Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 30 (29.7.1910)
- Date
- 1910-07-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 608 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 30 «vjährige Beftaudfeier der Kuranstalt „Prißuietzthal". Dienstag den 19. Juli d. I. fand in Prießnitzthal in Mödling eine zweifache Jubiläumsfeier statt. An diesem Tage waren es 60 Jahre seit der erfolgten Gründung der genannten Anstalt und 30 Jahre, feit der jetzige Eigentümer Herr Dr. Josef Weiß als Chefarzt und Leiter der Anstalt fungiert. Welcher Beliebtheit und Hochschätzung sich Herr Dr. Josef Weiß, trotzdem er fein Judentum nicht verleugnet, auch bei den Christen erfreut, ging aus der großen Anzahl der an der Feier teilnehmenden Gäste hervor, unter welchen man den Herrn k. k. Bezirkshauptmann Josef Fuchs, Bezirkskommifsär Baron Erb, Bezirksarzt Dr. Linnemann, Gemeinderat Doktor Fleifchmann bemerkte, ferner sämtliche Kurgäste der Anstalt, darunter Oberst Pelz von Fellinau mit Gemahlin, Baron Wessely, Mufikreferent des „Pester Lloyd" August Beer rc. Den sehr schönen Vorträgen, die mit einem exzellenten Klaviervortrag der Frau Dr. Igo W e l i s ch eingeleitet wurden, reihten sich andere musikalische Darbietungen hervorragender Künstler an. Nach dem Konzert wurde im festlich dekorierten Speisesaal das Souper serviert und die von zahlreichen Professoren und illustren Persönlichkeiten und vielen Freunden der Anstalt eingelaufenen Glückwunsch- und Anerkennungs-Telegramme verlesen. Im Verlaufe des Festmahles wurden sowohl von Herrn k. k. Bezirkshauptmann Josef Fuchs, als auch vom Herrn Oberst Pelz von Fellinau und Dr. Fleischmann vorzügliche humoristische Toaste ausgebracht, die von Dr. Weiß erwidert wurden und mit der Bitte schloffen, ein Huldigunstelegramm an Se. Majestät unseren vielgeliebten Kaiser Franz Joseph zu senden, was mit jubelnder Begeisterung ausgenommen und ausgeführt wurde. L. W. Wiener-Neustadt. Unsere Gemeinde hat eines ihrer hervorragendsten Mitglieder verloren.'Herr Ignatz Schi sch a, Direktor der Filiale des «Merkur", der durch mehr als 30 Jahre dem Vorstande der Gemeinde angehörte, ist am Sonntag den 24. d. M. nach kurzem, schweren Leiden im 63. Lebensjahre gestorben. Stein um Stein trug er zum Ausbau der jetzigen Gemeinde zusammen; zuerst in.gemeinsamer Arbeit mit Doktor Fiedenthal s. A., dann mit Unterstützung des Herrn Sekretärs Landau war er unablässig bemüht, die Gemeinde nach außen und innen zu festigen. Der neue Tempel, ein Meisterwerk des verstorbenen Baurates S t i a ß n y, ist unter ihm erbaut worden. Von 1892 bis 1906 stand er an der Spitze der Gemeinde, lehnte dann, als sein Grundsatz: Tradition und Modernismus paffend zu vereinigen, keine Mehrheit mehr fand, eine Wiederwahl ab, blieb aber bis zum Tode Mitglied des Ausschuffes der Gemeinde sowohl, als auch der Chewra- Kadischa. Das Leichenbegängnis, das am 26. d. M. stattfand, war eine imposante Trauerkundgebung der gesamten hiesigen Bevölkerung. Es erschienen: Vizebürgermeister Kien mann mit mehreren Gemeinderäten, zweiter Vorsitzender im Bezirksschulräte Dr. Josef Mayer, Bezirksschulinspektor Leder mit vielen Lehrern, Vertreter der evangelischen Gemeinde, Polizeiinspektor Schreiber, Vertreter der Aktiengesellschaft «Merkur" in Wien, Kultuspräfident L e i t n e r mit Rabbiner Reich aus Baden, Kultusvorsteher Dr. Grüner mit Herrn S t ö ß l und Sekretär Mose aus Neunkirchen, die Herren Vorstände Rausnitz und Schneider der Chewra-Kadischa Baden, Vorstand Frankl der Chewra Neunkirchen, Vertreter der Gemeinden Mattersdorf, Oedenburg, Lackenbach rc., die Vorstände der Gemeinde und der Chewra Wr.-Neustadt, die Herren Doktoren Wolf, B e r st l, Keßler, Wilder, P o p p e r und fast sämtliche Gemeindemitglieder mit ihren Frauen. Die Trauergesänge wurden von Herrn Oberkantor M. A. Landau in tiefergreifender Weise vorgetragen. Im Foyer des Tempels sprachen Herr Rabbinerstellvertreter Weiß und Herr Rabbiner Reich Worte der Anerkennung und des Abschiedes. Am offenen Grabe hob Herr Chewraobmann Adolf Meyer die Verdienste des Verstorbenen um Gemeinde und Chewra-Kadischa hervor, worauf die Schollen auf den Sarg fielen. Der Verstorbene war ein edler Charakter, ein frommer, wohltätiger Mensch, der jedem mit Rat und Tat beistand. Familie und Gemeinde erhielten zahlreiche Beileidskundgebungen aus Nah und Fern. Pakrae. Für den 16. d. M. wurde Rabbiner Doktor Rudolf Glück aus Sümeg zur Probe berufen und erntete durch sein Rednertalent solch großen Beifall, daß er gleich am darauffolgenden Montag von der Generalversammlung einstimmig zum Bezirksrabbiner gewählt wurde. Herr Rabbiner Dr. Glück, der seit acht Jahren in der Sümeger Gemeinde zum Wohle derselben wirkt und die Liebe Aller sich errungen, ist streng konservativ. Dies freut uns umso mehr, da die hiesige Gemeinde einen solchen anzustellen erstrebte. Der feierliche Amtsantritt findet am 18. August statt. Leipnik. (Verlobung.) Fräulein Gisela Ehrlich, Tochter des Polizeileiters Herrn Jakob Ehrlich, hat sich mit Herr Fritz Funk, Kaufmann in Wien, verlobt. Meran. Das «Genesungsheim" des Vereines «Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran" wird mit 1. Oktober 1910 für die Herbstsaison wieder eröffnet. Mittellose israelitische Bewerber wollen sich brieflich wegen der ausführlichen Aufnahmsbedingungen an die Kanzlei des Vereines wenden unter der Adresse: „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran (Tirol)" und ihre Gesuche um Aufnahme möglichst bis Ende August einreichen. Proffnitz Am 31. Juli l. I. veranstaltet der hiesige «Jüdische Turnverein" ein Gartenfest mit Schauturnen und daranschließendem Tanzkränzchen. Die Vorarbeiten hiezu wurden bereits mit vollem Umfange getroffen und das Interesse, das die hiesige Bevölkerung diesen Veranstaltungen stets entgegenbringt, läßt auf einen günstigen Verlauf dieses Festes hoffen. Frankfurt a. M. Geh. Obermedizinalrat Dr. Paul Ehrlich wurde vom Bundesrat zum Mitglied des Reichsgesundheitsamtes gewählt. Berlin. Das Grabdenkmal von Dr. Gustav Karpeles in der Ehrenreihe des israelitischen Friedhofes in Weißensee wurde am ersten Jahrestage seines Todes feierlich enthüllt. Trotz des strömenden Regens und trotzdem jede Art öffentlicher Anzeige vermieden wurde hatte sich eine sehr stattliche Versammlung eingefunden, Deputationen des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur, des akademischen Vereines für jüdische Geschichte und Literatur rc. legten Kränze nieder. . Mitglieder unserer wissenschaftlichen und literarischen Welt, Angehörige unserer Gesellschaft scharten sich um die Witwe und ihre Geschwister. Der Grabstein, ein Werk des Bildhauers Broniatowski, aus grauem Muschelkalkstein gemeißelt, in ruhig edler Linie aufstrebend, wird von einer brennenden antiken Lampe gekrönt. Die Aufschrift auf der Vorderseite enthält unter dem Namen, den Geburts- und Sterbedaten den Spruch: «Sein Herz war der Quell seiner Weisheit." Gesang leitete die Feier ein. Prediger Dr. M. L e v i n, der vor einem Jahre bei der Bestattung von Gustav Karpeles die tief ergreifende Gedenkrede tief ergriffen hielt, sprach auch diesmal aus verständisvoll warmer Liebe für den Heimgegangenen. Er hob hervor, was Karpeles der Allgemeinheit, was er seinem Freundeskreise war und wie er in allen, denen er etwas gewesen, fortlebe und fortwirke in all der edlen und wohltuenden Art, die ihn bei Lebzeiten ausgezeichnet. Weihevoller Gesang schloß die Feier. Feuilleton. Dichtung uud Wahrheit «der de« Giutagskänig uo« Pole« Kaut Mahl. Von Dr. Majer Balaban, Lemberg. (IV. Schluß.) Im Jahre 1592 führt „der Königliche Diener" Saul Iudycz im eigenen,- wie auch in« Namen der Iudengemeinde Mrzesc die Klage gegen das Stadtge-