Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 32 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021906--19493-3044479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 32 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 535 Aufnahmsbedingungen für diese höhere Handelsschule sollen dieselben sein, wie die in den erwähnten Städten. Diese Schulen können aber in Galizien, im Gegensätze zu den westösterreichischen Kronländern, nicht aus der Privatinitiative, wenigstens nicht aus dieser allein, entstehen. Hier muß das Land und der Staat das besorgen. Der galizische Handels- und Gewerbestand, seine fachlichen Organisationen, besitzen nicht die Mittel, eine solche Institution zu erhalten. Dazu kommt, daß man mit Rückficht auf die ökonomischen Verhältnisse des Landes kein besonders großes Schulgeld von den Schülern verlangen kann, ja in vielen Fällen sogar den Schülern Freiplätze gewähren und denen vom flachen Lande und kleinen Städten noch mit besonderen Stipendien aushelfen muß, damit ihnen ihre Unterkunft während des Studiums keine besonderen Sorgen bereite. Selbstverständlich kann man es nicht gut verlangen, daß das Land Galizien eine derartige Mehrbelastung seines Budgets — denn es würde sich um die Errichtung von mindestens zwanzig Schulen handeln — ohne für neue Einnahmsqaellen zu sorgen, auf sich nehme. Nachdem diese Schulen, wie vorauszusehen, zum größeren Teile von Juden besucht würden, so würde es eben auch Pflicht der jüdischen Korporationen, wie z. B. des „Kuratoriums der Baron Hirsch-Schulen für Galzien", der „Israel. Allianz" und des „Galizischen Hilfsvereines" sein, nach einem zu bestimmenden Schlüssel, diese Schulen mit jährlichen Subventionen zu unterstützen. Ganz besonders würde das Kuratorium der Baron Hirsch- Stiftung in den Intentionen seines Stifters handeln, wenn es derartige Schul?» in Galizien materiell unterstützen würde. Die Mittel für eine solche Unterstützung könnte das Kuratorium umso leichter zur Verfügung haben, wenn es daran ginge, einige eigene Elementarschulen in Galizien, hauptsächlich in solchen Städten, wo das Bedürfnis für dieselben nicht mehr vorhanden ist und die nur zur Entlastung der allgemeinen Volksschule dienen, aufließe. Handelt es sich den Herren in Galizien wirklich darum, diesmal die Enquete als etwas ernstes zu betrachten und nicht etwa eine Scheinarbeit zu verrichten, um fich für alle Fälle die jüdische Wählerschaft zu sichern, so haben sie jetzt Gelegenheit, ihren guten Willen zu bekunden. N.cht den Juden allein helfen sie damit, sondern sie helfen damit ihr Land von der chronischen ökonomischen Not befreien. Der Fragebogen, der vom galizischen Landesausschuß anläßlich der Enquete ausgearbeitet wurde und der zehn sehr wichtige Fragen enthält, möge auch noch eine elfte hinzufügen, und die ist, die Frage der Errichtung kommerzieller Schulen. In einem nächsten Artikel werde ich mir erlauben über die Organisation von Handelsschulen, speziell für Galizien, mit ausführlicheren Vorschlägen zu dienen. I. Grobtuch. Das Kolonisationsprojekt in Australien. Zu. der vom „Jewish Chronicle" gemachten Mitteilung, daß die australische Regierung über ein Projekt berate, wonach der „Jto" eine Million Ackerland zur Kolonisierung von einer Million rusfischer Juden käuflich überlassen werden soll, erklärte Zrngwill, daß die Mitteilung ihrem Wesen nach auf Wahrheit beruhe. Was jedoch die Zahl der Acker Lands betrifft, meinte Zrngwill, daß eine Million Acker für eine Million Juden zu wenig wäre und daß es fich in dem Vorschläge auch tatsächlich um ein größeres Lrndgebiet handle. Zunächst wird das australische Kabinet sich mit der Frage zu befassen haben und im Falle das Zrngwill'sche Projekt von der australischen Regierung akzeptiert werden sollte, wird das Projekt dem westaustralischen Staatsparlament zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Die Zentralregierung hat mit der Sache nichts zu tun. Der Ministerpcäfident des westanstralischen Kabinets Mr. Newton Moore führt die Verhandlungen direkt mit Israel Zangwill auf ernster geschäftlicher Grundlage. Die Verhandlungen find bereits stark vorgeschritten und dürften bald zu einem Abschlüsse führen. Dis Schmittahirage in Palästina*). Protestversammlung gegen die Boykottierung jüdischer Trauben durch Jerusalemer Rabbiner. Am 24. Juli fand in Rischon le Zion eine durch die Organisation der judäischen Kolonien einberufene Versammlung statt, um gegen das Verbot, das einige Rabbinatsstellvertreter in Jerusalem gegen den Genuß jüdischer Trauben erlassen haben, zu protestieren. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht. Aus allen Kolonien und auch aus Jaffa und Jerusalem waren Delegierte erschienen. Die Versammlung dauerte von 3 Uhr nachmittags bis über Mitternacht und hatte mitunter einen sehr stürmischen Verlauf. Einen besonders nachhaltigen Eindruck machten die Ausführungen zweier Kolonisten, Aaron Eisenberg aus Rechoboth und Elijahu Ostaschinsky aus Rischon le Zion, die zusammen mit noch drei Kolonisten als Delegierte längere Zeit in Jerusalem weilten, um mit den Urhebern des »Issur« (Verbotes) Rücksprache zu nehmen und sie nach Möglichkeit zur Rückziehung ihrer Erklärungen zu bewegen. »Wir haben uns gleich überzeugen können«, sagten beide Kolonisten übeinstimmend, »daß wir es nicht allein mit Vertretern einer bestimmten religiösen Richtung zu tun haben, die mitunter unserer Arbeit zuwiderläuft, sondern mit ausgesprochenen Feinden unserer ganzen Kolonisationsarbeit, mit erbitterten Gegnern des neuen, lebendigen Jischuw. Das Verhalten der Dajanim uns gegenüber war von Anfang an ein solches, daß wir sogleich jede Hoffnung, etwas auszurichten und die harten Herzen erweichen zu können, aufgeben mußten. Alle unsere Reden, unsere Hinweisungen auf das Elend, in das durch das Vorgehen der Rabbinatsvertreter so viele jüdische Familien gestürzt werden und die Hindeutung darauf, daß doch die früheren Schmittahs durch hervorragende Talmudautoritäten freigegeben wurden, halfen nichts. Ja, es hat uns schon viel Mühe gekostet, überhaupt empfangen zu werden. Welch ein Empfang war dies! Fünf Mitglieder zählte unsere Deputation, zumeist greise Männer, altbewährte Kämpfer aus den ersten Jahren der Kolonisation, auch als gottesfürchti» und talmudbeflissen bekannt und delegiert von allen judäischen Kolonien. Aber die Herren Rabbinatsvertreter haben es nicht für nötig gefunden, uns Stühle anzubieten oder die laufenden kleinen Geschäfte mit Weibern und unmündigen Jungen für eine halbe Stunde zu unterbrechen und uns separat anzuhören. Gleich als wir nach Jerusalem kamen, wurden wir fest davon überzeugt, daß diese Angelegenheit keine Schmitlah- Frage, sondern eine Frage dis Sesamöls sei. In Jaffa nämlich erzeugt ein jüdischer Fabrikant Sesamöl und stützt sich dabei auf das Gutachten des Oberrabbiners Kuk in Jaffa, ohne vorher die Genehmigung der Jerusalemer Rabbinervertreter eingeholt zu haben. Nun haben die Jerusalemer Rabbiner die Gelegenheit wahrgenommen, um gegen den Rabbiner Kuk einen Streich zu spielen und ihm ihre Macht zu zeigen. Die Pflanzer der Trauben nämlich, die von den Syndikatskellereien nicht aufgenommen werden, haben bis jetzt den größten Teil ihrer Produkte (80D—1000 Kantar) in Jerusalem absetzen können. Nun konnten die Jerusalemer Dajanim zeigen, daß man ohne ihre Erlaubnis in Jerusalem nichts verkaufen kann und daß auch Oberrabbiner Kuk sich ihnen unterwerfen müsse. In Jerusalem verfügen die Rabbiner näm’ich über eine bewährte Organisation und führen ihre Streiche ganz im Stillen aus. Die Ankündigung des Verbotes ist eines Tages nur für kurze Zeit erschienen und ist bald wieder von den Urhebern selbst spurlos vernichtet worden. Als später unter dem Druck der öffentlichen Meinung das Verbot öffentlich zurückgezogen wurde, schickten sie bald darauf ihre Boten, die jedermann heimlich zuflüsterten, daß das Verbot aufrecht erhalten bleibt. Dies genügte und die Folge ist, daß von unseren Trauben bis jetzt nur für 200 Frcs. verkauft wurden (Redner zeigte hierbei das Geld, das gerade bei ihm eingetroffen war: »das ist für fünfzig Familien!«), während ni htjüdische Trauben bis jetzt für mehr als für 4000 Frcs. verkauft wurden.« Viele Redner, die mit den Jerusalemer Verhältnissen vertraut sind, wiesen darauf hin, daß der Einfluß dieser dunklen Gewalt auf das Volk nicht etwa auf die innere Autorität, die diese Männer beim Volke genießen, zurückzuführen sei. Im Gegenteil. Die breiten Schichten des Volkes haben sich von diesen Rabbinern längst abgewandt und drücken sich über sie, wo sie angstlos sprechen können, mit Verachtung und Haß aus, aber sie sind infolge der Chalukah ökonomisch von ihnen abhängig und deshalb gezwungen, ihren Befehlen zu willfahren. Alle Versammelten stimmten daher darin überein, daß man auf die Chalukahspender im Galuth weit und breit einwirken müsse, damit diese edlen Gaben nicht zur Bedrückung der zahlreichen Jerusalemer jüdischen Bevölkerung, sondern zu ihrer Hebung verwendet werden. *) Aus der zionistischen „Jiid. Rundschau" in Berlin, der wir die Verantwortlichkeit für die Mitteilung überlaffen müffen.