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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-09-16 · 37 (16.9.1910) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
37 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 37 Seite 614 Dr. Blocks Wochenschrift. dies gerade an der nächsten Stelle mit Blei- oder Farbstift aufzumalen. beziehungsweise zu erläutern; so ist keine leere Stelle vor ihm sicher. Im Laufe dieser Untersuchungen hatte Ehrlich jedoch eine neue biologische Entdeckung gemacht. Äus diesen neuen Elkenrtniffen ergab sich ein wichtiger Schluß: wollte man die Tlypanosomenkrankheit (die Bakterienkrankheit, die Ehrlich zuerst beschäftigte) bekämpfen, so mußten sämtliche Trypanosomen in dem befallenen Tier auf einmal getötet werden. Blieb auch nur ein einziges verschont, so hatte dies bereits eine erhöhte Giftfcstigkeit erlangt, so daß gröbere Dosen erforderlich waren und es konnte schließlich der Moment kommen, wo das Heilmittel giflioer auf das befallene Tier iMaus) wirkte, als auf den Erreger (Trypanosom). Gestützt auf die mittlerweile bekannt gewordenen Arbeiten von Thomas Breinl und Koch, verband Ehrlich Arsen mit dem von ihm gefundenen Heilstoff gegen die Trypanosomen uud er begann seine Untersuchungen auf andere Infektionserreger auszudehnen. So gelangte er zur Bekämpfung des Syphilisbaz'llus. Die Opfer der rassischen Pogrome. Der Petersburger Korrespondent der »N. J. K.< berichtet: Dieser 'läge ist in Russland ein interessantes Buch erschienen, das sehr wichtige Dokumente und Berichte über die letzten Pogrome enthält. Diesem Buche sind folgende statistische Angaben zu entnehmen: Die Opfer der Pogrome im Jahre 1905 sind: Tote, Verwundete, Witwen, Waisen Im Gouvern. Bessarabien 110 350 48 125 » > Cherson 371 300 180 763 » > Taurien 53 50 8 27 > a> Jekaterinoslav 131 380 40 187 > > Poltava 18 105 8 37 s Tschernigov 28 125 4 31 > » Kiew 31 3C0 5 15 > > Podolien 31 85 25 83 > » Minsk 49 15 1 6 > > Mohilew 31 15 —' 1 » > Witebsk 12 11 2 — » > Don 16 40 4 — Gesamtzahl 876 1197 325 1280 Fügt man die Pogrome des Jahres 1906 in Hornel, Siedlce und Bialystok hinzu, so sind 1918 Juden als Opfer der Pogrome in der Zeit von Oktober 1905 bis zum Ja! re 1906 zu beklagen. Der den Juden durch die Pogrome zugefügte materielle Schaden beziffert sich: Im Gouv. Bessarabien (von 12500 Juden) auf 3,4 Millionen » Cherson > 63000 > > 10,1 > > Taurien 3500 > > 0,5 > » Jekaterinoslaw > 21500 > > 13,2 > » Poltava 14100 » 5,2 . » » Tschernigow 23000 » » 7,4 » » Kiew > 32000 > » 11,0 » Podolien 2> 19000 » 3,4 » Wolin » 700 » » 0,175 » » Minsk » 200 » » 0,003 » > Mohilew J> 800 » 0,106 » Witebsk » 500 » » 0,075 » > Don » 6500 > > 6,0 Andere Orte 8300 » 2,2 Insgesamt haben die Juden durch die Pogrome direkt und indirekt etwa einen Schaden von 62,000.000 Kübel erlitten. „Jüdische- Dipkomatorium." Aus Warschau wird berichtet: Unter den Schriften des vor zwei Jahren in Warschau verstorbenen Altertumsforschers Mathias Verson wurde u. a. auch eine Sammlung aller Gesetze, Verordnungen und Privilegien, Landtagsbeschlüsfen usw. gefunden, die in Polen in den Jahren 1388 bis 1782 in bezug auf die Juden erlassen wurden. Alle 553 Akten, die in dem Werke enthalten sind, hat der Verfasser aus den Matrikenbüchern geschöpft, die sich im Hauptarchiv von Warschau befinden. Ein großer Teil dieser .Dokumente ist wohl denjenigen, die sich mit der Erforschung der Geschichte der Juden in Polen beschäftigen, schon bekannt, doch besitzt das Werk deshalb Wichtigkeit, xoeil darinnen alle diese Dokumente in chronologischer Reihenfolge gesichtet und aneinander gereiht sind. Die Erben Bersons, die, nebenbei bemerkt, bereits alle getauft sind, haben nun die Sammlung herausgegcben, und ihr außer der historischen Vorrede, die im Manuskript vorgefunden wurde, eine eigene Vorrede und ein genaues Personal- und Sachregister zugefügt. Die Herausgeber haben dem Werke den Titel: „Diplomatorium über die Juden im ehemaligen Polen, Herausgegeben auf Grund von Archivquellen" gegeben. Korrespondenzen Die galizischr Enquete bis nach den jüdischen «Feiertagen verschoben. Die für den 19. September in Aussicht genommene Enquete über die Notlage in Galizien ist, wie von zuverlässiger Seite berichtet wird, bis nach den jüdischen Feiertagen verschoben worden. Maßgebend über diese neuerliche Verschiebung war der Umstand, daß in letzter Stunde die Einberufung des galizischen Landtages für den 22. September beschlossen wurde, so daß für die Verhandlungen der Enquete bloß zwei Tage geblieben wären, da mehrere Mitglieder der Enquete gleichzeitig Mitglieder des galizischen Landtages sind und ihre Anwesenheit bei den Landtagssitzungen unerläßlich erscheint. Da jedoch die jüdischen Feiertage anfangs Oktober beginnen und während der Feiertage besonders die jüdischen Delegierten aus der Provinz nicht nach Lemberg kommen könnten, wurde die Enquete bis nach allen jüdischen Feiertagen verschoben. Sie dürfte einige Tage nach Sukkoth stattfinden. Die Einladungen zur Enquete werden in den nächsten Tagen versendet werden. Schreckliche Tauftragödien in Galizien. Die Verführungen jüdischer Mädchen zur Taufe nehmen in Galizien immer grausamere Formen an. Das Kloster der Felizianerinnen bei Krakau verschlingt die armen Opfer, und keine Macht vermag sie mehr von dort zu reiten. Hier zwei Fälle aus der jüngsten Zeit, die mit ihrer Schrecklichkeit an russische Verhältnisse gemahnen : Ein jüdisches Mädchen aus Tarnopol ist eines Tages plötzlich aus dem Elternhause verschwunden. Der alte kränkliche Vater macht sich auf die Suche nach dem verschwundenen Kinde. Die Spuren führen bis nach Deutschland. Von Kattowitz nach Berlin und Charlottenburg. Ueberallhin kommt er zu spät. Seine Tochter wurde inzwischen immer anderswohin gebracht. Auf der Fahrt von Berlin nach Charlottenburg fällt der unglückliche Vater in seiner Aufregung aus dem Eisenbahncoupee. Die Folge des Unfalles ist, daß dem armen Menschen beide Füße amputiert werden müssen. . . . Jetzt übernimmt die alte Mutter das Suchen und Forschen nach dem Kinde. Endlich erfährt sie, daß ihre Tochter auf Umwegen zu den Felizianerinnen nach Krakau gebracht wurde. Sie klopft an der Klostertür, erhält jedoch keinen Einlaß. Nur, wenn die Polizei den Auftrag erteilt. Auf das gestempelte Gesuch um Beistellung eines Polizeiorganes erhält die Mutter die unerhörte Antwort, daß sämtliche Polizeibeamte mehrere Tage hindurch in Anspruch genommen seien und daher erst in einigen Tagen zur Verfügung stehen können. Inzwischen wird das entführte Mädchen sicherlich von Krakau weggeführt werden. ... Nicht minder kraß ist der zweite Fall. Ein jüdisches Mädchen aus Narol befindet sich im Kloster der Felizianerinnen. Da das Mädchen minderjährig ist, entscheidet das Bezirksgericht in Zieczanow, daß das Mädchen herausgegeben werden müsse. Auf Grund dieses Urteils verlangt der Vizepräsident der Krakauer Kultusgemeinde, Dr. Rafael Landau, der sich solcher armer Opfer stets bereitwilligst annimmt, vom Krakauer Gerichte die Durchführung des Urteiles vom Zieczanower Bezirksgerichte.

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