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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-08-05 · 31 (5.8.1910) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
31 (5.8.1910)
Date
1910-08-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 515 v. M. beebre ich mich, Ihnen mitzuteilen, daß ich nicht mehr das "Recht habe, mich zu den Juden zu zählen, da ich vor einigen Jahren den .Glauben gewechselt habe. Die Gründe, die mich zu diesem .Verhalten veranlaßt haben, brauche ich wohl nicht anzuführen: dafür haben Sie wohl kein Interesse und andererseits ist 'dies eliie Sache, die mein Gemütsleben zu sehr tangiert, als daß ich sie ohne weiteres aufzudecken Lust hätte. Da nun aber an der Tatsache meiner Konversion nichts zu ändern ist, so ist auch die Voraussetzung Ihres Briefes nicht mehr gegeben, und es bleibt mir nur übrig. Ihnen zu Ihrem patriotischen Werke viel Glück zu wünschen. Mit den Ausdrücken usw. Dr. Mandl, Oberst. Die Gründe! Als ob sie so unbekannte wären? Die Voraussetzung meines Briefes war allerdings nicht mehr gegeben. Nämlich: Die Ueberlasfung einer Photographie, um die biographische Skizze „des den Juden aller Länder als schönes Muster voranleuchtenden Offiziers" auch mir dem Konterfei bringen zu können. Am 19. Jänner 1905 erlangte Mandl die Heimatszuständigkeit in Wien, wurde am 1. November 1906 Oberst und genau ein Jahr später zum Lehrer am höheren Gcniekurs ernannt. Sowohl an .den technischen militärischen Fachkursen wie auch als Lehrer des höheren .Geniekurses entwickelte Mandl als Professor der Baumechanik und des Brückenbaues eine intensive Lehrtätigkeit. Am 28. Jänner 1908 wurde ihm die Annahme des Kommandeurkreuzes II. Klasse des königl. schwedischen Schwertordens bewilligt und am 12. August desselben Jahres das Offizierskreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. Seine letzte Veränderung war die am 16. Oktober 1908 erfolgte Transferierung zum technischen Militär-Komitee. . Im Winter 1908 hatte ich die Ehre, von Oberst Mandl eine Unterredung bewilligt zu erhalten, in deren Verlauf auch das heikle Thema berührt wurde. „Die Obersten- und wohl auch die zu erwartende Generalscharge Md wohl eine Messe wert," dachte ich damals. Es war aber ein Fehler in meinem logischen Denken., „Und eine bittere Enttäuschung für die Juden", erlaubte ich mir zu bemerken. „Sehen Sie, ich will offen eingestehen", erwiderte der Oberst, „an die dachte ich weniger. Mein Gott! Wir haben so wenig Fühlung mit der jüdischen Intelligenz, und ich speziell liebe meinen Soldatenberuf so sehr, daß mir für alles Sonstige fast nichts blieb. Ich gehe in meinem Berufe restlos auf. Nicht vom religiösen Standpunkte leite ich auch jetzt den Fehler meines Uebertrittes ab, als vielmehr eben und ausschließlich vom militärischen. Es war der erste Schritt in meinem Soldatenleben, von dem ich mir später so oft sagen mußte,, er war für einen Offizier nicht fair. Ich war früher innerlich ebensowenig jüdisch-religiös, wie ich jetzt katholisch bin. Meine religiöse Weltanschauung wurzelte weder im Alten, noch im Neuen Testamente, sie basierte vielmehr auf der Ueberzeugung, daß nur der Kulturmensch das Höchste ist. Ich war und bin also religiös indifferent. Aber heute bedauere ich diesen Schritt nur von der höheren Warte, der eines österreichischen Stabsoffiziers. Als solcher durfte ich keinen äußeren Einfluß auf meine Karriere dulden. Es ist geschehen! Nein, stellen Sie mich als Muster nicht hin." Mandls Herzleiden nahm zu und im August 1909 komplizierte sich dieses durch eine dazu getretene Lungen- und Rippenfellentzündung: am 10. Oktober 1909 hauchte er seine Seele aus. Mandl hatte letztwillig verfügt, daß eine Parte erst nach der Bestattung auszugeben sei und daß diese ohne militärischen Kondukt stattzufinden habe. So wurde die Nachricht seines Todes erst am 14. bekannt. Ein feinfühlender Mensch und hervorragender Offizier wurde ohne Sang und Klang begraben. Der vielleicht einzige Fehltritt dieses trefflichen Mannes fand bei seinen Stammesgenossen versöhnenden Akkord. vom Zabrmarlrt des Lebens. Die Enquete über die Notlage der Juden in Galizien. (Die Rundfragen.) Wie von verläßlicher Seite berichtet wird, wird die vom galizischen Landesausschutz beschlossene Enquete über die Notlage der Juden in Galizien bestimmt am 12. September d. I. stattfinden. Die Vorarbeiten sind bereits so weit gediehen, daß die der Enquete zugrunde zu legenden Fragen festgesetzt und die Fragebogen ausgesandt werden konnten. Wir reproduzieren hier die Fragen, da aus denselben festgrstellt werden kann, in welchem Rahmen sich die Enquete bewegen wird. I. Wie ist die ökonomische Lage der Juden in .Galizien beschaffen und kann auf Grund dieser Lage festgestellt werden, daß die jüdische Bevölkerung in Galizien verarmt? II. Welche sind die Erscheinungen dieser Verarmung und erstrecken sie sich: 1. aus die ganze jüdische Bevölkerung oder bloß auf gewisse Teile. Kreise, Bezirke oder Ortschaften? 2. auf die ganze jüdische Bevölkerung oder bloß auf gewisse Berufs- oder soziale Kreise? III. Welche sind die Ursachen dieser Verarmung und insbesondere wie weit wird diese Verarmung beeinflußt durch folgende ökonomische und soziale Erscheinungen im Lande: 1. Uebervölkerung im Allgemeinen und jüdische Uebervölkerung im Besonderen? 2. Durch Verarmung der ganzen Landesbevölkerung? .3. Durch Mangel an Kultur und Aufklärung bei der jüdischen Masse (Cheder-System usw.)? 4. Durch die Verschuldung des tabularischen Grundbesitzes? 5. Durch überspanntes Parzellierungsverfahren? 6. Durch Zerstückelung des Rustikal-Grundeigentums? 7. Durch die ökonomische Entwicklung der Selbsthilfe bei den Bauern, besonders durch Gründung von Kreditorganisationen (Raiffeisen-Kassen usw.) und Handelsorganisationen (bäuerliche Konsumgenossenschaften? 8. Durch den Niedergang des Handwerks und dem Mangel an Industrie? 9. Durch die Einseitigkeit. des jüdisch-ökonomischen Lebens, das . sich hauptsächlich mit Handel und überhaupt mit der Vermittlung und Austausch von Waren, Geld usw. befaßt. 10. Durch die allgemeine Verschlechterung der ökonomischen Lage im Lande. IV. In welchen Richtungen soll sich die Sanierung der Erwerbsmöglichkeiten und der kulturellen Zustände der Juden bewegen? Wäre es nicht praktisch. 1. einzuführen und zu unterstützen in den Städten diejenigen Zweige der Hausindustrie, für welche sich die Juden am besten eignen, (z. B. Schneiderei. Stickerei, Spitzenarbeiten, Modistenarbeiten usw.), und wenn ja. soll sich die Hilfsaktion des Landes hierbei auf die bereits bestehenden selbständigen Organisationen (Hilfsvereine) stützen, oder soll die Landeshilfsaktion eine selbständige sein? 2. zu erleichtern die Erlangung von Kredit an jüdische Handwerker und kleine Kaufleute, um ihnen das nötige Betriebskapital zu verschaffen, wenn ja, inwiefern, wäre es dann nötig, die Kapitalien, die in kleinen WW^n Kreditvereinen und Kultusgemeinden für solche Zwecke zersplittert vorhanden sind, in ein Zentralinstitut für das ganze Land zu vereinigen? Im letzteren Falle, in welchem Verhältnis soll diese Institution zum Lande und zur Zentralregierung stehen, oder sollte sie an die

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