Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 35 (2.9.1910)
- Date
- 1910-09-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 578 Dr. Blocks Wochenschrift. Nr. 35 Bevor er sich aber noch die Sporen geholt hat, behandelt Dr. Schwarz-HLller das unter großen Versprechungen übernommene Mandat ganz nebensächlich und strebt weiter zum Landtag. Das können sich die Christlich-Sozialen erlauben, die Iber eine Menge von Leuten kommandieren. Die Freisilluigeu müssen ihre Mandate verwerten und nicht zwei auf eiumal zugrunde gehen lassen, weil keines davon ordentlich vusgefüllt werden kann. Das wird doch der neue Kandidat niemandem eiureden wollen, daß er den mühsamen Prozeß gegen die Christlich-Sozialen gleichzeitig vor zwei Tribunalen führen kann. Es hat auch noch niemand gesehen, daß er die Kraft dazu besitzt. Um das Mandat den Christlich-Sozialen zu entreißen, hätte man als Nachfolger Luegers einen Mann mit Vollklaug im Namen und Ruf aufstellen müssen, nicht Aemterkumulierung treiben mit einem Mann, welcher der Auserwählte einer winzigen, bloß rührigen Gruppe ist, sonst von niemandem. Dir Mische Arbeiterfrage i« Palästina. (Aus der Festschrift zum 25jahrigen Jubiläum des „Esra".) Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß die jüdische Kolonisation Palästinas einer Volksbewegung im Osten ihre Entstehung verdankt, so kann er in der Tatsache erblickt werden, daß von jeher alle Schichten des Judentums sich mehr oder weniger bei der Gründung von Kolonien beteiligt haben. Wohlhabende Kreise in Rußland erwarben, einzeln oder in Gesellschaften organisiert, große Ländereien, um sie durch bezahlte Kräfte bearbeiten zu lassen. Der Mittelstand kam selbst nach Palästina, um Boden Zu erwerben und eigenhändig zu bestellen. Endlich haben auch die untersten Volksschichten das große Werk zu fördern gesucht, indem sie vielfach nach Palästina gingen, um da ihren einzigen Besitz, ihre Arbeitskraft, in den Dienst der jüdischen Kolonisation Zu stellen. Die Lage dieser Leute war von jeher wenig beneidenswert. Ausschließlich auf chren Arbeitslohn angewiesen, hatten sie sich stets gegen die Konkurrenz der Araber zu wehren, die, absolut bedürfnislos, um jeden Preis arbeiten, und so ihre jüdischen Mitbewerber, welche bei. aller Armut doch gewisse KnltUrbedürfnisse hatten, bedeutend unterbieten konnten. Sehr schlimm war es auch, daß die Landwirtschaft in Palästina in noch weit höherem Grade als anderswo eine Saisonarbeit ist. Die arbeitslose Zeit währt dort nahezu fünf Monate, und während dieser Zeit ist der jüdische Arbeiter auf seine etwaigen Ersparnisse angewiesen, die ex bis auf den letzten Pfennig aufzehren muß. Seine Aussichten, durch Fleiß und Sparsamkeit dereinst in.den Besitz einer kleinen, eigenen Scholle zu gelangen, sind daher sehr gering. Dies ist um so bedauerlicher, als der jüdische Tagelöhner in Palästina ein vorzügliches landwirtschaftliches Element darstellt, mit dessen Hilfe man da Großes leisten könnte. Fleißig, Nüchtern, sparsam, mit den Verhältnissen und der Sprache des Landes völlig vertraut, vermag er sich überall den Verhältnissen anzuschmiegen und so den besten Pionier für weitere kolonisatorische Unternehmungen abzugeben. ' Sowohl Baron Rothschild, als auch die bestehenden Kolonisationsvereine haben wiederholte Versuche gemacht, die jüdische Arbeiterfrage zu lösen. Baron Rothschild hat 60 Arbeiter in Metule angesiedelt: er hat ferner in der Umgebung von Sichron-Jacöb einige kleinere Tagelöhnerkolonien begründet und schließlich zahlreiche Arbeiter in den neubegründeten Kolonien urn Tiberias unter gebracht. Auch in Pethach-Tikwah hat er jahrelang 28 jüdische Tagelöhner zu guten Bedingungen beschäftigt und schließlich daselbst dauernd angesiedelt. Das Odefsaer Komitee hat schon im Jahre 1883 in der von ihm begründeten Kolonie Katra 21 Arbeiterfamilien^ ansässig' gemacht. -' AM die ^Kolonie" KastinA, welche von dieser Organisation unter Beihilfe' des' Vereins „Esra" (der für diesen Zweck T4 600 MälS'b^igesteuert hatte),- im Jahre 1897^ ms LebM geEett mmtdö, - zählte ursprünglich '21 jüdische! Arbeiterfamilien.' - Alle diese1 Versuche, die sehr viel Geld verschlängen, haben leider den auf sie gesetzten Hoffnungen nicht entsprochen und höchstens gelehrt, wir man es in Zukunft nicht machen darf. Die Kolonien Katra, Kastinje Und Metule sind an der Peripherie desgegenwärtigen jüdischen Kolonisationsgebietes weitab von jeder jüdischen Ansiedlung gelegen und vermögen deshalb dem andrängenden Arabertum kaum zu widerstehen Bereits ist die Zahl der jüdischen Kolonisten in Metule von 60 auf 35 Familien gesunken: dasselbe ist in Kastinje der Fall, das von seinen jüdischen Einwohnern immer mehr verlassen wird, so daß weite Ländereien nicht bewirtschaftet und von den Arabern bereits als herrenloses Gut angesehen werden. Selbst in Katra leben die Kolonisten in steter Furcht vor dem drohenden Arabertum. Einen besseren Erfolg hat der Verein „Esra" mit seinen fünf Kolonisten gehabt, die er verständigerweise in unmittelbarer Nachbarschaft von Rochowoth angesiedelt hat. Ihre Installation hat nur zirka 29 000 Fr., d. h. kaum 6000 Fr. pro Familie, gekostet, gegen 20 000 Fr. in Kastinje und 14 000 Fr. in Katra. Auch in einer anderen Hinsicht war der von dem „Esra" gemachte Versuch mustergültig geworden. Indem man die Tagelöhner.nicht in besonderen Kolonien, sondern innerhalb einer bereits bestehenden unterbrachte, hat man ihnen von vornherein sämtliche von einer Kolonie zu tragenden Gemeindeunkosten erspart. Ferner würde ihnen dadurch 'die Möglichkeit gegeben, neben der Bewirtschaftung des eigenen Bodens sich durch Arbeit bei anderen Kolonisten ein bedeutendes Nebeneinkommen zu verschaffen. Es sind daher nach -diesem Muster noch weitere Versuche -mit?' größerem Erfolge als bisher gemacht worden. So wurden in der Nähe von Rochowoth die Kolonie Tel-Abib und bei Pethach-Tikwah hie Niederlassungen Fedje und Sarfend begründet. Diese drei Siedelungen, in denen über 60 Tagelöhner Unterkunft fanden, sind reine Arbeiterkolonien, deren Besitzer nach wie vor ihre Haupteinnahme in der für andere im Tagelohn geleisteten Arbeit zu sehen haben. In ihren Mußestunden, sowie in der arbeitslosen Saison können sie an der weiteren Bewirtschaftung, resp. Bepflanzung ihrer Parzellen arbeiten und so ßich mit der Zeit eine neue Einnahmequelle eröffnen. Daneben haben ihre Frauen und erwachsenen Kinder Gelegenheit, auf ihren kleinen Parzellen Gemüsebau, Geflügel- und sogar Viehzucht zu treiben. So ist durch unsern Verein der Weg gefunden, auf dem die Lösung der jüdischen Arbeiterfrage in Palästina angestrebt werden könnte. Dieselbe ist nicht allein vom Standpunkte der Humanität und der Philanthropie geboten. Nicht nur das Mitleid mit Hunderten von fleißigen.Juden, die gern durch ihrer Hände Arbeit in Palästina ihr tägliches Brot verdienen machten, — auch allgemeine höhere jüdische - Interessen - lassen es geboten erscheinen, der Arbeiterfrage baldigst näherzutreten. . Dn die Landwirtschaft in Palästina, wie gesagt, im hohen Grade an die Saison gebunden ist,. so gibt es da während der Arbeitszeit so viel zu tun, daß die Arbeit von den jüdischen Kolonisten allein unmöglich bewältigt werden kann. Sie waren daher vvnujeher genötigt, alljährlich Tausende von Arabern zu beschaftigen. Nun gibt es in Rußland und Galizien Hünderttausende von Juden, die weder Obdachs noch Brot häben, . und beides könnten sfe in den jüdischen KoGnieü" Palästinas finden, wenn dem nicht gewichtigeHinderniste entgegen wären. Im Gegensatz zum Araber, (der•*durch