Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 33 (19.8.1910)
- Date
- 1910-08-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 38 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 555 Spanien rechnet auf die türkischen Juden. In allerjüngster Zeit erscheinen in spanischen Blättern wiederholt Aufsätze, in denen darauf hingewiesen wird, datz die spaniolischen Iuden in der Türkei bei einer entsprechenden Behandlung seitens der spanischen Regierung leicht die Vermittler und Förderer spanischen Einflusses in der Levante werden könnten. Das Madrider Blatt „El Dia" verlangt daher eine gründliche Reorganisation des spanischen Konsularkorps im Orient, das vor Allem die Aufgabe hätte, mit den spaniolischen Iuden Handelsbeziehungen anzuknüpfen, auf sie einzuwirken, datz sie in der spaniolischen Presse an Stelle der hebräischen Transkription die lateinische Schrift einführe usw. Die gesamte sephardische Presse in der Türkei weist jedoch die neueren Annäherungsversuche seitens Spaniens nach wie vor energisch zurück und gibt zu verstehen. datz unter den Spaniolen wohl Sprachreformbestrebungen bestehen, datz diese jedoch zum Zwecke haben. an Stelle des spaniolischen Iargons die türkische und hebräische Sprache zu setzen und datz die spaniolischen Iuden sich immer dessen bewutzt werden, datz sie nicht „spaniolische" Iuden, sondern ottomanische Iuden sind. Die Entwicklung der Warschauer Judengemeinde. Laut dem jüngsten statistischen Ausweis zählt Warschau insgesamt 781279 Einwohner, darunter 306 750 Iuden. Warschau ist demnach die grötzte Iudengemeinde in Europa und die zweitgrötzte der Welt. Im Iahre 1864 gab es in Warschau 72 776 Iuden, im Iahre 1882 waren in Warschau 127 917 und 1892 zählte man 162 323. Massenemmigration aus Rußland. In letzter Zeit hat die Auswanderung aus Rutzland wieder ungeheuere Dimensionen angenommen. Besonders stark ist die Auswanderung aus dem Podoler Gouvernement, in welchem nicht weniger als 36 jüdische Auswanderungsbureaus tätig sind. Aus diesem Gouvernement allein sind in den letzten 3—4 Monaten nahezu sechstausend Familien ausgewandert. Die meisten gehen nach Amerika, in jüngster Zeit haben sich auch viele nach Syrien gewendet. Was in Rutzland Militärdienst genannt wird. Der Petersburger Korrespondent der „N. I. K." berichtet: Dumaabgeordneter Friedmann erhielt von einer armen jüdischen Witwe zu Tiraspol die telegraphische Mitteilung. datz sie mit der üblichen Geldstrafe in der Höhe von 300 Rubeln „wegen Entziehung der nächsten Verwandten vom Militärdienst" belegt worden sei, weil sich ihr Sohn der Militärpflicht entzogen habe. Tatsächlich hat aber dieser, trotzdem er ihr einziger Sohn und Ernghrer ist. seine vollen vier Jahre beim Militär gedient. Die Strafe wurde ihr auferlegt blotz deshalb, weil ihr Sohn bei der Aushebung genau fünf Minuten nach Schluß der betreffenden Sitzung der Aushebungskommission erschienen war. Er hatte sich darauf vierzehn Tage später bei der nächstfolgenden Sitzung pünktlich eingestellt, war ausgehoben worden und hatte hierauf seine volle Dienstzeit absolviert. Nichtsdestoweniger wurde hier eine Entziehung von der Militärpflicht festgestellt und für die dürftige Habseligkeit der armen Witwe die öffentliche Versteigerung angeordnet. — Die arme Frau flehte nun Abgeordneten Friedmann um Beistand an. Der Begründer des Handelskammerfystems in Persien. Vor einigen Tagen fand in Täbris die feierliche Eröffnung der ersten persischen Handelskammer statt. Zum Präsidenten der Kammer wurde Herr Ludwig Grünberg, ein Glaubensgenosse aus Ungarn, der auch der Begründer der Kammer äst. gewählt. Herr Grünberg, der seit Jahren in Persien lebt, hat sich um die Förderung der Handelsbeziehungen zwischen Persien und den europäischen Handelsstaaten grotze Verdienste erworben. Vermischtes. Wien. (Auszeichnungen.) Der Kaiser hat dem Redakteur des »Neuen Wiener Tagblatt" Herrn Bernhard Münz das Offizierskreuz des Franz Josephs-OrdenS verliehen. — Durch Verleihung des Ritterkreuzes vom Franz Joseph- Orden wurde ausgezeichnet Herr kaiserl. Rat Dr. S. Krüger. — Das goldene Verdienstkreuz mit der Krone erhielt der prakt. Arzt, Bethausvorsteher Dr. Hermann Löwi. — Zum kaiserl. Rat wurde ernannt Heinrich Heister, Chrast in Böhmen. Wien. (Auszeichnung.) Die kaiserliche »Wiener- Zeitung" meldet die Verleihung des Elisabeth-Ordens II. Klaffe an Frau Johanna Fröhlich, geb. Goldschmidt, in Wien. Wien. Herr Jakob Mittler. Mitglied des BethausvereineS Landstraße und deffen Frau Elisabeth, III., Erdbergstraße 46 wohnhaft, feiern Samstag den 20. August l. I. die sechzigste Wiederkehr ihres Hochzeitstages. Die Feier findet an dem genannten Tage um 9 Uhr vorm, im Bethause, III., Erdbergstraße 15 statt. Beide stehen im Alter von je 86 Jahren und erfremn sich der vollsten Rüstigkeit. Herr und Frau Mittler find seit vielen Jahrzehnten in Wien wohnhaft und streng religiöse ehrenhafte Charaktere. Spende der Herren Gebrüder Gutmann für das «euerbante israelitische Knaben-Waiseuhaas XIX., Probusgaffe 2. Aus Anlaß der Eröffnung des von dem Vereine zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Kultusgemeinde Wien zur Erinnerung an das 60 jährige Regierungs- Jubiläum Sr. Majestät des Kaisers erbaute Kaiser Franz Joseph- Jubiläums Knaben-Waisenhaus, XIX., Probusgaffe 2, haben die Herren Gebrüder Gutmann für dasselbe in hochherziger Weise 4 Stiftplätze fundiert. Salomon Meisels. Am 13. d. M. schied Herr Salomon Meisels im Atter von 82 Jahren aus dem Leben. Der Verblichene, ein Sohn des berühmten Oberrabbines Berisch Meisels, war eine in den weitesten Kreisen bekannte, durch hervorragende Geistesgaben und Charaktereigenschaften ausgezeichnete Persönlichkeit. Bis in die letzte Zeit nahm er an jüdischen Angelegenheiten regsten Anteil. Solange er noch körperlich rüstig war, trat er für die von ihm vertretenen Grundsätze mit besonderer Klugheit und ungewöhnlicher Tatkraft ein. Den Jntereffen, speziell der orthodoxen und zionistischen Kreise diente er jederzeit mit vollster Hingebung. Nicht nur bei seinen Parteigängern, sondern auch bei den Vertretern gegensätzlicher Anschauungen erfreute er fich des größten Ansehens. Auch der Vorstand der Kultusgemeinde brachte dem erfahrenen und kenntnisreichen Manne stets die wärmsten Sympathien entgegen. Um die Gründung des Bethaus-Vereines »Beth Israel" und der Synagoge nach polnisch-jüdischem Ritus, deren erster Vorsteher er war, erwarb er fich die größten Verdienste. Zahlreiche humanitäre Vereine zählten ihn zu ihren opferwilligsten Gönnern. Das Leichenbegängnis des Herrn Salomon Meisels fand am 15. d. M. unter starker Beteiligung seiner Freunde und Verehrer statt. Der Bethaus-Berein »Beth Israel" war deputativ vertreten. Oberrabbiner Güdeman» kennzeichnete die Individualität des Verstorbenen in eindringlichen und warmen Worten. Er pries ihn als den Träger eines große» Namens, zugleich aber auch als einen ausgezeichneten makellosen Charaller. Ehre seinem Andenken! Wien. Zum Ausdruck der Huldigung für Se. Majestät dem Kaiser hat der Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer, alter Männer, israelitischer Konfeffion, Wien. II., Zirkusgaffe 80, anläßlich des allerhöchsten 80 jährigen Geburtsfestes würdige, arme Greise, die das 80. Lebensjahr erreicht haben, mit größeren Barbeträgen bedacht.