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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-08-26 · 34 (26.8.1910) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
34 (26.8.1910)
Date
1910-08-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 569 aber nicht um das Aeußere handelt es sich an diesem Orte, hier gilt es, den innern Menschen, seine Persönlichkeit festzuhalten, die kein Pinsel und kein Meißel wiederzugeben vermag. Dieses unsichtbare und doch so sprechende Bild hat er selbst mit vollendeter Meisterschaft geschaffen und hat es den Herzen von Tausenden eingegraben. Wer, der jemals mit ihm in Berührung gekommen ist, hätte dieses Bild nicht in sein Herz geschlossen, bewahrte nicht für immer die unauslöschlichen Züge seiner Herzensgüte, seiner Liebenswürdigkeit, seiner humanen Gesinnung, seiner vornehmen und dabei so bescheidenen Haltung? Er war ein großer und gesuchter Arzt, eine Zierde seiner Wissenschaft und einer ihrer begabtesten Forscher — aber diese seine Berufstätigkeit erhält doch erst ihr rechtes Licht von dem leuchtenden Hintergründe seiner Herzens¬ und Charaktereigenschaften, aus denen sich die Persönlichkeit zusammensetzt und unter denen seine Glaubenstreue wahrlich nicht die geringste ist. Ich kann cs nicht nachdrücklich genug hervorheben: seine Ueberzeugung wird mit ihm begraben, er hat diesen Ehrenschild nicht, um geschwinder fortzukommen, weggeworfen. Er ist dennoch nicht zurückgeblieben, wenigstens nicht in der allgemeinen Hochachtung, deren er sich erfreute. Seiner Gattin war er alles, ihr Stolz, Lebensglück, der Gegenstand ihrer Freuden und Sorgen, aber mit ihr trauern seine Geschwister, seine Freunde, Kollegen und Mitarbeiter, die Anstalt, die er leitete und für die er lebte, unsere Kultusgemeinde, die ihm nicht bloß ein Ehrengrab hier auf dem Friedhofe, sondern in den Herzen ihrer Mitglieder widmet. Er hat es verdient, denn er war ein Hohepriester seiner Kunst. Wenn in dem diesmaligen Wochenabschnitt Moses an der Stelle, wo er der zerbrochenen Bundestafeln gedenkt, auch den Tod Arons erwähnt, so finden unsre Weisen in dieser Zusammenstellung, die Andeutung, daß der Tod eines Menschen, der hohepriesterlich gewirkt hat, gleichsam den Zusammenbruch der von der Gottheit selbst beschriebenen Tafeln bedeutet. Soviel bedeutet uns der Verlust dieses ausgezeichneten Mannes. Ehre seinem Angedenken! Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Doktor Alfred Stern würdigte die hingebungsvolle Tätigkeit Osers in folgenden Worten des Abschiedes: Rede des Präsidenten Dr. Alfred Stern am Sarge Osers. In meinen Händen ist ein kleines Blättchen. Eine Danksagung für ein Beglückwünschungstelegramm, welches ich dem Dahingeschiedenen vor Jahresfrist zu seinem 70. Geburtstage gesendet hatte. Und aus diesem Blättchen spricht so viel Liebe und Güte, herzinnige Freundlichkeit und Wohlwollen, wie sie eben dem Verbichenen eigen waren und wie er sie immer am Krankenbette betätigte. Zeuge dessen war ich am Krankenbette meiner Angehörigen, vor wenigen Jahren an meinem Krankenbette und es ist mir eine unabweisbare Herzenspflicht, persönlich ein Wort des innigsten Dankes dem Dahingeschiedenen an seiner Bahre zu sprechen. Und nun zur Gemeinde. Was er für dieselbe war, das bezeugte die Festversammlung, welche ihm vor kaum Jahresfrist huldigte. Als vor 38 Jahren die Gemeinde, von munifizenter privater Hilfe unterstützt, daran ging, ein neues Krankenhaus zu errichten, wurde zu dessen Leiter der Dahingeschiedene berufen und seinem Verdienste, seiner Schöpferkraft, seiner unermüdlichen Tätigkeit ist es zu danken, daß heute die Gemeinde mit Stolz auf diese Musteranstalt hinzuweisen in der Lage ist. Ueber 2000 Personen werden alljährlich in diesem Spitale verpflegt, weit über 15.000 werden jährlich in den verschiedenen öffentlichen Ambulatorien ärztlich behandelt. Und diesem ganzen, ausgedehnten Betriebe drückte Hofrat Oser sein persönliches Gepräge auf, das Gepräge eines von warmer Begeisterung für seinen Beruf, von edlem Mitgefühle für den Kranken erfüllten, von unermüdlichem Drange zu helfen beseelten guten Menschen. Die Schöpfung war sein Kind, seine stete Sorge, ob er hier oder auf der Reise war, bis noch wenige Wochen — ich berichtige dies — noch wenige Tage vor seinem Lebensende. Wie dies dankbar von all denen, welche jene Heilstätte verlassen, anerkannt, insbesondere dem Dahingeschiedenen Dank und Lob gespendet wird, deß Zeuge bin ich und mit mir di: Mitglieder des Kultusvorstandes. Ueber seine wiffenschaftliche Bedeutung, über seine ärztliche Tätigkeit wird nach mir von berufener Seite gesprochen werden. Mir aber ist es, als ob ein Chor von Tausenden und Tausenden, denen er, der Heilung bringende Arzt, der Retter und Helfer und Tröster war, hier an dieser Bahre, mit mir in den Ruf einstimme: Gesegnet sei das Andenken des frommen, edlen Mannes! Prof. Dr. Zuckerkandl sprach für die Primarärzte des Rothschild-Spitales. Assistent Dr. M o n a t h dankte namens der Schüler im Spital, Vizepräsident des niederösterreichischen Landessanitätsrates Dr. Nowak ließ dem segensreichen Wirken Osers als Vorsitzender des Sanitätsrates vollste Gerechtigkeit wiverfahren. Vizepräsident der Aerztekammer Dr. Gruß hob die mit charitativem Wirken gepaarte Betätigung sozial-ärztlichen Wirkens hervor. Obersanitätsrat Regierungsrat Dr. Mauthner sprach für die Poliklinik, an deren Gründung Oser lebhaft beteiligt war, Assistent der Poliklinik Dr. Marzell Lauterbach sprach im Namen der Schüler der Poliklinik Worte des trauervollen Abschieds, Dr. Laub für das Kaiserin Elisabeth- Heim zur Ausbildung jüdischer Pflegerinnen und Dr. Max N e u d a für den Freundeskreis. Dann wurde der Sarg in dem von der israelitischen Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrabe beigesetzt. Ein arabischer Nationalist über Palästina vnd die Inden. Der Führer der arabischen Nationalpariei im ottomanischen Reiche, Nedschif-Asuri Bey, veröffentlicht soeben ein Buch über das Erwachen der „arabischen Nation" in der asiatischen Türkei. Von Bedeutung in diesem Buche sind besonders jene Stellen, welche über die Bestrebungen Rußlands, einen Einfluß in der asiatischen Türkei zu gewinnen, und andererseits über die Ansprüche der Juden auf Palästina handeln. Der Verfasser weist nach, daß Rußland sich schon seit zwei Jahrhunderten bemüht, im nahen Osten seinen Einfluß zu stärken. „Rußland" — sagt der Verfasser — ^.besitzt keine direkten Verbindungen mit den drei Ozeanen, welche im Handel eine große Rolle spielen: Dem Mittelländischen Meer, dem Atlantischen Ozean und dem Stillen Ozean. Aus diesem Grunde ist Rußland gezwungen, seine Grenzen möglichst weit bis Christiania, Korea und den Dardanellen auszudehnen. Aber Skandinavien ist nicht so leicht zu erreichen. Darauf haben alle europäischen Mächte ein Auge. Deshalb bemüht sich Rußland, die Häfen des Mittelländischen Meeres und des Suezkanals zu erobern, kurz, Rußland hat die Absicht, der Herr des nahen Ostens zu werden. Was Palästina anbelangt, so verfolgt Rußland noch andere Zwecke. Rußland betrachtet sich als der Vertreter des orthodoren Christentums und hat demnach den Wunsch, das Grab des Gründers der christlichen Religion in seine Macht zu bekommen und auf diese Weise einen Einfluß auf die ganze christliche Welt zu erlangen. Das ist der Grund, weshalb Rußland in Syrien und Palästina so viele Schulen gründet, die wohl nichts taugen, und Klöster baut, in welche es sogar junge christliche Araber auf 'russische Staatskosten studieren schickt. Ueberdies ist Rußland stets bemüht, zwischen den einzelnen Mächten wegen Palästina Streitigkeiten anzufacken, um dann die Oberhand zu gewinnen. So hat Rußland in aller Stille die griechischen Geistlichen aus Palästina vertrieben und an ihre Stelle russische gebracht. In kurzer Zeit wird das ganze Stambuler Patriarchat sich in russischen Händen befinden, das heißt also, jenes Patriarchat, welches die Repräsentanz des gesamten orthodoren Christentums in der Türkei darstellt. Unter dem Schutze dieses Patriarchats stehen 700.000 Christen, welche eine starke Macht in den Händen der russischen Regierung bilden werden." In der Behandlung Palästinas bemüht sich Asuri nacAuweisen, daß auch die Araber ein Recht auf

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