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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-08-05 · 31 (5.8.1910) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
31 (5.8.1910)
Date
1910-08-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 516 Nr. 31 Dr. Blochs Wochenschrift. Landesorganisation der Kultusgemeinden angelehnt werden? 3. Den Arbeitermassen die Erlangung von Arbeitsgelegenheit zu erleichtern und wäre in diesem Falle die Schaffung jüdischer Arbeitsvermittlungsbureaus, wie sie bereits in anderen Ländern in einzelnen Kultusgemeinden bestehen, erwünscht oder könnten die bereits bestehenden Landes- und Bezirks-Arbeitsvermittlungsbureaus diese Aufgabe erfüllen? 4. Zu stützen die Verbreitung der Aufklärung im Wege der Baron Hirschschen Schulen, Fröbelschulen, und Kindergärten, wenn ja, in welcher Form wäre die moralische und materielle Unterstützung seitens des Landes und der Regierung erwünscht? 5. Zu fördern die Vermehrung und .Vermannigfaltigung der Erwerbsquellen der galizischen Juden im Handel und vielleicht gar in der Landwirtschaft? Im letzteren Falle, in welchen landwirtschaftlichen Produktionszweigen? V. Ueber einen etwa ungünstigen Einfluß auf die ökonomische Lage der galizischen Juden. 1. Das Hausiergesetz? 2. Das Gesetz über die Sonntagsruhe? 3. Die Aenderung des Propinationsrechtes? und xoelche Mittel sind erforderlich, um die Uebelstände in dieser Richtung zu beseitigen? VI. Ist die Gewährung rascher Hilfe an die in Notlage befindliche jüdische Bevölkerung empfehlenswert? Wenn ja, in welcher Richtung und in welcher Form soll dies durch das Land, beziehungsweise durch den Staat geschehen? VII. Rechnend mit der Tatsache, der jüdischen ^Emigration aus Galizien, soll diese nicht auf rationelle Wege geleitet werden? Wenn ja, in welcher .Form und in welcher Richtung soll das Land oder der Staat dabei mithelfen? VIII. Gibt es noch andere Hilfsmittel und welche? IX. Ob und in welcher Richtung beeinflußt die einseitige ökonomische Lage der galizischen Iuden hie allgemeinen ökonomischen Verhältnisse im Lande? X. Ist eine spezielle Landes- oder Staatshilfsaktion für die Iuden in Galizien mit Rücksicht auf den zwar unwillkürlich, aber trotzdem ausgesprochen konfessionellen Charakter einer solchen Aktion, und mit Rücksicht darauf, daß auch die nichtjüdischen Kreise des Landes in Notlage sich befinden, erwünscht, oder sollte die Hilfsaktion sich nicht auf alle Bevölkerungsschichten in den kleinen Städten und Dörfern erstrecken, insbesondere auf dem Gebiete des Gewerbes und der Hausindustrie? Dem Fragebogen ist überdies ein ausführlicher Motivenbericht beigegeben. „Du sollst haben ein zwiefaches Maß, ein großes und ein kleines." V. B. M. 25, 13. Sehr geehrter Herr Redakteur! Um Ihnen einen neuen Beitrag von dem zweierlei Maß bei der Rechtspflege in unserem lieben Oesterreich zu liefern, lege ich folgendes Papierfragment bei. Vor kurzem wurde eine Glaubensgenossin verurteilt wegen Herabwürdigung kirchlicher Einrichtungen, weil sie Waren in Zeitungspapier verpackte, auf welchem katholische Heilige illustriert waren. In beigelegtem Papierfragmente, wo noch die Bedeutung des Bildes genau zu erkennen ist und zufolge der Umschrift: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen, freuet euch und frohlocket: Groß ist euer Lohn im Himmel!" — noch mehr als religiöses Bild hervortritt — hat ein hiesiger katholischer Zuckerbäcker einem jüdischen Kunden die gekauften Kanditen verpackt und übergeben. Ein weiterer Kommentar ist meines Erachtens überflüssig. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener T a ch a u den 26. Juli 1910. Josef Schön. BS9 Slabkot» (Austerlitz). G eehrter Herr Redakteur! Ersuche Sie um Veröffentlichung nachstehenden Berichtes: Ick hatte die Absicht, meinen Vorrat an Manufuktnrware auszuverkanfen. Zu diesem Zwecke verfügte ich mich zum hiesigen städtischen Polizeikommissär, der mir die Bewilligung erteilte, jeden Dienstag die Ware licitando zu veräußern. Auch bewilligte mir derselbe die Anzeige der Lizitation durch Trommelschlag und Maueranschlag. Ueber Beschwerde der Genossenschaft der Gewerbetreibenden wurde der Verkauf von der k. k. Bezirkshauptmannschaft sistiert und ich zu derselben vorgeladen, um mich zu verantworten, da die Plakatierung von der k. k. Behörde nicht bewilligt war. Ueber meine Angabe, daß ich zur k. k. Bezirkshauptmannschaft nicht erscheinen kann, wurde ich vom hiesigen Bürger, meisteramte einvernommen und ist die Angelegenheit noch in Schwebe. Heute war an allen Mauern ein großes Plakat angeklebt, um Reklame für ein Buch zu machen, das gegen die Juden Mährens aufreizen soll. Ich bin überzeugt, daß diese Plakatierung ohne Bewilligung der k. k. Bezirkshauptmannschaft geschah. Der Besitzer des Plakatierungsinstitutes wohnt in einem jüdischen Hause; der Hausherr hat ihm gestattet, an seinem Hause die Plakatierungstafel anzubringen, auf derselben Tafel ist das Plakat angebracht. So weit geht die Frechheit und dies wird in einem Orte geduldet, der noch ein trauriges Andenken an den 28. November 1905 hat. Hochachtend Jakob Strach. Deutsche Naturforscher mosaischen Glaubens. Aus Königsberg wird uns geschrieben: Die 82. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte findet heuer hier vom 18. bis 24. September statt. Den Vorsitz wird Prof. Dr. Wien (Würzburg) führen. Die Geschäftsführung liegt in den Händen der Königsberger Professoren Dr. Lichtheim und Franz Mayer. Die Teilnehmer des Naturforschertages werden mit Rücksicht auf die geplante Rundfahrt durch die Ostsee von der Geschäftsführung darauf aufmerksam gemacht, daß hierzu ein vom russischen Konsulat vidierter Auslandspaß notwendig sei. Interessant ist in der kürzlich erschienenen offiziellen Mitteilung über den Naturforschertag folgender diesbezüglicher Passus: „Betreffend der bekanntlich sonst bestehenden Schwierigkeiten für die Teilnehmer mosaischer Konfession sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß solche für die Rundfahrt durch die Ostsee nicht zu befürchten sind, wenn die Anmeldung zur Teilnahme rechtzeitig erfolgt." Ein jüdischer Lordmayor. Der Londoner Korrespondent der „N. I. K." berichtet: Stadtverordneter und Friedensrichter Jakob Moser hat der Einladung des Gemeinderates der Stadt Bradford, das Amt eines Lordmayors dieser Stadt für die Amtsperiode 1910/11 zu übernehmen, Folge geleistet. Die Einladung ging von der liberalen und konservativen Partei des Stadtverordneten-Kollegiums aus und wurde Herrn Moser durch eine Abordnung unter der Führung des gegenwärtigen Lordmayors übermittelt. Zangwill in Unterhandlungen mit der westaustralischen Regierung. Der Londoner Korrespondent der „N. I. K." berichtet: Mr. Zangwill steht jetzt in Unterhandlungen mit der westaustralischen Regierung wegen eines Territoriums von über eine Million Acres. Die Lokalität des Territoriums ist einstweilen noch unbekannt, es soll aber groß und gut genug sein, um eine Million russischer Juden aufnehmen zu können. Sir H. Newton Moore, der Premier der australischen Regierung, soll dem Plane sehr geneigt sein, den er als einen ernsten Geschäftsvorschlag betrachte. Die Angelegenheit soll demnächst im westaustralischen Parlament behandelt werden. Mr. Zangwill scheint jeden Gedanken von Autonomie und dergleichen aufgegeben zu haben. Das Unternehmen soll einen rein philanthropischen Charakter tragen. Mr. Zangwill erklärt daher, daß es nur ein Teil seines Landsuchens sei und daß er zu gleicher Zeit noch andere Territorien im Auge habe.

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