Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 32 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr 32 Dr. Bkochs Wochenschrift. Sette Ul Armee, überzeugt davon, daß er den Gegner im Handumdrehen vernichten wird. Der Gegner war aber nicht so unvorbereitet, wie der Herr Eraktor meinte; in der Iudengasse war es schwarz geworden, die Juden rotteten sich in einen großen Meuschenknäuel zusammen und erwarteten d-n heranzlkh.uden Feind. Alle sprachen bunt durcheinander und laut schreiend klagten sie Herrn Dziewicki an. In den Fenstern standen halbgekleidete Weiber und schauten durch die verfrorenen Scheiben auf die Straße, aus einem nahegelegenen Cheider drang zu der wogenden Menge bt.e eintönige und schrille Stimme der lernenden Jugend. . . Schon ist der Trupp in der Gasse. Dz!emickl schreitet direkt auf Pinkas heran, um ihm „Mores" zu lehren. Pinkas stand unerschrocken und warf einen vernichtenden Blick dem Eraktor zu. Dziewicki hielt den Blick picht aus, und. indem er sich mit dem Gedanken plagte, wo er den Juden gesehen, schritt er eiligst an Pinkas vorbei und wollte in sein Haus treten. Pinkas war in seiner Seele getroffen, der Gegner ging an ihm „verächtlich" vorbei und Würdigte ihn keines Blickes. Das war für ihn zu viel, mit einem Sprung stand er vor der Tür seines Hauses und warf dem Eraktor „ die schimpfliche Forderung ins Gesicht: „Du schäbiger Kerl, ich werde für dich hundert Gulden zahlen und laß' dich wie einen Hund töten; du wirst gar nicht wissen, wer dich umgebracht! Hast du denn keine anderen Geschäfte, als Händel mit ruhigen Bürgern zu suchen?! „Haut ihn nieder!" schrie Herr Dziewicki wie besessen und die Wache rückte heran, an ihrer Spitze Herr Parchacz mit der Fahne. „Niederhauen den Hund!" wiederholte wie wahnsinnig Herr Dziewicki und schnell umringten die Soldaten den Juden und wollten ihn festnehmen. Mit einem Ruck machte sich Pinkas frei, sprang an den Fähnrich und riß ihm die Fahne aus der Hand. „Ich Hab' die Fahne länger als du getragen" — schrie er laut auf — übergab die Fahne seinen Genossen und ließ sie ins Schloß tragen. „Du hast länger die Fahne getragen, so kenne ich dich gut — sagte Dziewicki — du bist der verräterische Jude, der schwedische Fähnrich, warte nur, du entgehst der Strafe nicht!" Mit einem Male erinnerte sich Herr Dziewicki, wo und wann er den Pinkas gesehen, und um so gewaltiger rückte er mit den Soldaten an ihn heran. Die Verteidigung wehrte nicht lange, Pinkas wurde überwältigt, in Ketten geworfen und, wie ein Verbrecher, in das Schloß geschleppt. Der Instigator^) fertigte den Anklageakt aus. * * * Pinkas wußte, was seiner wartet. Im dunkeln Schloßkerker hatte er viel Zeit, über alles nachzudenken, was ihm im Leben zugetroffen. Mit Wehmut erinnerte er sich seiner Knabenjahre, als er sich im Cheider mit den Kollegen und Altersgenossen herumbalgte. Nachher wollte er ins Heer eintreten, wurde aber von den Seinigen und den Fremden verlacht. Der 'Gedanke gab ihm aber keine Ruhe und er beschloß, um jeden Preis seinen Plan auszuführen. Die Zeiten waren kriegerisch, allerlei Feinde griffen den polnischen Staat an, feindliche Truppen marschierten ourch das Land, "Schweden hatten halb Polen erobert, Opalinski kapitulierte bei Ujszie, Radziwill in Kiejdany.der Adel Polens und Litauens war im Lager der Schweden und bald rückten sie in Rothreussen ein und belagerten Przemysl. Da faßte Pinkas den verwegenen Entschluß, warf das lange Iudenkleid und die „Peioth" weg, verließ die Vaterstadt und ging zu den Schweden. Er hatte keine Gewissensbisse, die Seinigen mochten ihn nicht, verlachten ihn und begegneten ihm mit Verachtung; Ueberläufer 4) Entspricht unserem S t a a t s a n w a l t. waren in der Zeit die größten Herren, halb Polen befand sich im schwedischen Lager. Im Heere plagte er sich sehr; nicht gewöhnt an das Lagerleben mit seinen Leiden und Freuden brach er oftmals vor Müdigkeit zusammen, raffte sich aber ein jedesmal wieder auf und führte die Befehle seiner Vorgesetzten pünktlich aus. Endlich kam der Tag, an dem er zum Fähnrich ernannt wurde. Die Ansprache des Generals, der Neid der Kameraden, und er, hoch auf dem Pferd, die Fahne in der Hand, wie er direkt auf den Feind losstürmt und als erster in Posen eindringt. Bei der Erinnerung an Posen füllten sich seine Augen mit Tränen, denn es stand vor ihm seine Sophie, die Geliebte seines Herzens, die erkorene seiner Seele. Ein schönes Häuschen bewohnten Sophiens Eltern, die von Zaremski; er ein Adeliger von altersher, sie aus der Familie der Swierczewski. Wie gastfreundlich und gut sie für ihn waren, welchen liebevollen Empfang er bei ihnen genoß! „Wie nannte man Sie zuhause?" fragte das Fräulein und schaute ihm mit Wonne in die Augen. „Johann, Hans (Jas) — antwortete Pinkas verlegen —. „Iohann Bredlo!" „Die von Bredlo sind ein alter Adel" kalkulierte Papa Swierczewski und Mutter Magdalene bewunderte die schöne Gestalt ihres Schwiegersohnes. Endlich kam der Hochzeitstag! In der altehrwürdigen Kathedrale in Posen waren die vielen Gäste erschienen die Verwandten der Braut, die Kollegen und Vorgesetzten des Bräutigams. Alle bewunderten das schöne Paar und beglückwünschten die Eltern der Braut. Schnell verstrichen die Flitterwochen. Mit Ungeduld erwartete Pinkas die Geburt eines Kindes und noch jetzt im finsteren Keller und im Gerassel der Kelten klang in seinen Ohren die liebliche Stimme seiner Frau, die ihn zum hundertsten Mal fragte: „Liebst du mich Johann?" Da kam der schreckliche Augenblick. Königlich-polnische Truppen okkupierten Posen, für ihn war hier kein Platz mehr. Er war Verräter, der Boden brannte unter seinen Füßen und er mußte fliehen. Er ließ Frau und Kind zurück und zog mit den Schweden. Er konnte aber nicht länger im Heere aushalten, verließ die Fahne, zog die Kapote an und kehrte nach Przemysl zurück. Hier heiratete er ein Iudenmädchen, liebte aber die Frau nicht, denn sie konnte ihm seine Sophie und seinen Hans nicht ersetzen. Wie oft dachte er daran, die Ketten des Judentums abzuschütteln und nach Posen zu seiner geliebten Sophie zurückzukehren! Er durfte es aber nicht, denn er war ein Verräter! Den Führern hat der Staat großmütig verziehen, an den Kleinen blieb der Schandfleck ihr lebelang kleben. — Im Grodgericht zu Sanok überreichte der Inst igator die Anklage gegen den ungläubigen Pinkas, Sohn Lazars aus Przemysl wegen Hochverrats, Verletzung der katholischen Religion, Bigamie, Widersetzung der Staatsgewalt und einer ganzen Reihe crimina, die im Gesetzbuch der Republik Polen enthalten waren. Pinkas Stunden waren gezählt! Der Henker von Sanok richtete den Galgen auf! Zwei Weiber trauerten um den schönen Mann. (Grodakta zu Sanok (— Acta castrensia Sanocensia —) im Bernhardiner-Archiv in Lemberg. Band 186. Seite 700 bis 705). fitmte. Dr. Hermann Gärtner. Der dramatische Charakter des Buches Hiob und die Tendenz desselben. Berlin 1900. Im Selbstverläge des Verfassers (Mitrovica, Slavonien). Das Buch Hiob ist unstreitig in Bezug auf Schönheit, Gedankentiefe und dichterischem Schwung ein Unikum in seiner Art. Während