Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 31 (5.8.1910)
- Date
- 1910-08-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 518 Dr. Vlochs Wochenschrift. zu Gunsten einiger Kameraden vom Kaiser Domitian durch den kaiserlichen Legalen Sertus Hormetidius Campanus im D^ember 93 nach Christi Geburt veröffentlicht rvurde. Das Original dieses ehrenvollen Entlassungsschreibens wurde, wie in dem Dokumente angegeben, in dem für solche Schriftstücke bestimmten Tempel in Rom niedergelegt, weil eine Kopie von Rom aus dem Statthalter von Aegypten M. Junius Mettius Rufus zugesandt und in Alexandria aufbewahrt wurde. Von dieser ägyptischen Ausgabe seiner Entlassungsurkunde gibt Quadratus auf dem entdeckten Paneel eine Kopie, die er im Jahre 94 n. Chr. in Alexandria hatte anfertigen lassen. Wahrscheinlich war Quadratus in Aegypten ausgehoben worden, denn es ist bekannt, daß vor, dem .jüdischen Kriege die fretensische Legion dort stationiert war. Nach seiner Entlassung zog sich Quadratus Mit seinen drei Kinderck nach der kleinen Stadt Philadelphia Zurück, um hier seine Tage zu beschließen. Daselbst, unter den Trümmern seines Hauses zwischen Papyrusrollen aus dem 2. Jahrhundert, wurde das Zweifellos von ihm hochgeschätzte Paneel gefunden. Daraus scheint hervorzugehen, daß das Haus nach seinem Tode von seinen Kindern bewohnt wurde. Man hat eine ganze Reihe römischer militärischer Diplome gefunden, die in der Form dem erwähnten sehr ähnlich sind; aber dieses Dokument ist bedeutend ausführlicher. Es enthält eine große Anzahl Namen von Konsuln und anderen Beamten und einen ausführlichen Tert, und feine Echtheit ist von neun Zeugen beglaubigt. Es besagtferner, daß den drei Kindern des Quadratus, die alle während seiner militärischen Dienstzeit geboren waren, wo er nach dem Gesetz nicht verheiratet sein durfte, das hochgeschätzte römische Bürgerrecht zuerkannt war, als ob sie in legitimer Ehe geboren seien. Man hat andere Dokumente gefunden mit Bezug auf Offiziere, die an dem jüdischen Feldzuge teilgenommen hatten (dieser Krieg wird gewöhnlich als „Bellum Judaicum", jüdischer Krieg, bezeichnet),. aber dies ist das erste authentische zeitgenössische Dokument von einem Soldaten, der wirklich bei der Belagerung Jerusalems zugegen gewesen ist und auf dieses Ereignis Bezug nimmt und somit die Angaben des Josephus und der klassischen Geschichtsschreiber bestätigt. DemWon des Wirklichen russischen Staatsrates Abramsohn. Auf Grund eines Erlasses des russischen Verkehrsministers, wonach die Eisenbahnverwaltung von allen „nichtrussischen" Elementen gesäubert werden soll, wurde auch der Direktor der Südwestbahn, M. Abramsohn, einer der anerkanntesten Eisenbahningenieure Rußlands, gezwungen, seine Demission zu geben. M. Abramsohn, der noch Jude ist, hat den Titel „wirklicher Staatsrat", r. _ i- . Die Brodskys verlassen Rußland. Immer bestimmter tauchen die Gerüchte auf, wonach die Chefs des Kiewer Welthauses Leo Brodsky entschlossen sind, ihre Geschäfte in Rußland so rasch als möglich abzuwickeln und Rußland zu verlassen. Von den Judenverfolgungen der letzten Jahre sind auch die reichen Juden, besonders die Brodskys, nicht verschont geb ieben. Zur Zeit der Massakres in Kiew wurde auch das Haus Brodsky von den Plünderern in Angriff genommen und nur dank der heroischen Verteidigung der Söhne des Hauses konnten die Angriffe abgewehrt werden. Die Folge davon war, daß einer der Söhne in Haft genommen und unter Anklage gestellt wurde. Mit knapper Not ist damals der junge Brodsky einer schweren Verurteilung entgangen. Auch anläßlich der jüngsten Massenvertreibung von Juden aus Kiew be- Nr. 31 mühte sich Brodsky, zu Gunsten seiner Glaubensbrüder zu intervenieren. Aber alle seine Bemühungen, so auch ein direktes Bittgesuch an den Kaiser, blieben erfolglos. Die Unsicherheit der Zustände in Rußland und die jüngsten antisemitischen Vorgänge haben nun "in den Mitgliedern der Familie Brodsky den Entschluß gereift, Rußland zu verlassen. Auch die Rothschilds liquidieren in Rußland. Wie Pariser Blätter melden, hat nunmehr auch das Pariser Rothschild-Haus nach einer Inspektionsreise des Chefs des Hauses beschlossen, ihre großen russischen Petroleumgeschäfte zu liquidieren. Sämtlichen Beamten, die länger als 20 Jahre dem Hause dienten, wurden entsprechende Jahrespensionen zugesichert, während die klebrigen Abfertigungen erhalten. Verfolgung jüdischer Literaturgesellschaften in Rußland. Seit einiger Zeit werden in Rußland die jüdischen Literaturgesellschaften der Reihe nach geschlossen und die Gründung neuer untersagt. Die Begründung dieser Maßregel ist in allen Fällen, so auch jüngst in Kowno, gleichlautend: „Laut den Statuten hat die Gesellschaft den Zweck, das Studium der wissenschaftlichen und schönen Literatur in hebräischer und anderen Sprachen tzu fördern. Durch die ausschließliche Förderung der jüdischen - Literatur wird die Gesellschaft zweifellos die nationale Absonderung fördern, weshalb sie als Für die gesellschaftliche Ruhe und Sicherheit gefährlich angesehen werden muß." Ein Geld-Geschenk der zionistischen Parteileitung an Abdul Hamid. Konstantinopler Blätter verzeichnen die sonderbare Meldung, daß unter den in< Sichtung begriffenen .Geheimckkten des depossedierten Sultans Abdul Hamid sich auch ein Cheque der zionistischen Parteileitung in Köln im Betrage von 600 (nach einer anderen Meldung 6000) Pfund Sterling auf den Namen Abdul Hamids gefunden worden sei. Die erwähnte Summe sei ein Geschenk der zionistischen Partei für den Baufonds der Eisenbahnlinie Mekka-Damaskus gewesen. Die Blätter bringen die Nachricht ohne jeden Kommentar. Raeines Davidpsalweu. Abbe Joseph Bonnet hat in der Bibliothek in Petersburg ein umfangreiches Manuskript entdeckt, das er für eine Arbeit Racines hält. Dieses Manuskript hat den Titel „Der Geist Davids, eine neue Uebersetzung der 150 Psalmen", und enthält eine sehr genaue Uebertragung der Psalmen. Der Name des Autors fehlt zwar auf dem Manuskript, indessen will der gelehrte Abbe an dem Stil und der subtilen Ausdrucksweise den Geist Racines unzweifelhaft erkennen. Diese Annahme hat auch aus dem Grund viel für fich, weil der Sohn Racines in seinen Memoiren erzählt, daß sein Vater fich während seiner Krankheit viel mit den Psalmen König Davids beschäftigte und mehrfach die Absicht aussprach, die Psalmen ins Französische .zu übersetzen. Joseph Bonnet wird das aufgefundene Manuskript drucken lassen und der Pariser Akademie der Wissenschaften zur Prüfung übergeben. _ Der erste Jude im kanadischen Parlament. Aus Montreal wird , der Londoner „Times" telegraphiert: Bei den letzten Wahlen in das Parlament der kanadischen Provinz Manitoba wurde der jüdische Advokat aus Winipeg, Mr. S. Hart Green, nach heftigem Wahlkampf gegen zwei klerikale Gegenkandidaten