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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-08-19 · 33 (19.8.1910) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
33 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 549 Vorwort —, zugleich mit einer pietätvollen Würdigung des verstorbenen Fachkollegen als Begleitwort nunmehr der Oeffentlichkeit unter obigem Titel (Gebauer -Schwetschke in Halle a. S.) übergeben. Unsere Leser wird der folgende Abschnitt aus dem Kapitel: „Wirtschaftliche und geistige Erziehung im Daseinskämpfe" interessieren. Wie gründlich auch ein Kulturvolk lein ganzes Wesen zu wandeln vermag, wenn es in Berührung mit Fremden gezwungen wird, seine Wirtschaftsziele zu ändern, lehrt uns das Beispiel der Juden, Was waren diese Kinder Israels einst für ein Heidenvolk, noch zur Makkabäerzeit und in den ruhmwürdigen letzten Verzweiflungskämpfen gegen Rom! Wie preist doch Tacitus das stattliche Aussehen, die robuste Arbeitstüchtigkeit der Juden seiner Zeit, die aus dem heute so heruntergtkommenen Palästina ein Paradies gemacht hatten, da Milch und Honig floß! Dann in der Diaspora durch alle Lande zui ächst des römischen Weltreichs vollzog das Schicksal mchr als an irgendeinem andern Volk am jüdischen das Experiment der Anschmiegung an die allerverschiedensten Landeswie Gesellschaftseigentümllchkeiten. Zäh erhält sich dabei manche Eigenart des körperlichen Typus, sogar in Amerikas Vereinigten Staaten, die sonst das Wesen der Elngewanderteu so rasch ummodeln; das ist die Wirkung der langwierigen, festigenden Vererbung durch so viele Jahrtausende, wie wir sie gleich auffällig bei Aegyptern and Chinesen wahrnehmen. Was aber haben die christlichen Völker des Mittelalters ans den Juden gemacht, denen sie das Gastrecht einräumten? Ein Geldwechsler- und Schachervolk, das leiblich und seelisch vielfach verkümmerte, weil ihm der freie Mitbewerb auf der Arena des schaffenden Daseins gesperrt wurde. Auch bei uns durfte im Mittelalter kein Jude Grundbesitz erwerben oder ein Handwerk betreiben; gleichzeitig verbot das kanonische Gesetz der Kirche den Christen, Geld auf Zinsen zu verleihen, was als Wucher galt. Da nun die Christen aus bloßer Nächstenliebe einander damals nicht gern zinslose Darlehen gewährten, so tat sich ganz von selbst für die Juden, den Christen durchaus erwünscht, das Geldgeschäft und, Hand in Hand damit, der Handel als alleiniges Feld ihrer Tätigkeit auf. Wie Organe, so schwinden in der Vererbungskette auch Talente, falls sie nicht geübt werden. Folglich kam unseren Juden vor allem die Kunst pflegsamer Landbestellung gänzlich abhanden und hiermit alles, was aus ihr als einem Jungbrunnen der Volkskraft quillt. Dafür wurden alle diejenigen Gaben und Triebe nunmehr gezüchtet, die im Bankiers- und Handelsfach von Nutzen sind, denn nur auf diesem Doppelfeld spielte sich Jahrhunderte hindurch der jüdische Daseinskampf ab. Neben niederen Schlichen der Uebervorteilung bildete sich hierbei auch die angestammte Schärfe des Verstandes aus in vornehmlicher Richtung auf Geld- und Warenumsatz. Nun die harten Fesseln einer inhumanen Gesetzgebung vor dem befreienden Hauch der Neuzeit gefallen find, unsere jüdischen Gemein-den die drangvolle Zeit, da sie, eingepfercht in die Enge des Judenviertels, Qual und Hohn aller Art erlitten, dank ihrem ehrenfesten Familienzusammenhang leidlich überstanden haben, fühlen und verwerten die Juden in allen Landen die Kraft der Schwingen, die ihnen damals in den Tagen der Trübsal gewachsen. Ihr Talent für das Bank- und Handelsgeschäft ist unbestritten, und wie innig dieses von Laien oft unterschätzte, ja verächtlich herabgesetzte Talent sich mit hohen Geistesgaben vermählt, zeigt die Tatsache, daß dieselben Juden in einer ihrer mäßigen Kopfzahl gar nicht entsprechenden Häufigkeit Leuchten der Wissenschaft geworden sind, vornehmlich in der Mathematik." Eugen Dühring wird von den deutschnationalen Antisemiten als „der größte deutsche Denker seit Kant" gefeiert — denn er hat Lessing, er hat Spinoza verunglimpft. Nun kommt ein Malheur. Nach Eugen Dühring war Bismarck „30 Prozent Narr, 70 Prozent Halunke". In seinem Werke „Soziale Rettung" (S. 48) heißt es ferner über Bismarcks Charakter: „Die Halunkerei kann schon im Privatcharakter liegen und dies war der bisquarkige (!) Fall. Im Varziner Junker steckte nicht etwa bloß von Standesbewußtseiu wegen ein Stück alter Raubbestie, sondern zu den Tätzchen kamen auch noch die Schacherfinger. Die Brutalität verkuppelte sich widerlichst mit gemeinstem Geschäftssinn, der an . . . Judeneigenschaften erinnert." Ferner: . . . daß „Bismarck zwar 340 Pfund Knochen- und Fleischgewicht, aber im Hirn wenig genug aufweisen konnte." (S. 47) Weiter: „Er und die Demagogen begegneten sich in gemeiner Rechts- Verhöhnung und bestienhaftem Machtkultus.. . Jene völlige Gewissenlosigkeit und Rechtsstumpfheit, wie sie in diesem Bismarck Fleisch wurde, ist typisch für den ganzen Kanaillen-Jnhalt der Welt." Daß — wie wir ergänzend hinzufügen möchten — Dühring in seinem destruktiven Haß das Christentum als die „Schmach des Jahrtausends" bezeichnet, Schiller als Schillern verhöhnt, Goethe als Kothe beschimpft hat, ist den Deutfchvölklichen anscheinend weniger schmerzlich als die Beschimpfung Bismarcks. Katharina Wejgiel Von Dr. Julius Reimer. Lukas Gornicki, Präfekt von Tykvczyn, erzählt in seiner Chronik: „Im Jahre 1539, zur Zeit des Königs Sigismund, wurde Katharina, die Frau des Bürgermeisters Melchio Wejgiel (manche nennen ihn Melchior Zalaschowski) eine Frau von 80 Jahren, wegen Abfalls zum Judentum auf dem Markte zu Krakau, wie ich selbst gesehen habe, verbrannt." Die Geschichte dieser Märtyrerin, die wir hier kurz folgen lassen, wird ausführlich in den Acta Episcopahum und in der Slavonia reforraata von Wengiirski behandelt Schon im Jahre 1529 wurde der Bischof von Krakau auf die Frau Katharina Wejgiel aufmerksam gemacht, weil sie ganz offenkundig sich von der katholischen Religion, in der sie erzogen wurde, lossagte und sich zum Judentum bekannte. Ihr Abfall stand nicht vereinzelt, denn kurz nach dem Auftreten Luthers in Deutschland fand der Protestantismus in Polen sehr viele Anhänger, nur während der Abfall zum Protestantismus unbestraft blieb, wurde jeder Versuch, das Judentum anzunehmen, mit dem Tode bedroht. In Gegenwart vieler Theologen und Rcchtsgelehrten wurden am 9. Juni 1529 die Verhandlungen gegen Katharina Wejgiel eröffnet. Auf die Frage, weshalb sie das Judentum angenommen habe, antwortete sie, daß sie mit ihrem schwachen Verstände die Lehre von der Dreieinigkeit nicht verstehen kann. Der Bischof versuchte durch Ermahnung und Belehrung sie von ihrem Abfalle abzubringen, als aber dies nicht half, begann er mit den ewigen Höllenstrafen und mit dem Gefängnis zu drohen. Es wurde ein Termin festgesetzt, an dem Katharina öffentlich ihre Fehler bekennen und zum Katholizismus zurückkehren sollte. Katharina ließ den festgesetzten Termin vorübergehen, ohne ihr Glaubensbekenntnis abzulegen. Sie wurde daraufhin ins Gefängnis geworfen und so lange darin behalten, bis sie sich dem Drucke fügte und am 11. August 1530 in Gegenwart der versammelten Geistlichkeit ihren jüdischen Glauben abschwor. Innerlich blieb sie aber dem Judentum trotzdem treu. Sie verstand es, längere Zeit sich dem Kirchenbesuche zu entziehen, erst neun Jahre später wurde sie wieder der Ketzerei angeklagt und zum zweiten Male vor das geistliche Gericht gestellt. Diesmal war sie in ihrem Glauben gefestigter und gab den Drohungen kein Gehör. Befragt um das Glaubensbekenntnis antwortete sie: "Ich glaube an den Gott, der das All geschaffen, den man mit dem Verstände gar nicht fassen kann und dessen Liebe alle Lebewesen erfüllt." Auf die weitere Frage, ob sie an die Dreieinigkeit glaube, antwortete sie: „Gott hatte weder Frau noch Sohn, Beide sind ihm überflüssig; denn nur Diejenigen haben Söhne, die sterben müssen, aber Gott ist ewig, er ist weder geboren, noch sterblich. Wir sind seine Söhne und alle find seine Kinder, die seine Wege wandeln." Darauf wurde ihr zugerufen: „Du sprichst falsch!' Die Theologen versuchten, sie zu überreden, da sie nicht imstande waren, sie zu belehren. Sie blieb aber standhaft und bestieg unerschrocken einige Tage spater den Scheiterhaufen. Die Symbolik im alte» Israel. Von Dr. S. Ochser, Kuttenplan. Nachstehende Zeilen sind zu einer Zeit entstanden, als der Verfasser für die „Jewish Encyclopedia" zu arbeiten hatte. Der Stoff, mit möglichster Quellenangabe, ist zwar nicht erschöpfend behandelt, bewegt sich aber auf einem Felde der jüdischen Literatur, welches ad hoc so gut wie gar nicht bearbeitet ist. So weit dem Verfasser bekannt, sind darüber folgende Arbeiten erschienen: 1839, 1874 1 Bähr, Christliche Symbolik des mosaischen Kultus, Heidelberg. —1841, Friedrich, Symbolik der mosaischen Stiftshütte. Leipzig. —1845. Aub. Ueber die Symbolik der mosaischen Religion, in „Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judentums. —1886.

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