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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-29 · 30 (29.7.1910) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
30 (29.7.1910)
Date
1910-07-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr 30 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 807 Verband der rumänischen Juden in Amerika. In einer Versammlung des Verbandes der rumänischen Juden in Philadelphia, welcher auch der Bürgermeister der Stadt beiwohnte, wurde beschlossen, dem Präsidenten Taft ein Memorandum über die Lage der Juden in Rumänien zu überreichen und ihn zu bitten, alle diplomatischen Schritte zu unternehmen, um im Einvernehmen mit den europäischen Regierungen auf die rumänische Regierung zu Gunsten der Juden in Rumänien einzuwirken. Ueberdies soll die öffentliche Meinung unausgesetzt über die Ungesetzlichkeiten der rumänischen Regierung gegenüber den Juden aufgeklärt und zum Kampfe gegen dieselben aufgemuntert werden. Schließlich wurde die Schaffung mehrerer Wohlfahrtseinrichtungen für eingewanderte rumänische Juden beschlossen. Der Anteil der Juden an der Grunwaldfeier. Die jüdische Gemeinde in Krakau hat in ihren Synagogen anläßlich der Grunwaldfeier einen Festgottesdienst abhalten lassen, der überaus würdig verlief und sehr gut besucht war. Ueberdies hat die Iudengemeinde sich auch an der Grunwaldausstellung beteiligt, indem sie alle in ihrem Besitze befindlichen, aus jener Epoche stammenden Erinnerungsgegenstände der Ausstellung zur Verfügung stellte. Besonderes Interesse erregten ein Becher und ein Krug, den die aus Spanien vertriebenen Juden, die zum Teile nach Polen flüchteten, mitgebracht hatten. Judenerzesse in Galizien wegen mißlungener Zwangstaufe. Im Dorfe Delejow neben Mariamvol befinden sich die Juden seit einigen Tagen in förmlicher Lebensgefahr vor den dortigen ruthenischen Bauern. Die Ursache der Erregung ist folgende: Beim dortigen ruthenischen Geistlichen hielt sich seit einiger Zeit ein fremdes Mädchen auf. Zufällig haben jüdische Kinder mit dem Mädchen gesprochen und als sie sie ruthenisch anredeten, antwortete das Mädchen im jüdischen Jargon: „Ich bin ein jüdisches Mädchen und bitte Euch, sagt Euren Eltern, sie mögen mich retten und zurückbringen zu'meinem Bruder, der in der Nähe von Bodhajce wobnt." Die Dorfjuden entsprachen dem Wunsche des geraubten Kindes und brachten sie zu ihrem Bruder. Als die Bauern hievon erfuhren, begannen sie zunächst die Fenster der Iudenhäuser einzuschlagen und da sie hierin von Niemandem gestört wurden, insultierten sie die Juden tätlich. Es kam auch schon zu blutigen Zusammenstößen. Die Kultusgemeinde von Mariampol hat die Stanislauer Bezirkshauptmannschaft telegrafisch von den Zuständen verständigt und um Schutz gebeten. Vermischtes. Wien. (Allerhöchste Auszeichnung) Dem Kleiderhaus M. N e u m a n n, k. u. k. Hoflieferant, Wien, I., Kärntnerstraße 19, wurde der Titel eines Kammerlieferanten Sr. Majestät verliehen. Die Firma ist nebenbei Kammerlieferant der Herren Erzherzoge Karl Stephan und Leopold Salvator und königl. bulgar. und königl. serb. Hoflieferant. Wien. Mittwoch, den 20. d. M. verschied in der Sommerfrische Mauer Frau Amalie Hofbauer. Witwe nach dem Mitbegründer der Firma Adolf und B. Hofbauer. Die allgemeine Wertschätzung, deren sich die Verblichene erfreute, kam bei ihrem Leichenbegängnisse zu beredtem Ausdruck. Man - bemerkte u. A. den Schwager Herrn Bernhard Aofbauer, Herrn Hugo Gerngroß, Chef der gleichnamigen Firma, Frau Regine Land eis, die Vorsteher der Schiffschul Back, Kohn und Schiff, eine Abordnung des Stumpertempels u. v. A. Im Zeremoniensaale des Zrntralfriedhofes hielt Herr Rabbiner Aron Fürst der Heimgegangenen einen tiefempfundenen, wirkungsvollen Nachruf. Wien, (^nformationsbureau.) Um den aus dem Osten an die Wiener Hochschulen kommenden Studenten alle nötigen Auskünfte bezüglich des Studiums, Unterkunftsverhältnisse und dergleichen zu bieten, hat der Wiener akad. Verein »Jüdische Kultur" wie im Vorjahre für die Zeit der Ferien ein Auskunftsbureau errichtet. Diese Institution hat sich bisher vielfach bewährt und ist zu hoffen, daß sie auch heuer nutzbringend wirken wird. Den Anfragen muß Retourporto beiliegen. Sämtliche Briefe sind an die Adreffe: eanä. Ing. Julius Engler, Czernowitz (Bukowina), Reitschulgaffe 4», zu richten. Wien. Die vom Verein „Ki nderstütze" in Wien, XVI., Hubrrgaffe 8, gegründete eigene Ferienkolonie ging Sonntag den 17. d. M. nach Austerlitz in Mähren ab. Auf dem Bahnhofe befanden sich der Obmann Herr Philipp Blau, Herr Obmannstellvertreter Wilhelm Singer, sowie die Herren Ausschüsse Emannel Donat und Siegfried Stein. Die Kolonie, welche aus 35 Kindern besteht, fuhr unter der Leitung des Lehrers Herrn M. Steinherz mittels Schnellzug im separierten Waggon an ihre Bestimmungsstation, wo sie vom Kolouialleiter Herrn Sekretär Johann Mandl empfangen wurde. Die Kinder sind in einem Hause, welches aus vier großen Sälen besteht, untergebracht und verpflegt. Der in zehn Minuten von der Wohnung erreichbare, große, schattige Spielplatz bietet den Kindern reichlich Gelegenheit, unter Leitung ihres Lehrers Turn- und Jugendspiele zu pflegen. Wien. Der jüdische Bildhauer Sinajew-Bernstein weilt gegenwärtig hier, wo er an einer im Entwürfe bereits fertigen Statue Leschetizkys die letzte Feile anlegt. Bernstein, der aus Rußland stammt und in Paris sein Atelier hat. war nahe daran, der Schöpfer des Denkmals Alexanders II., das in Petersburg aufgestellt werden soll, zu werden. Da er aber Jude ist, fand sein machtvolles Werk keine Gnade in den Augen der russischen Machthaber. »In Wiener Künstlerkreisen wird die neueste Schöpfung Bernsteins, welcher bereits viele hervorragende Persönlichkeiten der Wiener Gesellschaft in Stein verewigt hat, allgemein bewundert. Wie». (Todesfall.) Vorigen Freitag wurde hier der Großindustrielle Adolf N u ß b a u m unter überaus großer Beteiligung zu Grabe getragen. Nach dem vom Oberkantor kais. Rat Singer vorgetragenen Hazur-Tomim widmete Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Heimgegangenen einen seine Vorzüge würdigenden Nachruf, seine religiöse Gesinnung und seinen hervorragenden Familiensinn besonders hervorhebend, durch die er sich einen guten Namen errungen. Hierauf sprachen die Herren Dr. Knöpfmacher namens des Brudervereines „B'nai Brith" und Bernhard Hofbauer, Vertreter des Handelsgremiums, der besonders der Opferwilligkeit des Verstorbenen gedachte. Am Grabe sprach ein langjähriger Beamter des Hauses den Dank des Personals. Austritte aus dem Judentum Vom 18. Juli l»ia 24. Juli 1910. Eisner Franziska, Hilfsarbeiterin, geb. 4. April 1883, Wien, XVII., Gschwandnergasse 11. Engel Karoline, Dienstmädchen, ceb. 24. September 1886, Szap, 11.. Obere Donaustrasse 12. Fried Amalia, Private, geb. 15. Dezember 1886, Wien, VI., Maria* hilferstrasse 106. Goidenberg Gisela, Private, geb. 6. Oktober 1890, Bukarest, II., Grosse Sperlgasse 10. Mautner Alfred, Rechtspraktikant, geb. 29. Juni 1887, Reichenberg, 1., Marc Aurelstrasse 5. Minkus Josef recte Pollatschek, Kommis, geb. 2. Jänner 1885, Wien, VI., Brauergasse 4. Oplatka Emil, Privatbeamter, geb. 17. Februar 1885, Smiehow, IX., Liechtensteinstrasse 98. Rosenfeld Berta, Private, geb. 2. Jänner 1882, Somosy, XIII., Baumgartenstrasse 28. Stein Paula, Private, geb. 2. Jänner 1884, Wien, XXI., Sehöpfleuihnergasse 14. Steinschneider Heinrich, Privatbeamter, geb. 7. August 1885, Prossnitz, II., Gredlerstrasse 2. Teperberg Max, Handelsangestellter, geb. 5. Mai 1884, Wien, II., Grosse Älohrengasse 44.

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