Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 34 (26.8.1910)
- Date
- 1910-08-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 670 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 84 Palästina haben, wo sie einst die Herren waren. Er will dies auch mit Zitaten aus der Bibel beweisen, wonach die Juden niemals die alleinigen Besitzer ihres Landes waren. „Hätten die Juden" — sagt Asuri — „damals es verstanden, die Kanaaniten aufzusaugen oder sie sich zu assimilieren, hätten sie ferner ihre Grenzen bis zum Berge Hermon und Libanon ausgedehnt und wären sie schließlich nicht innerlich so zerklüftet gewesen, so hätte der jüdische Staat noch heute bestehen können und es wäre den Christen nicht möglich gewesen, ihre Macht dort so zu entfalten. Die heutigen Juden begreifen ausgezeichnet den Irrtum, den ihre Vorfahren begangen haben, und wollen nun denjenigen Teil Palästinas einnehmen, den ihre Altvorderen nicht haben ernnehmen können." In Bezug auf die geographische Lage und das illima vergleicht Asuri Palästina mit der schönen Schweiz. ...Das Jordantal ist eines der reichsten Gegenden mit seinen Heil- und Mineralquellen. Im Vadi-Sarkagebiet finden sich mehr als zehn Schwefelquellen, die aus der Erde fliehen und eine Temperatur von 70 Grad Celsius haben. Noch in der Zeit Herodots waren diese Quellen berühmt, als Heilquellen für Hautkrankheiten und Rheumatismus. Südlich von Tiberias am Meeresufer befinden sich acht warme Quellen, die sehr schwefel- und eisenhältig sind. Diese Quellen enthalten auch sehr viel Magnesiensalz und ihre Temperatur ist gleichfalls 65—70 Grad." Außer diesen Quellen führt Asuri in seinem Buche noch eine ganze Anzahl von Heilquellen an, die nördlich von Tiberias gelegen sind. Auch südlich vom Salzmeere. in Vadi-Araba, und jenseits des Jordan gibt es unzählige Heil- und Mineralquellen. Ueberdies ist Palästina reich an Erzen und Mineralien, Kohlen, Salzgruben usw. Selbst Naphthaquellen wurden in der Nähe des Salzmeeres entdeckt. In Hebron gibt es jene Sandsorte, welche sich für die Fabrikation von Feinglas ausgezeichnet eignet. Und auf den Ufern des Teiches Kischon findet man heute noch jene Schneckensorte (Nurex trunenlns) welche die berühmte bläue Farbe liefert. Palästina ist ein Agrarland ersten Ranges, sein Boden ist ungemein fruchtbar, die Frucht ist gut und wertvoll. Acht Zehntel des Landes könnten mit Leichtigkeit bearbeitet werden, während gegenwärtig leider nicht einmal ein Zehntel so kultiviert wird, wie es sein sollte." Strafanzeige gegen ein antisemitisches Hetzorgan. Wie bereits berichtet, hat das Budapester antisemitische Blatt „Alkotmany" gegen die Juden von „Nagy- Kövesd" das Märchen eines Ritualmordes verbreitet, durch welches die christliche Bevölkerung jener Gegend in große Erregung versetzt wurde. Die Haltlosigkeit und Nichtigkeit des ganzen Märchens wurde bald erwiesen. Nun hat die genannte jüdische Gemeinde, sowohl gegen das Blatt, als auch im Besonderen gegen den Journalisten Persina, der behauptet hatte, für die Authentizität seiner Darstellungen einstehen zu können, die Strafanzeige erstattet. Nach Auseinandersetzung des Sachverhaltes schließt die Anzeige mit folgenden Ausführungen: „Als treue Söhne des ungarischen Vaterlandes wünschen wir, mit jedem seiner Bürger in friedlicher Eintracht zu leben, -und so geschieht es nicht aus Streit und Zanksucht, sondern aus zwingender Pflicht gegen uns selbst, daß wir in die Schranken treten, da ein uns völlig fremdes Individuum ohne wahren Grund gewissenlos den bürgerlichen Frieden unserer Gemeinde und ihrer Umgebung untergräbt und gegen uns die gefährliche Flamme des konfessionellen Hasses schüren will. Deshalb erstatten wir sowohl als Vorsteher unserer israelitischen Gemeinde in deren Namen, aber auch in unserem Namen als Bürger unserer Stadlgemeinde gegen den in Budapest wohnenden Journalisten Adam Persina die Anzeige wegen des Verbrechens der Aufreizung gegen eine Konfession und wegen Vergehens der durch die Presse verübten Verleumdung. Wir bitten um das rascheste strenge Vorgehen und dies umsomehr, als die Hetzereien und Verleumdungen des bezeichneten Artikels unter dem bisher ruhigen nüchternen Volkes unseres Ortes und der Umgebung, welches mit uns in vollständigem bürgerlichen Frieden lebte, das Mißtrauen und die Gehässigkeit sich verbreitet, das im Artikel dargelegte Märchen von der Blutbeschuldigung von der Phantasie des Volkes immer lebhafter ausgestattet, die Ruhe und den konfessionellen Frieden der ganzen Gegend zu stören droht." Vermisebtes. Wien. (Auszeichnungen.) Das goldene Verdienstkreuz mit der Krone wurde verliehen: Dem Baumeister und Gemeinderate in Wien, Edmund Melcher, der Frau Marianne Mühsam, Präsidentin des Grazer israelitischen Frauenvereines. Zum kaiserlichen Rate wurde ernannt: Dr. Albert Ei sing er, Jnstitutsarzt des Eewerbeförderungsamtes in Wien. Wien. Am 22. d. M. feierte im Kurhotel in Gmunden der Realitätenbesitzer, Herr Mar B arb er, der Gatte der Schriftstellerin Frau Jda B a r b e r, in voller Rüstigkeit und im Kreise seiner Familie seinen 75. Geburtstag und wurden dem Jubilar, der sich durch Wohltätigkeitssinn -oft hervorgetan, von allen Seiten die herzlichsten Gratulationen zuteil. Wien. (K a i s e r h u l d i g u n g.) Der Vethausverein „Osseh Tow" veranstaltete am 18. August anläßlich des Geburtstages des Kaisers im VereinSbethause einen stark besuchten Festgottesdienst. Nach demselben wurde an das Jschler Hoflager eine Huldigungsdepesche gesendet, in welcher es am Schlüsse heißt: „An heiliger Stätte haben heute sämtliche Mitglieder des Bethausvereines in tiefergebenster Huldigung für den gerechtesten, edelmütigsten Herrscher inbrünstige Gebete zu dem König der Könige emporgesendet, auf daß Er uns uud allen Völkern unseres geliebten Vaterlandes noch lange in ungetrübter Gesundheit erhalte, unseren heißgeliebten Kaiser Franz Joseph den Ersten. Für den Vorstand des Bethausvereines „Osseh Tow", III., Obere Viaduktgasse 12, Isaak Schwarz. Obmann; Samuel Metzger, Obmannstellvertreter; Moritz Kirschenbaum, Schriftführer." Wien (Wiener Jubiläumsverein zur Bekleidung und Unter stützung armer alter Frauen.) Zugunsten des Vereines haben einige zur Kur in Vöslau weilende Vorstandsdamen und Frau Emma Popper eine Kindervorstellung arrangiert, die von 300 Personen besucht war und ein Neinerträgnis dem Vereine zuführte. Zur Aufführung gelangte „Schneewittchen" in' eigener Bearbeitung. Frau Popper brachte Gedichte zur Verlesung. Der Nachmittag verlief sehr animiert und führte dem Vereine zahlreiche neue Mitglieder zu. Wien (Wohltätigkeitsakt des I. Wiener israel human. Heiratsausstattungs-Vereines, II., Große Sp-rlgasse 32—34.) Donnerstag den 18. August d. I.. */,l Uhr mittags, fand im Tempel, I., Seitenstettengasse anläßlich des 80. Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers über Veranlassung des obigen Vereines die Trauung eines Waisenmädchens statt. Das Waisemnädchen wurde auch mit einem entsprechenden Heiratsausstattungsbeitrage aus den Mitteln des Vereines beteilt und vom Präsidenten Herrn Oskar Rubin, Vizepräsidenten Herrn Julius Adler und dem Schriftführer Herrn Armin Donath beglvckwünsckt. Bei diesem feierlichen Akte hat Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Bach funktioniert und eine auf das heutige Fest bezughabende Ansprache an das Brautpaar gehalten. Die Gesangssektion des „Hasomir", Verein zur Förde r n n g jüdischer Literatur und Kunst, ist bereits eröffnet und die erste Probe fand auch schon Dienstag den 23. d. M. im Souterrainlokal des Hotel Guth, II., Stefaniestraße 14. statt. Die zweite Probe wird in demselben Lokale Dienstag den 30. d. M. um 8 Uhr abends abgehalten werden. — Samstag den 27. d. M. um 8 Uhr abends findet die Vorprobe für neueintretende Mitglieder im Cafä Rembrandt, II., Untere Augartenstraße 11, statt. Stimmbegabte Damen und Herren, die der Gesangssektion beitreten wollen, werden zu derselben höflichst eingeladen.