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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-08-12 · 32 (12.8.1910) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
32 (12.8.1910)
Date
1910-08-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Nr. 32 Seite 542 Dr. Mocks Wochenschrift. aber aus jedem einzelnen Stücke, wo immer wir das Buch ausschlagen, ein gewaltiger Denker und Dichter zu uns spricht, weist es als Ganzes derartige Inkonsequenzen und Widersprüche auf, wie sie auch dem primitivsten menschlichen Geiste nicht zuzumuten sind. Die Hauptschwierigkeiten bestehen in der Unvereinbarkeit des sogenannten Prologs und Epilogs (s. Kap. 1—2; 42, 7—17) mit dem übrigen Inhalte des Buches, dem Dialog. Schon der Charakter des Helden ist kein einheitlicher. Im Prolog ist Hiob ein Muster der Geduld und Gottergebenheit, im Dialog aber ein zügelloser Empörer gegen Gott, der sich die ungeheuerlichsten Jnvektiven, gegen die Gottheit erlaubt. Das hindert aber zum Erstaunen des Lesers nicht, daß ihm Gott im Epilog das Zeugnis ausstellt, „das Richtige über ihn geredet" zu haben (Kap. 4L, 7), trotzdem Gott über ihn unmittelbar vorher seinen ganzen Zorn wegen seines last erlichen Redens ausgegosien hat (Kap. 38—41). Andererseits sind eS die Freunde, die nach dem Dialog nichts anderes verschuldeten, als daß sie sich bemühten, den verblendeten Freund zur Besinnung zu bringen, indem sie ihm Gottes Größe und Erhabenhett in Erinnerung riefen — im Epilog aber von Gott wegen ihres „unrichtigen Redens über ihn" sogar mit dem Tode bedroht und nur auf Fürbitten Hiobs vor dem Schlimmsten bewahrt werden (Kap. 42, 8). Zu diesen Widersprüchen gesellen sich noch, namentlich was die Lösung des Problems der Dichtung, der Theodiceefrage, betrifft, unzählige andere, so daß die Kritik nach allen möglichen und unmöglichen Versuchen sich genötigt sah, diese beiden diametral entgegengesetzten Bestandteile des Buches als Produkte zweier. Autoren verschiedenen Zettalters auLzugeben, was aber, wie der Verfasser obiger Abhandlung zeigt, aus sachlichen wie inneren Gründen rein undenkbar ist. Was von der bisherigen Exegese, zeigt der Verfasser, zwar nicht verkannt, aber völlig unberücksichtigt blieb, ist der ausgespiochen dramatische Charakter der Dichtung. Diese weist, wie jedes andere Drama die übliche Dreiteilung in eine Exposition, Verwicklung (mit Peripatie) und Lösung auf. Der Dichter will den Leser, der ja den Vorfall im Himmel kennt, nicht wie man das bisher glaubte, für Hiobs Fragen, sondern für sein Schicksal interessieren. Denn die im Prolog gleichsam von Gott mit dem Satan etngegangene Wette bedingt auch einen Preis, der von größter Wichtigkeit ist. Der Satan will Hiobs Verderben, Gott sein Heil: wird sich Hiob bewähren, so wird er den Händen des Anklägers entrissen und gehört wieder Gott an, der ihn wie vordem (cf. Kap. I, 10) vor den Nachstellungen des ersteren „mit seimm Zaun umhegen" darf; bleibt aber der Satan Sieger, so muß ihm Hiob völlig ausgeliefert werden. Der Anfang läßt sich gut an, doch mit dem Erscheinen der Freunde setzt die Verwicklung ein, die sich allmählich so gestaltet, daß der Leser, während er das Günstigste wünscht und erhofft, unabwendbar das Gegenteil heraukommen sieht. Daß Hiob lästerliche Reden führt, kann sich der Leser nicht verhehlen, aber es sind auch die edelsten Motive, die ihn dazu zwingen: 1. Die eigene Liebe zu Gott, die ihm berechtigten Anspruch auf Gottes Gegenliebe gibt (cf. bes. Kap. 13, 24), und 2. seine hohe Anschauung von Gott, dem Aufrichtigkeit und Gewiffenstreue, auch gegen ihn gerichtet, nicht mißfallen können, was nur von einem Menschen zu befürchten ist (cf. bes. Kap. 21, 4). Wenn er, Hiob, sich keiner Sünde bewußt ist, so wäre es lächerliche Heuchelei gegen Gott, ihn wider Wissen und Gewissen gerecht zu sprechen (bes. Kap. 27, 6; 13, 16). Aus diesem Grunde, und das ist das Charakteristischeste — erklärt Hiob die Freunde für Gotteslästerer! Indem sie, die doch ebenso wie er von Gottes Ungerechtigkeit überzeugt sein müssen, ihn aber trotzdem aus Egoismus, aus niedriger Furcht vor seinem Zorn für gerecht erklären, tun sie so, als ob Gott ein menschlicher Despot wäre, dem man immer zu Gefallen reden müßte, auch auf Unkosten der Wahrheit, womit sie ihn aber nur l ä st e r l i ch vermenschlichen und seiner gerechten Strafe sich aussetzen (Kap. 1*, 6—11). Danach ist es klar, daß der Dichter in Hiob einen Frommen sui generis gezeichnet hat, dessen Stärke sich vor allem in der Betätigung einer unerschütterlichen Gesinnungslauterkeit manifestiert. Damit steht nun in vollem Einklang Hiobs Benehmen im Prolog! Wenn er da noch Gott segnet, so kommt doch sonst kein Wort des Lobes über seine Lippen, während wir von einer Frömmigkeit, wie wir sie etwa in den herrlichen Liedern der Psalmen gewohnt sind, vor allem eine Gerechtsprechung des göttlichen Gerichts, ein reuiges Sündenbekenntnis und Befferungsgelöbnis und die Bitte um Vergebung der bewußten und unbewußten Sünden erwartet hätten, was sich aber alles mit Hiobs religiösem Charakter schon im Prolog nicht vertrug! Solcherart entpuppt sich denn auch mit dem Fortschreiten der Verwicklung Hiobs lästerliches Reden immer mehr als wahre Religiosität, ebenso aber die Apologetik der Freunde als Gott lästerlich vermenschlichende Heuchelei, so daß der Leser, am Schluffe des Dialogs angelangt, trotz allem Gott auf Seiten Hiobs glaubt. Hier aber erfolgt die Theophanie und er ist arg enttäuscht. Gott wendet sich in seinem Zorne mcht an die heuchlerischen Apologeten, sondern — an Hiob. Der Satan und die Freunde triumphieren! — Aber hier spielt sich eine Art Verstellungsszene ab, die den Höhepunkt der dramatischen Verwicklung darstellt, und Gott selbst ist es, der gleich darauf den Knoten löst: Hiob hat angebetet, die Freunde haben gelästert! — Gottes Zorn vorher und seine scheinbar grausame Ironie gegen Hiob war versteckt lächelnde Gnade (man beachte besonders Kap. 40, 10—14), jetzt hat Gott dem Eliphas und Genossen sein wahres Urteil veMndet. Damit ist der schwierigste Widerspruch zwischen den Zornesreden Gottes und seinem Zeugnisse im Epilog gelöst. Aber auch die Tendenz des Dichters tritt jetzt klar zutage, womit auch sämtliche Widersprüche hinsichtlich der Lösung der^Theodiceefrage, an denen sich die Exegese jahrhundertelang vergeblich abgemüht hat, wie durch einen Zauberschlag verschwinden, denn jetzt stellt sich heraus, daß die Theodiceefrage nicht Zweck, sondern Mittel war und daß die Lösung nicht dem Leser, sondern Hiob galt, der sie auch göttlicherseits erhielt. Für das Nähere hierüber, wie über sonstige wichtige Aufschlüsse exegetischen nnd religionsgeschichtlichen Inhalts (Vorstellungen vom Satan, Verbot des Aussprechens des Tetragrammatons u. A.) muß des Raummangels wegen auf die Abhandlung selbst verwiesen werden. S. Luß, 1. Schamsche. Mannheim 1909. Selbstverlag des Verfassers. 4. Um 20 Gulden. 1910. Desgleichen. So gemütvolle, echt jüdisch empfundene und künstlerisch gelungene Erzählungen aus dem jüdischen Leben haben wir seit Langem picht gelesen. Sie bilden wahre Fundgruben für die Kenntnis des altjüdischeu Volks- und Gemeindelebens. Die eine Geschichte dreht sich um die Vergebung der Ehre, für die Synagoge den Hawdolo- Wein liefern zu dürfen. In der andern bilden den Pol der Geschehnisse 20 geliehene Gulden, deren Rückzahlung erfolgt, an deren Buchung aber der Gläubiger durch den Tod verhindert wird. Die Bücher lesen sich vortrefflich und lassen den Wunsch nach weiteren Früchten des Autors rege werden. R. Benjamin M. Das Schächtfach. Neu bearbeitet von Solomon N eu m an n. Leipzig 1910. Gustav Engel. Das ausgezeichnete Buch bedarf keiner Empfehlung. Die beste wäre das weithin empfundene Bedürfnis nach einer neuen Auflage des seit Jahrzehnten vergriffenen Werkchens. Diesem entsprochen zu haben, darf man dem Bearbeiter, sowie dem Verleger als Verdienst anrechnen. R. S. Seligmann. Der böse Blick und Verwandtes. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens aller Zeiten und aller Völker. Zwei Bände. Berlin 1910. Hermann Barsdorf. M. 12.—. Es ist höchst erfreulich, wahrzunehmen, wie planmäßig die Folkloristik fortschreitet. Nachdem die „Vergleichende Volksmedizin" von v. Hovorka und Kronfeld (Strecker und Schröder, Stuttgart 1908) das vergleichende Prinzip mit glücklichem Erfolge auf breitester Grundlage für diese Studien angewandt hat, folgt ihr in der vorliegenden Monographie ein ungemein wertvoller Beitrag zur Aufhellung eines der wichtigsten Gegenstände volkskundlicher Forschung. Weit weniger, als bei dem erstgenannten Werke vermißt man bei Seligmann ausgiebige und zuverlässige Bedienung über die speziell jüdischen Erscheinungen des Volksglaubens. Wo sich trotz der immensen Belesenheit, die diese Werke bekunden, in dieser Hinsicht Lücken zeigen, sollten sie für jüdische Kreise einen Ansporn bilden, über Wesen und Inhalt des Judentums durch geeignete Mittel öffentlich Aufklärung zu bieten. Immerhin findet man bei Seligman eine Fülle von Material aus der jüdischen Literatur, so I., S. 14 (Mischna ist mit „Lehre" zu übersetzen), wo mit Recht daran erinnert wird, wie der Glaube an den bösen Blick sich auch allmählich in den jüdischen Kreisen eingebürgert hat. (Vgl. S. 108, 189,194, 233. II., 1, 370 usw.) Ueber ophthalmologische Bezeichnungen bei den Hebräern spricht I., S. 72. Das Bedecken der Augen eines Verstorbenen mit Scherben erscheint in neuer Beleuchtung S. 160, ebenso das Verhängen der Spiegel bei Todesfällen, S. 182, das Bleigießen der ottomanischen Juden (S. 265, über diese auch II., S. 220) u. a. m. Besonders fesseln (S. 117 f.) die Ausführungen über Pius IX., dessen Segen unter Anderem einem Luftschiffer verhängnisvoll geworden ist, und über Jacques Offenbach, wenn man an die Ringtheaterkatastrophe denkt. Daß die Bibel gegen daß Beschreien helfen soll, ist ein weitverbreiteter Glaube (S. 340). Wieso den Tefillin die „Beffchen" der christlichen Geistlichen entsprechen (S. 4), ist nicht klar zu ersehen. In Algier und Marokko haben die Juden (II., 12) von den Mohammedanern den Glauben an die schützende Kraft des Hufeisens angenommen. Magische Gold- und Silberplättchen (8), Schutzmünzen, der Davidschild (S. 19, 183, 293, 353), das Glaszerbrechen bei der Trauung (40), Knoblauch als Schutzmittel (72), die Hand als Amulettform (176, 193), das Verbergen des Neugeborenen in Tunis (280), der abergläubische Mißbrauch mit Tefillin und Mesusa (338) und viele andere Gegenstände des jüdischen Volkslebens werden durch die vergleichende Methode in den passenden Rahmen gefügt und so erst richtig beurteilt. Dem Verfasser, sowie dem Verlag, der dem Werke eine prächtige Ausstattung gegeben hat, gebührt der Dank aller Freunde der Volkskunde. R. Biblische Wandbilder zum Alten Testament. Farbige Originalsteinzeichnungen von Prof. FranzHein. Rudolf Schick u. Co. Leipzig, Funkenburgerstraße 10. Preis pro Blatt M. 3,—, schulfertig M. 3.30. Die Ueberzeugung, daß die Anschauung, wie in jedem, so auch im Religionsunterrichte ausgezeichnet wirkt, hat sich in Fachkreisen längst durchgerungen. WaS das Wort des Lehrers nur mit Mühe erzielt, in den Schülern bestimmte und klare Vorstellungen der besprochenen Gegenstände zu erzeugen, das bewirkt ein Blick auf eine graphische Darstellung. Indem die kundige Hand des Pädagogen die Einzelheiten des Bildes das Kind sehen und die Leistung des Künstlers schätzen lehrt, wird hier zugleich der Erziehung unserer Kleinen

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