Böhmens und andere mehr. ___ Autzerdem haben von weiter Ferne jene Freunde und Verehrer, die seinen versteckten Aufenthaltsort entdeckten, telegraphisch und schriftlich Glückwünsche nachgesendet. Aber auch zu seiner Rückkehr rüsten sich mehrere Korporationen, ihn zu beglückwünschen; so erfahren wir z. B., datz vom Verein für geregelten Gottesdienst der Israeliten in Prag, dessen langjähriger Obmann Herr Dr. Ludwig Bendiener ist, ihm eine künstlerisch ausgestattete Adresse mit den Unterschriften von über 300 Vereisnsmitgliedern überreicht werden wird. Als Direktor des Nächstenlieben ereins für verschämte israel. Hausarme, dessen Leiter er über 40 Jahre ist. wird ihm zu Ehren aus seinen Namen von den Vorstehern des Vereins eine Stiftung kreiert, deren Zinsen alljährlich am 4. September, an dem Geburtstage des Direktors Herrn Dr. Ludwig Bendiener, an verschämte israelitische Arme zur Verteilung gelangen sollen. Die Rentcnobligation dieser Stiftung, über deren Interessen ihm bei Lebzeiten alleinige Verfügung zu ^Wohltätigkeitszwecke zustehen soll, wird vom Vorstand bei seiner Rückkunft Herrn Doktor Bendiener überreicht werden. Karlsbad. Das „Karlsbader Tagblatt" Nc. 203,*1910 enthält folgende Zuschrift: Verehrliche Redaktion! Allzeit hat sich ihr gesch. Blatt durch seine strenge Objektivität ausgezeichnet und stets der gerechten Sache das Wort gesprochen. Demgemäß erlauben wir uns an Sie folgende Zeilen zu richten, mit der Bitte, denselben die Spalten Ihres gesch. Blattes freundlichst öffnen zu wollen, um nicht allein vielen tiefzekränkten, seit Jahren maffenhaft besuchenden Kurgästen zur Erfüllung eines gereckten Verlangens zu verhelfen, sondern auch das sonst berechtigte große Ansehen des hiesigen Kuramtes und Verwaltung überhaupt in den Augen der nun so arg Verletzten nicht herabzudrücken. In dem im Verlage der Stadtgemeinde Karlsbad erschienenen Buche „Karlsbad der Weltkurort" (deutsche Ausgabe) auf Seite?3; 4. Zeile (von unten nach oben) ist zu lesen: „Da stehen sie der Reihe nach, wie sie angekommen sind, nebeneinander: die Majestät wie der kleine galizische „Schacherjude" .... Freiherr von Ompteda ist in seiner sonst trefflichen Schilderung Karlsbads offenbar von Tendenz geleitet, wenn er den für unzählige achtbare galizische Großhändler, Bankier rc. empfindlick verletzenden Ausdruck „Schackerjude" gewählt hat. wo aber, drängt sich die Frage von selbst auf, findet das sonst auf Alles mit Peinlicker Genauigkeit sehende Kuramt Rechtfertigung, das doch derartige Massenauflagen vor Drucklegung wenigstens einer genauen Lektüre unterziehen und darauf sehen soll, zumindest den Schein wahrend, das von »Weltkurorten" zu erwartende Gistrecht auch des kleinsten galizische» Handelsjuden nicht zu verletzen?

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