Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-09-02 · 35 (2.9.1910) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
35 (2.9.1910)
Date
1910-09-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021873-3021909--19545-3044534
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 584 Nr. 85 Dr. Blochs Wochenschrift. Geheimer Kommerzienrat Ernst v. Borsig namens des Verbandes der Berliner Metallindustriellen dem Verstorbenen einen warm empfundenen Nachruf. Als Freund des Hauses sprach der freisinnige Reichstagsabgeordnete Albert Träger. Der imposante Leichenzug bewegte sich sodann zum Friedhofe Weihensee, wo die Leiche zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Ueber die Besiedlung Mesopotamiens. Der Bericht der Jca-Erpedition zum Studium der Kolonisationsmöglichkeiten in Mesopotamien liegt bereits dem Zentralrate der Jca vor. Die Beratung desselben wird nach den Sommerferien stattfinden. Der Erpeditionsbericht bestreitet nicht die Möglichkeit, Mesopotamien mit Juden zu kolonisieren, sondern spricht sich nur dagegen aus, dah die Kolonisierung früher vorgenommen werde, als die Bewässerungsanlagen ausgeführt sind. Die Erpeditionskommission spricht ferner die Ansicht aus, dah in einzelnen Teilen Kleinasien schon heute mit der Kolonisierung von Juden beginnen könnte. Die türkische Zentralregierung steht einem solchen Projekte sympathisch gegenüber, und wenn auch nicht geleugnet werden kann, dah die Lokalbehörden jüdischen Kolonisationsbestrebungen keine Sympathien entgegenbringen, so habe das wenig zu bedeuten, da die Lokalbehörden den Instruktionen der Zentralregierung folgen würden. Die Kommission.spricht auch die Hoffnung aus, dah in absehbarer Zeit auch den Juden gegenüber dasselbe Gesetz in Anwendung würde gebracht werden, das heute muselmännischen Immigranten, die sich auf freiem Boden ansiedeln, weitgehende Begünstigungen gewährt. Von anderer Seite wird hiezu berichtet, dah zwischen dem englischen Ingenieur William Willcocks und der türkischen Regierung eine Aussprache stattgefunden habe, die damit endete, dah Willcocks auch weiterhin mit der Durchführung der Bewässerungsanlagen betraut wurde. Was jedoch die Besiedlung Mesopotamiens betrifft, hat die türkische Regierung bereits eine Gesetzesvorlage ausgearbeitet, durch welche eine systematische Besetzung der fruchtbaren Teile Mesopotamiens durch Araber inauguriert wird. In diesem Gesetze werden den Arabern freier Boden und weitestgehende Unterstützungen zugesichert. Finanzminister Diavid Bey hat auf seiner Inspektionsreise in Mazedonien in verschiedenen Reden auf diese Aktion der Regierung hingewiesen und wiederholt betont, dah die Regierung in ihrer Agrarpolitik sich ausschliehlich von dem Prinzips leiten lasse, dah der ottomanische Boden den Ottomanen erhalten bleiben müsse. Efraim Zimbalist bei König Georg. Der berühmte russisch-jüdische Künstler Efraim Zimbalist hat in jüngster Zeit in mehreren Städten Europas konzertiert und mit seinem genialen Violinspiel überall grohe Erfolge erzielt. König Georg, von England, der selbst als feinfühliger Musikliebhaber bekannt ist, zeichnete den jungen jüdischen Künstler, von dessen Erfolgen er gehört hatte, mit einer Einladung zu Hofe aus. Das wundervolle Spiel des Künstlers begeisterte den kunstsinnigen König und die übrigen Mitglieder des Herrscherhauses dermahen, dah der König dem Künstler am Schlüsse des Konzertes einen höheren Orden persönlich überreichte. Griechischer Boykott gegen Juden. In Smyrna haben die Griechen den Boykott gegen die jüdischen Kaufleute ausgesprochen. Begründet wird der Boykott damit, dah der Boykott gegen die Griechen in der Türkei angeblich von den Juden, besonders in Salonichi angezettelt worden sei. Da der Handel in Smyrna zum gröhten Teile in Händen der Griechen und Juden liegt, haben von dem Boykott in Smyrna die Türken fast gar nicht, hingegen' die Juden sehr viel zu leiden. Eine jüdische Polizeiasfistentin. Aus Mainz wird der „N. I. K." gemeldet: . Die Polizeiassistentin ist. eine Errungenschaft der letzten Jahre. Die Stadt Stuttgart machte mit der Anstellung der Polizeiassistentin Henriette Arendt den Anfang, und seither ist diese sehr nützliche Einrichtung auch in München, Nürnberg, Breslau, Bielefeld und einigen anderen Städten eingeführt worden. Vor kurzem hat nun auch die Polizeiverwaltung in Mainz eine Polizeiassistentin in der Person der Frau Dr. Schapiro ernannt. Frau Dr. Schapiro hat sehr weitgehende Befugnisse und eine nahezu selbständige Stellung. Ihre Haupttätigkeit gilt der Fürsorge für gefallene Mädchen, sittlich Gefährdete jeden Grades und Alters und der Obhut für ledige Mütter. Die Tätigkeit der Polizeiassistentin ist so schnell anerkannt worden, dah die Fälle sich mehren, in denen Eltern zur Assistentin kommen und um geeignete Unterbringung und Beaufsichtigung ihrer Töchter, die sie für gefährdet halten und auf die sie keinen Einfluh haben, dringend bitten. Die Aufnahme von jüdischen Studierenden an russischen Hochschulen. Petersburg. Unterrichtsminister Schwarz verfügte, dah vom nächsten Jahre an die prozentuale Norm für die Aufnahme von Juden an allen Fakultäten mit Ausnahme der medizinischen, nicht nach der Zahl der neu eintretenden, sondern nach der Gesamtzahl der Studierenden zu berechnen ist. In Petersburg und Moskau beträgt diese Norm drei Prozent, an den übrigen Universitäten fünf und nur innerhalb der Ansässigkeilszone zehn Prozent. Von 1912 an wird diese Verfügung auch auf die medizinischen Fakultäten und Spezialhochschulen ausgedehnt werden. Da gegenwärtig die Zahl der jüdischen Studenten die nun festgesetzte prozentuale Norm übersteigt, so bedeutet die Mahregel für die Juden eine neue Beschränkung ihrer Rechte. Ginzburgs Gogol-Denkmal. Der bekannte russisch-jüdische Bildhauer Ginzbürg hat soeben ein ausgezeichnet gelungenes Denkmal des russischen Schriftstellers Gogol fertiggestellt. Der russische Kaiser hat nun gestattet, dah das Denkmal demnächst in Soröschinzi im Poltawaer Gouvernement aufgestellt und feierlich enthüllt werde. Petersburg. Der von dem Friedenskongreß gefaßte Beschluß, gegen die grausame Behandlung der russischen Juden zu protestieren, hat große Unzufriedenheit bei den russischen Antisemiten wachgerufen, was in ihrer Presse unverhohlen zum Ausdruck kommt. Noch größere Mißstimmung hat die Nachricht verursacht, daß Baron Günzburg zum Offizier der französischen Ehrenlegion und die Herren Dr. Frenkel und Hirschfeld zu Rittern desselben Ordens ernannt worden find. Eine furchtbare Juden-Tragödie in Rußland. Das in Warschau erscheinende jüdische Tagblatt „Unser Leben" berichtet von folgendem furchtbaren Vorfall, der mehr als alles andere von' den Leiden der russischen Juden zeugt: Ein jüdischer Gymnasiast, Moses H.jt tn ik mit Namen, hatte das'Gymnasium absolviert und stand nun vor. der Frage: vor Hunger sterben oder sich Laufen, — denn anders konnte er in der Universität nicht ankommen. Nach längen inneren Kämpfen ging er hin und taufte' sich. Sem Taufpate, ein General, gab ihm als Geschenk ein' goldenes Kreuz,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.