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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-08-05 · 31 (5.8.1910) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
31 (5.8.1910)
Date
1910-08-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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^öiühjö Lvomciimirisr. Studenten zur politischen Mitarbeit für s'ch verwendet habe. Und jetzt, wo sie es wagen, anderer Meinung zu sein als er, spricht er ihnen das Recht ab und greift zur rohen Gewalt. Nur die wenigen, die sich aus seinem Schlepptau noch nicht losgemacht haben, sind politisch reif und haben ein „akademisches Benehmen“* Redner schliesst sich im Namen der Finkenschaft dem Proteste der „Emunah“ an. Stud. jur. Salomon Wagner („Tikwah“) bespricht die Handlungsweise Dr. Strauchers und wendet sich dann an die Studenten, denen er einen Teil der Schuld zuspricht. Die Verbindungen haben sich von Dr. Straucher gegen einander ausspielen lassen und die Rancune der Alten Herren hat oft die Haltung einer ganzen Körperschaft bestimmt. Die Studenten müssen daraus lernen, dass sie nie eine opportunistische, sondern nur eine radikale, offene Politik zu treiben haben und sich von einem Dr. Straucher gänzlich lossagen müssen. Das jetzige Auftreten der „Emunah“, sowie der übrigen jüdischen Studentenschaft ist als der erste Schritt dazu und als Morgendämmerung einer besseren Zeit zu begrüssen. Gand. jur. Saul Sokal wendet sich in schärfster Weise gegen das politische System Dr. Strauchers. Dr. Straucher geberdet sich, weil es ihm jetzt in den Kram passt, als Zionist und ist ein furchtbarer Schädling und Verräter des jüdischen Volkes. Er nennt sich Demokrat und ist ein tyrannischer Despot, der die breiten jüdischen Massen von jeder politischen Mitarbeit ausschliesst und nur Leute neben sich duldet, die schweigen und gehorchen müssen. In ebenso scharfer Weise wendet er sich gegen die bisherige Haltung der Studenten. Zwischen Studenten und Volk besteht eine tiefe Kluft; sie wollen die geistige Vorhut des Volkes sein, ohne dieses zu fragen. Deshalb ist der Streit des Dr. Straucher mit den Studenten dem Volke nichts, weil es nur ein Streit um die Führerrolle ist. Die Studenten müssen zu den breiten jüdischen Massen gehen, sich mit ihnen eins fühlen und aus ihnen neue Kräfte saugen. Es muss ein Kampf des ganzen Volkes gegen das politische System Doktor Strauchers werden. Und wenn die „Alten Herren“ dem hinderlich sein sollten, muss man über sie hinweggehen und ohne sie eine wahre Volkspolitik beginnen. Dem Dr. Straucher aber muss man einmal die Maske vom Gesicht reissen, seine unnationale und undemokratische Politik brandmarken, aber nicht bloss mit papierenen Resolutionen, sondern mit wirklichen Taten in die (-Öffentlichkeit treten. Nachdem noch stud. jur. Buchsbaum gesprochen und sich dem Proteste angeschlossen, wurde folgende Resolution angenommen: „Die am Samstag den 23. Juli im „Dom Polski“ tagende Versammlung der jüdisch-nationalen Studentenschaft spricht ihre tiefste Entrüstung aus über die unerhörten Gewalttätigkeiten, welche im „Jüdischen Hause“ zu Czernowitz an jüdischen Studenten verübt wurden, weil dieselben bei einer Versammlung im Saale des „Jüdischen Hauses“ gegen die Ausführungen des Dr. Straucher Zwischenrufe gemacht hatten. Die Versammlung drückt ihre tiefste Verachtung darüber aus, dass gegenüber jüdischen Studenten Dr. Straucher den Ausdruck gebraucht habe, man müsse sie „binauspeitschen“ und dadurch das Signal zu Misshandlungen, zu Brutalitäten und Terrorismus gegenüber jenen gegeben wurde, die den Ausführungen des Abg. Dr. Straucher sich kritisch gegenüberzustellen wagten. Sie hält jenen Männern, die der Oeffentlichkeit gegenüber sich als Repräsentanten des jüdischen Volkstums vorstellen, zu deren Belehrung das Beispiel vor, wie bei anderen Völkern hervorragende Politiker sich der akademischen Jugend gegenüber verhalten, ohne Rücksicht darauf, ob diese ihren politischen Macbtbedürfüissen dient. Mit Stolz beruft sich die jüdische Studentenschaft auf die Anerkennung ihres Wirkens, mit welcher sie seitens der Edelsten ihrer Nation ausgezeichnet wurde und geht über diesen Vorfall mit Verachtung und dem festen Entschluss hinweg, sich in der Verfechtung ihrer Ideale und in ihrem Rechte, in allen jüdischen Fragen gehört zu werden, nicht behindern zu lassen.“ Ueber Antrag cand. jur. Saul Sokal wurde folgende Zusatzresolution ebenfalls einstimmig angenommen: „Die Versammlung erklärt, dass das Vorgehen des Herrn Dr. Straucher am 17. Juli 1910 ganz seiner bisherigen undemokratischen, unnationalen Politik entspricht und dass seine Taten im direkten Widerspruch zu seinen Worten stehen.“ Im Anschluss aji die Resolution entwickelte sich eine lebhafte Debatte, an welcher mehrere Redner, Sokal, Schifter, Trommer, Dr. Meier Kinsbrunner sich beteiligten und hauptsächlich das schädliche politische System Dr. Strauchers stigmatisierten. Plötzlicher Tod des Neichsratsabgeordneten Dr. Gabel. In der Nacht vom 29. auf den 30. Juli d. I. ist der Reichsratsabgeordnete Dr. Heinrich Gabel plötzlich einem Herzschlage erlegen. Mit Dr. Heinrich Gabel verliert der reichsratliche jüdische Klub ein eifriges und fleißiges Mitglied. Dr. Gabel wurde am 12. April 1873 geboren, eröffnete nach Absolvierung seiner Gymnasial-und llniversitätsstudien im Jahre 1902 in Lemberg eine Advokaturskanzlei. Schon als Student spielte Dr. Gabel in der zionistischen Studentenschaft eine einflußreiche Rolle. Und als anläßlich der Wahlreformbewegung in Oesterreich die galizischen Zionisten an die Gründung eines jüdisch-nationalen Reichsvereins schritten, gehörte Dr. Gabel zu den unermüdlichen Propagatoren der Idee, daß die Zionisten außer dem Zionismus auch eine innerpolitische jüdischnationale Betätigung zu entwickeln haben. Und als dann bei den Reichsratswahlen im Jahre 1907 die galizischen Zionisten selbständige Kandidaten aufstellten, wurde Dr. Gabel in Burzacz kandidiert, wo er allerdings durch Zufall in die Stichwahl kam und mit Hilfe der Ruthenen gegen den polnischen Kandidaten gewählt wurde. Im Parlament ist Dr. Heinrich Gabel bei Budgetberatungen und anderen Anlässen wiederholt hervorgetreten und besonders durch seine fleißige Arbeit und sein pulsierendes Temperament aufgefallen. Dr. Gabel gehörte zu dem radikaleren Flügel der Wiener Iüdischnationalen, unter denen er seit seiner Wahl ins Parlament mit großer Hingebung und vielem Eifer tätig war. Seit einem Jahre war Dr. Gabel der Vizepräsident des Zionistischen Distriktskomitees und Präsident des Jüdischen Nationalvereines für Oesterreich. Auch anläßlich der letzten 2 Gemeindetage, die vom Allgemeinen Oesterreichisch-Jsraelitischen Bunde veranstaltet wurden, vertrat Dr. Heinrich Gabel die radikalere Richtung, unterstützte jedoch mit großer Wärme die Schaffung einer gesetzlichen Reichsorganisation der jüdischen Kultusgemeinde. Das tragische Schicksal des jungen temperamentvollen Politikers hat jüberall die größte Teilnahme erweckt, die sich jedoch im gesteigerten Maße der jungen Witwe zuwendet, mit welcher Dr. Gabel erst seit ungefähr einem Jahre in glücklicher Ehe lebte. Aus llngarischsHradifch wird uns berichtet, daß im kommenden Herbste, vermutlich schon im September, dort die Gemeindewahlen stattfinden, bei denen die Fortschrittspartei und die Klerikalen in heftigem Wahlkampf aneinander geraten werden. Es versetzt uns geradezu in Erstaunen, daß die Juden angeblich als Hilfstruppen der Klerikalen gegen die Fortschrittspartei kämpfen und sich dadurch die berechtigte Feindschaft der gesamten freisinnigen Intelligenz tzuziehen wollen. Eine solche Hilfeleistung der Juden im Dienste der klerikalen Partei unter Führung des bekannten Herrn Dr. Sedlaeek muß Jedermann, der mit den Verhältnissen einigermaßen vertraut ist, für einen verhängnisvollen Fehler und gefährlichen Mißgriff erklären. Die Juden in Ungarisch-Hradisch haben absolut keinen vernünftigen Grund, gerade den Klerikalen die Kastanien aus dem Feuer zu holen; für uns Juden gibt es kein Bündnis mit dem Klerikalismus, der seine Direktiven von dem sattsam bekannten Abgeordneten Myslivec empfängt und auf die mittelalterliche Entrechtung der Juden abzielt. Die Fortschrittspartei dagegen hat das unstreitige Verdienst, in der für Jahrzehnte hinaus die Steuerkraft der meist interessierten Juden gefährlich bedrohenden Spitalsfrage den Schlag, zu welchem die Klerikalen ausholten, noch rechtzeitig abgewendet zu haben. Ohne das ehrliche und energische Auftreten der Freisinnigen im Gemeinderate, gegen die maßlosen unkontrollierten Vauspekulationen der Sedläeek-Partei stünden wir heute schon vor einer unabwendbaren Finanz-Katastrophe. Und zum Danke für diese redliche W.a h - rung der Interessen der Steuerträger sollen die Juden im Bunde mit den Klerikalen die freisinnige Partei bekämpfen? Die Mehrzahl der einsichtsvollen Juden sollte wenigstens soviel Verständnis für

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