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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-09-02 · 35 (2.9.1910) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
35 (2.9.1910)
Date
1910-09-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 579 S&V85 Mbeitz bei-dM-jüdischen Kolonisten immer wohlhabender/ wird), - .muß der jüdische Arbeiter beständig an seiner Arbeitsstelle wohnen.: er kann nicht, wie ^eine arabischen-Konkurrenten, : nur tagsüber in die Kolonien kommen und -nach beendeter Tagesarbeit in sein im nahen Dorf belesenes Heim, zurückkehren, da er außerhalb der Kolonie eben. fein Heim hat. Ja, er muh selbst in der langen,- arbeitslosen Periode in der Kolonie .verbleiben und; ba' seine letzten Ersparnisse vollständig aufzehren. Wollte Man daher endlich die. Araber durch Juden ersetzen, so mühten für letztere in den Kolonien oder in ihrer nächsten Nähe Häuser gebaut, ferner mühten für sie kleine Parzellen angekauft werden, dfe sie während der stillen Zeit bestellen, resp. bepflanzen könnten, um so mit der Zeit auch zu einer bescheidenen Selbständigkeit zu gelangen. Die Erfüllung dieser Postulats erfordert freilich viel Geld, allein so groh sind die Summen doch nicht, dah das Judentum sie nicht aufzubringen vermöchte. Schon mit etwa 3000 Fr. and noch weniger ist die Sehhaftmachung einer solchen Tagelöhnerfamilie zu ermöglichen. Wir zweifeln nicht, dah es dem jüdischen Volke schon im nächsten Jahrzehnt gelingen wird, dieses Ideal aller einsichtsvollen Zionsfreunde zu verwirklichen, um damit allmählich vielen Tausenden unserer heimatlosen Brüder in Palästina Unterkunft, ein menschenwürdiges Dasein und lohnenden Erwerb zu schaffen. Dieses Ziel zu fördern, wird der Verein „Esra" hinfort als seine wesentliche Aufgabe ansehen. Von der Unterstützung der deutschen Iudenschaft wird es abhängen, inwieweit unser Verein dieser grohen Aufgabe gerecht werden kann. Vom Aabrmarkt des Lebens. jüdischen Kolonien in Argentinien. - Dem Jahresbericht der fe^visk Colonization Association für das Iaht 1909 entnehmen wir über die Lage der jüdischen Kolonien in Argentinien folgende Mitteilung: In Argentinien hat sich die Lage der jüdischen Kolonisten trotz großer Dürre und verheerender Heuschreckenplage, zu dem sich bald darauf aus Futtermangel ein großes Viehaussterben gesellt hatte, wesentlich, verbessert. Zwar hat der Bodenbesitz der 1. 6. A. im Berichtsjahre sich nicht vergrößert und umfaßt nach wie vor 517130 Ha., allein die Zahl der Kolonisten ist von 1678 auf 1975 gestiegen und hat so eine Vermehrung von 297 erfahren. Die Zahl der Familien, welche im Vorjahr 2118 mit 11491 Seelen betragen hat, ist auf 2436 mit 13407 Seelen gestiegen. Die Zahl der Kolonistenfamilien hat sich also um 318 mit 1915 Seelen vermehrt. Die meisten der neu angesiedelten'Kolonisten waren früher Landarbeiter in den Kolonien. Trotzdem hat sich auch ihre Zahl inzwischen sehr wesentlich vermehrt. Die jüdischen Landarbeiter zählten im Vorjahre 757 Familien mit 4379 Seelen. In diesem Jahre lebten und arbeiteten im Tagelohn auf den . jüdischen Kolonien 1054 Familien mit 5954 Seelen.^sodaß auch die Zahl der Arbeiter eine Vermehrung von 497 Familien mit 1675 Seelen erfahren hat. Im ganzen zählte die landwirtschaftliche jüdische Bevölkerung in den Kolonien Argentiniens 19361 Seelen gegen 15771 im Jahre 1908. Die Zunahme beträgt 3590 Seelen. -Von den 2436 Kolonistenfamilien gingen 129 Familien nach der neuen Kolonie BernaSconi, Provinz Pampa,, ab, welche nur 571 Ha. Land .bestellt haben. Es verblieben 80232 Ha. welche von 2304 Familien bestellt wurdensodaß auf jede von ihnen 34-77 Ha. entfielen. Außerdem standen, ihnen. 32832 Ha. Luzernenfelder zu Gebote. Die Ernte war - aus oben angegebenen Gründen namentlich in den. Kolonien von Entre Mös keineswegs günstig. 93Y2 Ha. wurde von Heuschrecken verwüstet, der Rest aber ergab eine Ernte von 55687 Tonnen im Gesamtbeträge - von 6,413:720 Mk. Dazu kamen noch die Einnahmen aus den Luzernenfeldern, die mindestens auf 5,7171693.5U schätzen sind, sowie die Ergebnisse der Milchwirtschaft im Betrage von 405.000 Mk. Im ganzen vereinnahmten die in Beträcht-kommenden Kolonistenfamilien, trotz ' Mißwachs und Viehseuche 12,536,562 5434 Mk. pro Familie. Freilich gehen davon noch die hohen Unkosten ab, die allein für Arbeitslöhne : 45 Proz. des; gesamten Bruttoertrages verschlingen. Immerhin -blieb.-den. Kolonisten noch reichlich genug übrig, um nicht nur auskömmliche leben und ihre siürch die Pest' dezimierten Viehbestände ergänzen, zu können, sie vernwchterr darüber hinaus noch 2578 Ha. neue Luzerndttfelder' a'nzükegen, sodaß diese Nunmehr' ein Terrain von 35.410 Ha. bedecken/ Daneben haben die Kolonisten 1.098.544 Frs. (gegen 879.204 im Vorjahre) a Conto ihrer Ratenzahlungen an die 1. 6. A. zurückgezahlt. Ferner h". n sie für Pacht und Zukauf voe neuen Ländereien, sowie für Vermeidung ihres Inventars noch weitern 695.0/0 Frs. ailsgegeben. Endlich haben sie trotz dem schlimmen Jahre große Beträge zur Unterstützung ihrer Angehörigen nach Rußland senden können. Selbstredend haben an diesem günstigen Ergebnisse nicht alle Kolonisten Argentiniens gleichmäßig partizipiert. Der Löwenanteil an diesen Einnahmen entfiel auf die 2 Kolonien Mosesville und Maurieio mit ihren 35.297 Ha. Luzernenfeldern. Die anderen Kolonisten, namentlich die von Entre Rias mußten sich, wie wir weiter unten sehen werden, mit wett geringeren Einnahmen zufrieden geben. Die Chrrätas. Zierlich genetzte Handtaschen aus Silber, seltener aus Gold, erfreuen sich seit einigen Jahren der besonderen Beliebtheit bei unsern der Mode huldigenden Damen. Diese in Schuppen- oder Netzarbeit ausgeführten Taschen und Börsen stammen zum Teil aus Spanien, wo sie vorzugsweise auf den balearischen Inseln erzeugt werden. Die Technik der Metall-Netzarbeit war seit altersher auf jenen Inseln heimisch und diente im Mittelalter der Herstellung ritterlicher Rüstungen. Schuppenpanzer waren bereits im grauen Altertume im Gebrauch, wie uns die im 1. Buche Samuek, Cap. 17., V. 5, enthaltene ausführliche Schilderung der Rüstung des Goliath belehrt. Von den Aegyptern, Sarmaten und Dakern lernten die Römer der Kaiserzeit den Gebrauch der Schuppen- und Netzpanzer kennen und bildeten diese Kunstfertigkeit weiter aus. Diese nunmehr dem friedlichen Zwecke der Anfertigung von Geldbörsen und Handtaschen dienende Industrie liegt auf Mallorca fast ausschließlich in den Händen der sogenannten Chuetas, welche allgemein für Abkömmlinge von jüdischen Zwangstäuflingen gelten. Die blutige Verfolgung des Jahres 1391 hatte der blühenden Iudengemeinde von Palma auf Mallorca ein Ende bereitet und die das Blutbad überlebenden Juden verfielen der Zwangslaufe. Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, den Vertreter eines Hauses von Mahon auf Menorca über dieChuetas, von denen ich schon früher gehört hattet, zu befragen. Derselbe, ein in der Geschichte seiner Heimat ziemlich bewanderter junger Mann, wußte mir Überdieselben .ausführliche Auskunft zu geben, wobei er sich im Eifer bald der spanischen, bald der französischen Sprache bediente. „8on descendientes de los judios de senol“, sagte er mir. Es sind die Abkömmlinge der Juden mit dem Abzeichen. Im mittelalterlichen Spanien mußten nämlich die neugetauften Juden ein Zeichen tragen, mit welchem es ihnen gestattet, war, außerhalb der ,juderiai4, wie das Iudenviertel genannt wurde, unter den Christen zu wohnen. Die Chuetas werden von den andern Bewohnern der Insel gewissermaßen als minderwertig angesehen, was ein Ueberbleibsel jener Ueberhebung sein mag, welche die spanischen Allchristen den Marannen gegenüber stets an den Tag legten. Sie heiraten in der Regel nur untereinander, wiewohl es unter ihren Töchtern hervorragende Schönheiten gibt. Sie zeichnen sich durch ein stilles, gedrücktes Wesen, großen Gewerbefleiß und ein inniges sittliches Familienleben aus, sind aber im Uebrigen sehr fromme, die kirchlichen Gebote ängstlich beobachtende Katholiken. Zum Schlüsse seiner Ausführungen kam aber bei meinem Gewährsmanns der Brotneid in sehr unchristlicher Weise zum Vorschein, indem er mich warnte, meine Aufträge einem Hause von Palma zukommen zu lassen, da ich dort nicht so reell bedient sein werde, wie bei ihm. — „Les gens de Palma sont des blagueurs.“ Ed. Jonas.

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