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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-09-02 · 35 (2.9.1910) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
35 (2.9.1910)
Date
1910-09-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 583 De. Btochs Wochenschrift. E s8die Vertreter der Behörden und viele Staatsbeamte wohnten der erhebenden Feier bei. I« Kojetein hielt die Festrede der neugewählte Rabbiner Salamon Fried enthalt In Wisch au erschienen zum Festgottesdienste im israelitischen Tempel die Spitzen der Behörden. Die Festrede hielt Rabbiner Salomon Friedeuthal. In D o b r i s ch hielt Herr Rabbiner Dr. I. Eise nb e r g die Festrede. Am Schluffe sprach der Herr Rabbiner das Kaisergebet in böhmischer Sprache und Herr Kantor A. Polak sang unter Affistenz der Schuljugend die Kaiserhymne. In S i s s e k erschienen zum Festgottesdienst die Spitzen der Bchörden, serner Militärabordnungen und sämtliche Vereine. In kroatischer Sprache hielt die Festpredigt Herr Rabbiner Dr. Hei ß. Dann sang Fräulein Vika Engel, Mitglied der Berliner komischen Oper, einige Solis, deren künstlerischer Vortrag dem andächtigen Publikum ein gesanglicher Genuß war. In Battelau erschienen zum Festgottesdienst außer den Vorstehern der Gemeinde und der Chewra-Kadischa der Großgrundbesitzer k. k. Kämmerer Graf Johann Blankenstein, der Güterdirektor, die Gemeinderäte usw. Die Festpredigt hielt Herr Profeffor Moritz Antscherl aus Wien. Eine Gedenktafel für den Kaiser in der Pretzbmger OModoren Synagoge. Aus Pretzburg wird uns berichtet: Vor einigen Monaten, es war zur Zeit, als die politische Krise in Ungarn am schärfsten zugespitzt war, weilte der Kaiser in Pretzburg. Bei seiner Rückfahrt vom Schlotzberge durch die Iudenstadt bemerkten Se. Majestät und sein Gefolge, datz die.Iudenstadt im Gegensätze zum übrigen Teile der Stadt in festlichem Flaggenschmucke prangte. Der Kaiser nahm seinen Weg durch die Judenstadt und lietz vor der orthodoxen Synagoge halten, um den Segensspruch, den Herr Oberrabbiner Akiba Schreiber rezitiert hat, anzuhören. Herr Oberrabbiner Schreiber harrte nämlich an der Spitze des. Vorstandes der orthodoxen Gemeinde der Vorbeifahrt des Kaisers. Um die Ehre, Welche hiedurch der Pretzburger Judenschaft von allerhöchster Stelle zuteil wurde, zu verewigen, lietz die orthodoxe Gemeinde eine Gedenktafel aus feinstem Marmor mit entsprechender hebräischer und ungarischer Inschrift anfertigen und in die Stratzenmauer der Synagoge einfügen. Die Gedenktafel ist im Zusammenhänge mit dem Dankgottesdienste, welcher anlätzlich des 80. Geburtsfestes des Kaisers am 18. August in der orthodoxen Synagoge.stattfand, feierlich enthüllt worden. Herr Oberrabbiner Schreiber, der zu diesem Behufe seinen Urlaub unterbrach, hielt bei der Enthüllung der Gedenktafel vor dem Eotteshause eine ungarische Rede. Bei der Feierlichkeit lietzen sich die städtischen, die Komitats- und auch militärischen Behörden durch hohe Würdenträger vertreten, die dann auch beim Dankgottesdienste in der Synagoge, an welchem sich eine deutsche Festrede des Oberrabbiners Schreiber knüpfte, anwesend waren. Zwei neue Parteien und ihre Stellungnahme zum Judentum. In Galizien sind in jüngster Zeit zwei neue selbständige Gruppen entstanden. Die eine ist die antisemitische Landespartei, deren Wh rer Graf Stanislaus Heinrich Badeni, ein Sohn des Landmarschalls von Galizien, Grafen Badeni, ist. Die neue antisemitische Partei besteht zunächst aus früheren Mitgliedern der katholisch - nationalen Gruppe, die sich nun zu einer selbständigen antisemitischen Partei gruppierten und ihre Politik ganz nach dem Muster und Vorbilde der Wiener Christlich-Sozialen einzurichten gedenken. Sowohl diese offene antisemitische Parteibildung, noch mehr aber die Tatsache/ daß an ihre / Spitze ' der Höhn/dD"'^aW^ märschalls von weise nicht, nur unter'Jen. Juden,^ sondern 'JaÜdj;;jüferi: übrigen politischen Kreisen berechtigtes Äufsetzetz ^ettegtz/- Der junge ÄNtisemitenführet ist LaNdiags'abgeordNeter / von Galizien und hat bis jetzt sich in. der Politik.'fast gar nicht betätigt. Und es ist unmöglich aMUnehmen, datz der Landmarschall bon. dem Vorhaben' seines im Uebrigen durchaus. unbegabten Sohnes nicht informiert gewesen wäre. Man vermutet sogar, datz.der junge Graf Badeni von seinem Vater, , dem Landmürschälk die Direktiven für seine antisemitische Politik erhält^.' Eine zweite Parteibildung m Galizien betrifft die Konstituierung der demokratischen Vereinigung, die eiche Folge der Sezession der Demokraten aus dem Läget/ der Allvolen ist. Die. demokratische Vereinigung hat bereits in Form eines Manifestes an die Bewohner Galiziens ihr Programm verkündet und in demselben, auch zur Judenfrage im Besonderen Stellung genommen. Dies ser Punkt des Programmes lautet wie folgt: . /.Diejenigen Juden, welche Polen sind, nicht ntzr in Wort, sondern auch in der Tat, betrachten wir als gleich mit uns. Wir müssen sämtliche separatistischen Strömungen im Judentums auf das Energischste bekämst-, fen. Wir müssen die Juden im Interesse unseres Volkes vom Sozialismus und von dem uns entschieden feindlichen Zionismus entfernen. Ueberhaupt mutz es unsere Aufgabe sein, die jüdischen Massen an uns heranzuziehen und sie in der Richtung unserer Volkspolitik zu erhalten." Der Leidensweg eines Kindes. Aus Lemberg wird uns berichtet: Roch vor zwei Jahren hatte sich hier das Gerücht verbreitet, datz ein christlicher Knabe namens Koslowski zum Judentume übertreten wolle: Merkwürdigerweffe haVM die"BeWfME die niemals Schwierigkeiten bereiten, wenn jüdische Kinder, selbst gegen den Willen ihrer Eltern, geraubt und zur Taufe geführt werden, dem Uebertritte des christlichen Kindes zum Judentume die größten Schwierigkeiten bereitet, .trotzdem dieser Uebertritt auf den direkten Wunsch der Kindesmutter erfolgen sollte. Rach zweijähriger energischer Prozetzführung der Mutter konnte der Junge vorige Woche, dem Wunsche seiner Mutter folgend, in dm Bund Abrahams aufgenommen werden. Der Knabe stammt von einer jüdischen Mutter, die von dem Christen Koslowski als Mädchen entführt und der Taufe zugeführt wurde. Dieser Ehe entstammt das in Rede stehende Kind. Bald nach der Geburt des Kindes lietz sich das Ehepaar scheiden, die Mutter kehrte zum jüdischen Glauben zurück, während der Knabe im Sinne des Gesetzes dem Vater überantwortet wurde. Nach einigen Jahren starb der christliche Vater. Die Mutter nahm das Kind zu sich und erzog es im Mischen Glauben. Als das Kind 14 Jahre alt wurde und nach österreichischem Gesetze über seine religiöse Zugehörigkeit frei verfügen konnte, meldete es seinen Austritt aus der katholischen Religion und den beabsichtigten Eintritt in die jüdische an. Zwei Jahre dauerte es nun, bis die .künstlichen Schwierigkeiten, welche die Behörde in den Weg gelegt hatte, überwunden waren und die rnel geprüfte Mutter ihren Wunsch erfüllt sehen konnte. Der Knabe trägt jetzt den Namen seiner Mutier, JosefMosesKornhaber. ' '; '••/ •/ ' r \ : ' r Budapest. D er L. a n de s-R a bbine r v er e in hielt Ikürzlich im. Sitzungssaale der Pester israelitischen Kultusgemeinde unter dem Vorsitze/des Komaroiner Rab? biners Dr. Armin Sjhvitzler.seine' W.W. . neralversammlung.. Zunächst gelaugten, tzie. Prasidicllherichte zur Verlesung, wo,rauf der./ Vorsitzende Tagesordnung den Antrag stellte, die Generalvetsümm-

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