Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 33 (19.8.1910)
- Date
- 1910-08-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 552 Nr. 33 Dr. Blochs Wochenschrift. Priesters sind weih. Die Kleider aller Priester sind ihrer Grundfarbe nach weih wie die Engel des Himmels. Weih ist das Symbol des Lichtes, der Helligkeit, des Sieges des Lichtes über die Finsternis, deswegen erscheint der dritte Reiter in Sach. 6, 3 auf weihem Rosse. Der „Atik Jomin"-Gott erscheint in Dan. 7, 9 in schneeweißem Gewände. 2. Schwarz, das Gegenteil von Weih, Symbol der Finsternis, des Todes, der Bosheit und der Trauer. Vergl. Ies. 60. 2: Job. 1. 5; 10. 21. Echa. 4, 8. 3. Rot, das Gegenteil von Weih. Bild des Feuers, des verheerenden Zornes. Ies. 1, 18. Rot ist aber auch das Symbol der Sünde. Daher die rote Kuh zur Reinigung der Sünde, daher auch der rote Streifen für den Azazel am Versöhnungsfeste, der am Tempeleingange angebracht war. Vergl. [Misclma"Joma 6, 8. 4. Purpurrot, das Zeichen der höchsten Würde, Richter 6, 26. Die Decke des Altars bestand aus einem roten Tuche, Ru. 4. 13. Der Wagen des Herrschers ist gleichfalls, zum Zeichen der Würde, purpurrot gepolstert. Et. 3, 10. Balas bekleidet Jonatan mit dem Purpur. I, Makk. 10, 20; 11, 58. 5. Parallel mit dem Purpurrot läuft das Himmelblau. Die drei Farben Rot, Blau und Weih sind die Kultusfarben im alten Israels zur Zeit des ersten und - zweiten Tempels. Wir finden im Heiligtum keine vierte Farbe zu den obigen dreien. VII. Bilder. Von einer Symbolik derselben muh schon deswegen von vornherein abgesehen werden, da das zweite Gebot des Dekalogs den Bilderdienst aufhebt. Von Bildern als solchen im Allerheiligsten kann nur von den Kerubim gesprochen werden. Sie befanden sich sowohl auf der Lade des Zeugnisses als auch in den groben Vorhang, der das Allerheiligste vom Heiligen schied, eingewebt. Es ist auch nicht der Ort,' darauf näher einzugehen, wo das alte Israel die Gestalt der Kerubim hergenommen, ob von den Aegyptern oder den Assyrern, symbolische Bedeutung haben sie aber nur insofern erlangt. als Jahwe mehr wie oft als Gott, der über den Kerubim fitzt, bezeichnet wird. Nach Philo, Vita HI. § 8 stellen sie die beiden Hemisphären dar, sie sind die Zusammenfassung alles lebendigen, die Konzentration des natürlichen Lebens, zum Throne Gottes gehörend und die unmittelbaren Zeugen und Repräsentanten seiner Herrlichkeit und Allgewalt. Philippson, in seiner Isr. Bibel I, 453, macht eine genaue Differenz zwischen den Kerubim des Heiligtums und denen, die Ez. in seiner Vision geschaut, und meint, dah erstere frei erdachte Gestalten, letztere aber der Form und der Gestalt nach bekannt waren. VIII. Feier und Festeszeiten. Die Grundlage für die iüdischen Festtage bildete die Zahl 3. Als erstes ward' das Pesachfest eingeführt, das Bild des neuen Erwachens der Natur, des Volkwerdens der 12 Stämme, das Lamm — die unschuldige Jugend — war besonders heilig, es durfte weder gekocht, noch durfte an ihm irgend ein Knochen gebrochen werden, sondern es wurde ganz erhalten. Pesach war das Fest der Erstgeborenen, des Ungesäuerten. Da Gesäuertes für unrein gehalten wurde, sollte sich .das Volk an diesen Tagen jener Unreinheit enthalten. Das Leeren der vier Becher ward später zum Symbol der vier Weltreiche, vergl. j. Pes. 37 c gen r. c. 88. Das angelehnte Sitzen während der Mahlzeiten, das Bild der Befreiung aus schwerer Knechtschaft, des sich Sicherfühlens. Pes ibiä. Pfingsten, als zweites der Feste, hatte zur Grundlage, die Befriedigung und hie^ Freude über die Ernte. War Pesach der Beginn der" Reife, so war Schebuot der SchlUh dieser schönsten- Jahreszeit. Es toarbie,,Azarta“ ober „Azeret schelPesach“| Pes. 42b, 68 b. Merkwürdig ist, dah der Pentateuch diesem« Feste keine andere Bedeutung beilegt, dah Ezechiel dieses Fest überhaupt nicht kennt, dah das Zeitalter des Talmud nicht mehr über dieses Fest weih als die Bibel, und dah eine historische Reminiszenz diesem Feste erst im 10. Jahrhundert beigelegt ward. Vergl. More 3. 43. Hamburger, Encycl. I, 1057. Das dritte Hauvtfest, Sukkoth, ursprünglich das Herbstfest, wurde erst später zum Freudenfest, Midr. r. c. 30, schließlich das Symbol der Wüstenwanderung des Zwölfstammes. Vergl.Misclma Men. 13. 5, Sukk. 55 b. Das Rückgrat des Palmzweiges entspricht dem des Menschen, das Blatt der Myrte dem menschlichen Auge, das der Weide dem Munde, der Ethrog aber ist das Bild des menschlichen Herzens. Lev. r. e. 30. Wenn die Israeliten aber zum Laubhüllenfeste mit den Palmzweigen erscheinen, so zeigen sie sich als Sieger gegen das Heidentum. Lev. r. ibid. Nach den Tagen des göttlichen Gerichtes und der Versöhnung, an denen etwa die Strafe der Verbannung über Israel hätte verhängt werden können, verbannt es sich selber aus seinen Häusern, was ihnen Gott so anrechnet, als wären sie ins Eril gezogen. Pesikta 189 a. In letztere zwei Hauptfeste waren noch das Neujahr und das Versöhnungsfest eingeschoben. Das Hauptmoment im ersteren bildet das Stohen in die Posaune, was nach Philo, De Sept. pag. 43—44, ed. Lpzg. 1829, auf die göttliche Gesetzgebung hinweist und auf den Nutzen, welchen die Verbreitung guter Gesetze der Welt bringen und auch, dah Gott allein den ewigen Kampf in der Natur zum Frieden bringe. Nach Abarb. zu Lev. 23, 24 ist das Stohen in die Posaune das Symbol des Gedachtwerdens Israels vor Gott. Aus einem graden Schofar wird geblasen, um das Herz in Buße auszugraden, zum Unterschiede von Fasttagen, an denen das Herz in .Buße gebeugt ist, . R. H. 58 d. Der Versöhnungstag ist Hochsabbath, an dem jede Arbeit verboten ist, der einzige Tag, an dem nach mosaischen-Gesetzegefastet werden muh, um sich für die Sühne in eine angemessene Vuhstimmung zu versetzen. Er ist der Tag, an dem der hervorragendste und eingehendste Priesterdienst versehen wird. Wie hervorragend er auch als Symbol der Versöhnung ist, zeigt uns der Umstand, dah die ganze Liturgie nur vom Hohenpriester verrichtet wird. Leider hat sich in der neueren Zeit, seit Vatke bis auf die neuesten Bibelkritiker das Urteil herausgebildet, dah dieses hochwichtige Fest sich erst in nacherilischer Zeit herausgebildet hat; die Erörterung dieser Frage aber gehört nicht in den Rahmen dieses Aufsatzes. Von den vielen anderen Symbolen seien hier noch folgende erwähnt. Die Weihe der Priester fand durch das Besprengen des Ohres, der Hand und des Fußes mit Blut statt, weil sie die Werkzeuge für die wichtigste, t menschlichen Tätigkeiten bilden. Die Schaufäden stellten das Symbol der göttlichen Gesetze dar. Das Verbot von Schatnez, als des Bildes der Widernatürlichkeit. Die Uebertragung eigener Rechte auf einen anderen geschah durch das Darreichen des Schuhes (Ruth 4. 7). IX. Die Visionen der Propheten. An erster Stelle sei hier Jesaias. Kap. 6, erwähnt. Jeremias sieht einen Mandelbaum zum 'Zeichen der raschen Erfüllung des Gotteswortes. (Wortspiel von „8chaked, c 1, 11, 12.) Die Vision des Ezechiel I. Amos sieht einen Korb mit Sommerfrüchten als Symbol,' daß das Ende Israels .herannahe (Kap. 8, 1, 2). Die "Vision des Daniel 7. 8 ff. Jesaias geht nackt und Barfuß umher als Symbol für die Besiegung Egyptens und Aethiopiens durch Assyrien (Kap. 20, 2 ff). Jeremias trägt ein Joch auf . feinem Halse, um die Andeutung zu geben, sich den ^Assyrern zu unterwerfen (Kap. 27, 2 -4, 28. 10—12). LEzechiel legt einzelne, mit den Namen von Stämmen be- Lschriebene Stäbchen zusammen, um dadurch die Wieder- Vvereinigung der Göla durch Jahwe zu kennzeichnen (Ka-