Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 32 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Bkochs Wochenschrift. Sette 533 «Hier, Herr Kommissär, ist der Mann, der mir 26 Pfund Pkibramer SMer gum Kauf angeboten hat und auf meine Frage ausdrücklich erklärte, im Besitz desselben zu sein. Die Herren dort drüben am Tische werden es bezeugen." . : ' 'j! Die Herren bezeugten es einstimmig und der Antisemit mochte sich noch so sehr sperren, mochte noch so oft beteuern, das Ganze wäre nur ein harmloser Scherz gewesen, er wurde verhaftet und mutzte bis in die spätern Stunden des morgigen Vormittags warten, bevor er zum Verhör geführt wurde. Da war es ihm allerdings ein Leichtes, den Untersuchungsrichter zu überzeugen, datz er kein Silber gestohlen, aber er mutzte sich doch einen derben Verweis gefallen lassen und die ernste Warnung^ sich nie wieder einen derartigen Scherz zuschulden kommen zu lassen. Zur Steuer der Wahrheit muh jedoch bemerkt werden, datz noch von einem anderen Orte Böhmens eine ähnliche Geschichte erzählt worden ist. Ob dieselben Tatsachen an zwei verschiedenen Orten vorgekommen sind? Unmöglich wäre es nicht, denn die Verhältnisse waren überall dieselben. Es wäre jedoch auch nicht unmöglich, datz das Berichtete nur an einem Orte vorgekommen ist und an dem anderen einfach nacherzählt worden ist. Im Jahre 1892 hatte Kolin auch einen sogenannten Ritualmordprozetz, d. h., zu einem Prozesse ist es nicht gekommen, sondern nur zu einigen Krawallen, die jedoch durch herbeigerufenes Militär sofort unterdrückt wurden. Doch wir wollten nur von der Vergangenheit der Koliner Kultusgemeinde berichten, dieses aber ragt bereits in die, Gegenwart hinein, deren Schilderung einer anderen Gelegenheit Vorbehalten bleiben soll. Vom Zabrmarkt des Lebens. Oberst d. R. Michael Hersch. Von Moritz Frühling. Wer an biographischen Skizzen zu höheren Chargen gelangter jüdischer Offiziere Interesse findet, wird besondere Sympathie einem Manne entgegenbringen, der jüdisches Stammesbewußtsein und Offiziersstandeswürde so harmonisch zu einen verstand, daß diese jenes vorteilhaft ergänzte und einen Typus schuf, von dem aufrichtig gewünscht werden kann, er möge vielen in der k. u. k. Armee dienenden jüdischen Offizieren vorbildlich werden. Oberst Michael Hersch hat für das Erreichen seines hohen Stabsofffziersranges von seiner eigenen Persönlichkeit nichts konzediert; militärischer Geist und Adel der Gesinnung ebneten ihm die Wege. In Mediasch zu Siebenbürgen im Jahre 1851 geboren, wurde Hersch am 14. März 1870 zum Jnfanterie- Regimente Nr. 31 assentiert, rückte schon am 1. April freiwillig zum Regimente nach Fiume ein und bereits im Herbste desselben Jahres ging er als Frequentant der damals bestandenen Vorbereitungsschule des Infanterie-Regiments Nr. 33 nach Agram ab, aus welcher er ein Jahr später in die Kadettenschule nach Hermannstadt kam. Nach Absolvierung derselben wurde er am 10. November 1873 zum Kadetten in seinem Stammregimente ernannt. Hersch avanzierte am 1. Mai 1875 zum Leutnant und 1. November 1879 zum Oberleutnant. In dieser Charge war er durch drei ^aufeinanderfolgende Jahre Kommandant und Lehrer der Unteroffiziersbildungsschule des Regiments in Wien und am 21. Mai 1883 hatte er als Jnterims- Kompagniekommandant die hohe Ehre, im Lager zu Bruck a. L. seine Kompagnie Sr. Majestät vorzuführen. Am I. November 1887 avanzierte Hersch zum Hauptmann. Als Kompagniekommandant sicherte er sich ein dankbares Angedenken bei seinen Untergebenen durch sein wenn auch strenges, aber sehr gerechtes Wesen. Unvergessen bleibt Hersch's herrliche Kommandostimme, die ihm von ehemaligen Mitgliedern seiner Kompagnie, Schreiber dieses bekannter Militärbeamte des Reichskriegsministeriums, noch heute nachgerühmt wird. Nach noch nicht ganz sechsjähriger Hauptmannsdienstzeit wurde er vorzeitig in den Stabsoffizierskurs entsendet, rückte nach Absolvierung desselben am 15. Jänner 1894 wieder zum Regimente nach Hermannstadt ein und nachdem er 1894/95 abermals als Kommandant und Lehrer der Unteroffiziersbildungsschule wirkte, erhielt er definitiv eine Feldkompagnie, die er bis zu seiner am 1. Mai 1897 außer der Ranqtour erfolgten Ernennung zum Major im Jnfanterie-Regimente Nr. 33 befehligte. Das Regiments-Kommando ehrte den Abschied des wackeren Offiziers mit Befehl Nr. 119 vom 29. April 1897 folgend: „Herr Major Michael Hersch war durch 27 Jahre Mitglied des Regimentes, hat als solches in Versetzung jedes Dienstes Hervorragendes geleistet und zur Festigung der Kameradschaft im Offizierskorps mit seltener Hingebung und Opferwilligkeit beigetragen. Das Offzierskorps bewahrt dem scheidenden Kameraden, mit den wärmsten Wünschen für seine weitere Laufbahn, ein bleibendes Angedenken." Im Infanterie-Regimente Nr. 63 kommandierte Major Hersch durch vier Jahre ein detachiertes Feldbataillon, teils in Koloszvar, teils in Szaszvaros, und übernahm im Oktober 1901 das Ergänzungskommando in Besztercze. Auf diesem Dienfiposten avanzierte Hersch zum Oberstleutnant am 1. Mai 1903 und genau zwei Jahre spater wurde er zum Jnfanterie-Regimente Nr. 62 transferiert. Hier fungierte er als Feldbataillons-Kommandant bis zu seiner auf eigenes Ansuchen erfolgten Versetzung in den Ruhestand am 1. Juli 1906, aus welchem Anlässe ihm der Titel und Charakter eines Obersten verliehen und der Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit bekanntgegeben wurde. Hersch's noch jugendlich anmutende, durch ihre Stämmigkeit den Eindruck von gediegener, in fich ruhender Kraft machende Erscheinung ist eine sehr sympathische. Geistig und körperlich rüstig, genießt Oberst Hersch seine wohlverdiente Ruhe in Budapest. Th. Fontane über die Juden als Soldaten. In seinem Werke „Der deutsche Krieg von 1866" (Band I, S. 143) hebt der Dichter der Mark und der Lobredner des märkischen Adels hervor, „daß fich vielfach die jüdischen Glaubensgenossen während des Feldzuges ausgezeichnet hätten. Es war, als ob fie fich das Wort gegeben hätten, der alten Vorstellung von ihrer Kriegsunlust und -Untüchtigkeit ein Ende zu machen." _ Ein jüdischer Generalmajor. Des Pariser „Journal Offiziel" publiziert die Ernennung einer größeren Zahl von jüdischen Militärs zu höheren Offizierschargen, darunter auch die Ernennung des Generals Maurice D e n e r y zum Generalmajor. Wenn „Väterchen“ Besuche macht. Nikolaus cler Blutige will, so schreibt der »Vorwärts«, für einige Zeit seinem Lande entfliehen. Die unmenschlichen Greuel, die, unter seiner Zustimmung verbrochen, das Entsetzen der ganzen Menschheit hervorgerufen haben, lassen ihn natürlich beständig für sein ärmliches Leben fürchten. Mit der schwersten Blutschuld beladen, zittert er vor der Rache seines getretenen und geknechteten Volkes. Ist es da verwunderlich, dass zu dem Ende August erwarteten Besuch in Hessen schon jetzt die umfangreichsten Vorsichtsmassregeln getroffen werden? In Friedberg, wo der Henker seines Volkes Wohnung nimmt, ist man, wie ein Telegramm meldet, dabei, das Schloss in eine regelrechte Festung zu verwandeln. Bauliche Aenderungen werden vorgenommen, die Gewähr bieten sollen, dass das Leben des Zaren nicht in Gefahr gerät.