Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 35 (2.9.1910)
- Date
- 1910-09-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr, Sh; f Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 583 luHg Möge. anläßlich des achtzigsten Geburtstages des. KoWs ihrer Huldigung Ausdruck verleihen. Die GeneMv.ersamnrlung natzm diesen Antrag mit großer Begeisterung an, . worauf an den Kultusminister Grafen Johann., Zichy; ein Begrüßungstelegramm abgefendet wurde. . Sodann folgte die Wahl der Funktionäre. Gewählt. wurdenMm Präsidenten Dr. Armin. Schnitzler (Komärom), zu Vizepräsidenten : Dr. Eduard Neumann (Nagykänizsa) und Dr. Julius Fischer (Budapest), zu Schriftführern: Dr. Ludwig Venetianer (Ujpest) und Dr, Franz. Löwy (Marosväfärhely), zum Kassier Dr. Berthöld Edelstein (Budapest), zum Kontrolor Dr. Simon Hevesi (Budapest). Außerdem wurden der Ausschuh, die .Religionsunterrichts-, die Religions- und die Pensionskommissionen gewählt. Sodann begannen die Vortragender Rektor des Rabbinerseminars Dr. Wilhelm Bacher hielt unter dem Titel: „Die Weisen der Ueberlieferung" einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag, worauf Dr. Eduard Reumann über die Pensionsverhältnisse der Rabbiner sprach. Dr. Joseph Klein (Kassa) unterbreitete einen auf Witwenpensionen bezüglichen Antrag, dem eine längere Debatte folgte. Nunmehr ging man an die Verhandlung der Unterrichtsfragen, zu denen nebst den Referenten noch andere Redner sprachen. Auf die Verhandlung der Anträge übergehend, wurde zunächst der Antrag Dr.Eisler und Dr. Diamant verhandelt, in welchem unter Hinweis auf die anläßlich der Rabbinerwahl in Altofen aufgetauchten Schwierigkeiten die Regelung des Rechtskreises der Rabbinerwahl als dringend bezeichnet wird; ferner wurden mehrere Anträge bezüglich Abhaltung von Wanderversammlungen verhandelt. .Die Generalversammlung, der in Vertretung der Pester israelitischen Kultusgemeinde Vorsteher Ludwig Adler beiwohnte,, nvar um 2 Uhr. nachmittags zu Ende. - Breslau. (Schulverhältnisse.) Der Magistrat hat beschlossen, an sieben städtischen Volksschulen, die von einer größeren Anzahl jüdischer Schüler besucht werden, jüdische Lehrer anzustellen, die nicht nur den Religionsunterricht erteilen, sondern voll beschäftigt werden sollen. Zunächst kommen drei Lehrer und eine Lehrerin zur Anstellung. 'Von den Bewerbern wird gefordert, daß sie auch am Sabbat ihre unterrichtliche Tätigkeit ausüben, nur sollen sie von Schreibarbeit befreit bleiben. Bezüglich der Prüfungen und der Militärpflicht werden an die Bewerber dieselben Anforderungen gestellt, wie an die übrigen Lehrkräfte. Ein Zirkular der rumänischen Regierung. Das rumänische Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß an die Regierungsanstalten. in welchem diese aufgefordert werden, bei allen Arbeitsvergebungen rumänische Arbeiter und Unternehmer den Fremden vorzuziehen. Damit jedoch darüber kein Zweifel obwalte, daß unter den „Fremden" in erster Reihe Juden zu verstehen seien, betont der Erlaß ausdrücklich, daß „Fremde auch solche sind, die keine Rumänen sind, wenngleich sie beim rumänischen Militär gedient haben." Die Juden in der Levante. .In. seinem jungst erschienenen „Levante-Handbuch" gibt David Trietsch die folgende Statistik über die Juden des Levante-Gebietes: Europäische Türkei 190 000 Juden, Griechenland 7.500 Juden, Bulgarien und Rumelien 36 000 Juden, Rumänien 270 000 Juden, Serbien 5800 Juden, Bosnien und Herzegowina 8200. Juden, Kreta 730 Juden, Alstatifche Türkei 290000. Juden, Cypern 200 Juden, Eä.Ypten 30OÖO Juden, Tripolis 20 000 Juden. Geheimer Kommerzienrat Dr. Loewe gestorben. Aus Berlin, 29. August, wird uns telegraphiert: Ge» heimer Kommerzienrat Dr. Ing. Isidor Loewe, der Begründer der bekannten Waffenfirma Ludwig Loewe u. Co., ist in der Nacht auf Sonntag gestorben. Dr. Loewe weilte bereits seit sechs Wochen im Sanatorium Grunewald und man glaubte anfangs, daß es sich um eine akute Nierenentzündung handelt. Die spätere Diagnostizierung ergab jedoch eine infektiöse Erkrankung innerer Organe. Der Tod des Geheimen Kommerzienrates erweckt weithin Teilnahme. Loewe, der im Jahre 1840' in Heiligenstadt in Ostpreußen geboren wurde, trat im Jahre 1875 in die kleine Nähmaschinenfabrik seines Bruders ein, deS späteren freisinnigen Reichstags- und Landtagsabgeordneten. Mit dem Eintritt des jüngeren Bruders begann eine neue Epoche kommerzieller, großzügiger Tätigkeit. Seiner Initiative entstammte die Errichtung einer modern ausgestatteten Gewehrfabrik. Auf dem Gebiete der Kciegswaffen und Munitionsindustrie war Deutschland bis in die Mitte der Siebziger-Jahre ohne besondere Bedeutung geblieben, und Loewe bereitete hier einen großen Umschwung vor. — Die Firma Ludwig Loewe ist heute dank der Initiative Dr. L o e w e s auf dem Gebiete der Munitionsindustrie tonangebend geworden. Ein großer Teil auch der Heeresverwaltungen außerhalb Deutschlands entnimmt seinen Bedarf der Fabrik Loewe, die inzwischen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden ist. Im Jahre 1891 begründete Dr. Isidor Loewe die Union Elektrizitätsgesellschaft. Die industrielle Welt erkannte bald, daß Loewe nicht bloß ein großer Kaufmann im wahren Sinne des Wortes sei, sondern daß er auch bei allen seinen Unternehmungen die nötigen und sogar darüber hinausgehenden technischen Kenntnisse besaß. Im Jahre 1898 wurde er durch die Verleihung des Ehrendoktorats der Technischen Hochschule ausgezeichnet und zwar in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Einführung und Vervollkommnung der Maschinenbauindustrie und der deutschen Waffenindustrie und für die Gründung einer Zentralstelle für wifs'nschaftlich-technifche- Untersuchungen. Der Verblichene gehörte zu den Männern, denen Kaiser Wilhelm seine besondere Zuneigung wiederholt bewiesen hat. Loewe begleitete den Kaiser oft auf deffen Nordlandsreisen und sah den Monarchen auch mehrmals bei sich zu Gaste. Der Kaiser hat an die Witwe des Geheimrates Dr. Loewe folgendes Kondolenztelegramm richten lassen: „Seine Majestät der Kaiser und König haben die Meldung von dem Hinscheiden Ihres Herrn Gemahls mit lebhaftem Bedauern zur Kenntnis genommen und laffen Ihnen und den Ihrigen allerhöchst sein Beileid aussprechen. Chef der Kabinettskanzlei v. Valentini". Auch der Kronprinz ließ durch seinen Kabinettssekretär eine Beileidsdep sche an die Witwe richten. Bei der Trauerfeier am 31. August in der Wohnung des Verstorbenen war die Industrie Berlins und auch Deutschlands, sowie des Auslandes durch glänzende Namen vertreten. In der Traue Versammlung sah man als Vertreter des Kaisers den Generalobersten von der Goltz, der den Angehörigen des Verblichenen nochmals die herzliche Teilnahme des Monarchen aussprach, ferner von hohen Staatsbeamten den Reichsbankpräsidenten Havenstein, den Eisenbahndirektionspräsidenten Behrens und den Geheimen Oberregierungsrat Friedheim vom Polizeipräsidium. Die Stadt Berlin war durch den Oberbürgermeister Kirschner und den Stadtverordnetenvorsteher Cassels sowie durch mehrere Stadträte und Stadtverordnete vertreten. Die Technische Hochschule in Charlottenburg, die Berliner Handelskammer und der Vorstand des Aeltestenkollegiums waren ebenfalls erschienen. Abordnungen halten ferner die 21 Industrie- und Verkehrsunternehmungen entsendet, denen Geheimrat Loewe als Vorstand oder Aufsichtsratsmitglied angehörte. Man sah auch die Direktoren sämtlicher Berliner Großbanken, ferner Offiziere des Reichsmarineamtes, den Vorstand des Kaiserlichen Automobilklubs und andre. Rach der Trauerrede des Rabbiners Dr. Weifse widmete