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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-08-19 · 33 (19.8.1910) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
33 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 550 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 33 Deutsch, Symbolik tn Kultus und Dichtung! bei den Hebräern. Sehen Wir von anderen gielegentlich behandelten Punkten durch Zum, Bacher u. a. ab, so sind die oben genannten Arbeiten die einzigen auf diesem Gebiete. Das Symbol ist den alten Hebräern nicht Hloß das Zeichen (öth), sondern es wird auch von ihm in den Kreis der Religion eingeführt, um äußerlich das innere Verhältnis Jahwes zu seinem Volke darzustellen. Bloß in zwei Punkten laßt sich im alten Israel von einem Symbol sprechen, das als Unterpfand des Bundes Jahwes mft seinem Volke nach außen hin weit sichtbar und erkenntlich sein soll, und in beiden Fällen „Oth Lerith“ Zeichen des Bundes heißt. Es sind dies Sabbat und Circumcisio. Ich sehe-hier von jener Polemik ab, zu der das Urchristentum gegen diese beiden Symbole gegriffen, auch von jenen neuen und allerneuesten Entdeckungen auf dem Gebiete der Aegyptio- und Assyriologie, welche jene Symbole in einem neuen Lichte erscheinen lassen, da sie nicht zum eigentlichen Thema gehören und gehe gleich zu jenen anderen Symbolen über, welche zur Verinnerlichung des Glaubens dienen sollten. Wir können sie in 9 Hauptgruppen einteilen. 1. Der Tempel und seine Einrichtung. 2. Die Opfer. 3. Die Priester und ihre Gewänder. 4. Die Zahlen. 5. Die Metalle. 6. Die Farben. 7. Bilder. 3. Die Feier- und Festtage und 9. Die Visionen der Propheten. L Der Teuchel Obel, Misckkan, Hekal. Das Volk besitzt die Wohnung und den Thron Gottes in seiner Mitte, es wird dadurch zum geheiligten Volke, der Staat wird zum Gottesstaat. Der Tempel ist die Stätte der Vermittlung zwischen Gott und dem mit ihm verbundenen Volke und repräsentiert die Art des Verkehrs zwischen beiden. Der Tempel als solcher findet aber noch eine zweite Art der Symbolisierung, er ist das Bild des Menschen und der menschlichen Natur überhaupt. Vgl. Philo. Vita Ms. ed. Schwickert, Leipzig 1328, pag. 201—219 und Cosari II. § 26—28, wo auch die Stifts- Hütte eine kosmische Deutung findet. * Die Einrichtung. 1. Die Lade des Zeugnisses im Tempel Er. 25. 10—16, 37, 1—5. Wie der Dekalos das Herz und der Kern des gelammten Volksstammes ist. so hat auch die Lade ihren Sitz im Innersten des Tempels. Das Kapporeth mit den Kerubim. Er. 25, 17—22, 37, 6—9, innerhalb der Offenbarungsstätte, des Ortes, wo sich das Wohnen Jahwes konzentriert, zugleich auch der Ort, wo das Volk einmal im Jahre von allen Sünden gereinigt wird. Alle drei, Lade, Kerubim und Kapporeth gehören zusammen, und wie die Lade nur um des Zeugnisses willen vorhanden ist, da in derselben der Dekalog aufbewahrt wird, so sind die Kerubim als Symbol des Ortes, wo die Heiligkeit Gottes sich seinem Volke offenbart, und das Kapporeth als Zeichen, daß die begangene Sünde durch Gott bedeckt, ausgelöscht und seine Gemeinschaft mit dem Volke wieder hergestellt wird. Vergl. Lab. Jalk. Fol. 6, 2, Maimonides Moreh le 64, III, 45. Abarbänel zu Er. 40, 34. 2. Der Tisch mit den Schaubroten, Er. 25, 37. 31, 8. 35, 13. Num. 4, 7, ist das Symbol des faktischen Bekenntnisses des gesammten Volkes, daß es sein Brot, d. b. alles zum Lebensunterhalte Notwendige Gott allein zu verdanken habe und ihn dafür loben und preisen müsse. Vergl. Jarchi und Abarb. zur Stelle. 3. Der Leuchter. Er. 25. 31—43, 27. 17—24, bedeutet nach Philo, Vita III, § 9. Hepta symbola ton gomenon para^* tois Tphysikois $ andrasi planeton.,I die sieben Arme seien sieben Symbole, welche den von den Naturhistorikern entdeckten sieben Planeten entsprechen. Die späteren Kommentatoren nehmen hingegen den Leuchter als das Symbol, welches die Gemeinde als das Bundesvolk Gottes bezeichnen sollte. Vergl. Hengstenberg, Beiträge III, S. 645. Nach den modernen Kommentatoren ist der Leuchter das Symbol Jahwes, der der Gott des Lichtes ist> und findet auch seine Auf« stellung im Süden, von wo das Licht kommt. Vergl. Dillmann z. St. 4. Der Räucheraltar, Er. 30, 1—10, das Symbol des Gebetes, da sich mit dem verbreitenden Duft und Wohlgeruch die innere Güte und Vortrefflichkeit irgend einer Person oder Sache in ihnen kundgibi, was ihr zur Ehre und zum Ruhme gereicht. 5. Der Opferalter, das Symbol der göttlichen Offenbarung, die vier Hörner repräsentieren die Stärke, die Macht und die Herrschaft Jahwes, das Erfassen Derselben heißt, sich in den Schutz Jahwes begeben. I. Kön. 1,50. II. Die Opfer. 1. Das Brandopfer (olak, Lev. 14.20). Das Vollkommene, Ganze, stellt das Allgemeine dar im Gegensätze zum Einzelnen, das Vollständige im Gegensätze zum Mangelhaften. Es ist das Allgemeine, alles Umfassende und in sich Schließende. Andererseits soll das Olah das Bild der vollständigen Weihe oder auch die Sühne des Herzens darstellen für alle sündigen Gedanken. Vergl. Philo de victinus § 3—5. Jbn. Esra zur Stelle. 2. Das Dankopfer (Schelamim, Zebach, Toda), woran sich die Mahlzeit und das Schwingen (Tenufa. schließen. Es versinnbildlicht somit das Freundschaftsverhältnis und die Gemeinschaft zwischen Gott und Israel. Da Jahwe der Schöpfer des Weltalls ist, so sollen die Schwingungen nach allen Seiten darauf Hinweisen, daß Gott in der ganzen Welt zugegen sei und ihre äußersten Enden umfasse. 3. - Das Sündopfer ('Chatath), das Symbol der vollständigen Sühne, der Bedeckung und Verhüllung, weshalb'auch siebenmal das Kapporeth mit dem Blute des Opfers besprengt ward. 4. Das Schuldopfer (A8ebam). Es wurde dargebracht, um die Erkenntnis der Sünde herbeizuführen und in Regsamkeit zu erhalten. Die Einteilung dieses Opfers n ein „sacrifieiumpro peccato dubio“ und ein „sacrificium pro peceato certo“ findet man schon bei Maimonides I Zeb. IX. Hingegen ist Philo der Meinung, daß das Ascham nur von demjenigen dargebracht wird, der seine Schuld nicht nur selbst eingesehen und erkannt, sondern der zum Selbstankläger geworden ist. Philo, a. a. O. 5. Das Handauflegen (Semika) ist die Versinnbildlichung dessen, daß auch die Hände, die im gegebenen Momente aufgelegt werden sollen, auch vollständig rein sind und nichts böses getan haben. (Philo, a. a. O.) Vahr hingegen meint, daß die Handlung des 'Händeauflegens das Symbol der Todesweihe für Jahwe sei, das Verbrennen des Opfers aber auf den Ort oder das Ziel verweise, wo diese Gabe hingehen soll. Vergl. Christliche Symbolik II, pag. 341. 6. Das Brechen des Genicks des Kalbes (Eglah Arufah) ist ein Gerichtsakt, der die Anerkennung des Todes für den Mörder bedeuten soll; das Händewaschen ist das Symbol der Reinigung von einer bösen Handlung: die vollständige Sühne für die Schuld wird durch die Wegspülung des Blutes des toten Kalbes von dem unten fließenden Bache angedeutet. HI. Die Priester. Sie sind die Vermittler zwischen Gott unT seinem Volke, durch das Opfer einerseits und andererseits durch ihre tägliche Dienstverrichtung im Tempel. An ihrer Spitze steht der Hohepriester, der doppelt so viele Gewänder 'trägt, ,als seine Untergebenen. Die Gewänder aber sind synonym mit der Heiligkeit und der Sühne. Warum, fragen die Späteren, ist der Hohepriester am Versöhnungstag in weiße Gewänder gehüllt? „Weil der Dienst im irdischen Heiligtum dem im himmlischen gleichen soll." Joma 44 b. Das Kitonet ist vollständig, ohne Unterbrechung gewoben, und ist der

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