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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-08-05 · 31 (5.8.1910) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
31 (5.8.1910)
Date
1910-08-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 514 Nr. 31 Dr. Blochs Wochenschrift klubs wirklich ernsthaft die Absicht hatten, nicht nur für die unglücklichen Schänker, sondern auch für die durch allerhand Gesetze im Lebenskampf noch besonders bedrückten und schrecklich verelendeten Juden ihres Landes wirklich etwas zu tun, so hatten sie bei der Wiener Zentralregierung nichts zu suchen. Denn jedes Kind in Oesterreich weih doch, daß die Wiener Minister jenseits der galizischen.Grenze weiter keine Befugnis haben, als Geld he'reinzubringen und abzugeben. Sonst hat ein klug ausgenützter Patriotismus aus Galizien ein von Wien ganz unabhängiges Königreich der Schlachzizen geschaffen, das der jeweilige Statthalter regiert. Die jüdischen Abgeordneten des Polenklubs mühten durchaus bei den Behörden des Landes etwas erreichen, nicht bei denen des Staates, wenn die Sache einen Wert haben sollte, von Lemberg nur und nicht von Wien kann den galizischen Juden wirklich geholfen werden. Man hätte wahrhaftig meinen sollen, daß speziell die bezeichneten Abgeordneten dazu berufen seien und dah ihnen die Sache sehr leicht fallen müsse. Denn die Landesregierung Galiziens ist doch eins mit den Schlachzizen und dem Polenklub, dem sich die Abgeordneten als jüdischer Flügel und Vertretung der jüdischen Interessen mit Leib und Leben verschrieben haben. Aber der jüdische Flügel fliegt eben mit Fußtritt heraus, ^wenn er etwas wegtragen möchte, und wäre es die Erfüllung des gerechtesten Verlangens. Moschko hat zu dienern, herbeizuschaffen, bekommt seine Mandate als Lohn und hat ansonsten den Mund zu halten. Bei der Wiener Zenträlregierung kann er vielleicht die grohe Komödie „Popularität" aufführen, wenn er gerade Ausgang hat. Aber wirkliche Hilfe für h,ie galizischen Juden traut er sich nicht einmal bei den Schlachzizen zu verlangen. Aber warten wir ein bischen — gesagt ist es jetzt, die Abgeordneten wissen, was sie zu tun haben, also vorwärts gefälligst! Nicht nach Wien, sondern nach Lemberg! Oberst Dr. Julius Mandl. Ei» Gedeukblatt. 3?oi Moritz Frühling Bald fährt sich zum ersten Male der Tag, an dem ein herrlicher Mensch und hervorragender Offizier unserer k. u. k. Armee, im schönsten Mannesalter, für immer die Augen schloß. Oberst Dr. Julius Mandl. Die Menschheit verlor in dem kaum 48 Jahre alt Gewordenen, eines ihrer besten Mitglieder, die Armee einen ausgezeichneten Offizier und die Juden — allerdings bereits mehrere Jahre früher — das Ideal eines Soldaten, welcher ihnen durch mehr als zwei Jahrzehnte zur Ehre gereichte. Julius Mandl wurde 1861 in Prohnitz in Mähren geboren. Nach Absolvierung der Realschulen liefe er sich, am 22. September 1880, freiwillig, zum Genie-Regiment Nr. 1 als Frequentant der Genie-Kadettenschule assentieren, mit der Verpflichtung, jedes dort zugebrachte oder auch nur begonnene Schuljahr über die obligate Dienstzeit 5m Prasenzstande nachzudienen. Am Kaisertage des nächsten Jahres avanzierte Mandl zum Sappeur, 2. Klasse, Titulargefreiten, und genau ein Jahr später, am 18. August 1882, zum Titularfeldwebel. Am 18. August 1883 als Leutnant qusgemustert, verblieb er im ursprünglichen Stammregimente bis zum 1. Juni 1886, an welchem Tage er der Genie-Direktion in Krakau, im Regiment überkomplett zu führen, zugeteilt wurde. In die Oberleutnantscharge rückte Mandl schon am 1. November 1887, vor, und nach mehr als dreijährigem Wirken bei der .Genie-Direktion in Krakau, wurde er am 1. Oktober 1889 dem .Genie-Objekts-Kommando zu Jaroslaw zugeteilt. In Krakau, wo der begabte, junge Offizier in den besten Gesellschaftskreisen. verkehrte, lernte er auch die Tochter einer der dort angesehensten jüdischen Familien kennen, und gegen Sicherstellung eines jährlichen Nebeneinkommens pr. 1500 Gulden, welches ihm den standesgemäßen Haushalt gewährleistete, führte er das Fräulein Emilie Bober, am 3. November 1889 zum Traualtar. Im Jahre 1891 in den Präsenzstand des Regiments übersetzt, wurde Oberleutnant Mandl, bei der Auflösung der Genie-Regimenter, am 1. Mai 1893 zum Pionier-Bataillon Nr. 3 transferiert, verblieb hier nur fünf Monate und wurde am 1. Oktober 1893 der .Genie-Direktion in Komorn zugeteilt. Mandl avanzierte am 1. November 1893 zum Hauptmann 2. Klasse, fand am 1. September 1894 tonn technischen und administrativen Militär-Komitee neuerliche Zuteilung und qm 1. November 1894 wurde er in die Konkretualstandesgruppe des neuen Deniestabes übersetzt. Der talentierte, vielseitig gebildete Offizier fand bei seinen militärischen Vorgesetzten von gar keinem Vorurteil beeinflußte Anerkennung, genoß auch den Lohn für sein eifriges Wollen und gründliches Wissen, welches sich in der am 1. Jänner 1895 erfolgten Transferierung in den Stand der technischen Militär-Fachkurse ausoruckte. Am 1. Mai 1895 wurde er zum 'Hauptmann 1. Klasse ernannt, und am 1. Oktober 1899 durfte sich Mandl die Majorsborte umlegen. Nach Einführung des technischen Doktorgrades erwarb Major Mandl denselben als einer der allerersten am 22. Februar 1902; avanzierte am 1. Mai 1903 zum Oberstleutnant und am 7. Oktober 1903 wurde dem verdienstvollen Stabsoffizier das Ritterkreuz des Franz Joseph- Ordens verliehen. Mandl hatte um diese Zeit bereits einen guten Namen in der Armee. Er galt als hervorragender Fachmann auf technischem Gebiete und war auch außerhalb der militärischen Kreise als ein glänzender Mathematiker und als eine Autorität auf dem Gebiete des Brückenbaues, insbesondere des Eisenbetonbaues, bekannt. So gehörte er auch der von der Kriegsverwaltung einberufenen Enquete für Eisenbetonbau als Mitglied an. Aber Oberstleutnant Dr. Mandl machte sich auch in Fachkreisen literarisch bemerkbar, indem er seine Studien über Eisenbetonbau, über die graphische Lösung mathematischer Ausdrücke und sein.Lehrbuch der höheren Mathematik veröffentlichte. So wurde man auch im Auslande auf seine fachwissenschaftliche Bedeutung aufmerksam und wurde /ihm,, etwa 1904, eine Lehrkanzel an einer berühmten technischen Hochschule im Deutschen Reiche angeboten, die er jedoch ausschlug, weil seine Ernennung zum Obersten in naher Aussicht stand. An diese Ernennung knüpft sich der Beginn einer seelischen Verstimmung, jbie sich zu einem Herzleiden verdichtete, an dem er die letzten Lebensjahre litt. Wurde Mandl bisher nur von der Sonnenseite der Militärkarriere .beschienen, sollte ihm auch die, manch jüdischen Offizier treffende Schattenfläche des Militärlebens nicht fremd bleiben. Es mag dahingestellt bleiben, ob äußeren Einflüssen nachgebend, oder eigenen Reflexionen erliegend, Oberstleutnant Mandl übertrat am 24. November 1903 zur katholischen Kirche. Mandl konnte diesen Schwächeanfall nicht verwinden, er ging ihm, als eine eines Offiziers unwürdige Charatterblöße, die er sich gegeben, sehr nahe. So schrieb er mir am 6. August 1908: Hochgeehrter Herr! Im Besitze Ihres sehr geschätzten Schreibens Pom 20.

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