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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-08-19 · 33 (19.8.1910) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
33 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 648 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 33 haben. Auf englischer Seite sind Protektoren: der König, die Königin und die Königinmutter von England; auf deutscher Seite Kaiser Wilhelm und die Kaiserin. Das „Tageblatt", das diese Meldung bringt, fügt hinzu: „Die Statistik lehrt, daß in Berlin jährlich 17.000 Engländer, in London 30 000 Deutsche leben. Braucht man noch ausdrücklicher auf jene andere Bedeutung hinzuweisen, auf die Bedeutung eines Unternehmens, das Engländer und Deutsche zu gemeinsamer Liebestätigkeit vereint und unter dem Protektorat der Souveräne beider Reiche steht? Die beiden Nationen haben sich allzu lange getrennt, und der irrige Gedanke, daß sie sich gegeneinander schützen müssen, hat zu immer neuen Mißverständnissen geführt. Mit umso aufrichtigerer Freude muß man diesem gemeinsamen Schutzbündnis gegenüberstehen, diesem Bündnis zum Schutze der Heimatfremden gegen Gefahr und Not." Sir Cassel, der heute unzweifelhaft zu den ersten Finanzautoritäten Europas zählt, ist ein gebürtiger Deutscher, der Sohn eines jüdischen Bankiers in Köln a. Rh., er steht im Alter von 58 Jahren. Frühzeitig kam er nach London und hat sich dort rasch eine hervorragende Stellung geschaffen. Eduard Vi!. schätzte ihn sehr und verwendete ihn häufig zu ausländischen Missionen. Noch wenige Monate vor dem Tode des Königs kam Sir Cassel nach Berlin, um hier mit den Direktoren der Deutschen Bank und anderen Persönlichkeiten über die Bagdadbahnfrage zu konferieren. Damals war Sir Cassel auch Gast des Kaisers. Arischer Blutaberglau-e. Aus Madrid, 12. August, wird telegraphiert: Ein bestialisches Verbrechen hat sich in Eodor ereignet. Ein Kurpfuscher hatte einem Pächter verordnet, er müsse warmes Blut eines jungen Knaben trinken, und er selbst erbot sich, einen solchen Knaben gegen ein Honorar von 750 Pesetas zu stellen. Ein siebenjähriger Knabe wurde beim Baden überrumpelt, in einen Sack gesteckt und in das Haus des Kranken gebracht. Dort wurde er ins Herz gestochen und das herausfließende Blut wurde vom Kramen getrunken. Hierauf wurde der zuckende Körper ausgeschnitten und das Rippenfell abgetrennt und dem Pächter auf die Brust gelegt. Schließlich wurde der ganze Körper verstümmelt und in eine nahe Schlucht geworfen. Alle Beteiligten wurden verhaftet, mit Ausnahme des Kurpfuschers, dem es gelungen ist, zu entfliehen. Juden als Weltrriscndr. (Die Besatzung der chinesischen Mauer vor 2000 Jahren.) 2n der Pariser Akademie der Inschriften hat Professor Chavannes die zwei Jahrtausende alten, auf Holz geschriebenen Dokumente vorgelegt, die Dr. Stein auf seiner Forschungsreise durch Zentralasien an den östlichsten Teilen der großen chinesischen Mauer gesunden hat. Die Inschriften und Aufzeichnungen stammen zum größten Teil aus dem ersten Jahrhundert vor unserer 'Zeitrechnung; ihr Inhalt gibt ein lebendiges Bild der Lebensweise der chinesischen Soldaten, deren Aufgabe es war, das Himmlische Reich gegen die vom Westen herandrängenden fremden Kulturen zu schützen. Auch die Ueberreste von Büchern wurden gefunden, so eine besondere Abschrift des Shi-King, ferner eine Sammlung medizinischer Rezepte. Ein Traktat über Prophezeiungen und zwei kostbare Kalender, einer aus dem Jahre 63 v. Ehr. und einer aus dem Jahre 59 v. Ehr. Dr. Stein entdeckte auch ein chinesisches Wörterbuch, das zur Zeit der Han-Dynastie im altchinesischen Lehrwesen eine große Rolle spielte. Diese Funde umschließen die ältesten chinesischen Handschriften, die bisher der Wissenschaft bekannt geworden sind. Aus dem Inhalt ergibt sich, daß die Soldaten in Naturalien, die Beamten dagegen in bar bezahlt wurden. Man kannte in jener Zeit nur zwei Getreidearten, Roggen und Hirse; als Scheidemünzen dienten kupferne Sapeken. Aus den. aufgefundenen Dokumenten lassen sich noch die genauen Preise für Seide feststellen', leider fehlen für die Getreidepreise einstweilen genauere Hinweise. Der chinesische Kalender kannte auch den Metönschen Zyklus. Auch das Notensystem der Pythagoräer war dm Chinesen bekannt, wie überhaupt sowohl die Zeitberechnung und die Musik mit der griechischen Kultur eine überraschende Uebereinstimmung zeigen. Paul Ehrlich. Unter dem Schlagwort: „Persönliches über den Gelehrten", schreibt Dr. Hugo Glaser im „Wr. Tgbl.": Man sprach bisher nur immer von dem Ergebnis seiner letzten Arbeit, erwähnte wohl auch, daß er sich seit längerem schon mit chemotherapeutischen Forschungen befasse, vergißt aber ganz dabei, daß Ehrlichs Ruhm schon begründet war, lange bevor er daran ging, durch chemische Körper Krankheiten bekämpfen zu wollen. Seit einem Menschenalter beschäftigt er sich mit jenem Gebiet medizinischer Wissenschaft, in das auch seine jetzige Erfindung fällt. Im Jahre 1854 in Schlesien geboren, mit 24 Jahren Doktor der Medizin und sofort Assistent an der Frerichschen Klinik, habilitierte sich Paul Ehrlich im Alter von 35 Jahren als Privatdozent und kam bald darauf als Assistent zu Koch an dessen neugegründetes Institut für Infektionskrankheiten. Das Durchdenken einer Sache von ihren ersten Anfängen durch alle Zwischenschlüsse bis zu den allerletzten Konsequenzen — das war und ist Ehrlichs System wissenschaftlicher Arbeit, ein zunächst theoretisches Beginnen, das zu großen praktischen Erfolgen geführt hat. Da war zunächst die nach ihm benannte Seitenkettentheorie, die zu den wichtigsten Theorien der Medizin gehört und für das Erforschen der Jnfettionskrankheiten von der größten Bedeutung ist. Diese Theorie zu erklären, ist hier nicht der Ort, aber es möge genügen, -darauf hinzuweisen, daß auch sie den obenerwähnten grandiosen und geschlossenen Zug in Ehrlichs Arbeiten verrät. Als großer und anerkannter Gelehrter übernahm er 1896 die Leitung des staatlichen Instituts für Serumforschung und -Prüfung in Steglitz bei Berlin, nachdem er zuvor den Titel eines Professors erhallen hatte. Als dieses Institut vor nun elf Jahren nach Frankfurt verlegt wurde, übersiedelte er dorthin und übernahm hier auch die Leitung des Georg Speyer- Hauses. Speyer war ein reicher Frankfurter Bankier, der einen beträchtlichen Teil seines großen Vermögens für eine Stiftung hinterlietz, die seinen Namen tragen und für Forschungen auf dem Gebiete der experimentellen Therapie verwendet werden sollte. Die Mittel dieser Stiftung sind überaus reich, vielleicht läßt sich ihm nur ein zweites derartiges Institut zur Seite stellen, das Rockefellerstitut in Amerika. Nur in einem reichdotierten Institut war es auch möglich, all die tausend und abertausend Versuche durchzuführen, die natürlich auch mit großen Kosten verbunden sind. Prof. Dr. Edmund Landau, o. ö. .Professor der Mathematik in Göttingen, ist ein Schwiegersohn Professor Ehrlichs. Alfred Kirchhoff. In dem Nachlaß Alfred Kirchhoffs, des verstorbenen hervorragenden Geographen und Popularphilosophen, hat sich ein längeres Manuskript vorgesunden, das den „Darwinismus, angewandt auf Völker und Staaten" behandelt. Der Rostocker Geographieprofesser Dr. Willy Ule, der den gesammten schriftlichen Nachlaß Kirchhoffs kritisch gesichtet hat, hat diese Spezialabhandlung, obwohl sie anscheinend noch nicht vollständig abgeschlossen war — es fehlte noch der gemeinsame Titel und das

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