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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-09-02 · 35 (2.9.1910) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
35 (2.9.1910)
Date
1910-09-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 381 Nr 85 tuell ganz erheblich hinter den Juden zurück. Da die letzteren knapp 11 Proz. der Gesaml-evölkerung des Deutschen Reiches ausmachen, so hätten sie nur mit etwa 50 an den Feuerbestattungen beteiligt sein dürfen. Die starke Überschreitung dieser Verhältniszahl bildet ein betrübliches Symptom des religiösen Niederganges. Russischer „Gnadenerlaß" für einen amerikanischen Botschafter. Petersburg. Das Ministerium des Innern veröffentlicht einen für europäische Begriffe unerhörten Befehl, der zeigt, wie streng die Rechtsbeschränkung gegen alle Juden in Rußland gehandhabt wird. Der Befehl lautet: „Das Ministerium des Innern hat dem amerikanischen Botschafter in Konstantinopel, Oskar Strauß, der dem jüdischen Bekenntnis angehört, nebst seiner Familie den Besuch Petersburgs gestattet!" Roosevelts einstiger Handelsminister, der jetzt sein Vaterland am Bosporus vertritt und eine sehr eifrige Wirksamkeit für die ökonomische Betätigung der Amerikaner in der Türkei entfaltet, ist einer der tüchtigsten und rührigsten Diplomaten, über die die Union verfügt. Er will jetzt Rußland kennen lernen und zu diesem Zwecke Odessa, Kiew, Moskau, Petersburg besuchen. Also selbst dem jüdischen Vertreter einer befreundeten Nation ist der Besuch Petersburgs ohne besondere Erlaubnis untersagt. Man kann sich denken, welchen Eindruck der mittelalterliche Erlaß in den Vereinigten Staaten machen wird. Jüdische Auswanderung im Jahre 1909/10. Dem Berichte des Handelsministeriums der Vereinigten Staaten über dir Einwanderung im Betriebsjahre, 1. Juli 1909 bis 1. Juli 1910, entnehmen wir die folgenden Daten. Während dieser Zeit sind insgesamt 57 551 Juden in Amerika angekommen. Das entspricht 13 Prozent der Gesamteinwanderung. Von den Einwanderern waren 15210 unter 14 Jahre alt, 38465 standen im Alter zwischen 14 und 45 Jahren und 3876 waren über 45 Jahre alt. Von den Einwanderern kamen aus Rußland 39150, Oesterreich-Ungarn 4831, Rumänien 1390, aus verschiedenen anderen Ländern 8580. 60 Prozent der jüdischen Eingewanderten blieben im Staate Newyork. Dem Berufe nach gab es Schneider 8299, Schuster 1125, Tischler 1469, Fabriksarbeiter 3274, Feldarbeiter 1195, Bäcker 481, Fleischhauer 464, Lehrer, Musiker usw. 456. Eine Statistik über die jüdische Nase. Die „jüdische Nase", die den Humoristen so billigen Stoff für ihre Witze liefert, ist bekannt: sie ist lang und breit und in der Mitte gebogen. Wie nun nachgewiesen wird, ist diese „jüdische Nase" bei den Juden gar nicht so häufig gefunden. Der berühmte Physiologe Dr. Moritz Fischberg, hat in dieser Richtung im größten jüdischen Zentrum in Newyork wissenschaftliche Untersuchungen angestellt und gefunden, daß 60 Prozent von ihnen eine gewöhnliche normale Nase haben, 28 Prozent haben verschiedene Nasenformen, die bei den christlichen Völkern zu finden sind, und nur 2 Prozent weisen die sogenannte „jüdische Nase" auf. In die Untersuchung wurden Männer und Frauen einb^ogen. Korrespondenzen Zum 80. Geburtstag des Kaisers. (Kaiserfeier in K o n st a n ti no p e l.) In der österreichisch-israelitischen Synagoge in Konstantinopel'wurde der 80. Geburtstag des Kaisers Franz Joseph in besonders solenner Weise gefeiert. An der Feier nahmen auch die diplomatischen Vertreter Oesterreichs, sowie anderer europäischer Mächte und auch Botschafter Oskar Strauß in Amerika teil. In Vertretung des türkischen Großrabbinates waren der Kapou-Kehaya desselben, nebst Rabbiner Ariel in der Synagoge zur Feier erschienen. Nach Schluß der synagogalen Feier fand in der österreichischen Botschaft großer Gratulationsempfang statt, bei welchem sowohl die österreichischen und ungarischen Juden, sowie eine Abordnung des türkischen Großrabbinates namens der ottoinanischen Juden die Glückwünsche zum 80. Geburtstage Kaiser Franz Joseph zum Ausdrucke brachten. Ueber besonders feierliche Festveranstaltungen gehen uns weitere Berichte zu, die wir nachstehend in Kürze notieren: In Brünn wohnten dem Festgottesdienste außer den Mitgliedern der Kultusgemeinde, mit dem Präfidenten Doktor F i a l l a an der Spitze, in Vertretung des Statthalters Herr Statthaltereirat Ritter v. K u n r a d i tz, für die autonome Gemeinde Herr Stadtrat Lustig bei; außerdem sah man unter den Anwesenden Herrn Oberlandesgerichtsrat B i t t n e r, Herrn Oberfinanzrat Dr. F i s ch l und Herrn Oberfinanzrat Dr. K o r e tz u. a. m. Ferner waren Abordnungen von vielen gemeinnützigen Vereinen erschienen. Eingeleitet wurde der Gottesdienst durch ein Ma-Towu von Sulzer und eine Neukompofition des 21. Psalms, gesungen und komponiert vom Herrn Oberkantor Heller. Herr Rabbiner Dr. L ö w y hielt die Festpredigt und sprach ein Gebet für den greisen Monarchen. Mit einer Jubelhymne, Text von Herrn Landesrabbiner Dr. P l a c z e k, Mufik von Oberkantor Heller, welche von einem gemischten Chor, an deffen Spitze Herr Kantor Goldmann steht, gesungen wurde, schloß die imposante Feier. In N i k o l s b u r g hat der Kultusausschuß allen im Sprengel der Jsraelitengemeinde wohnenden Armen ohne Unterschied der Konfeffion eine Gabe von zwei Kronen verabreicht. Zum Festgottesdienste in der.schön dekorierten Synagoge fanden fich ein zahlreiches Publikum, sowie Vertreter des Gerichtes, der Bezirkshauptmannschaft und des Lehrkörpers der Volksschule ein. Herr Rabbiner Dr. M. L e w i n hielt die Festpredigt, Oberkantor A. F r ä n k e l sang die Fefipsalmen und die Volkshymne. In Ungarisch-Hradisch erschienen zum feierlichen Festgottesdienst im israelitischen Tempel sämtliche Spitzen der Behörden, sowie die Vertretung der königlichen Stadtgemeinde Ungarisch-Hradisch mit dem Bürgermeister Herrn Josef S t a n c l. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Dr. S. Zwick und die gesanglichen Funktionen versah Herr Oberkantor Wilhelm Lustig mit dem verstärkten, gemischten Chore. Mit der Abfingung der Volkshymne schloß die überaus würdige Feier. In T r i e s ch hielt in Anwesenheit der vollzählig erschienenen Gemeindemitglieder nach Rezitierung des Ma-Towu- Gebetes und des 21. Königspsalms Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Nagelberg eine eindrucksvolle Festrede. Oberkantor Lazar Laub im Vereine mit seinem gutgeschulten Chore sang die Volkshymne. In St. Pölten hielt Rabbiner Dr. A. Schächter eine patriotische Festrede und sprach bei offener Bundeslade ein Gebet für den Kaiser. Kantor Rabinowitsch trug einige Psalmen vor, worauf die Voklshymne angestimmt wurde. Die Kultusgemeinde sandte ein Huldigungstelegramm an das Hoflager nach Bad Ischl. In Klagenfurt erschien zum Feftgottesdienste im israelitischen Tempel in Vertretung der k. k. Landesregierung Herr Kultusreferent Baron Braun. Herr Rabbiner I. G ü n z l e r hielt die Festpredigt. In Mödling hielt in dem mit Blumen geschmückten Tempel Herr Rabbiner Dr. B a r d o v i t s die Festpredigt. Herr Oberkantor Falk trug mit dem Wohleinstudierten. Chor einen Psalm, einige Chöre und die Volksymne vor durch ihre Soli machten fich die Damen Fanto, Kaufmann und Knöller angenehm bemerkbar. Bezirkshauptmann Fuchs,

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