Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 35 (2.9.1910)
- Date
- 1910-09-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 588 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 35 Tenorstimme Ma-tauwu rezitierte, hielt Rabbiner Dr. Glück seine Fest- und Jnstallationsrede. die aufs Publikum einen tiefen Eindruck ausÄbte. Oberkautor Steiner rezitierte noch einige Psalmen und ergötzte die Anwesenden durch seinen herrlich klingenden Vortrag. Gebe Gott, daß sie Beide recht viele Jahre durch ihre Vortrage uns erfreuen mögen. Der jüdische Schulverein in Prag, der erst seit sieben Monaten besteht, blickt bereits auf eine segensreiche Tätigkeit zurück. Hat er auch in dieser kurzen Spanne Zeit sein letztes Ziel, Errichtung jüdischer Schulen, noch nicht erreichen können, so bildet er doch bereits ein Forum, bei welchem die Zerfahrenheit in den jüdischen Schulzuständen Böhmens, speziell des Religionsunterrichtes, häufig bekanntgegeben wird. Der jüdische Schulderem hat bisher bereits über 300 Schriftstücke ausgesendet, hat mit einer großen Zahl von Gemeinden im Interesse der Besserung des Religionsunterrichtes verhandelt und sich auch der mühseligen Arbeit unterzogen, für solche Gemeinden, die bisher keinen Religionsunterricht hatten, Lehrer und Rabbiner in benachbarten Orten ausfindig zu machen, die bereit sind, gegen geringe Entschädigung den Unterricht zu erteilen. Er hat ferner mit der Anlegung eines Katasters über die Schulverhältnisse in Böhmen, soweit sie die Juden tangieren, begonnen und geht demnächst an die Vorarbeiten zur Errichtung einer jüdischen Volksschule in Prag für eines der nächsten Schuljahre. Soll der jüdische Schulverein seine hohen Ziele tatkräftig verfolgen, so ist es notwendig, daß er über reichere Geldmittel verfügt, und darum werden alle, die Sinn und Jvtereffe für das jüdische Schulwesen haben, ersucht, im Kreise ihrer Gemeinden und Bekannten für den jüdischen Schulverein einzutreten. -Adresse für Zuschriften und Geldsendungen: Jüdischer Schulderem in Prag. Gewitsch. Nach langem, schweren Leiden verschied in seinem 53. Lebensjahre weil. Herr Nathan Veith. ehemaliger, langjähriger Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde und Ehewra-Kadischa, Bürgermeister, Obmann des Ortsschulrates rc. am 25. v. M. Welcher Beliebtheit sich der Verstorbene erfreute, zeigte das imposante Leichenbegängnis, das am 28. v. M. stattfand, an dem Hunderte von Personen ohne Unterschied der Konfeffion aus Nah und Fern sich beteiligten. Der Sarg wurde im trauerumflorten Tempel aufgebahrt. Herr Oberkantor A. Schimkowitz rezitierte das «El mole rachamim". Sodann hielt Rabbiner Dr. Kanter-Zwittau in Verhinderung des Ortsrabbiners den ehrenden Nachruf. Der Sarg wurde hierauf von Kultus- und Gemeindeausschußmitgliedern in den Leichenwagen gehoben. Unter Vorantritt der städtischen Feuerwehr, der Schuljugend mü dem Schulletter, des hiesigen deutschen Gesangvereines setzte sich der Leichenzug in Bewegung. In der Leichenhalle rezitierte Herr Oberkantor Schimkowitz das „Hazur tomim“. Sonach hielt Herr Rabbiner Dr. Kauter die Trauerrede. Am offenen Grabe, nach Absingung eines ergreifenden Äbichiedsliedes von Seite des Gesangvereines, sprach der Präses der Kullusgemeinde Herr Julius Beer innige Worte des Abschiedes und des Dankes im Namen der Gemeinde und ihrer Institutionen. Mit dem Heimgegangenen trauern nicht nur seine Angehörigen, sondern zahlreiche Arme ohne Unterschied der Konfeffion, denen er jederzeit ein Helfer war. Szeuitz. Am 24. d. M. fand die feierliche Enthüllung des Leichensteines^der sel. Frau Rabbiner Regina Marmorstein. Präsidentin des Frauenvereines, statt. In imposanter Weste gab sich die allgemeine Liebe kund. Den Leichenstein samt Deckel widmete ihr als Zeichen der Anerkennung der Frauenverein, der auch korporativ an der Enthüllung teilnahm. In tief ergreifenden Worten schildert Herr Oberrabbiner I. Marmorsteiu seinen Verlust und den Verlust der Familie und zollte Anerkennung dem Frauenvereine für die pietätvolle Handlung. Dr. S. Marmorsteiu, Rabbiner zu Skotschau, gedachte in herzergreifenden Worten des Verlustes der Kinder; mit Hinweis auf Mose, der das Ziel anstrebte, aber es nicht erlangte, betrauerte er die früh verstorbene Mutter. Oberrabbiner Mayer Stei« aus Tirnau, erklärte in meisterhafter, oratorischer Leistung, die dreifache Benamsung des Leichensteines, ihre dreifache Bedeutung. Dr. Lewin, Rabbiner in Nikolsburg, verherrlichte das Weibesideal. R^zsahegy. Herr Jakob Roth, Präsident der Rvzsahegyer Chewra Kadischa feierte mit seiner Gemahlin Frau Therese Gau sel im engsten Familienkreise das seltene Fest der goldenen Hochzeit.? Die Rozsahegyer israelitische Kultusgemeiude und der heilige Verein wollten den Jubilar durch Entsendung einer Deputation ehren. Her): Roth wollte jedoch der ihm zugedachten Ovation entgehen und begab sich nach dem Kurorte Koritnitza. Hamburg. Eine Kommission des Synagogenverbandes, bestehend aus den Herren Hermann Gumpertz, Wolff Levy Dr. Fink, Dr. Lanzkron und Hertz Bachrachhat sich nach Ungarn begeben, um dort mit einem als Autorität anerkannten Rabbiner wegen Uebernahme des Hamburger Oberrabbinats zu verhandeln. Diese Verhandlungen sollen von Erfolg gekrönt gewesen sein. Feuilleton. Skiern und Studie» zur Geschichte der Juden in Pole«. Von Dr. Majer Balaba«, Lemberg. VI. Das offizielle Protokoll der Frankisten- Disputation in Lemberg. <17. Juli - 10. Sept. 1759.) Ueber den Sektenstifter JakobFrank haben viele Historiker geschrieben, begonnen mit Skimbowiczi) und Ö5iaefc2), und geschlossen mit Kraushaar, der im Jahre 1895 ein monumentales Werk über den Gegenstand lieferte?) Trotzdem sind die einzelnen Episoden aus dem Leben und der Tätigkeit Franks ganz unberührt, obwohl das historische Material frei aufliegt und dem Forscher fast in die Hand sich drängt. Eine solche Episode bildet die Disputation in Lemberg, deren gedrucktes Protokoll alle Historiker in der Hand hatten, wobei fast keinem einfiel, es genau durchzulesen und historisch zu verwerten?) Ich meine das Buch des Franziskanermönchs Pater Gaudentius Pikulski: 2los6 zydowska * *przeciwko Bogu i blizliiemu, prawdzie i sumieniu, na'objasnienie talmudystöw, na dowödlicli" zaslepienia ji religii dalekiej od prawa boskiego przez Mojzesza' danego. (Judenbosheit gegen Gott und den Nächsten, die Wahrheit und das Gewissen. zur Erleuchtung der Talmudisten, zum Beweis ihrer Blindheit und ihrer Religion, die weit entfernt vom Gottesgesetz Mosis ist.), dessen zweite Auflage (Lemberg 1760) „eine -authentische Relation über die Disputation der Talmudisten mit den Kontratalmudisten mit Beigabe anderer Raritäten" enthält. Das Buch, heute eine Seltenheit, (Ossolinskische Bibliothek in Lemberg, Rr. 20 799), ist 836 Seiten stark (klein-oktav) und behandelt verschiedene Themen aus dem jüdischen Religions-Zeremonial in streng antisemitischer Beleuchtung. Der Verfasser — der Katechet der Frankisten — hat Wageseil: Tela ignis satanaeuitb Eisenmenger: Entdecktes Judentum genau studiert und seinen Paß gegen Juden und Judentum in der Weise ausgeschüttet, daß die fürchterlichen mittelalterlichen antijüdischen Schriften und Pasquille in den Schatten gestellt werden. So viel Galle konnten ihm nur die Frankisten einflößen, die eine unglaubliche Aufregung unter der christlichen Bevölkerung Polens und besonders Lembergs verursachten. Der im Jahre 1760 am Landtag zu Sadowa Wischnia versammelte reussische Adel beschließt, die Juden unter Polizeiaufsicht zu stellen, ihre Gebete ins polnische zu übersetzen und in ihren Synagogen geistliche und adelige Aufseher zu bestellen, welche die Aufgabe hätten, genau die Gebete der Juden mitanzuhören, damit ja kein Fluch und keine Verschmutzung der Christen hineinkomme. „Die Iud enboßh eit" Pikulski's bildet aber nebenbei ein hochwichtiges historisches Dokument, denn sie enthält ein mehr oder weniger genaues Protokoll der Disputation in Lemberg, d.i. der Thesen der Frankisten und der Antithesen der Talmudisten (Juden). Diesem Gegenstand widmete der Verfasser fast 200 Seiten (S. 146—323) seines Werkes und schickte verschiedene Bittschriften der Frankisten an den König und die Geistlichkeit voraus, in denen die Waffen, mit welchen 0 Zywot, skon i nauka Jakoba Josefa Franka (Leben, Tod und Lebre des I. I. Frank) 1866. ') Frank und die Frankisten. Breslau 1868. *) Frank i Frankisci polscy. (Hebräische Uebersetzung von So ko low.) *) Graetz zitiert es aus Skimborowicz auf S. 6, l. c.